Blues-Improvisation (Welche Skalen?)

von anbeck, 21.01.05.

  1. anbeck

    anbeck Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.01.05   #1
    Hallo,

    ich weiß, so ähnliche Fragen gabs hier schon x Mal, ich konnte aber nicht genau den passenden Beitrag im Forum finden. Deswegen hier noch mal gaaanz kurz eine Frage:

    Bisher habe ich immer auf gut Glück improvisiert, aber jetzt will ich auch die Theorie etwas auffrischen, nachdem ich mir "Blues-Piano" zugelegt habe.

    Welche Skalen benutzt man wann für die Bluesimprovisation?

    Angenommen wir haben einen Blues in C, dann kann ich bei C, F und G ja problemlos die Bluespentatonik nehmen. Jetzt taucht im ersten Stück im o.g. Buch aber in einem "G-Takt" ein C# auf. Ich nehme an, daß das aus der G-Bluespentatonik kommt, oder?
    Dann kann ich also bei C die C-Skala spielen, bei F die C- und die F-Skala und bei G die C- und die G-Skala?

    Generell spiele ich ja nicht nur die Töne der Pentatonik, sondern auch einige andere Töne, wie z.B. in C:

    C D Eb F Gb G A Bb

    Wie läßt sich das "theoretisch" rechtfertigen?

    Danke für jeden Hinweis!

    Grüße,
    Andre
     
  2. Jay

    Jay HCA Piano/Spieltechnik Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 21.01.05   #2
    Kommt es (b5).

    Ich selbst spiele üblicherweise die passende Pentatonik auf dem aktuellen Grundton. Dass die Pentatonik des Grundtons durchweg passt (deshalb auch gern genommen, wenn man kurz den Faden verloren hat :o ), liegt am Tonmaterial und ist auch der Grund, weshalb auf dem Blues so schön zu improvisieren ist:

    C-Blues-Pentatonik: C Es F (Ges) G B
    F-Blues-Pentatonik: F As B (H) C Es
    G-Blues-Pentatonik: G B C (Ces) D F

    Die b5 habe ich als BlueNotes mal in Klammern gesetzt, weil die mir sonst die Erklärung versauen, die ich jetzt bringen will. Und zwar: Wenn du jetzt alle Töne aus den drei Pentatoniken aufreihst, wirst du feststellen, dass du die Tonleiter in c-moll vor dir hast. Was uns zu dem bringt:

    Wie du auf das A kommst, kann ich nicht nachvollziehen, und das Ges ist eine BlueNote von oben, die wir ja grad mal weglassen. Ansonsten hast du wieder die c-Moll-Tonleiter vor dir, die du komplett verwenden kannst, da ein Blues in C von Grund auf erstmal ein C-Moll-Stück ist. Du musst ja beim Solo nicht gerade z.B. auf der Sekunde enden, aber als Durchgangston ist die durchaus legitim, weshalb du auch nicht strikt in der Pentatonik bleiben musst.

    Gruß,
    Jay

    Edit: PS: Hätte ich als angehender Jazzer vielleicht lieber von der äolischen Skala als von der Molltonleiter sprechen sollen? :D
     
  3. Cudo

    Cudo Mitgliedschaft beendet

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    Erstellt: 22.01.05   #3
    Hallo Anbeck,

    charakteristisch im Blues sind die Dominantseptakkorde ohne Dominantfunktion auf der I und IV Stufe. Die beiden kleinen Septimen dieser Akkorde nennt man Bluenotes. Zusätzlich kommt vom Grundton aus gerechnet noch die b5, bzw. die #4 dazu. Letztere ist allerdings mehr als Approachnote zu betrachten und nicht als Bluenote, weil sie sich immer stufenweise noch oben oder unten auflöst.

    Auf allen 3 Hauptstufen (I7, IV7 und V7) kannst Du die jeweils korrespondierende mixolydische Tonleiter spielen.

    Für C7: C, D, E, F, G, A, Bb
    Für F7: F, G, A, Bb, C, D, Eb
    Für G7: G, A, B, C, D, E, F

    Auch kannst Du auf diesen 3 Hauptstufen die jeweilige Dur Pentatonik spielen.

    Für C7: C, D, E, G, A
    Für F7: F, G, A, C, D
    Für G7: G, A, B, D, E

    Bei oben genannten beiden Möglichkeiten sind zwar z.T. die Bluenotes Eb und Bb involviert; der typische Bluescharakter entsteht jedoch erst wenn Du über alle 3 Akkorde alle 3 Alterationen spielst. Das ist jedoch nicht ganz einfach, da es dadurch oft zu unerwünschten Dissonanzbildungen kommen kann.
    In C Dur kann man für diesen Effekt dazu nun folgende Tonleitern benutzen:

    Für die I7 Stufe:
    5. Modus einer Dur Pentatonik (C, Eb, F, G, Bb), sie wird von vielen Leuten als Moll Pentatonik bezeichnet. In dieser Tonleiter sind die 2 Bluenotes, Eb und Bb enthalten. Den chromatischen Approach (b5 /#4) kannst Du zusätzlich einfügen. Der Ton Eb wird als #9 von C7 gehört.

    Für die IV7 Stufe:
    gleiche Pentatonik wie für die I Stufe (C, Eb, F, G, Bb), allerdings aufpassen mit dem Ton Bb, falls Du den als wichtigen Melodieton gebrauchen willst (Ton wäre dann z.B. länger als eine Viertel oder eben akzentuiert), musst Du Deinen Akkord von F7 in F7sus4 umwandeln.

    Für die V7 Stufe:
    gleiche Pentatonik wie für die I Stufe (C, Eb, F, G, Bb). Hier gilt es den Ton C zu beachten. Wird er als wichtiger Melodieton gespielt, muss der Akkord G7 in G7sus4 umgewandelt werden.

    Eine weitere Variante um Blues „bluesy“ klingen zu lassen wäre die Kumoi Pentatonik einzusetzen (C, D, Eb, G, A). Sie wird besonders gut zu F7 klingen wird aber auch über C7 und G7 gespielt. Auch hier kannst Du den chromatischen Approach (b5 / #4) zusätzlich einfügen. Bei G7 gilt wieder, aufgepasst mit dem Ton C!

    Der Blues im Jazz wird allerdings für gewöhnlich mit sehr viel mehr Akkorden gespielt. Das kann sehr komplex sein. Aber auch hier gilt, die beiden oben erwähnten pentatonischen Tonleitern und zwar 5. Modus Dur und Kumoi inkl. chrom. Approache können mit einigem Geschick auch über diese zusätzlichen Akkorde gespielt werden ohne allzu grosse Dissonanzen zu erzeugen. Ein Beispiel dazu habe ich Dir kurz aufgenommen.

    Ciao
    CUDO
     

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