Berufsmusiker und Familie - Erfahrungen gesucht

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Marco_HH-Guitar
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Moin,

da ich mich schon recht lange mit dem Gedanken trage, es mal zu versuchen meine Einnahmen aus die Musik umzustellen, muss ich mir hier mal ein paar Erfahrungen einholne bzw. Meinungen hören.

Vorweg: Ich weiß das zwischen beruflich Musik machen wollen und später auch machen können Welten liegen, aber das soll bitte nicht Gegenstand dieser Diskussion sein.

Ich bin seit Oktober Vater und wir planen auch noch ein zweites Kind zu bekommen und mich interessiert mal, wie ihr Berufsmusiker das macht, wenn ihr Familie zu Hause hat. Wenn man mit einer Tanzband, Coverband, was auch immer auf Tour ist, dann ist man ja einige Zeit von zu Hause weg. Versucht ihr die Touren so zu legen, dass ihr möglichst oft nach Hause könnt? Auf die Woche oder den Monat geschaut, wie viele Tage seid ihr unterwegs und könnt nicht zu Hause sein? Was sagt Eure Frau, Eure Kinder dazu?

Vielen Dank schon mal für zahlreiche Eindrücke.
 
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fly away
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Ich denke mal, dass es bei Coverbands das ganze Jahr auf Tour geht, nicht drei Monate am Stück oder so, sondern das ganze Jahr, hauptsächlich am Wochenende.
 
Marco_HH-Guitar
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Ich denke das ist stark saisonal abhängig. Im Sommer mit den ganzen Stadtfesten wird vermutlich mehr los sein als nach Neujahr, wenn die Weihnachtsfeiern und Silvester durch ist.
 
fly away
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Also bei uns ist dass so, dass die bekannten Coverbands, die das zum Teil auch als Beruf machen, im Winter dann in verschiedenen Tanzsälen spielen, also so 6 bis 10 mal im Monat. Im Sommer dann auf allenmöglichen Festen. Ich weiß nicht wie das bei dir in der Gegend ausschaut, wieviel Top-Coverbands und Tanzsäle es gibt.
 
HaraldS
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Ich bin seit Oktober Vater und wir planen auch noch ein zweites Kind zu bekommen und mich interessiert mal, wie ihr Berufsmusiker das macht, wenn ihr Familie zu Hause hat. Wenn man mit einer Tanzband, Coverband, was auch immer auf Tour ist, dann ist man ja einige Zeit von zu Hause weg.

Das ist ja auch der Grund, warum die meisten tourenden Musiker nach der Familiengründung das Touren nach und nach zurückfahren. Viele richten sich ihren Beruf so ein, daß sie mehr lokal arbeiten können, ohne lange Zeit on the road zu sein. Wenn du pädagogisches Talent hast, kannst du unterrichten oder eine eigene private Musikschule gründen, du kannst in Orchestern arbeiten (z.B. als Ersatzmann) oder Künstlervermittlung betreiben, oder, oder... Ich war nur mit Coverbands bzw. Salonorchestern unterwegs, aber bin froh, daß das jetzt nicht mehr so nötig ist.

Ständiges Touren ist was für 20-35jährige, die was sehen und erleben möchten; wenn die Familie erst da ist, gibt es bald andere Prioritäten. Nix gegen gelegentliches Fahren/Fliegen zu einem Gig, aber es zu müssen ist nicht gut.

Harald
 
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Hallo Marco,

also ich kann Dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es wirlich nicht einfach ist, Familie und Musik unter einem Hut zu bekommen. Hab mich damals bewusst für die Familie und gegen eine anstehende 1 1/2 Jahre Tour entschieden, bin zudem noch aus einer Band ausgestiegen, mit der wir in ganz Deutschland unterwegs waren. Klar hätte ich das weitermachen können. Das wäre auch irgendwie gegangen. Aber ich glaube, dass der Preis den ich hätte dafür bezahlen müssen zu hoch gewesen wäre. Praktisch hätte ich die Kinder kaum gesehen. Und jeder der am Wochenende nur mal 2 Gigs hintereinander gespielt hat, weiß, wie man sich dazwischen fühlt. Da will man auch mal gerne seine Ruhe haben ;). Die hat man mit Kindern dann aber in diesem Sinne nicht. Dazu kommt, dass man sich auch vorbereiten muss, Proben etc. Es sind nicht nur die Gigs!

