Das Schweigen

von SoleLuna_m, 28.06.10.

  1. SoleLuna_m

    SoleLuna_m Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 28.06.10   #1
    Guten Tag Forum

    Dieses Texterforum sieht ja ganz gemütlich aus :)

    Drum stell ich hier gerne einen neuen Text von mir vor. Die Musik dazu ist irgendwas Klezmerähnliches, nur das Akkordeon und ich.....


    Irgendetwas war da noch
    Irgendwo ich spür es doch
    Es liegt da oben in der Luft
    Verhüllt im warmen Sommerduft

    Du kannst nicht gehen, einfach so
    Ich muss verstehen irgendwo
    Dein dichtes Netz aus Schweigen
    Was will es mir noch zeigen?

    Dieses Schweigen zerkaut mich
    Auch wenn es gar nicht laut ist
    Dein Blick, er verrät dich
    Auch wenn es jetzt zu spät ist?

    So laut ich auch klage
    So feste ich auch schlage
    Diese Mauer, sie bricht nicht
    Diese Steine halten dicht

    So seh ich dich nun gehen
    Die Mauer bleit da stehen
    Mein Blut klebt an der Mauer
    Zurück bleibt meine Trauer

    aber..
    Irgendetwas war da noch
    Irgendwo ich spür es doch
    Es liegt da oben in der Luft
    Verhüllt im warmen Sommerduft


    Was haltet ihr davon?

    Vielen Dank für eure Feeds
    Greez Soleluna
     
  2. PisauraXTX

    PisauraXTX Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.06.10   #2
    Gefällt mir sehr gut. An ein paar stellen haperts aber noch mit der "Flüssigkeit" des Texts.
    Z.B. bei
    "Dieses Schweigen zerkaut mich
    Auch wenn es gar nicht laut ist"
    Lies dir den Text noch einmal laut durch und achte auf die Betonung der einzelnen Silben.
    MfG,

    Pisaura
     
  3. SoleLuna_m

    SoleLuna_m Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.06.10   #3
    Hi Pisaura

    Vielen Dank für dein Feedback und deinen Hinweis.

    Ich hab das auch bemerkt, dass der Text beim Lesen manchmal etwas holpert.
    Ich hab erst den Text geschrieben und dann gesungen. Beim singen ändere ich
    ihn aber dann ständig wieder ab, also lässe einzelne Wörter weg oder füge
    einzelne hinzu

    z.B. Auch wenn es (gar) nicht laut ist

    Ich frage mich, ob das den Höhrer stört oder er es überhaupt bemerkt, da der Gesang ja dann nicht so ist,
    als würde man ein Gedicht herunterlesen?

    Ohne das "gar" ist der Text vielleicht flüssiger beim Lesen, dafür verstärkt das Wort denn Inhalt, also dass
    das Schweigen "wirklich" nicht laut ist.

    Greez Soleluna
     
  4. AngryDwarf

    AngryDwarf Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.06.10   #4
    Gefällt mir auch gut. Der Rhythmus passt in meinem Kopf zumindest zu der angekündigten Musik. Außerdem freue ich mich immer über so Wörter wie "zerkaut" :D Schön.
     
  5. SoleLuna_m

    SoleLuna_m Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.06.10   #5
    hi Angry Dwarf

    Merci für dein Feedback.

    "Außerdem freue ich mich immer über so Wörter wie "zerkaut" :DSchön."

    Es gibt im Berndeutschen den schönen Ausdruck " Ig bi völlig verchätschet" (Ich bin völlig zerkaut). Den benutzt man nach einer durchzechten Nacht, wenn man sich am nächsten Tag völlig zerkaut fühlt und auch so aussieht :(
    oder halt solange an Etwas "herumnagt" bis man selber völlig zerkaut ist ;)

    Greez
    Soleluna
     
  6. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 30.06.10   #6
    Hi Soleluna_m

    gefällt mir auch gut, Dein Text. Einzig bei zwei Stellen fühle ich ein leichtes Klopfen des Reimzwangs oder eine Ungereimtheit:

    Dieses Schweigen zerkaut mich
    Auch wenn es gar nicht laut ist
    Hier ist es nicht der oben angesprochene Sprachrhytmus - es ist eher der Punkt, dass Schweigen halt immer nicht laut ist - das kennzeichnet Schweigen ja aus ... deshalb empfinde ich es als eine Füllzeile, was ich schade finde, denn Dein Text ist ansonsten gut verdichtet ...

