Der Anfang mit elektronischer Musik

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Lolmol11
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Hallo,
ich bin Elias, 17 und möchte anfangen elektronische Musik zu produzieren. So ein bisschen in die Richtung Oldschool wie z.B. Kraftwerk.

Nun habe ich leider bis jetzt wenig Erfahrungen mit Musik “selberspielen/komponieren” gemacht. Ich hatte lediglich Blockflötenunterricht, und von diesem ist nicht mehr sehr viel hängengeblieben. :/

Darum meine Frage: Wie fange ich am Besten an? Soll ich mir ein einfaches Keyboard kaufen und erstmal lernen dies zu spielen? Oder soll ich mir einen einfachen Synthesizer zulegen? Was lohnt sich mehr?

Ich hoffe ihr könnt mir ein wenig helfen!

Mfg Elias
 
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Hallo Elias,

puh, aus dem Nichts heraus einfach Musik komponieren zu wollen erscheint mir ein hochgestecktes Vorhaben.
Gerade (oder auch) bei der Art von Musik sollten m.E. wenigstens rudimentäre Kenntnisse des Klavierspiels und der Harmonielehre vorhanden sein.
Ist denn ein Computer mit entsprechender Software schon vorhanden, oder müsstest Du auch hier bei Null anfangen?
Falls vorhanden wäre ein einfaches Masterkeyboard im Zusammenhang mit Software Instrumenten ein Einstieg.
Sollte kein PC/Mac vorhanden sein, dann mit einem einfachen Keyboard/Workstation/Synthesizer beginnen.

Soll es denn später selbstgespieltes Material sein, oder eher in Richtung "Zusammenfügen und mixen von fertigen Loops" gehen?
Wenn es nach mir ginge, würde ich an Deiner Stelle wenigstens etwas Klavier oder Keyboardunterricht nehmen. Dazu etwas Grundlagen in Rhythmik und Harmonielehre.
Darauf aufbauend dann vielleicht mal eigene, kleine Sequenzen einspielen und viiiieeel üben :)

Bin gespannt, was Dir hier von den Profis noch nahegelegt wird.

P.S.
Ich habe auch erst mit 16 Jahren angefangen und mein erstes Keyboard war damals ein Yamaha aus der PSR-Reihe.
Da hast Du dann eingebaute Rhythmen und Begleitautomatik, sowie Aufnahmemöglichkeiten. Animiert sicherlich zum herumprobieren!
Das eigentliche Spiel sollte man aber schon noch lernen.
 
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Vielen Dank für die Antwort!

Nein ein Programm ist leider auch nicht vorhanden, ich fange komplett neu an:rolleyes:

Ich hatte schon damit gerechnet, ein neues Instrument erlernen zu müssen. Aber das ist ja nicht schlimm :D
Könntest du/ihr mir denn ein Gerät empfehlen? Deshalb die Frage ob Keyboard oder Synthesizer. Vielleicht gibt es ja ein Keyboard, welches schon die ''Veranlagung'' für elektronische Musik hat.

Gruß Elias:)
 
Hallo Elias,

Vielleicht gibt es ja ein Keyboard, welches schon die ''Veranlagung'' für elektronische Musik hat.
Da wird es ein bisschen schwierig. Die typischen Einsteiger-Keyboards alá Yamaha PSR haben durchaus ein paar Synthesizer-Sounds dabei. Aber diese machen nur einen eher kleinen Teil des Geräts aus, dafür gibt es auch sehr viele andere Sounds, wie beispielsweise Klaviere, Gitarren oder Saxophone, die man bei elektronischer Musik im Allgemeinen und Kraftwerk im Besonderen eher selten braucht.

Dazu kommt, dass der Klangcharakter dieser Sounds oftmals eher nach modernem, hellen Pop klingt und weniger nach den eleganten, aber teilweise auch etwas düsteren Oldschool-Sounds, für die Kraftwerk bekannt ist.

Kritisch ist aber vor allem, dass sich bei Keyboards in der Regel nur sehr wenige Parameter der Sounds verändern lassen.
Elektronische Musik ist stark von Synthesizern und deren Bearbeitungsmöglichkeiten abhängig. Wenn du die Grundlagen lernen willst, wirst du früher oder später nicht drumherum kommen, dich da etwas einzuarbeiten und zu verstehen, wie Synthesizer-Sounds aufgebaut sind. Damit man das lernt, ist es aber wichtig, dass man ein Gerät hat, mit dem man Sounds von Grund auf erstellen kann.
Einsteiger-Keyboards verfügen oft nur über vorgefertigte Sounds, die man minimal anpassen, aber nicht grundlegend verändern kann. Wenn du damit zum Beispiel einen bestimmten Sound aus einem bestimmten Lied nachbauen willst, wirst du recht schnell an die Grenzen stoßen. Mit einem Synthesizer hast du hingegen in der Regel Zugriff auf alle wichtigen Parameter und kommst dem Vorbild damit deutlich näher.

