blues technik

von sandman44, 03.11.05.

  1. sandman44

    sandman44 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.11.05   #1
    hallo leute

    spiele seit ca 1 1/2 jahren gitarre, habe recht viel geübt, und nun meine ich, dass ich schön langsam ans improvisieren gehe

    wie kann man effektiv sich eine gute blues-improvisationstechnik aneignen, wie funktioniert blues-lead überhaupt

    bitte schreibt mir konstruktive antworten, weil "üben, üben, irgendwann hauts dann schon hin" is keine große hilfe

    also, theoretische grundlagen, übungstipps, etc sind herzlich willkommen
     
  2. Phil_5

    Phil_5 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.11.05   #2
    Grüsse!

    am besten is du schaust mal nach online lessons, da is ne genaue beschreibung von den techniken auch dabei und beispiele wie ne Impro aussehen könnte: z.B. die könnten dir helfen: http://www.ultimate-guitar.com/lessons/
     
  3. LostLover

    LostLover Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 03.11.05   #3
    Ich würde so vorgehen:

    Erstmal das Tonmaterial draufschaffen:

    - pentatonische Tonleiter (mit den gängigen Übergangstönen) in verschiedenen Lagen solange rauf- und runternudeln, bis sie blind sitzt.

    Dann die Technik:

    - Bendings üben. Sauber (!) von der Quarte zur Quinte und von der Kleinen Septime zur Oktave ziehen zu können ist die halbe Miete. Viertelton-Bendings auf der kleinen Terz sind der Hit im Blues. Timing und Tonhöhe müssen erst mal stimmen - um später bewusst und gezielt "schmutzig" spielen zu können.

    - Vibrato üben. Viel kontrollierter als das Fingervibrato ist vor allem das Pivot-Point-Vibrato: da nutzt man den "Wurzelkochen" des Zeigefingers am Handteller als Drehpunkt der Hand. Oder das "Slowhand" Vibrato: Daumen weg vom Hals und laaaangsam und locker aus dem Ellenbogen heraus das Griffbrett massieren. Wichtig: Timing, Timing, Timing!

    - Rhythmus üben. Immer mit Metronom oder Drum-Maschine arbeiten, wenn man nicht zu einer Aufnahme spielt. Swing, shuffle und das ganze triolische Zeug ist haarig, wenn man es gut machen will. Aber du musst auch beim Solieren auf dem Beat bleiben können - um irgendwann die Möglichkeit zu haben, ihn auch mal bewusst zu brechen. Timing, Timing, Timing!!!

    Das sind Übungen, die man sowieso sein ganzes Gitarristen-Leben lang macht, die nie wirklich perfekt klappen - aber die DEINEN ganz individuellen, charakteristischen Ton formen werden.

    Zuletzt das Konzept:

    - Lieber weniger Töne. Die müssen aber klingen.
    - Pausen machen!!
    - Nicht "ins Blaue" spielen. Nimm eine Melodie vom Sänger, Harp-Spieler oder das Gitarren-Riff erstmal auf und "bearbeite es".
    - Auch der Rhythmus eines Songs ist eine Ausgangsbasis. Hör auf Schlagzeug und Bass und versuche, ihren Beat aufzunehmen und zu variieren. Dann können zwei, drei Noten schon reichen, um ein Solo richtig "anzuschieben"
    - Vor dem Solo über das Stück nachdenken. Was drückt der Text aus? Wut, Trauer, Erschöpfung, Liebe oder - sehr häufig im Blues: alberne Zoten und "Ich hab den Längsten"-Angeberei? Willst Du das unterstützen oder konterkarieren?
    - In der Kürze liegt die Würze. Spätestens nach der dritten Strophe sind die Steigerungs- und Ausdrucksmöglichkeiten erschöpft. Also sollte nach der zweiten Feierabend sein.
    - Weniger ist mehr. Nicht immer Vollgas geben wollen. Entspann dich. Du musst niemandem etwas beweisen.
    - sehr schwierig am Anfang, aber ganz wichtig: OHREN AUF! Die Technik und die Tonleiter müssen soweit sitzen, dass man während des Solierens noch mitkriegt, was im "Hintergrund" läuft. Lass Dich von der Band inspirieren.