Es kommta auch darauf an, wie der Partner das miträgt. Ein oft unterschätzer Aspekt bei der Sache. Ist der Partner auch Musiker/in kann es zu ganz großen Problemen kommen. Sehe ich grad aktuell bei einem Kollegen.
Will man seinem Partner überhaupt die Erziehung der Kinder, und darauf läuft es oft hinaus, allein überlassen? Ich wollte das auf jeden Fall nicht, und zwar nicht weil ich meiner Frau das nicht zugetraut hätte, sondern weil auch ich mich bewusst für die Kinder entschieden habe, und somit auch für die Verantwortung ihnen gegenüber.
Inzwischen sind sie aus dem "Gröbsten" raus, und meine "Aktivitäten" weiten sich wieder aus. Bei einigen Konzerten nehme ich sie mit. Meine Tochter ist ganz wild darauf z.B. bei einer von den Geschichten immer mitkommen zu dürfen. Wenn es die Zeit erlaubt, und das micht mit der Schule kollidiert, dann ist sie auch dabei. Der Kleine noch nicht ganz so häufig (nur bei Openairnachmittagsfrühenabendkonzerten ;)) Und der Große hat inzwischen seine eigene Band. Wir stecken grad in Demoaufnahmen. Kerl kann der schon spielen :great:
Ich hab´s nicht bereut diesen Weg gegangen zu sein. Reich und berühmt wäre ich sowieso nicht geworden ;) Auf diese Weise hab´ ich mir aber mehrere Standbeine hier in der Umgebung aufbauen können, und kann es mir leisten immer noch in meiner "ganz alten Band", mit der wie nichts verdienen, aber einen Riesenspaß zusammen haben, zu spielen.

Ich kann jedem nur raten sich vorher genau zu übelegen wozu man sich entscheidet, und vorallendingen den Partner mit einbeziehen.

Gruß,

Paul
 
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Hallo Marco, heikles Thema!

Wenn du wirklich von Musik leben möchtest, heißt das im Normalfall: Du bist selbstständig. Klingt erst mal toll, heißt aber auch: Du hast kein festes Einkommen, sondern musst ständig sehen, dass du genügend Jobs an Land ziehst, um davon ALLES bezahlen zu können. Für einen alleine schon schwer genug, wenn eine ganze Familie davon leben soll: Uff...

Der Preis dafür ist, dass du dir nicht wirklich aussuchen kannst, wann du spielst und wann nicht. Du wirst hauptsächlich an den Wochenenden unterwegs sein und immer dann keine Zeit haben, wenn deine Familie gerne was mit dir unternehmen würde. Du wirst viel nachts unterwegs sein und tagsüber viel Ruhe brauchen. Ein Punkt, für den gerade Kinder erfahrungsgemäß nicht soooo viel Verständnis aufbringen...

Mit einer einzigen Band auf Tour gehen wäre zwar super, ist aber viel zu gefährlich, denn wenn's mit der mal nicht so läuft, bricht dir deine Existenzgrundlage weg. Du wirst also in diversen Bands/Projekten spielen, kurzfristig als Aushilfe einspringen, Unterricht geben müssen.

Auf die Woche/den Monat gesehen heißt das in der Regel: An den Wochenenden bist du unterwegs. In der Hochsaison (Mai bis September) an JEDEM Wochenende, wenn du davon leben möchtest. In der Woche solltest du möglichst auch einige Jobs spielen, zwei bis drei pro Woche sind da nicht unrealistisch. Im Winter wird's möglicherweise weniger. Aber das heißt leider auch zwangsläufig, dass das Geld auch deutlich knapper wird.