Wenn es Hardware sein soll, würde ich daher eher zu einem Synthesizer als zu einem Keyboard raten. Ich vermute bei deinem Alter, dass das Budget nicht all zu hoch sein wird, daher würde ich direkt mal im unteren Preisbereich etwas empfehlen.
Ein relativ günstiger, aber dennoch nicht schlecht klingender Synthesizer, wäre da der Roland JD-Xi. Neupreis 499€, gebraucht gibt es ihn mit etwas Glück für knapp über 300€.
Dafür kann er
  • Die Sounds bis ins Detail bearbeiten
  • Gut klingen, auch wenn es in Richtung Oldschool gehen soll
  • Dank drei verschiedenen Synth-Sounds plus Drums gleichzeitig und Sequenzer auch ganze (kleine) Songs abspeichern und abspielen
  • Mit dem eingebauten Vocoder und Mikrofon auch Oldschool-Roboterstimmen erzeugen :)
Hier mal ein paar YouTube-Beispiele, die nur mit dem JD-Xi nachgespielt sind, und in Richtung Oldschool-Elektronik gehen:

Falls der JD-Xi nicht im Budget sein sollte, würde ich mehr zu Software raten. Dort hat man nicht nur eine größere Auswahl, sondern kommt auch mit wenig oder sogar ohne Geld relativ weit. Mit einem zumindest halbwegs aktuellen PC kann man auch die Grundlagen von elektronischer Musik erlernen.

Nachteil ist hier, dass man sich etwas mehr einarbeiten muss, bevor man überhaupt loslegen kann. Einfach anschalten und loslegen ist in dem Fall nicht möglich. Musik-Programme benötigen etwas mehr Zeitaufwand, was eventuell auf Anfänger abschreckend wirkt. Im Internet gibt es aber zum Glück genug Anleitungen, um zum Ziel zu kommen.

Auch "spielt" man ein Musikprogramm nicht wirklich, wenn man es nur mit der Maus bedient. Dafür lässt sich über USB ein Controller-Keyboard anschließen, um den PC zum Musikinstrument zu machen. Sehr einfache Controller-Keyboards gibt es schon für unter 100€, teilweise ist sogar schon ein bisschen brauchbare Musik-Software mt dabei.

Falls du ein iPad haben solltest, gibt es dafür übrigens auch sehr brauchbare und günstige Synthesizer-Apps.

Aber so viel erst einmal dazu. Der Fragebogen zur Kaufberatung ist für uns übrigens sehr hilfreich, wenn du ihn ausfüllst. :)
 
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Vielen Dank für die tolle Ausführung!

Eine (wahrscheinlich dumme) Frage habe ich noch:
Wenn ich mir Roland JD-Xi zulege, wie lerne ich dann diesen zu spielen? Er hat ja weniger Tasten als ein Keyboard?! o_O
 
Keyboards gibt es in den unterschiedlichsten Größen. Von 25 bis 88 Tasten ist da eigentlich alles relativ weit verbreitet. Selbiges gilt auch für Synthesizer. :)

Das Layout von Tastaturen ist im Grunde immer das selbe. Wenn du also einen Akkord oder eine Melodie nachspielen willst, geht das mit einem 37-Tasten-Keyboard nicht viel anders als mit einem 61-Tasten-Keyboard.

Ein 37-Tasten-Keyboard kann in der Regel alle Noten spielen, die ein größeres Keyboard auch spielen kann. Das Schlüsselwort lautet hier "Transponieren". Es gibt dafür Knöpfe auf der Tastatur, die bewirken, dass alle Tasten um bis zu 3 Oktaven nach oben oder unten verschoben werden. So kannst du auch mit dem JD-Xi so ziemlich alle hörbaren Noten spielen.

