Mein Eindruck ist, dass die Blackstar-Röhren-Amps ganz allgemein irgendwie "unterm Radar" vieler potentieller Käufer sind...
Ich wollte nach einigen Jahren Pause, vor der ich mein "großes" Live-Equipment verkauft hatte, seit Jahresbeginn wieder mal "lauter" spielen. Dazu suchte ich einen Combo, den ich (noch) zu Hause spielen kann, der aber auch genug Reserven für eine eventuelle Session im Proberaum haben sollte. Außerdem wollte ich ein wenig mit analogen Pedalen experimentieren, also sollte er einen ordentlichen, stabilen Clean-Sound haben.
Bei dem Anforderungsprofil ist ein naheliegender Kandidat ein
Fender* Hot Rod, ich fand die gebraucht aber noch vergleichsweise teuer, stellte parallel fest, dass Blackstars irgendwie alle einen niedrigen Wiederverkaufswert haben, sprich günstig zu haben sind. So kaufte ich einen gebrauchten HT 40 1x12" in der höhenwertigen "Deluxe"-Ausstattung - und war gleich begeistert von dem Amp. Tolle Cleansounds, im Drive-Kanal Dank der Voicings + ISF sehr vielseitig. Und mit 2 EL34 auch richtig druckvoll und bei Bedarf schweinelaut.
Nach ein paar Monaten kristallisierte sich aber raus, dass ich Zerre nur mit Pedalen erzeugen würde/wollte und ich "schnüffelte" im Netz herum nach Amps, die als ausgewiesene Plattform für Pedale konzipiert sind. Da gibt es im Boutique-Bereich so einiges, leider weit jenseits der finanziellen Schmerzgrenze für mein Vorhaben.
So stieß ich dann auf den Artist 30, der zwar nicht (was vielleicht ein Fehler von Blackstar ist?) als "Pedalplattform" beworben wird, für meinen Geschmack ist er das aber, da der Drive-Knall kaum Gainreserven hat, das würde ich höchstens "Medium Crunch" nennen (während der HT 40 extremen High Gain bietet, im Vergleich zum Artist ist das Faktor 5-6). Dafür ist der eigentliche "Drive"-Channel ein zweiter, Dank ISF fein abzustimmender Clean-Kanal, den man optimal auf die eigenen Pedale einregeln kann.
Ja, und auch den Artist bekam ich gebraucht, aber absolut neuwertig für mal gerade 500,- über Kleinanzeigen. Bei einem ursprünglichen UVP von 1479,- nicht übel. Selbst der aktuelle Straßenpreis von 799,- (Restbestände?) ist meiner Meinung nach mehr als günstig für ein Amp dieser Machart.
Klang und auch optische Anmutung/Verarbeitung waren dann noch mal eine andere Liga als der HT.
Tatsächlich habe ich den Artist jetzt gerade verkauft, weil ich supergünstig einen Lionheart 212 bekam, der mir klanglich noch einen Tick besser gefallt, da ich klar auf britische Sounds stehe und der Laney die noch konsequenter beherrscht als der Artist, der dafür eben auch weit ins
Fender*-Lager reicht.
Der Laney funktioniert für mein gerade gestartetes Bandprojekt besser, für Zuhause würde ich aber immer den Artist bevorzugen, weil er tatsächlich schon bei Zimmerlautstärke funktioniert und im Vergleich zum Laney flüsterleise ist, was Nebengeräusche angeht. Außerdem gefiel mir der Artist auch optisch viel besser als der blaue Laney, er wirkte auch im Detail einfach hochwertiger, edler als der Laney, der etwas "grob", (meinetwegen auch "vintagemäßig") rüberkommt. Aber das ist Geschmacksache.
Na, jedenfalls hat es jetzt auch fast 6 Wochen gedauert, bis sich ein Interessent gemeldet und ihn gekauft hat. Ich hatte ihn für die Zeit auch hier im "Flohmarkt" eingestellt, es gab nicht eine einzige Nachfrage ...
Ich kann mich noch gut an den riesigen, schicken Stand von Blackstar in Frankfurt vor 10 Jahren erinnern und dachte: "Wow, mit der Story - Ex-
Marshall*-Leute, die sich "austoben" wollen, innovative Konzepte, Top-Qualität und trotzdem attraktive Preise Dank günstiger China-Fertigung, modernes, cooles Marketing usw. - rollen die jetzt den Markt auf."
Schaue ich mir den Preisverfall/geringe Nachfrage nach zumindest der "größeren" Amps auf dem Gebrauchtmarkt an, dann denkt der Gitarrist bei Amps aber wohl nach wie vor scheuklappenmäßig in "
Marshall* oder Fender"?*
* natürlich blanke Vermutung in Unkenntnis von Zahlen und lediglich auf Basis meiner Eindrücke auf dem Gebrauchtmarkt vermutet.