Auch wenn's vielleicht gerade so klingt: Ich will dir das Musikerleben nicht madig machen. Aber Geld- und Zeitfaktor solltest du dir wirklich sehr genau ansehen, bevor du deinen jetzigen Job über Bord wirfst.

Vielleicht gibt es ja auch die Möglichkeit, den musikalischen Part Stück für Stück hochzufahren, bis du merkst, wo für dich die Grenze ist...?
 
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Was sagt Eure Frau, Eure Kinder dazu?

Entweder hat Deine Frau von vornherein mitgedacht und akzeptiert deshalb die Besonderheiten Deines Musikerberufs. Oder sie tut es nicht und möchte lieber eine Beamten, der jeden Tag um 18.00 zuhause ist. In letzten Fall musst den Beruf oder die Frau wechseln. Klingt brutal, ist aber so.

Argumentationshilfe: Es gibt noch 1000 andere Jobs, wo der "Mann" oder die "Frau" häufig auch für mehrere Tage unterwegs ist. Außendienstler, Architekten, Unternehmensberater, Bahn- und Flugpersonal, Schauspieler usw. Die Hotels und Autobahnen sind voll mit Business-Reisenden. Von daher ist der "Abends-zu-Hause-nichtanwesende-Musiker" auch keine wirkliche Ausnahme unter den Verdienenden.
 
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Argumentationshilfe: Es gibt noch 1000 andere Jobs, wo der "Mann" oder die "Frau" häufig auch für mehrere Tage unterwegs ist. Außendienstler, Architekten, Unternehmensberater, Bahn- und Flugpersonal, Schauspieler usw. Die Hotels und Autobahnen sind voll mit Business-Reisenden. Von daher ist der "Abends-zu-Hause-nichtanwesende-Musiker" auch keine wirkliche Ausnahme unter den Verdienenden.

Nee, da muss man auch differnzieren, ob man in diesem Beruf selbständig ist oder nicht. Oder Du hast einen Manager, der sich um alles kümmert. Haben aber die wenigsten. Ich hab´s oben schon mal gesagt. Es sind nicht nur die Gigs. Dazu kommen Proben, Instrumente instand setzen, pflegen, etc., üben, vorbereiten, Rechnungen schreiben, PC-Arbeit, der ganze Steuerkram, etc
Da kommt schon einiges zusammen :rolleyes: Aber genau das wird von vielen oft unterschätzt. Und ich kenne nicht wenige Kollegen, die damit schon überfordert sind.
Wenn Kinder dazu kommen muss man sich im klaren sein, dass die ganze Zeitplanung eine völlig andere Bedeutung bekommt. Und das Schwierige ist, das alles unter einen Hut zu bekommen.
 
Marco_HH-Guitar
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Vielen Dank schon mal für die vielen Meinungen zum Thema!

Momentan arbeite ich normal 40h als Programmierer, bin aber auch als Kleingewerbetreibender selbständig in der Sparte. Ich hätte zumindest ein kleines Standbein in der Hinterhand.

Über alles andere muss ich wohl mal sinnieren :) aber die Ideen mit Musiklehrer und so sind auch Sachen an die ich so noch nicht gedacht habe.

Wenn man voll selbständig ist, dann gibt es ja auch wieder neue Probleme wie Sozilav, Arbeitslosenv, Rente, Krankenkasse ....
 