Problematisch wird es nur, wenn man sehr tiefe und sehr hohe Noten gleichzeitig spielen will. Das geht natürlich nicht, da man mit 37 Tasten auf drei Oktaven beschränkt ist.
Allerdings kommen Melodien, Sequenzen und Bässe in der elektronischen Musik in den allermeisten Fällen mit einem Tonumfang von weniger als 3 Oktaven aus. (Von komplexeren Soli in Genres wie Progressive Rock und Jazz Fusion mal abgesehen)

Es sei noch angemerkt, dass der JD-Xi allerdings Mini-Tasten hat, die kleiner sind als übliche Tastaturen. Das ist wohl auch dem Preis geschuldet, aber man kann sich dran gewöhnen. Anfangs ist es etwas fummelig, aber wenn man Übung hat, kann man damit auch leicht Akkorde und Intervalle spielen, für die die Finger sonst zu kurz wären. ;)
 
Wie schon geschrieben: Gerade elektronische Musik kann sehr komplex werden. Gegenüber dem Keyboarder z. B. in einer Rockband hat man als elektronischer Solo-Act auch nicht nur den einen oder maximal zwei Parts, um die man sich kümmern muß, sondern um das ganze Arrangement.

Wenn man da in allen Belangen bei null anfängt, hat man noch viel vor sich. Erstmal muß man wissen: Wie bauen sich die Stücke, von denen man sich inspirieren läßt, überhaupt auf? Was passiert da alles? Was gibt's da an Parts? Das heißt auch, daß man lernen muß, Musik analytisch zu hören. Zumindest geht es bei Kraftwerk ziemlich übersichtlich zu, die haben damals nicht geschichtet wie die Wahnsinnigen, sondern es war alles auf eine vierköpfige Band ausgelegt.

Harmonielehre und dergleichen musikalische Theorie ist definitiv sinnvoll, wenn du nicht gerade experimentell-atonales Westcoast-Zeug machen willst. Aber wenn du noch zur Schule gehst, bist du ja im Idealfall gerade dabei, genau das zu lernen – außer du hast Musik abgewählt.

Jedenfalls, wenn du verstanden hast, wie die Musik an sich funktioniert, ist der nächste Schritt, womit und wie sie gemacht wird. Da geht's dann an die Gerätschaften. Synthesizer, elektronische Drums bzw. Drummachines, aber auch Effekte und am Ende der Mix. Man muß also wissen, was man wofür braucht. (Gibt ja unter Nullanfängern immer wieder das gefährliche Halbwissen, zum "Beats produzieren" braucht man irgendwie ein "Keyboard" oder einen "Synthesizer".)

Und dann muß man auch wissen, wie die jeweils funktionieren und was man damit macht. Man kann jetzt den Graue-Theorie-Weg gehen und sich durch entsprechende Bücher oder Online-Artikel kämpfen. Hands-on und nebenher durch Lesen oder meinetwegen Videos aufschlauen halte ich für einen sinnvolleren Weg, der aber schon das Vorhandensein von Equipment bedingt.

Was das Spielen angeht: Damals™ gab's noch keine DAWs und keine Sequencer, mit denen wie heute ganze Songs/Tracks hätten gemacht werden können. Sehr viel war noch ehrliche Handarbeit, weshalb klassische Elektronik auch lebendiger klingt als die durchoptimierte heutige Elektronik: Der Mensch hat eben nicht das perfekte Timing einer Maschine. Wenn du Old-School-Elektronik machst, die nicht Richtung Westcoast oder Tangerine Dream gehst, wirst du per Hand spielen müssen.

Dann aber gleich klassisches Klavier zu lernen, ist Overkill und noch dazu kontraproduktiv, wenn du nicht gerade Vangelis als Vorbild hast. Für Kraftwerk lernst du völlig falsche Sachen und erwartest dann vom händischen Spiel auf Synthesizer Falsches. Das ist der Grund, warum heute so viele Keyboarder bei jedem Analogsynth nach Anschlagdynamik und Unmengen an Stimmen schreien: Die meisten haben Klavier gelernt und wollen auch einen Minimoog wie ein Klavier spielen können. Als 70er-Jahre-fixierter Synthmann brauchst du sowas kaum bis gar nicht. Und guck dir mal Kraftwerk in der damaligen Besetzung an. Florian Schneider: Flötist. Wolfgang Flür: Drummer/Percussionist. Karl Bartos: Drummer/Percussionist. Und auch Ralf Hütter war vor seiner Kraftwerk-Zeit meines Wissens kein Pianist. Gerade deswegen haben Kraftwerk ja ungewollt der aufkommenden britischen Synthpop-Szene signalisiert, daß jeder Dilettant einen Synthesizer spielen kann – und der frühe britische Synthpop lebte davon, von Dilettanten gemacht zu werden.

Nur mal ein paar Denkansätze.