    Das ist allerdings nicht sofort zu schaffen. Dummerweise aber genau das, was den Blues ausmacht und ausdrucksstarke Improvisation von Dudelei unterscheidet. Das hat man normalerweise nicht sofort drauf, ist aber ein langfristiges Ziel, das man nicht aus den Augen verlieren darf. Und es klappt auch nach vielen Jahren bei guten Gitarristen mal mehr und mal weniger gut. Sogar Clapton spielt sich gelegentlich einen langweiligen Scheiss zusammen.

    - Jede Session mitnehmen, die man kriegen kann. Tricks und Licks bei anderen wahrnehmen, merken und nach dem Spiel ansprechen: "Was war das da eben? Zeig mal!". Jede Session zuhause nacharbeiten. Die aufgeschnappten Licks wiederholen und für sich selbst variieren und anpassen.

    - Eigene Schwächen gezielt ausmerzen.

    - Das was Du kannst, automatisieren. Dudel deine Licks vor dem Fernseher, ohne dabei auf's Griffbrett zu schauen. Beim Üben so uninspiriert wie möglich spielen, aber die Technik immer wieder mit dem Gehör überprüfen. Licks, die dir gefallen, solange spielen, bis sie flüssig sind. und Wiederholen, wiederholen, wiederholen. Variieren und wiederholen, wiederholen....

    - Nochwas: Bei den Hardcore-Bluesern wird Dillettantismus gerne als "authentisch" gefeiert - weil man 1939 am Mississippi ja auch keine Noten lesen konnte. Du lebst aber nicht 1939 am Mississippi sondern 2005 in Deutschland und kannst jeden Versuch "authentisch" zu sein, schon aus diesem Grund abhaken. Du bist dann authentisch, wenn Du DEINEN Weg gehst. Lass Dir auch von keinem einreden, Blues habe was mit schwerem Leben, Sklavenschicksalen und Traurigkeit zu tun. Damit wollen die Loser in der Szene nur ihre eigene Tranigkeit rechtfertigen. Die Hauptthemen im Blues sind: Saufen, Vögeln und Gewalt. "Hard times and good Feelings" halt, wie es in dem Link oben so schön heisst. Dafür braucht man Eier. Bleib bissig.

    Die Grundlagen (!) für eine gute Blues-Improvisation kann man sich innerhalb eines Monats weitgehend sicher draufschaffen. Und dann begibst Du dich auf eine Reise, bei der Du nie an ein Ziel kommen wirst.......also niemals entmutigen lassen und dranbleiben. Es lohnt sich.

    Grüsse
    Lost Lover
     
  4. Mr.Medievil

    Mr.Medievil Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.11.05   #4
    ähm, blues und gewalt ? öhhh :rolleyes: :screwy: :confused:
     
  5. yamcanadian

    yamcanadian Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.11.05   #5
  6. LostLover

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    Erstellt: 03.11.05   #6

    Beispiele?


    Well, I feel like snapping,
    My pistol in your face.
    I'm gonna let the graveyard,
    Be your resting place.

    ("Pistol Slapper blues", Blind Boy Fuller, Rory Gallagher)

    When I found out, you with my wife,
    now I'm mad, like Al Capone
    Well I warned you one time,
    next time I warn you,
    I'm gonna use my gun on you
    .....
    Look man, I told you one time before
    But this time, I'm gonna teach you,
    a little lesson, you won't forget
    Take this man, right down by, the riverside
    I might drown you,
    I might shoot you,
    I don't know
    gonna tie your hands, gonna tie your feet
    gag you so you can't talk to nobody ..

    ("I'm mad again" John Lee Hooker)

    'F I send for my baby, and she don't come
    'F I send for my baby, man, and she don't come
    All the doctors in Hot Springs
    sure can't help her none

    And if she gets unruly, thinks she don't wan' do
    And if she gets unruly and thinks she don't wan' do
    Take my 32-20, now, and cut her half in two
    ...

    I'm gonna shoot my pistol, gonna shoot my gatling gun
    I'm gonna shoot my pistol, gotta shoot my gatling gun
    You made me love you, now your man have come
    ...

    ("32-20 Blues", Robert Johnson)

    Yes I shot my baby, I did it because she treat me wrong
    I shot my baby, did it because she treat me wrong
    Now the only thing I have, this lonesome jail that I call home

    ("My Home is a Prison", Slim Harpo)


    Hat mich nur ca. 15 Minuten Recherche gekostet. Einfach mal auf einer Blues-Lyrics-Seite wahllos reingegriffen.