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reservoir dog
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tu es nicht. Wirf deinen Job nicht über Bord. Musik ist viel zu unsicher. Und ausserdem ist da die liebe Zeit. Ich mache mir gerade auch solche Gedanken obwohl es bei mir nicht um die Existenz dabei geht. Nein es geht nur drum mit meinem Soloprojekt (ich allein auf der Bühne) das ich evtl dieses jahr ein paar Konzerte spiele. Wohl aber wil meinen Sohn nicht vernachlässigen.
Ich möchte nix verpassen in seiner Entwicklung weil ich ihn einfach nicht mehr missen möchte. Und Musik gerät da schnell zur Nebensache, was einmal die absolute Leidenschaft war.
ich kenne keinen Musiker der mit Kindern ins Buisness einsteigt. Die werden Vater/Mutter wenn sie eh schon genug Geld haben.
Nein du wirst es bereuen wenn du nicht zu hause bist. Die Zeit mit deinen Kindern kehrt nie mehr zurück. Sie werden dich brauchen. Du kannst sie erziehen und ihnen das Leben zeigen. Nicht durch Musik kaputtmachen. Du wirst es bitter bereuen. Ausserdem wäre es deinen Kindern und deiner Frau gegenüber auch unfair wenn du bewusst eine familie aufbaust und alle Liebe und Zeit investierst und dann deine Kinder wegen der Touren im Stich lässt.
Aber wenn deine kinder älter sind kannst du natürlich die ganze Sache wieder hochfahren und mehr Konzerte spielen. Aber eben nur als Hobby.
Die sache mit Musiklehrer oder Studiobetreiber oder so ist natürlich ne ganz andere Schiene die wohl machbar wäre. Da wärst du ja öfter daheim und deine Kinder hätten auch was von dir.
Also ganz auf Musik verzichten braucht man jetzt auch nicht nur eben wird es anders sein.

Mein Sohn wird dieses jahr 1 Jahr alt und ich bin froh wenn ich dieses Jahr 1-3 Konzerte in engstem Raum (ca. 10-20 km) spielen könnte. Mehr ist wegen Familie und beruf wohl erstmal nicht realistisch.

Aber das muss man sich früher überlegen was man will Familie oder Musik als Beruf.
 
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musiker01
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++++++++++++Du wirst hauptsächlich an den Wochenenden unterwegs sein und immer dann keine Zeit haben, wenn deine Familie gerne was mit dir unternehmen würde. Du wirst viel nachts unterwegs sein und tagsüber viel Ruhe brauchen. Ein Punkt, für den gerade Kinder erfahrungsgemäß nicht soooo viel Verständnis aufbringen...+++++++++++++++

Also -so blöd und hart sich das anhört- bei mir war das Kind der Anfang vom (fast) Ende. Glaubst gar nicht, wie schnell Dein "Geschäft" einbricht in so ner Situation............... :(

Da knabber ich selbst heute -Jahre später- noch dran.

Viele Grüße

P.S.: Und eine Familie mit Frau + 1-2 Kinder alleine von der Musik finanzieren zu wollen: richte Dich schon mal auf Nervenkrieg, BurnOut und permanenten Geldmangel ein......... ganz davon zu Schweigen, wenn Du mal nen Buchungs- und/oder Forderungsausfall hast.
 
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Hallo !
Ich muß zwar meine Familie nicht ernähren, denn mein Mann arbeitet ebenfalls; allerdings sind wir beide selbständig und es hat auch schon Zeiten gegeben, in denen wir hauptsächlich von meinem Verdienst als Sängerin und Gesangslehrerin gelebt haben.
Das Wesentliche ist hier schon gesagt worden: wichtig ist, daß der Partner mitzieht. Du bist als Musiker/in hauptsächlich am Wochenende unterwegs, dein Partner/in muss die Samstagabende also ohne dich gestalten, Silvester wirst du grundsätzlich nicht da sein, du hast im Sommer, wenn andere länger in Urlaub fahren, meist Hochsaison und kannst nirgendwo hin. Du kommst, wenn überhaupt, nachts sehr spät nach Hause und möchtest nicht unbedingt frühmorgens von lärmenden Kindern geweckt werden.
Du glänzt immer dann, wenn normalerweise Familienleben und/oder traute Zweisamkeit angesagt ist, durch Abwesenheit. Das muß dein Partner wissen und akzeptieren können. Sonst gibt es irgendwann Beziehungsstress - bei uns zum Glück nicht, aber ich kenne es zur Genüge von den Kollegen.