Martman
 
Was das Spielen angeht: Damals™ gab's noch keine DAWs und keine Sequencer, mit denen wie heute ganze Songs/Tracks hätten gemacht werden können. Sehr viel war noch ehrliche Handarbeit, weshalb klassische Elektronik auch lebendiger klingt als die durchoptimierte heutige Elektronik: Der Mensch hat eben nicht das perfekte Timing einer Maschine. Wenn du Old-School-Elektronik machst, die nicht Richtung Westcoast oder Tangerine Dream gehst, wirst du per Hand spielen müssen.
Das würde ich so aber nicht unterschreiben. Der Einsatz von Sequenzern ist bereits damals™ in den 1970ern oft elementarer Bestandteil von elektronischer Musik gewesen. Nicht nur bei "Westcoast oder Tangerine Dream": Kraftwerk, Giorgio Moroder oder Yellow Magic Orchestra haben damit auch allerlei Sachen angestellt. Das weiter oben verlinkte On the Run von Pink Floyd wäre ohne Sequencer erst recht undenkbar gewesen.
Sequenzen eintippen, abspielen und nebenbei an den Parametern herumschrauben ist für elektronische Musik nicht nur stilprägend gewesen, sondern bietet gerade für einen Anfänger auch die Möglichkeit, sich mit den klanglichen Möglichkeiten eines Synthesizers zu beschäftigen, ohne nebenbei noch die Tasten spielen zu müssen.

In diesem Fall würde ich das Verwenden von Sequenzern daher durchaus befürworten. So kann man auch schneller kleine Songs basteln und typische Arrangements elektronischer Musik nachvollziehen. Stattdessen erst (beidhändiges) Spielen erlernen und dann alle Parts in Echtzeit einspielen ist zwar Old School, aber wohl doch etwas zu viel des Guten.


Anmerkung für @Lolmol11: Sequenzer sind Hilfsmittel für Synthesizer, mit denen man eine Abfolge von Noten programmiert oder einspielt, die dann gespeichert wird und automatisch abgespielt werden kann. Manche Synthesizer, wie etwa der JD-Xi, haben so eine Sequenzer-Funktion bereits eingebaut.
 
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Das würde ich so aber nicht unterschreiben. Der Einsatz von Sequenzern ist bereits damals™ in den 1970ern oft elementarer Bestandteil von elektronischer Musik gewesen.
Richtig!
Bevor man den kunstvollen Begriff "Berliner Schule" oder "klassische EM" für die elektronische Musik aus den 70ern erschuf, war das alles nur "Sequenzermusik".
Der Stepsequenzer ist das Herzstück dieser Musik, mit einer DAW würde man das so niemals erstellen.

Die Musik von Tangerine Dream, Klaus Schulze usw. war ja sequenzerbasiert, man kannte in den frühen 70er Jahren fast nur analoge Stepsequenzer, die das Grundgerüst schufen. Die große Ausnahme war der EMS AKS, der den ersten digitalen Sequenzer hatte, aber nicht ganz ohne Probleme in ein CV/Gate gesteuertes Setup passte, sodas er meist für Effekte eingesetzt wurde oder eigenständig, wie z. B. bei Pink Floyd.
Die Lebendigkeit einer Sequenz wurde dann gerne mit Bandecho erweitert, später kamen dann die ersten Eimerkettenspeicher (BBD) Delays zum Einsatz (für Triolen und so).
Mit dazu wurde dann via Trigger noch die Drummaschine gesynct, denn Midi war noch nicht erfunden.
Die Flächen kamen anfangs von Orgeln und Stringmachines, denn polyphone Synthesizer gabs noch nicht.

Die damalige elektronische Musik zeichnete sich auch speziell durch Reduktion aus, da es einfach noch nichts anderes gab.
Man hatte einen Modularsynthie mit Sequenzer, ein paar Monosynthesizer, was für Flächen, Tape-Echo und später auch al Gitarreneffekte (Fuzz) oder Phaser.
--- Beiträge wurden zusammengefasst ---
Ich hoffe ihr könnt mir ein wenig helfen!

