Der unultimative Side-Chain Noise Gate Vergleich

von Tobi Elektrik, 22.01.16.

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  1. Tobi Elektrik

    Tobi Elektrik Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.01.16   #1
    Vor kurzem haben Electro Harmonix und TC Electronic Side-Chain Noise Gates auf den Markt gebracht. Der einstige Exot Boss NS-2 hat also mittlerweile Konkurrenz bekommen und das geniale Prinzip des "smarten" Gates wird somit hoffentlich ein bisschen Präsenter auf den Boards dieser Welt.

    Aber was ist ein Side-Chain Noise Gate überhaupt?

    Ein herkömmliches Noise Gate wird in der Signalkette hinter eine Rauschquelle (Gitarre, Distortionpedal, Amp-Vorstufe...) platziert. Es schneidet unterhalb einer bestimmten Lautstärke (Threshold-Regler) das Signal schlichtweg ab. Somit herrscht Stille in Spielpausen oder kurzen Breaks.
    Das Problem dabei: Das Gate bezieht sich auf das bereits verrauschte Signal - es kann nicht unterscheiden zwischen Originalpegel und zusätzlichem Geräusch. Ist das Rauschen sehr hoch, kommt man ihm also auch nur mit extremeren Einstellungen des Threshold bei. Dadurch kann es passieren, dass etwa beim Wechsel in einen cleanen Teil das Signal abgewürgt wird, weil plötzlich das am Gate anliegende Signal deutlich leiser ist.
    Ein Side-Chain Gate löst dieses Problem, in dem es am Eingang das pure Signal der Gitarre "misst", es weiter an Distortionpedal oder Vorstufe reicht, danach das Signal wieder über einen zweiten Eingang aufnimmt und an dieser Stelle das Signal gated. So findet das Gating zwar hinter der Rauschquelle statt, aber die Referenz bleibt das eigentliche Gitarrensignal. So "weiss" das Gate immer genau, wann die Gitarre schweigt und wann sie singt. So beisst es gnadenlos zu in Spielpausen, lässt aber auch dynamischere / leisere Signal trotzdem immer durch.
    Einziger Nachteil: Die Verkabelung mit Side-Chain Noise Gates ist aufwändiger. Gerade beim Einschleifen einer Amp-Vorstufe können drei zusätzliche lange Kabel etwas nerven.

    Im folgenden will ich aus ganz persönlicher Erfahrung eine Vergleichsübersicht der derzeit auf dem Markt verfügbaren Side-Chain Noise Gates erstellen.

    Den "wissenschaftlichen Kick" (Soundbeispiele, Frequenzanalysen etc.) kann ich leider nicht bieten, deswegen hab ich auch nicht den Anspruch, dass das der ultimative Vergleich wird. Aber vielleicht hilfts ja trotzdem bei der Entscheidungshilfe.
    Die Preise der Noise Gates spielen natürlich eine wichtige Rolle bei der Kaufentscheidung, haben aber keinen Einfluss auf die Platzierung in meinem Ranking.

    Und so sehen die Platzierungen aus:

    PlatzNoise GatePreis Signaltreue Ansprache Besonderheiten
    1TC Electronic Sentry 119,- sehr gutsehr gutMultiband-Funktion, programmierbare Parameter, programmierbare Drehregler
    2ISP Decimator G-String 279,- sehr gutsehr gutLink-Funktion bei der G-String II-Generation zur Ansteuerung eines zweiten Gates (Stereosetup)
    3Electro Harmonix Silencer 59,- sehr gutgut, auch bei minimaler Release-
    Einstellung hörbar verzögertes Gating
    4MXR Noise Clamp M 195 104,- sehr gutgut, Tracking-Probleme bei dyna-
    mischeren Gitarrensignalen
    5Boss NS-2 84,- deutliche Klangfärbunggut
    6Behringer NR 300 19,- deutliche Klangfärbunggut
    1. TC Electronic Sentry

    Mit dem Sentry ist TC Electronic ein ganz großer Wurf gelungen! Die Signaltreue ist exzellent und die Programmiermöglichkeiten heben die Anpassbarkeit des Gates auf ein völlig neues Niveau. Dabei können 3 unterschiedliche Frequenzbereiche festgelegt werden mit unterschiedlichen Einstellungen.