Unsere Kleine ist zwar längst aus dem Gröbsten raus und zeitlich war mein Musikerdasein eh nie ein Problem, weil man Mann eher Montag-Freitag und ich eher Freitag und Samstag nacht gearbeitet habe. Einer war also immer daheim. Trotzdem ist mir die ständige Fahrerei irgendwann zuviel geworden. Ich unterrichte jetzt mehr (das tue ich zu Hause) und versuche, nur noch gigs in der Nähe zu spielen, also so im Umkreis von 50 bis maximal 100-200 Kilometern. Wenn ich mal weiter weg fahre, muss es schon was Wichtiges sein.

Seit ich ein Kind habe, das mich noch lange brauchen wird, sehe ich das Leben anders. Ich bin nicht mehr so sorglos-unbekümmert. Ich bin noch nie gerne Auto gefahren, aber mittlerweile hasse ich die Autobahn, besonders spät nachts, wenn ich neben einem übermüdeten Kollegen im Auto sitze und vor uns ein Besoffener Schlangenlinien fährt (was in dieser Gegend leider nicht selten ist) oder hinter uns ein Drängler herangerast kommt. Ich möchte nicht in so einem elenden Verkehrsunfall sterben. Auch deshalb habe ich die Fahrerei eingeschränkt.
Über die finanziellen Unsicherheiten ist hier schon genug geschrieben worden - und Du musst Dir ab einem gewissen Alter auch überlegen, ob Du das ständige Herumtouren gesundheitlich noch durchstehst. Mit 25,30 geht alles - mit 40, 45 kann es Dir schon zuviel werden.
schöne Grüße
Bell
 
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Hoch im Norden, hinter den Deichen....
Ich habe zwei Berufsmusiker in meiner Band und als Freunde und kenne weitere. Ich war auch selbst mal für 2 Jahre Berufsmucker, allerdings nicht mit vollem Einsatz.

Wenn man voll selbständig ist, dann gibt es ja auch wieder neue Probleme wie Sozilav, Arbeitslosenv, Rente, Krankenkasse ....

Das ist das kleinste Problem. In der Künstlersozialkasse zu sein, betrachte ich eher als Privileg.

Alles andere ist dramatischer. Man KANN aus der Musik ein Einkommen erzielen. Es ist aber fast unmöglich, nur mit Gigs eine Familie zu ernähren.

Profimucker sein ist machbar, wenn der Partner arbeitet, man selbst kaufmännische Grundkenntnisse hat und diverse Musikschüler für stetige Einnahmen sorgen oder z.B. Amps repariert, wie einer meiner Freunde. Dann kann man ein oder zwei Live-Projekte laufen haben, die zusätzliche Kohle bringen. Aber der reine Spass ist es dann nicht mehr. Nachts und am Wochenende zu arbeiten, verschleisst die körperliche und seelische Gesundheit.

Wenn du Frau und Kinder hast, die Du ernähren musst: tu's nicht. Behalte Deinen Job und mach ein paar Gigs nebenbei. Damit wirst du auf Dauer glücklicher.



(Ich weiss, mein Statement ist eventuell zu spät und in diesem Zusammenhang ggf schon überflüssig....aber vielleicht spielen später noch andere mit dem Gadanken und stossen auf den Thread....)
 
Bell
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Profimucker sein ist machbar, wenn der Partner arbeitet,

Das unterschreibe ich. Wenn ein Profimusiker Familie hat, sollte der/die Partner/in ebenfalls arbeiten, wenigstens in Teilzeit (und idealerweise fest angestellt ;) ), sonst kann es finanziell schnell eng werden. Kinder kosten einen Haufen Geld, und das hört auch nicht mehr auf, bis sie mit der Ausbildung fertig sind.
Ich hab gerade überlegt.... ich arbeite nur mit Berufsmusikern zusammen, davon sind die meisten männlich und haben keine Familie. Bei den wenigen, die Kinder haben, arbeitet auch die Frau. Bis auf zwei Ausnahmen (und das sind kinderlose Singles) unterrichten alle.
 
