Dachbodenfund - Bluesharps? Wert?

von Shoto, 12.01.16.

  1. Shoto

    Shoto Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.01.16   #1
    Hallo miteinander,

    ich habe die drei Mundharmonikas auf dem Dachboden gefunden, die wohl meinem Opa gehört haben. Kann mir jemand sagen was diese in etwa wert sind? Ich würde ungern auf einer wirklich wertvollen Mundharmonika herumnudeln...Handelt es sich um Bluesharps? Ich würde gerne mit einem Lehrbuch anfangen, bin aber etwas überfordert von Bluesharp, diatonischer Mundharmonika, chromatischer Mundharmonika etc.

    Vielen Dank für eure Hilfe :)

    Shoto
     

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  2. Lisa2

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    Erstellt: 12.01.16   #2
    Alle drei Instrumente sind Massenprodukte, denen ich hauptsächlich ideellen Wert zusprechen würde.

    Zum ersten Instrument.

    Bei der Echo wäre es interessant, die Anzahl der Kanzellen zu sehen. Aufgrund der Anzahl der Deckellöcher und der Proportion von Länge und Breite vermute ich, dass es 2 Reihen mit jeweils 20 Kanzellen sind.
    Die Echo-Mundharmonika ist ein Tremolo-Instrument. Das bedeutet, dass jeder Ton doppelt vorhanden ist. Kanzelle 1 oben und Kanzelle 1 unten haben also beide denselben Ton, sind allerdings nicht 100% gleich hoch. Der kleine Höhenunterschied erzeugt eine Schwebung > Tremolo.
    Die Echo 20 (oder 40) hat zwar dieselben Töne wie eine Bluesharp mit 10 Kanälen, ist aber ganz anders gebaut. Die Blas- und Ziehtöne sind in getrennten Kanälen untergebracht. Deshalb kann man mit so einem Instrument nicht "benden". Solche Instrumente benutze ich am liebsten für das Akkordspiel. Aber selbstverständlich ist auch das Einzeltonspiel möglich. Wegen der getrennten Anordnung von Blas- und Ziehtönen muss man sich dabei aber auf diesem Instrument etwas anders orientieren als auf einer Bluesharp. Eine Bluesharpschule wird diesem Instrument nicht gerecht.

    Später mehr.

    Gruß Lisa
     
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  3. Deltablues

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    Erstellt: 12.01.16   #3
    Hallo Shoto
    Deine Harps sind keine Bluesharps (Richterharps) sondern sogenannte Tremolo-Mundharmonikas, welche mit zwei Stimmzungen je Note ausgestattet sind, welche leicht unterschiedlich gestimmt sind und daher leicht unterschiedliche Wellenformen erzeugen, die einander gegenseitig beeinflussen. Das führt zu einem schwebenden Ton.
    Bei doppeltönigen Mundharmonikas sind die Kanzellen in der Regel quergeteilt, so dass zwei Kanzellenöffnungen übereinander liegen. Die Querteilung dient dazu, die Schwingungen der beiden gleichzeitig erklingenden Stimmzungen voneinander zu entkoppeln, damit sich insbesondere bei der Tremolo-Ausführung der Schwebetoneffekt auch wirklich einstellt und nicht beide Zungen auf derselben Frequenz mit derselben Phase schwingen, was den Effekt zunichtemachen würde. Tremolo- Mundharmonikas werden in der Regel straight gespielt, man hört sie hauptsächlich in der Volksmusik und in Schlagern.
    Für die ersten Schritte auf der Muha sind diese Instrumente gut geeignet. Man kann Folk- Country- Schlager Volkslieder i.d.R gut darauf spielen. Für Blues eher weniger geeignet. Zumindest meiner Meinung nach.
    Besonders wertvoll sind deine Instrumente nicht, höchstens den für dich persönlichen Wert, da sie ja deinem Opa gehörten.

    Edit: zu spät
     
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  4. Shoto

    Shoto Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.01.16   #4
    Hallo ihr zwei,

    vielen Dank für die ausführlichen Erklärungen :) dann kann ich ja guten Gewissens auf den Muhas meine ersten Schritte wagen und ein passendes Lehrbuch suchen.
    Ist der Schritt zur Bluesharp denn dann groß oder wie kann ich mir den Unterschied etwa vorstellen?

    Viele Grüße

    Shoto
     
  5. Deltablues

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    Erstellt: 12.01.16   #5
    Der Schritt zur Bluesharp ist nicht gross, kannst darauf spielen wie auf einer Tremolo.
    Ich habe mit einer Tremolo angefangen und spiele seit sehr langer Zeit nur noch Richterharps. Das Spielgefühl und der Ton ist natürlich schon anders. Aber für die ersten Schritte ist es mMn egal, welche Harp du spielst (Ausnahme Chromatische).
    Ein Schritt ist es allerdings, wenn du den Blues spielen willst. Da fängt dann das Cross Spielen und das Benden an. Das ist dann deutlich anders als das normale "Wanderlieder" spielen.
     