Mfg Elias
Ich mach dir mal ein Angebot.
Gerne laden wir dich für einen Nachmittag in unser SynxsS-Studio ein und dann darfst du bei der Musikproduktion als Zaungast mit dabei sein.
Vielleicht hast du ja Lust dazu, den Profis mal über die Schulter zu schauen.
Wir sind in Rodgau, das ist ganz in der Nähe von Offenbach am Main.
--- Beiträge wurden zusammengefasst ---
ach ja, wir machen sowas hier (das ist ein Mitschnitt unserer letzten Session vom 22.08.):
 
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Das würde ich so aber nicht unterschreiben. Der Einsatz von Sequenzern ist bereits damals™ in den 1970ern oft elementarer Bestandteil von elektronischer Musik gewesen. Nicht nur bei "Westcoast oder Tangerine Dream": Kraftwerk, Giorgio Moroder oder Yellow Magic Orchestra haben damit auch allerlei Sachen angestellt. Das weiter oben verlinkte On the Run von Pink Floyd wäre ohne Sequencer erst recht undenkbar gewesen.
Die vollanalogen Stepsequencer der 70er kannst du nicht mit heutigen DAWs vergleichen. Damals wurden mitnichten ganze Produktionen auf dem Moog 961 gefahren, wie sie heute auf FL Studio gefahren werden.

Heute ist absolut alles im Piano-Roll-Editor zusammengeklickt zu ein-, zwei- oder viertaktigen Patterns (16, 32 oder 64 Steps) und damit absolut perfekt im Timing. Absolut alles inklusive aller Melodien und aller Flächen. Dergleichen wäre damals gar nicht praktikabel möglich gewesen. Gerade Kraftwerk, auf die sich der TE bezieht, haben auf Autobahn, Radioaktivität, Trans Europa Express und meines Wissens sogar auf Die Mensch-Maschine immer noch Synthesizer auf ihren eingebauten Tastaturen per Hand in Echtzeit direkt auf Tonband gespielt – ohne das starre Timing eines Sequencer dazwischen. Und auf Tangerine Dream beruft sich der TE nicht.

"Alles hart in den Sequencer programmieren" kam erst Ende der 80er mit House und Techno richtig auf.

Sequenzen eintippen, abspielen und nebenbei an den Parametern herumschrauben ist für elektronische Musik nicht nur stilprägend gewesen, sondern bietet gerade für einen Anfänger auch die Möglichkeit, sich mit den klanglichen Möglichkeiten eines Synthesizers zu beschäftigen, ohne nebenbei noch die Tasten spielen zu müssen.
Ist aber nicht old-school, schon gar nicht Düsseldorfer Schule. Old-school wäre das allenfalls, wenn man sich dabei der Besonderheiten, der Quirks und vor allem der Beschränkungen analoger Sequencer bewußt ist.

Ich persönlich kriege immer wieder die Krise, wenn ich von jemandem den Versuch höre, melodische elektronische Musik der 70er oder 80er Jahre zu emulieren – und dann ist alles knallhart ultrapräzise auf dem Punkt, und zwar nicht nur die Anfänge der Noten, sondern auch deren Enden, und das DX7 FM8-E-Piano hat keinerlei Dynamik, weil derjenige alles in den Piano-Roll-Editor von FL Studio reingeklickt hat, statt irgendwas per Hand einzuspielen. Die meisten machen sich nicht mal die Mühe, ein bißchen "Humanize" reinzudrehen, um das Timing einzelner Spuren aufzulockern.


Martman
 
Darum meine Frage: Wie fange ich am Besten an? Soll ich mir ein einfaches Keyboard kaufen und erstmal lernen dies zu spielen? Oder soll ich mir einen einfachen Synthesizer zulegen? Was lohnt sich mehr?
als junger, schmerzfreier Neueinsteiger... :gruebel:
iPad und etwa 100€ für gute Apps als Einstieg und du kannst direkt loslegen.
Wenn du keine Obstallergie hast, suche ich dir ein paar passende Beispele ;)
 
Die vollanalogen Stepsequencer der 70er kannst du nicht mit heutigen DAWs vergleichen.
Wenn du meinen Beitrag gelesen hast, siehst du auch, dass ich den Vergleich nie gemacht habe habe. Deine Behauptung war:

Wenn du Old-School-Elektronik machst, die nicht Richtung Westcoast oder Tangerine Dream gehst, wirst du per Hand spielen müssen.
Und ich habe dem entgegnet, dass es auch damals schon Sequenzer gab und dass diese die elektronische Musik durch ihre Verwendung auch damals schon geprägt haben, außerhalb der von dir genannten Subgenres. Da war keine Erwähnung von den Sequenzer-Möglichkeiten einer aktuellen (Hardware-)Workstation oder DAW-Software. Geschweige denn von Piano Rolls.