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politeHobo
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Ich denke mal es hängt auch viel davon ab wie viel von einem "Geschäftsmann" in einem steckt. Es gibt 101 Möglichkeiten mit Musik Geld zu verdienen - und ob du viel oder wenig verdienst hängt im Endeffekt wenig davon ab ob du ein guter Musiker bist oder nicht.

Wenn du jeden Tag am Telefon oder auf der Straße nen dutzend Staubsauger / Autos / Grillwürstchen verkaufen kannst, dann wirst du auch genug Gigs haben um davon leben zu können ;-). Und wieso nur Gigs? Merchandise, eigene Band, CDs verkaufen - oder du verkaufst deine getragene Unterwäsche auf eBay... wenn du wirklich _willst_ findest du einen Weg!

Wenn ich mir so manche Punk Bands angucke die xx Mio/Jahr+ verdienen, dann solltest du es doch locker auf ein paar K pro Monat schaffen. Es geht immer um die Hebel ;-).
 
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reservoir dog
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Klar aber nur wenn du noch keine Kinder hast. Der Threadsteller ist leider Gottes spät oder sogar zu spät dran was seinen Wunsch angeht Musiker zu werden. Geht mir ja genauso. Ich hab mich damit abgefunden und arbeite jetzt in einem Job der mir auch Spass macht. Es ist ja so das man zuerst einen Beruf erlernen sollte und dann Kinder kriegen sollte. das wäre der Ideale Weg. Wenn man Kinder hat ist es schwer bis unmöglich seine Berufliche Laufbahn komplett in neue bahnen zu lenken. Kinder kosten halt Geld. Die Familie will ernährt sein und braucht ein Dach über dem Kopf. Und Versicherungen, dann später der Kindergartenplatz und du willst deinem(n) Kind(ern) doch was gönnen und ermöglichen. Tja und da kann man es sich eigentlich nicht erlauben seinen Job aufzugeben und neu anzufangen. Schon gar nicht in einem Beruf der finanziell unsicher ist.
Die ganzen erfolgreichen Musiker sind erst Väter bzw. Mütter geworden nachdem sie wirklich viel Kohle gescheffelt haben. Also ich finde die Sache wie du sie siehst im Falle des Threadstellers den falschen Ansatz. Ich denke nicht das er Merchandise verkaufen kann oder Genügend Gigs spielt. Er muss sich erstmal beweisen und dann langsam in das Berufsfeld Musiker hineinwachesen. Das kann dauern und ist ja wie gesagt mit finanziellen Risiken verbunden. Was wenn er nie genügen Geld macht und als Musiker aufgeben muss und dann aber am auch keine Büprojob mehr findet?
Alles aufgeben und ein Risiko eingehen kannst du eigentlich nur wenn du nur dich selbst schädigst. Aber beim Threadsteller gibt es bereits ein Kind. Und er denkt ja mit seiner Partnerin bereits über ein zweites Kind nach. Und damit disqualifiziert er sich doch schon dafür Musiker zu werden denn er zeigt damit doch ganz klar das er eigentlich doch eher der Familienmensch ist und das das seine Prioritäten sind. Herrumreisen, selten zu Hause sein, seine Familie selten sehen vereint sich nicht mit dem ernsthaften Gedanken an ein zweites Kind. Und deshalb sollte er seinen Job behalten und als treusorgender Vater tut man es eigentlich sowiso wenn es nicht ausergewöhnliche Gründe gibt, wie Kündigung oder Arbeitsunfähigkeit.
Sowas muss man sich halt früher überlegen bevor ein Kind kommt.
 
Korg
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Zwar kann ich nicht als Musiker, wohl aber als jemand der mit Musik Allgemein sein Geld verdient, mitreden.
Ich habe vor gut einem Jahr den Entschluss gefasst aus meiner Nebentätigkeit und Hobby meinen derzeitigen Hauptberuf zu machen.
Konkret gesagt habe ich mich im veranstaltungstechnischem Dienstleistungsbereich selbstständig gemacht und meinen vorherigen Job im Handel niedergelegt.