  6. Lisa2

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    Erstellt: 12.01.16   #6
    Hallo Shoto
    Für mich sind das zwei grundverschiedene Instrumente.
    Das Stimmsystem, also die Tonfolge, ist vergleichbar.
    Das Spielgefühl ist aber völlig anders, weil bei der Bluesharp die Blas- und Ziehtöne paarweise in einer Kanzelle untergebracht sind.

    Gruß
    Lisa
     
  7. Lisa2

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    Erstellt: 12.01.16   #7
    Zu Weekender und Bandmaster
    Diese Instrumente kenne ich nur vom Hörensagen.
    Beides sind meines Wissens nach wie die ECHO Tremolo-Instrumente mit getrennten Kanälen für Blas- und Ziehtönen. Da ich die Kanzellen nicht sehen kann, ist das geraten.
    Während die Tonanordnung der ECHO 20 bzw. 40 mit dem der Bluesharp vergleichbar ist, könnte es sein, dass diese Instrumente im Solo-Stimmsystem eingerichtet ist. Bei der Bandmaster ist es sogar sehr wahrscheinlich, wenn sie wie von mir vermutet aus einer alten Seydel-Produktion stammt.

    Ob ich mit meiner Vermutung richtig liege, können wir herausfinden, wenn Du die Kanzellen langsam der Reihe nach anspielst und die Aufnahmen hier verlinkst.
    Wenn meine Vermutung richtig ist, wirst Du beim Vergleich mit der Echo feststellen, dass die Tonanordnung der Instrumente unterschiedlich ist.

    Gruß
    Lisa
     
  8. Deltablues

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    Erstellt: 12.01.16   #8
    Die Bandmaster ist ein DDR Instrument, hat Seydel früher dort produziert?
     
  9. Lisa2

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    Erstellt: 12.01.16   #9
  10. Deltablues

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    Erstellt: 12.01.16   #10
    Aha, vielen Dank. Wieder was dazu gelernt. Ich spiele zwar seit den frühen Siebzigern MuHa, aber erst seit ein paar Jahren Bluesharp. Die Firmengeschichten haben mich, anders als bei den Gitarren, bisher nicht sonderlich interessiert. muss ich mich wohl mal schlau machen.
     
  11. Lisa2

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    Erstellt: 12.01.16   #11
    Einen Hinweis auf die Bandmaster findest Du hier.
    http://www.seydel1847.de/epages/Seydel1847.sf/de_DE/?ObjectID=18728&Locale=de_DE
    Gezeigt wird dort ein chromatisches Instrument.
    Ich habe das mal persönlich bei den Seydel-Leuten hinterfragt. Bandmaster war eine DDR-Produktserie von Seydel, zu der ganz verschiedene Instrumente (chromatisch und diatonisch) gehörten.
    Das Solo-Stimmsystem ist auch in traditionellen chromatischen Instrumenten enthalten. (Traditionell deshalb, weil es inzwischen Neuentwicklungen gibt.) Die Chromatik entsteht dadurch, dass man zwei Stimmplatten mit Solo-Stimmsystem kombiniert. Die eine startet mit c die andere mit cis.

    Hin und wieder suche ich das Netz nach Bildern ab. Um herauszufinden, was es noch so alles gab, lohnt es sich, auf Auktionsplattformen zu gucken. Da findet man so manches alte Modell von allen Seiten fotografiert. Das ist sehr aufschlussreich.
     
  12. Shoto

    Shoto Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.01.16   #12
    Kannst du mir das nochmal erklären, irgendwie komme ich gerade nicht mit. Bei der Tremolo sind doch auch in jeder Kanzelle ein Blas- und ein Ziehton nur, dass eben zwei leicht verstimmte Stimmzungen da sind? Ich dachte bei der Bluesharp wäre dann einfach "nur" eine Stimmzunge da?

    Ob ich "den" Blues spielen will weiß ich nicht, mich motiviert der Part aus "Heart of Gold" von Neil Young und das Spiel in "The River" von Bruce Springsteen zum MuHa lernen :D

    Ich hab die Instrumente nicht griffbereit (sind im Haus meiner Eltern), wenn ich bei nächster Gelegenheit drandenke probier ich das mal aus!
     