    So seh ich dich nun gehen
    Die Mauer bleit da stehen
    Mein Blut klebt an der Mauer
    Zurück bleibt meine Trauer
    Inhaltlich finde ich es gut, sprachlich eher an der Grenze: gehen/stehen Mauer/Trauer ... Bei den insgesamt kurzen Zeilen und dem Reimschema a a b b ist es eine hohe Anfoderung, hier nicht dem Reimzwang zu verfallen - und ich finde das bei dem Text sehr gut gelöst - und diese beiden Stellen sind ... hmmm ... nun ja - also gerade mal die 2% die mir aufgefallen sind, weil sie aus meiner Sicht nicht ganz dieses Niveau erreichen ...

    Vielleicht insgesamt eher ein Hinweis auf spätere Texte: ein aufgelockertes Reimschema bietet imho mehr Platz und Luft für die Wortwahl - und dadurch auch mehr Freiheit für Unerwartetes ...

    Aber wie oben gesagt: gefällt mir gut.

    x-Riff
     
  7. SoleLuna_m

    SoleLuna_m Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.06.10   #7
    Hi x-Riff

    Vielen Dank für dein Feedback.

    "Dieses Schweigen zerkaut mich
    Auch wenn es gar nicht laut ist"

    Hm, ich finde eben diese scheinbar normale, logische Aussage über das Schweigen im Gesamten Kontext irgendwie interessant. Und zwar weil es eben kein "Schockmoment" ist, der einen niederschlägt, nichts Riesiges, Lärmendes, Vernichtendes, sondern, etwas Hinterhältiges, Leises, das einen stetig, langsam zermürbt.

    Kann man das so sehen als Leser?

    "So seh ich dich nun gehen
    Die Mauer bleit da stehen
    Mein Blut klebt an der Mauer
    Zurück bleibt meine Trauer"

    Ja, es ist fast zu simpel, aber sagt genau das aus, was ich aussagen möchte.

    Ich seh die schweigende Person weggehen, die Mauer steht noch da (sie blockt die verschwiegene Wahrheit), das durch mein wütendes, impulsives Schlagen entstandene Blut klebt daran (man kann ein Schweigen nicht gewaltsam brechen) und nach der Wut bleibt einfach die Trauer über den Verlust der weggehenden Person...

    Hat ein Text mehr Qualität, wenn er gekünstelt hochstehender gemacht wird?

    Ich weiss es nicht....

    Aber vielen Dank für die Hinweise :) ich werde mir darüber Gedanken machen.

    Greez soleluna
     
  8. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 30.06.10   #8
    Hi Soleluna_m,

    wichtig ist in erster Linie, ob der Text das aussagt, was Du aussagen willst. Wenn das stimmig ist, dann ist es auf dieser Ebene klar und eindeutig.
    Mißverständnisse gibt es auch nicht - man versteht die Aussage und die Geschichte und die Emotionen.

    Was in einem Feedback geleistet werden kann, ist dass ich Dir sage, wie der Text auf mich wirkt. Und da waren diese beiden Stellen, die mir auffielen. Das können andere auch ganz anders sehen - und zwar zu Recht. Ich kann nachvollziehen, warum Du diese Stellen genau so willst.

    Die Hinweise waren auch wirklich eher perspektivisch gemeint: vielleicht gehst Du mal von dem starren Reimschema ab und probierst etwas freieres aus. Kann mir gut vorstellen, dass Deine Sprache dann noch dichter wird.

    Herzliche Grüße,

    x-Riff
     
  9. SoleLuna_m

    SoleLuna_m Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.06.10   #9
    @ x-Riff

    "Was in einem Feedback geleistet werden kann, ist dass ich Dir sage, wie der Text auf mich wirkt"

    Ich find dein Feeback wirklich sehr hilfreich und überlegt. Man muss sich als Texter ja auch selber reflektieren können, da sind solch überlegte Hinweise von anderen sehr hilfreich!

    Ebenso find ichs auch wichtig, dass man sich als Texter rechtfertigen kann oder eben sich auch eingestehen, dass eine andere Ansicht auch wirklich besser zum Text passen würde! Das macht die Vorstellung in einem Forum ja interessant und hilfreich.

    Ich muss auch eingestehen, dass mir die letzte Strophe einfach so in die Hände geflogen ist, sie hat sich praktisch von selbst aufgezwungen, so simpel wie sie ist!

    Und ich mag einfach das Einfache :)

    "Kann mir gut vorstellen, dass Deine Sprache dann noch dichter wird"

    Was ist eine dichte Sprache? Oder was meinst du genau damit?
     