Ist aber nicht old-school, schon gar nicht Düsseldorfer Schule. Old-school wäre das allenfalls, wenn man sich dabei der Besonderheiten, der Quirks und vor allem der Beschränkungen analoger Sequencer bewußt ist.
Aktuelle Synthesizer mit eingebautem Sequenzer sind oft auch auf 16 oder 32 Schritte beschränkt, die man nacheinander einprogrammieren muss. Aufnehmen, Abspielen, Transponieren, Stoppen, das war es. Keine komplexen Songkonstrukte, keine Fill-Ins, keine Licks, oft nicht mal Bearbeitungen im laufenden Betrieb. Einfach nur endlose Sequenzen.

Zusätzlichen Annehmlichkeiten bei Sequenzern sind auch schon vor 30+ Jahren möglich gewesen, aber heutige Synths mit Sequenzer konzentrieren sich bewusst auf diese Einschränkungen, die noch aus der analogen Zeit übrig geblieben sind.
Ja, moderne Sequenzer sind stabiler. Ja, man muss mit ihnen für einen längeren Song nicht mehrere Aufnahmen machen und die später zusammenkleben, weil die Stimmung nicht hält. Ja, für dich wäre das wohl nicht authentisch genug.

Aber was einen Anfänger betrifft, der sich mit dem Aufbau und der Komposition von elektronischer Musik der 70er Jahre beschäftigen will, so halte ich es nach wie vor für einen gelungenen Einstieg.

Gerade Kraftwerk, auf die sich der TE bezieht, haben auf Autobahn, Radioaktivität, Trans Europa Express und meines Wissens sogar auf Die Mensch-Maschine immer noch Synthesizer auf ihren eingebauten Tastaturen per Hand in Echtzeit direkt auf Tonband gespielt – ohne das starre Timing eines Sequencer dazwischen.
Das ist nicht korrekt. Kraftwerk haben sich von Dirk Matten und Hajo Wiechers mehr als einen Synthanorma-Sequenzer bauen lassen und diesen bereits auf TEE ausgiebig genutzt. Dieser wird sogar in den Notizen auf der Rückseite mancher Albenversionen namentlich erwähnt. Das "starre Timing" wird auf der Titelsong-Suite übrigens recht kunstvoll genutzt, um den maschinellen, monotonen Rhythmus eines fahrenden Zuges zu imitieren. Der zusätzliche Flanger-Effekt sorgt für mehr Bewegung.

Auf "Die Mensch-Maschine" wurde eine überarbeitete Version des Synthanorma erneut auf einigen Songs verwendet, ebenso auf späteren Veröffentlichungen.

Quelle: "Der Klang der Maschine: Autobiographie" von Karl Bartos. Die meisten betroffenen Passagen lassen sich hier nachlesen, gegebenenfalls mit etwas Hilfe der Suchfunktion.
 
Erst einmal vielen Dank an die vielen Antworten! :):great:

Zufälligerweise nimmt unsere Schule an einem IPad Experiment teil, deswegen steht mir ein Air 2 privat zur Verfügung. Was kann man den damit so alles anstellen? Es wurde ja schon öfters darauf hingewiesen.

Gerne laden wir dich für einen Nachmittag in unser SynxsS-Studio ein und dann darfst du bei der Musikproduktion als Zaungast mit dabei sein.
Danke, ich hoffe sehr dass sich dies einmal einrichten lässt!
 
du bist ja ein echter Glückspilz, bekommst Hardware für umme und dann noch so ein Angebot von Moogman... :D
für einen ersten Eindruck würde ich Xynthesizer empfehlen.
Ein grid-basierter Sequencer der einen zwar einfachen, aber klanglich sehr guten und besonders übersichtlichen Synth mitbringt.
Zusätzlich gibt es einen Steuer Bereich in dem die Sequenzen live transponiert werden können, nach diversen Skalen, Harmonie-Abläufen etc.

Später könntest du mit dem Sequencer auch (mehrere) andere Synths ansteuern, er unterstützt entsprechende Midi Kanäle innerhalb von IOS.
Beepstreets Zeeon wäre da ein herausragender Kandidat, weil mehr analog aus einer digitalen Flunder geht nicht. Ist aber komplexer, dh der Xynthesizer vermittelt dir die Basics effizienter.

Wenn du mehre Audio-Apps parallel nutzen willst, ist AUM von Kymatica empfehlenswert.
Quasi ein Mischpult mit Effektslots und synchronem Speichern der Ausgabe von Kanälen.
Vom gleichen Hersteller gibt es Audioshare, optimal zum Datenaustausch zwischen Apps und Aussenwelt.
 