    Wie alle Toneprint-Pedale von TC kann man das Gate über USB-Schnittstelle oder vom Smartphone aus direkt über den Tonabnehmer der Gitarre programmieren. Auch die Funktion und das Verhalten der Drehregler sind so frei belegbar.
    Der Gate-Effekt kann sowohl blitzschnell und knallhart erfolgen mit 100dB Reduktion, als auch eher sanft mit längeren Ausklangzeiten. Die Verarbeitung ist hervorragend und der Preis von 119,- Euro in Anbetracht des opulenten Gesamtpakets ziemlich fair.
    Unangefochtener Spitzenreiter!

    2. ISP Decimator G-String (II)


    Edles Chrom, richtig schwer, gepfefferter Preis - und dann nur ein Drehregler? Bei 279,- Euro Straßenpreis befindet man sich hier auf Edelboutique-Niveau. Erstaunlich gut funktioniert das Konzept aber mit dem einsamen Threshold-Regler, denn unter der Haube werkelt eine ausgefeilte Elektronik ("Linearized Time Vector Processing des Downward Expanders" - alles klar? :rolleyes:), die für ein hervorragendes Tracking sorgt und mit der Dynamik des Gitarrenspiels schön mitgeht. Kurzes Staccato-Spiel oder sanft ausklingende Akkorde - der Decimator G-String verhält sich sehr "natürlich". Einmal den Threshold-Regler passend eingestellt und schon vermisst man weder Decay noch Reduction-Regler. Für Puristen, die keinen Schnickschnack und sich nicht in ewig vielen Einstellmöglichkeiten verlaufen wollen also das ideal Gerät.
    Für Stereo-Setup-Nutzer hat das G-String II noch ein Extra an Bord: Die Link-Funktion, mit dem ein ISP Decimator II gesteuert werden kann, was im zweiten Kanal eingebunden wird.
    Insgesamt also ein extrem funktionales Gerät auf höchstem klanglichen Niveau. Allein das Preisschild ist aber ein dicker Minuspunkt - aber ein exklusives Gerät "Made in USA" kostet eben.
    Übrigens: ich habe "nur" ein G-String der ersten Generation testen können. Das arbeitet aber dermaßen gut, dass ich nicht wüßte, was das G-String in der zweiten Generation besser machen könnte (abgesehen von der Link-Funktion).

    3. Electro Harmonix Silencer

    Weniger spektakulär kommt der Electro Harmonix Silencer daher. Mit den typischen Threshold-, Reduction- und Release-Reglern lassen sich der Schwellwert, die Höhe der Lautstärkeabsenkung und die Schnelligkeit des Gateeffekts steuern. Etwas kurios ist die Funktion des Reduction-Reglers bei niedrigen Einstellungen: hier BOOSTET der Silencer die verrauschten Spielpausen um bis zu 4 dB. Die Leute bei EHX sind halt Freaks! :D Das Tracking ist gut, auch wenn ich mit dem Threshold-Regler etwas zu kämpfen hatte und es irgendwie etwas problematisch ist, bei dynamischerem Spiel die richtige Einstellung zu finden. Gegenüber dem Sentry oder dem Decimator spielt sich der Silencer weniger natürlich. Auffällig war, dass auch bei minimaler Release-Einstellung (also der Einstellung, wie schnell das Gate zuschlägt) ein deutlicher, kurzer Nachklang zu vernehmen war, obwohl das Minimum mit 8ms angegeben ist. Dürfte bei vielen Leuten kaum ins Gewicht fallen, aber wer heftige Staccato-Riffs im HighGain-Sektor auf rauschanfälligem Equipment spielt, der könnte hier ein deutliches Problem attestieren.
    Dafür besticht der Silencer mit hervorragender Signaltreue und einer ordentlichen Dämpfung bis zu 70dB. Für 59,- Euro DIE Empfehlung für Gitarristen mit einem schmalen Budget, die trotzdem nicht auf die Vorzüge eines Side-Chain Noise Gates verzichten wollen.

    4. MXR Noise Clamp M 195


    Der MXR Noise Clamp punktet mit Klangneutralität, macht aber ansonsten nichts wirklich besser als die Konkurrenz. Das MXR kommt wie der ISP Decimator G-String mit einem alleinstehenden Threshold-Regler (="Trigger") aus, hat aber nicht die ausgefeilte Elektronik des ISP Decimators an Bord, so dass das Tracking nicht besonders zufriedenstellend ausfällt und man auch Decay- und Reduction-Regler vermisst. Bei undynamischeren Eingangssignalen macht das MXR treu seinen Dienst, aber sobald man plötzlich etwas sanfter spielt, hängt man mit den Fingern wieder am Trigger-Regler und fragt sich, wie es sein kann, dass ein "einfacher Leisemacher" so widerspenstig agieren kann. Eindrücklich demonstriert dieses Video, dass selbst das betagte Boss NS-2 bessere Trackingqualitäten besitzt.
    Hier kriegt man für üppige 104,- Euro also außer Klangtreue im Gegensatz zur Konkurrenz nicht viel geboten.

