Nun habe ich auch eine…
Jackson San Dimas 1985 Pro Origins in sexy Vanilla Shake.
Die Gitarre ist im Großen und Ganzen eine Bombe und vermittelt ein sehr authentisches 80er Feeling einer Superstrat aus den Glanzzeiten des Rock&Metal - haptisch wie optisch. Das weiß am Body entspricht dem Olympic White bei
Fender* E-Gitarren und in Kombination mit Ahorn-Griffbrett + schwarzem Headstock ist einfach nur traumhaft. Wenn Charvel sich noch für die Wiederbelebung der Contemporary-Serie entscheiden würde und die selbe Konstellation mit reversed Headstock rausbringen würde, würde ich dafür meine Seele verkaufen. Der J-90C macht sehr gutes Bild im verzerrten Bereich, passt sehr gut ins Konzept dieser Serie.
Nun es sind einige neue Gitarren durch meine Hände gegangen – Made in USA, Mexico, Korea, Indonesia, China. Es schien mir so, dass ich bisher Glück hatte und keine Gurken erwischte. Diese Jackson ist definitiv KEINE Gurke. Trotzdem gibt es etwas bei ihr, das ich bisher noch nie bei einer neuen Gitarre hatte – die Verarbeitung bzw. Quality Check sind nicht auf einem angemessenen Niveau für diese Preisklasse. Ich habe zwei gleiche Gitarren bestellt, eine geht wieder zurück, weil wegen der unzureichenden Polsterung beidseitig um die Halstasche große Risse sind und die Kopfplattenspitze kleinere Delle ist. Starke Vermutung: das Paket ist während dem Versand umgefallen. Der Gigbag und zwei Kartons bilden hierfür noch keine fachgerechte Verpackung. Aber hier der Abgleich unter den beiden und zu anderen neuen Gitarren. Beide OVPs wurden schonmal geöffnet und mit QC-Siegeln zugeklebt. Gekauft habe ich bei Kirstein. Ich vermute der Händler macht bei den Gitarren ein Setup vor Versand, denn ich habe bei Kirstein bereits schonmal eine Gitarre gekauft und die kam ebenfalls perfekt eingestellt an.
Was aus meiner Sicht auffällig ist:
- Die matte Klar-Lackierung ist nicht durchgängig gleichermaßen poliert worden. Es finden sich viele Stellen, die deutlich andere Oberflächenstruktur haben. Es betrifft nur die Kopfplatten-Rückseite und -Flanken, ist aber nur bei sehr genauem Hinsehen unter bestimmten Lichteinfall sichtbar und aus meiner Sicht nicht schlimm, Paar Mal mitm Pflegetuch drüberwischen und nach und nach wird es sich gleichziehen. Betrifft beide 1985er.
- Ist meine erste FR-Gitarre mit der Thru-Neck-Verschraubung der Locking Nut. Aber seltsam für mich ist, dass einer der Schraubköpfe höher ist, als der andere. Als ob eine Versenkung nicht tief genug vorgebohrt wäre. Aber vielleicht ist es normal so, nur dann erschließt sich mir der Sinn nicht. Es ist auch ein Metallschim unter der Nut. Betrifft beide 1985er und hat keine Auswirkung auf die Bespielbarkeit.
- Bei einer der Gitarren wurde der PU-Rahmen für einen Archtop-Body genommen. Daher links und rechts ist der Rahmen geschwungen. Entweder hat der mexikanische Mitarbeiter ins falsche Fach gegriffen, oder der Rahmen war falsch einsortiert. Spätestens beim QC sollte sowas aber auffallen.
- Bei einer Gitarre eiert der Potiknopf, sehe ich nicht als Problem, kriegt man in einer Minute hin.
- Nun kommen wir aber zum größten AHA-Effekt – dem Griffbrett. Betrifft beide Exemplare. Ich greife etwas vor, die Halskrümmung liegt bei 0,25mm, Saitenlage E- 1,75mm, e- 1,50mm – also sehr flach und super bespielbar, ohne starkes Schnarren. FR liegt nach dem Stimmen flach über dem Body. Das Setup finde ich mega! AAABER….. Jemand hat das Griffbrett parallel zu Bünden bzw. quer zur Holzmaserung „poliert“ aber wohl zu grob, man sieht leichte Schleifspuren. Der Hals wurde vor Bundabrichtung komplett überlackiert, auch die Bünde. Danach fing man mit der Bundabrichtung an… und verpackte die Gitarre direkt für den Versand. Es wurde also Fret Leveling durchgeführt, die Bundkronen wurden aber danach nicht mehr wiederhergestellt. Ich vermute, es wurde nach dem Fret Leveling direkt über das ganze Griffbrett drüber poliert. Das Resultat ist logisch – unregelmäßig flache Bundkronen mit teilweise starkem Höhenabfall zum Bundende. Die Bundenden sind dagegen sehr gut bearbeitet und kratzen nicht. Es liest sich vielleicht etwas apokalyptisch, aber ich bin aktuell eh im Bundabrichtungs- bzw. Neubundierungsfieber, konnte auch schon erste Erfahrungen sammeln. Und für mich stellt es zwar etwas Arbeit bei Bundabrichtung und Griffbrettpflege dar, ist aber absolut machbar. So bleibt die nicht beschädigte Jacky bei mir und bekommt bald etwas Zuwendung und Wellness.
Vielleicht sind diese Infos für den einen oder anderen interessant, wenn er/sie über den Kauf nachdenkt. Für mich sieht es nur so aus, dass die Serienfertigung auf Hochtouren lief. Vielleicht habe ich aber auch nur Pech, oder es betrifft nur die Charge aus der Woche XY, als ein unmotivierter Azubi dran war. Da bin ich auf eure Vergleiche gespannt.
Weitere Überlegungen: Bedingt durch Non-Recessed FR-Bauweise liegen die Saiten bei 16mm über dem Body am FR-Ansatz. Habe abgeglichen mit meiner 1988er USA-Soloist – 1:1 gleich. Durch nur einen Bridge-Humbucker lande ich nicht mehr mit der Plektrumspitze am Neck/Middle-PU und das ist ungewohnt geil. Schlanker D-Neckprofil ist sehr angenehm. Sehr dickes Griffbrett, heutzutage eher ungewöhnlich. Hals also zweiteilig. Der Necklack scheint nicht ganz transparent zu sein, hat Gelbanteile und lässt den Hals sehr authentisch alt aussehen, als ob die Gitarre wirklich aus den 80ern ist. Elektronikfächer sind mit Abschirmfarbe lackiert, Poti-Deckel sogar mit Alufolie beklebt.
Bin ungeachtet der erwähnten Kleinigkeiten begeistert von der Gitarre. Hier hat Jackson mit diesem Modell absolut meinen Nerv getroffen. Noch die rote mit 2 Humbuckern lächelt mich an, aber ich habe Zeit...