...Ich hatte lediglich Blockflötenunterricht...Wie fange ich am Besten an? Soll ich mir ein einfaches Keyboard kaufen und erstmal lernen dies zu spielen? Oder soll ich mir einen einfachen Synthesizer zulegen? Was lohnt sich mehr?

Hi Elias....welcome aboard :)

Nun, im Prinzip lese ich hier zwei verschiedene Sachen heraus; ein Tastaturinstrument spielen zu können vs. einen Synthie (Hardware/Software) programmieren zu können...
Das sind für mich zwei Dinge welche sich zwar beide gleichzeitig erlernen lassen, aber dennoch recht verschieden sind.

Um selbst zu komponieren sollte man schon etwas Ahnung von der Materie haben, wohingegen das "herumexperimentieren" mit Synthies grob gesagt kein allzu grosses Talent verlangt! ;)
Ich persönlich sehe es als Vorteil wenn man mindestens einige Grundkentnisse mitbringen würde, bevor man sich blindlings ins Getümmel stürzt....kann man sehen wie man will.

Um das Spiel selbst zu erlernen empfiehlt sich vorallem eine gute Tastatur, muss nicht unbedingt eine gewichtete sein à la Nord Stage oder Konsorten, sie sollte trotzdem aber etwas Widerstand haben und sicherlich zumindest anschlagsdynamisch sein. Die meisten "Billig-Keyboards & Synthies" haben dieses eklige Plastikfeeling; mich schüttelts jedesmal wenn ich von der Korg Wavestation zum Juno-DS rüberwechsle...:igitt::D

Was die Flexibilität des Soundpotentials und das Spielen erlernen angeht so würde ich praktischerweise zu einer Workstation raten, da sind sowohl klassische "Butter & Brot-Sounds" wie auch abgefahrene Synthesizer-Sounds mit dabei; oder sie lassen sich zumindest recht gut nachemulieren was für's erste auch reichen sollte. Spezielles Augenmerk gilt da eben der Tastatur, es gibt nix besseres als ne gute Tastatur.....glaub's mir! ;) - Eine 61er Tastatur ist ein gutes Mittelmass...

Wer allerdings Richtung "Kraftwerk" gehen will kommt um Drehpotis und Regler à la Moog nicht herum, alles andere ist Pipifax! Natürlich lassen sich heutzutags mit guter Software praktisch die gleichen Klänge nachproduzieren; doch das ist nicht dasselbe Feeling wie mit echter Hardware....auch das kannst Du mir glauben! ;)

Die Entscheidung liegt jetzt bei dir, was ist dir wichtiger: spielen lernen oder Knöppe drehen?

LG Leo
 
Hmm, vielleicht beides?!? => Ein (einfaches, billiges) Keyboard, um die Möglichkeit zu haben, Mehrstimmigkeit zu erproben (das geht auf der Blockflöte nur sehr bedingt), und dann zur Klangerzeugung dann wirklich ein Synthi, entweder analog oder mit analoger Oberfläche. Für Spielkälber vielleicht auch noch patchblocks oder ähnlich, muss aber nicht sein.
 
Damals wurden mitnichten ganze Produktionen auf dem Moog 961 gefahren ...
Ähem, doch.
Fast alle Bands, die damals auch live gespielt haben, waren auf die analogen Stepsequenzer angewiesen.
Das waren auch nicht immer Moog 961, sondern auch andere, wie PPG-Modular, Projekt Elektronik, ab 1975 dann auch Roland System 100, ein Jahr drauf das 700er, usw. und so mancher hatte sich auch
selber was zusammengelötet, z. B. den Elektor Sequenzer.

Ich weiß heute auch noch recht genau, womit ich damals gearbeitet habe.
Diese Anfangszeiten der elektronischen Musik aus dieser Zeit, habe ich ja selbst aktiv als Musiker miterlebt. Meine Wurzeln mit elektronischer Musik liegen im Jahr 1969 und ab dieser Zeit ging das alles erst richtig los. Davor waren noch die Pioniere im Studio für elektronische Musik des WDR in Köln am Werk, also Leute wie Stockhausen, Eimert usw., aber die lasse ich mal außen vor.

Nur so zum Verständnis: Meine erstes offiziell releastes Album "Intake" erschien bereits 1974, mein zweites Album "Flash" kam 1979 und "Sequential Bitch" dann im Jahre 1983.
Diese Alben wurden noch auf Compactcassette vertrieben, das war damals so im Trend.

Fast alle haben damals mit analogen Stepsequenzern gearbeitet, denn es ging ja technisch auch gar nicht anders.