Neben den ganzen neuen Herausforderungen die einen erwarten wenn man nur noch auf eigene Rechnung arbeitet (aufwändige Buchhaltung, Außenstände, Auftrags-/ Kundenpflege, etc.pp.) ist ein Beruf in der Branche nicht sonderlich beziehungsfördern, familienfördern erst recht nicht.

Grundsätzlich mag es erstmal verlockend klingen das Hobby zum Beruf zu machen, allerdings ist es ein riesiger Unterschied ob ich etwas mache weil es mir Spaß macht oder damit ich die Miete zahlen kann.
Es gibt nur wenige die sich auf Dauer aussuchen können welchen Gig/Auftrag/wie auch immer sie annehmen.
Wer es geschafft hat sich einen Status aufzubauen in dem er nur in einem gewissen Umkreis arbeiten muss, kann sich als glücklich schätzen.
Beim Großteil dürfte es allerdings so aussehen das man über jeden Gig, auch in Entfernungen von 500km und mehr, froh ist.

Kommt man nach einem langem Tag/Abend und einer genausolangen BAB-Fahrt nach Hause kann man sich noch an die Buchhaltung setzen.
Danach steht einem der Sinn gewiss nicht nach familiärer Nähe und Zweisamkeit - So kalt wie's auch klingen mag.
Auch Eifersucht spielt manchmal eine große Rolle, nicht jede/r kommt damit klar dass der Partner sich -teils übers komplette WE- irgendwo in der Bundesrepublik rumtreibt.

Ich persönlich will dir nicht davon abraten deinen derzeitigen Beruf an den Nagel zu hängen und mit der Musik deinen Lebensunterhalt zu verdienen, jedoch würde ich mir darüber -selbst ohne Familie- nochmal ernsthafte Gedanken machen.

Ob es bei mir damals die richtige Entscheidung war weiß ich nicht, ich alleine kann von dem was am Ende übrig bleibt ganz gut leben.
Dafür habe ich aber auch nicht selten in der Woche mehr als 60 bis 70 Stunden, bin manchmal tagelang nicht zuhause.
Einer Familie würde ich das definitiv nicht zumuten wollen, für mich steht fest: Sollte es irgendwann bei mir in Richtung Familie gehen ändert sich etwas grundlegendes an meinem Job.
Dann geht es lokal als Techniker ans Theater, in eine Veranstaltungshalle oder sonstwo hin, aber keine Selbstständigkeit und keine Tourerei mehr!
 
Bell
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Ihr vergesst bei der ganzen Sache aber, dass es genügend andere Berufe gibt, die eine rege Reisetätigkeit voraussetzen.
Mein Mann hat mit Musik überhaupt nix am Hut, ist aber an mindestens zwei Tagen in der Woche komplett außer Haus und z.B. ab Montag für den Rest der Woche im Ausland.... das ist oft so bei ihm. Und ich bin Musikerin - trotzdem haben wir ein Kind und ab und an auch ein Familienleben ;)
Es ist eine Frage der Organisation - und natürlich auch der Toleranz und der Bereitschaft, traditionelle Pfade zu verlassen....
 
P
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Ja genau das meine ich Bell! Ich will jetzt keinem sagen kündige deinen Job und werd von heute auf morgen Musiker ohne Sicherheit für deine Familie... aber anstatt rumzumotzen, dass es "nie und nimmer geht" sollte man seinen Kopf frei machen und überlegen WIE es geht.

Buchhaltung zb - ein anständiger Buchhalter ist nicht soo teuer :) und als Musiker hast du eh kaum Buchhaltung ggü. nem normalen Geschäft. Bevor ihr dem Threadersteller "seinen Traum kaputt macht" überlegt lieber mal wie man Kinder und Beruf miteinander vereinen kann (das es Menschen gibt die sowas überhaupt können :p wtf!).

"Toleranz und der Bereitschaft, traditionelle Pfade zu verlassen"

quote of the day :)
 

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