  10. x-Riff

    x-Riff Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 30.06.10   #10
    Mit dicht meine ich eindringlich, was durchaus Ambivalenz und Mehrdeutigkeit zulassen kann.

    Dass Dir die Zeilen so zugeflogen sind, ist schon mal ein gutes Zeichen. Meistens stimmt es dann auch. Ich glaube, Dichten kommt von verdichten - also im Gegensatz von Prosa oder einem Roman, wo man eben ellenlang beschreiben kann und ein paar hundert Seiten Platz hat für Entwicklung und Schilderung und Handlung und Stimmung, ist ein songtext eben sehr verdichtet, kompromiert quasi. Nicht ganz so wie ein Gedicht, aber halt doch komprimierter als eine Novelle oder eine Kurzgeschichte oder ein Roman.

    Gleichzeitig soll ein songtext ja auch Luft lassen für Assoziationen und ist ja auch keine ausschließliche Schilderung eines Tathergangs oder so. Deshalb zeigt er quasi Ausschnitte aus dem Ganzen - und aus dem macht der Leser wieder eine Geschichte. Eine sehr spannende Sache eigentlich. Na ja - und bei nem songtext kommt halt noch die Musik und der Gesang dazu - was das Ganze dann noch spannender macht. Beispielsweise glaube ich, dass es wichtig ist, wie man die Zeilen, die mir aufgefallen sind, musikalisch und gesanglich umsetzt - es kann dann sehr gut sein, dass der Fall in die lakonische Schilderung, dass es nicht laut ist, sehr wirkungsvoll kommt - gleichfalls mit Trauer und Mauer. Mit einer zusätzlichen Freiheit, was die Sprache angeht, meine ich, dass dann eben auch andere Worte als Mauer oder Trauer in Frage kommen - was ebenfalls sehr wirkungsvoll sein kann. Meine Erfahrung ist, dass es in gewisser Weise einfacher scheint, zu reimen, weil sich daraus eine Form ergibt und über die Form der Eindruck einer Geschlossenheit und Stimmigkeit. Wichtig für mich ist eine innere Stimmigkeit - egal ob sie über Reime zustande kommt oder anders.

    Wie gesagt: wenn für Dich die Stimmigkeit da ist, ist das die Hauptsache. Im wesentlichen wollte ich auf andere Formen des Schreibens aufmerksam machen.

    Die musikalische Umsetzung interessiert mich.

    Herzliche Grüße,

    x-Riff
     
  11. SoleLuna_m

    SoleLuna_m Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 30.06.10   #11
    "Dichten kommt von verdichten"

    Ja, das fasziniert mich so am Schreiben von Texten. Das mit wenigen Worten Aussagen von so Vielem. Wie hochprozentiger Schnaps :) Es muss einfahren :)

    "Na ja - und bei nem songtext kommt halt noch die Musik und der Gesang dazu - was das Ganze dann noch spannender macht."

    Somit klingt die letzte Strophe für mich bei der musikalischen Umsetzung (ich betrachte den eigenen Text nun selber als Leser), wie etwas, was einfach noch so aus dem Gesamten heraus kurz hinzufügt wird, völlig simpel als wär es etwas ganz Nebensächliches (und trotzdem das Emotionalste vom Text), bevor dann das " aber irgendetwas war da noch..." was eigentlich viel wichtiger ist! wieder folgt.

    "Meine Erfahrung ist, dass es in gewisser Weise einfacher scheint, zu reimen, weil sich daraus eine Form ergibt und über die Form der Eindruck einer Geschlossenheit und Stimmigkeit. Wichtig für mich ist eine innere Stimmigkeit - egal ob sie über Reime zustande kommt oder anders."

    Siehst du eine passende Alternative?

    "aus dem macht der Leser wieder eine Geschichte"
    Was löst denn der Text beim Leser für eine Geschichte aus? Das würd mich interessieren, da ich die eigene ja kenne...

    "Die musikalische Umsetzung interessiert mich."

    Eine schöne Aufnahme stellt mich noch vor gewaltige Schwierigkeiten (was auch deine angesprochene musikalische Umsetztung beinhaltet). Zum einen mein Unvermögen beim Akkordeonspiel und wohl auch beim Gesang zum andern bei der richigen Aufnahme und der bedachten Umsetzung. Ich arbeite dran. Ob mir das je gelingen wird?

    Greez soleluna
     
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