  13. Lisa2

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    Erstellt: 13.01.16   #13
    Guten Morgen
    Da geht etwas durcheinander.
    Jetzt fehlen Dir die Instrumente zum Ausprobieren. In der Praxis ist das viel leichter und schneller zu verstehen.

    In der Echo (Tremolo) mit 20 Kanälen nebeneinander sind nicht mehr Töne untergebracht, als in der Bluesharp mit 10 Kanälen.
    In der 2. Kanzellenreihe der Tremolo werden die Töne gedoppelt. Diese 2. Reihe gibt es auf einer Bluesharp nicht.

    20 = 10 funktioniert aus folgendem Grund:
    Die 20 nebeneinander liegenden Kanälen/Kanzellen spielst Du abwechselnd (1) blasen - (2) ziehen - (3) blasen - (4) ziehen ....
    Jede Kanzelle enthält also nur 1 Zunge.
    Die 10 Kanzellen der Bluesharp enthalten jeweils 2 Zungen (1) blasen - ziehen (2) blasen - ziehen (3) blasen - ziehen ....
    In der Summe enthalten daher beide Instrumente 20 Zungen / Töne in einer Reihe.

    Gruß
    Lisa
     
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  14. Shoto

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    Erstellt: 13.01.16   #14
    Ok, jetzt hab ich's kapiert, vielen Dank!
     
  15. Lisa2

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    Erstellt: 13.01.16   #15
    Diese Aussage kann missverstanden werden, da sie den Schluss nahe legt, in Tremolo-Mundharmonikas würde kein Richter-Stimmsystem verwendet. Das stimmt aber nicht.
    Da der Unterschied zwischen Bluesharp und Tremolo-Mundharmonika jetzt verstanden ist, möchte ich darauf noch kurz eingehen.

    Bluesharps werden gerne auch Richter-Mundharmonika genannt. Dies weist auf das für diese Harps verwendete Stimmsystem hin. Denn die kleinen Instrumente mit 10 Kanzellen werden auch mit anderen Stimmsystemen gebaut.
    Das Richter-Stimmsystem ist aber nicht nur in Bluesharps sondern auch in anderen Mundharmonikas zu finden. Ob nun die Blas- und Ziehzungen einzeln oder paarweise in die Kanzellen gebaut werden, ist für das Grundprinzip dieses Stimmsystems zunächst einmal gleichgültig. Es wirkt sich "lediglich" auf die Spieltechnik und den Klang der Instrumente aus.
    Die Verteilung der Töne auf die Blas- und Ziehzungen ist also das Hauptkriterium für die Bestimmung des Stimmsystems und nicht die Verteilung der Zungen (einzeln oder paarweise) auf die Kanzellen.
    Die Verteilung der Töne wurde von Richter so eingerichtet, dass die für die deutsche Volksmusik wichtigsten Akkorde entstehen, wenn man zwei oder drei benachbarte Kanzellen gleichzeitig anbläst/saugt. Diese Anordnung der Töne ist auch in der Echo zu finden.

    Die Echo ist eine von mehreren Tremolo-Mundharmonika-Typen. Ihr charakteristisches Merkmal ist die Richter-Stimmung. Andere Tremolo-Mundharmonikas werden mit dem sogenannten "Solo-Stimmsystem" gebaut.
    Interessant ist, dass die Hohner-Mundharmonikas hauptsächlich mit Richterstimmsystem gebaut werden. Auch die mir bislang bekannten Tremolo- und Oktav-Mundharmonikas von Hohner weisen dieses Stimmsystem auf. Je nach Größe (Tonumfang) der Instrumente ist es allerdings im Vergleich zur Bluesharp nach oben und/oder unten verlängert.
    Die wenigen mir bekannten Hohner-Instrumente mit Solo-Stimmsystem sind alle einreihig. Möglicherweise sind sie als Vorstufe zur chromatischen Mundharmonika gedacht, in der eine C-Solo-Stimmplatte und eine Cis-Solo-Stimmplatte kombiniert sind.

    Seydel baute schon immer verschiedene Instrumententypen mit Solo-Stimmsystem. Darunter auch Tremolo-Instrumente wie z.B. die Bandmaster in Solo-Stimmung.

    Seydel ist der deutsche Spezialist für Mundharmonika-Stimmsysteme. Deshalb findet man auf der Seydel-Homepage viele hilfreiche Informationen über Mundharmonika-Stimmsysteme. Welche Stimmsysteme im Shop angeboten werden, hängt von der Nachfrage ab. Aber grundsätzlich wird alles gebaut, was machbar ist. Sonderwünsche kann man mit Hilfe des Customiziers konfigurieren. Eine wirklich spannende Sache für begeisterte Harper.

    Gruß
    Lisa
     
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