ich frage mich nur, wie du es schaffst, deine Ohren so zu trainieren, dass sie bei Bohlen und Konsorten nicht abfallen? Ich meine du hörst ja auch "hörbare" Musik, ich versteh einfach nicht, wie dir das gefallen kann
Bei mir war es einfach so, dass ich bereits als Kind mit den unterschiedlichsten Musikrichtungen in Kontakt kam. Mein Vater hörte überwiegend Rock- und Beatmusik der 60er (Beatles, Rolling Stones, Kinks, Seekers, Four Tops etc.), meine Mutter hörte eigentlich nicht viel Musik, ist da auch nicht so festgelegt, hört allerdings nichts "extremes" (Metal, Hardtechno etc.). Wie schon erwähnt guckte ich in den 90ern regelmäßig die WDR-Fernsehsendung "Hit Clip", die wirklich von Scooter und Rednex über Foreigner und 2 Pac bis Andreas Dorau wirklich nahezu jede erdenkliche Musikrichtung gespielt haben. Sowas gibt es heute leider auf keinem großen Kanal mehr. Dann kam Eins Live, die hatten in den Anfangsjahren auch kein Problem damit, in derselben Sendung Aqua's "Barbie Girl" und Metallica zu spielen. Genau in dieser Phase bin ich aufgewachsen. So kam ich dann mit den unterschiedlichsten Genres in Kontakt.
Heute hingegen findet man diese ganzen Musikrichtungen zwar immer noch in den Medien, aber immer mehr auf unterschiedliche Kanäle gesplittet. Wer heute Guildo Horn hören möchte, muss WDR 4 einschalten, das sah 1998 noch ganz anders aus, als er beim Grand Prix mitmachte und dann auch bei Eins Live lief. Unvergesslich sind auch meine Erinnerungen an den Eins Live Partyservice, wie Piet Blank kein Problem damit hatte, zu Beginn der Sendung Kommerzscheiben von Sash oder DJ's At Work oder gar Hip Hop zu spielen, dann langsam zu Benelux-Trance (Push, The Mystery, Ron Van Den Beuken, Energy 52 etc.) rüberzuschwenken und in der letzten Stunde Gast-DJ's wie Moguai, Andry Nalin oder Mark Brain zu Gast waren. Der Eins-Live-Partyservice war auch der Anstroß für mich, mich mit dem DJ-ing näher zu beschäftigen. Nahezu jeden Samstag habe ich mir die Mixe angehört und versucht, rauszuhören, wie die das genau machen. Heute würden sich viele DJ's schämen, sowohl Platten von Ferry Corsten als auch von Will Smith im Case zu haben und diese auch im selben Set zu spielen. Aber der Piet hatte es damals gemacht! Damals gab es halt auch nur diesen einen Jugendsender in NRW, Eins Live, und der musste halt gucken, dass er alle Musikrichtungen, die von "normalen" Teenies gehört wurden, egal ob Dance, Trance, Rap, Funk, Pop oder Metal, unter einen Hut bringen. Heute aber gibt es für jede einzelne Musiksparte spezielle Internetradios - scheinbar kein Grund mehr, um mal ATB und Grönemeyer auf dem selben Kanal zu spielen. Aber in den 90ern ging das noch.
DJ Nameless