"Alles hart in den Sequencer programmieren" kam erst Ende der 80er mit House und Techno richtig auf.

Kraftwerk hatte die Synthanorma Sequenzer von Matten & Wiechers mit dem eingebauten "Intervallomat", das wurde ja schon erwähnt.
Nicht vergessen, wir reden hier über die Anfänge in den 70ern!

So "hart" war das auch nicht mit den Sequenzen.
Da oft große Modularsysteme und andere Synthesizer von mehreren Sequenzern komplett über CV angesteuert wurden, brach diese häufig etwas zusammen.
Bei alten Systemen, wie meinem PPG-300, kam es daher nicht selten vor, wenn sich beispielsweise ein Filter rhythmisch öffnet und schließt, das der Sequenzer langsamer und schneller wurde oder sich die VCOs verstimmten.
Grund: Die Netzteile waren häufig unterdimensioniert, was zur Folge hatte, das die ganze Kiste im ganzen Rhythmus etwas "eiert".
Es ist nur minimal, sorgt aber für diesen lebendigen Charme, da alles zusammen in einem gewissen Flow steht.

Auf meinem Album "Sequential Bitch" hatte ich mein großes Roland System 700 eingesetzt.
Hier hatte der Sequenzer ebenso manchmal etwas untight die Rhythmen abgefeuert.
Das lag einfach daran, das die Steptime, also die Zeit zwischen den einzelnen Schritten, mittels einem Poti geregelt wurde. Wenn dieser Regler auf "0" eingestellt war, so lag, je nach Temperatur und Kalibrierung jedoch nicht 0 Volt am Ausgang an, sondern eine gewisse minimale Restspannung.
Auch das machte den Sequenzer dann auch wieder sehr lebendig.

Das Stück "Bionic Voltage von 1983:
 
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"Alles hart in den Sequencer programmieren" kam erst Ende der 80er mit House und Techno richtig auf.

Das war dann die Zeit der Ataris mit dem Logic Vorgänger "Notator" im Herbst 1988 und Steinbergs Cubase 1989. Das waren noch Zeiten, mit Monochrom Monitor :)
Aber die Erfahrungen und die Historie von Moogman ist beeindruckend. Analoge Step-Sequenzer...cool :)
 
Das ist nicht korrekt. Kraftwerk haben sich von Dirk Matten und Hajo Wiechers mehr als einen Synthanorma-Sequenzer bauen lassen und diesen bereits auf TEE ausgiebig genutzt. Dieser wird sogar in den Notizen auf der Rückseite mancher Albenversionen namentlich erwähnt. Das "starre Timing" wird auf der Titelsong-Suite übrigens recht kunstvoll genutzt, um den maschinellen, monotonen Rhythmus eines fahrenden Zuges zu imitieren. Der zusätzliche Flanger-Effekt sorgt für mehr Bewegung.

Auf "Die Mensch-Maschine" wurde eine überarbeitete Version des Synthanorma erneut auf einigen Songs verwendet, ebenso auf späteren Veröffentlichungen.

Quelle: "Der Klang der Maschine: Autobiographie" von Karl Bartos. Die meisten betroffenen Passagen lassen sich hier nachlesen, gegebenenfalls mit etwas Hilfe der Suchfunktion.
Ja, Kraftwerk haben auch mit Sequencer gearbeitet.

Es ist aber mitnichten so, daß sie ihre Musik vollumfänglich 100% maschinell erzeugt haben, daß jede Note von jedem Part in jedem Stück von einem Sequencer gespielt wurde. Auf der Trans Europa Express schon gar nicht: Die Melodielinien des Titelstücks wurden definitiv per Hand gespielt, weil Kraftwerk damals ihr Vako Orchestron mitnichten polyphon per Sequencer ansteuern konnten. Außerdem hört man die typischen Timing-Abweichungen eines händisch spielenden Keyboarders.


Martman
 
Wenn wir von
Wenn du Old-School-Elektronik machst, die nicht Richtung Westcoast oder Tangerine Dream gehst, wirst du per Hand spielen müssen.
und
[Sequenzen eintippen, abspielen und nebenbei an den Parametern herumschrauben] ist aber nicht old-school, schon gar nicht Düsseldorfer Schule.

zu
Ja, Kraftwerk haben auch mit Sequencer gearbeitet.
gekommen sind, passt es ja. Jetzt weiß der Threadersteller, sofern er noch mitliest, dass er für sein Vorhaben auch auf Sequenzer zurückgreifen kann. Der zwischenzeitliche Widerspruch ist aufgelöst. :)
 
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