    Über die tausende Texte, die heute in den Bereich "sexuelle Belästigung" sortiert werden müssten oder in denen ganz klar Vergewaltigungen angesagt werden ( "Good morning little schoolgirl" - der Päderasten-Blues...) schweigen wir mal....

    Das ist keine Mucke für Gummibärchenlutscher, wenn man mal genau hinschaut.
     
  7. Mr.Medievil

    Mr.Medievil Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.11.05   #7
    komisch ich hatte über blues immer ne andere vorstellung, dass das was mit spaß zu tun hat. hm. vllt sind das ja auch im blues-bereich eher die ausnahmen, gibts ja immer. das blues so dämlich sein kann dacht ich ja ehrlich nicht. :rolleyes:
     
  8. al

    al Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.11.05   #8
    immer wieder ein tip:
    blues you can use v. ganapees (auch in deutsch)
    da steht alles drin, was du wissen willst.
     
  9. sandman44

    sandman44 Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.11.05   #9
    burschen, ihr seids genial!
    des san sehr konstruktive vorschläge

    danke schon mal (vor allem an lost)
     
  10. LostLover

    LostLover Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 04.11.05   #10
    Blues (der aus dem Süden) ist textlich wesentlich vielschichtiger, als man auf den ersten Blick erkennt.

    Das hat auch nichts mit "dämlich" zu tun. Da werden Gefühle ausgedrückt, die jeder Mensch mehr oder weniger kennt: aus schierer Frustration zuschlagen oder gar Amok laufen wollen - sowas gibt's leider. Blues ist Unterschichten-Musik, Arme-Leute-Musik, Ghetto-Musik wie heute der Rap. Die Frustration ist ja nicht unbegründet.

    Und eine Drohung, die man leise und gelassen in eine hübsche Melodie verpackt, wirkt ungeheuer bedrohlich. Voodoo ist auch gelegentlich ein Thema: "Got my Mojo working", "Hoochie Coochie Man" . Bei den gläubigen Schwarzen war der Blues die Musik des Teufels.

    Es lohnt sich in vielen Fällen wirklich, die Texte nicht nur runterzuplappern, sondern auch den Versuch zu machen, die Geschichten dahinter zu verstehen. Dazu gehörtleider auch Recherche - vieles ist ohne ein bisschen Hintergrundwissen nicht zu entziffern. Dafür kann man Blues auch noch im hohen Alter (42 in meinem Fall, seufz) auf die Bühne bringen, ohne sich lächerlich zu machen: Lebenserfahrung hilft.

    Allerdings: die eher leicht verdaulichen "Chicago"-Blueser der sechziger Jahre wie B.B. King, Muddy Waters et al. sind in erster Linie - überspitzt formuliert - kommerzielle Schlagersänger. Da liegt der Party-Gedanke schon etwas näher. Das ist alles ein wenig glattgebügelt und für ein anderes Publikum bestimmt - dafür aber technisch ausgefeilter und deswegen genau so hörenswert.
     
  11. damg

    damg Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.11.05   #11
    hey ho ja..

    ich find im blues ist es nicht wichtig, wie viel du spielst, sondern wie wenig. da der blue (von der entstehung her) immer viel mit schmerz und ausdruck zu tun hat, versuch mit wenig noten, deine kleine eigene geschichte zu erzählen. allerdings wichtiger ist es, dabei deinen ton zu wahren. (hä?). also, du kannst stundenlang auf der quinte stehenbleiben, wenn du mit dem ton spielst. versuch dich (um an die impro heranzutreten) erstmal mit wenigen noten einer pentatonic. (z.b. a-moll pentatonik), nimm dir davon lediglich die ersten 8 töne der 1 Position (e:5-8 a:5-7 d:5-6 g:5-7) und bilde dir stück für stück kleine läufe. such dir dabei nen zielton (oktave bietet sich sehr hervorragend an (e:5 d:7) und spiel in kleinen zügen auf deinen zielton. lass pausen und den ton wirken. wenn du dann versuchst mitzusingen (kein scheiß, dass funktioniert!!) dann wirst du ganz schnell melodisch beim improvisieren und entwickelst gleichzeitig viel gefühl fürs fretboard.

    danach vergiss die ganze scheiße wieder, starte den backingtrack und lass dich fallen. so funktioniert blues.

    liebe grüße
     
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