    5. Boss NS-2


    Der Klassiker, das Urgestein. Seit 1987 unverändert auf dem Markt und allzu oft verkannt in der Genialität seiner Funktion und lieblos als einfaches Gate irgendwo in die Signalkette gesteckt. Über 20 Jahre das einzige Side-Chain Noise Gate im Pedalformat überhaupt! Nach fast 30 Jahren kann man dem Boss NS-2 immer noch ein gutes Tracking und natürlich die Boss-übliche Unverwüstlichkeit attestieren, dafür ist die deutliche Klangfärbung absolut nicht mehr zeitgemäß. Besonders auffällig ist dabei die Beschneidung der Höhen, was allerdings je nach Musikstil oder persönlichem Geschmack tatsächlich auch hinnehmbar bis vorteilhaft sein kann. Dumpfe Doom-Bands oder viele Bassisten haben damit wohl eher weniger ein Problem. Aber selbst in meiner eigenen Doomkapelle ist das gute Stück vom Board verbannt worden, weil es dem Amp seinen Biss nimmt. In knallharter Analyse findet man die Klangbeeinflussung hier präsentiert: http://parkinthepark.tumblr.com/post/40603345943/noise-gate
    Was mir immer aufgefallen ist beim NS-2, ist die recht gute Unterdrückung von Feedback. Das ist eigentlich kein Feature des Geräts, bewirkt das Gating beim Boss aber auffallend deutlich mit.
    Insgesamt täte dem Pedal also ein Update gut. Grundlegend immer noch ein tolles Gate, aber die miese Klangtreue ist ein echtes Ausschlusskriterium in Hinblick auf die modernere Konkurrenz. Auch preislich wird das Boss mit 84,- vom EHX Silencer ausgestochen.


    6. Behringer NR 300


    Der Billigheimer unter den Side-Chain Noise Gates. Für 19 Euro gibts die komplette Funktionalität dieses tollen Konzeptes und es ist nur allzu augenscheinlich, dass das Behringer NR 300 gnadenlos vom Boss NS-2 abgekupfert wurde. Damit macht das Teil auch alles genauso gut und eben auch schlecht wie das Boss. Lediglich mit dem Kunststoffgehäuse kann das Behringer die Messlatte der Ansprüche noch tiefer legen. Aber gut, viel tritt man auf so einem Gate nicht rum, eigentlich nur einmal pro Spielabend. Aus Stabilitätsgründen lässt sich da also gar nicht wirklich meckern. Hier geht natürlich sehr viel über den Preis: wer die Klangeinbußen hinnehmen kann und mit seinem Sound hinter dem Behringer NR 300 absolut zufrieden ist, kann hier mit sehr wenig Geld ziemlich glücklich werden. Persönlich würde ich dann aber doch eher zum EHX Silencer raten, weil einem vielleicht doch mal das "Tone Sucking" auf den Geist geht und man dann bereut, dass man nicht einfach 40 Euro für mehr Sound und ein stabileres Metallgehäuse investiert hat.



    Abschließend muss ich noch sagen, dass die Tauglichkeit von Noise Gates sehr vom Spiel, dem sonstigen Equipment und vom Musikstil abhängen. In vielen Fällen kann die Wahl eines einfachen, guten Gates über ein teures Side-Chain Gate die bessere sein. Ist das eigentliche Hauptproblem z.B. ein sirrender Pickup, ist eine Side-Chain Gate völlig unsinnig und es reicht ein einfaches Gate direkt hinter der Gitarre.
    Wer hier vor allem konträre Erfahrungen in Bezug auf eines oder mehrere der Pedale gemacht hat, kann dies gerne kundtun! :great:
     
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  2. KTDF

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    Erstellt: 22.01.16   #2
    Das Sentry macht in der Tat einen sehr sehr guten Job, habe mein "G" dafür aufgegeben. Wobei auch dieses ein richtig gutes Teil ist! Abwechslung tut manchmal halt gut.

    Mit dem NS-2 bin ich schon vor Jahren nicht warm geworden - es kommt bei vielen Bodentretern bzw. viel Reverb und Delay sehr schnell an seine Grenzen, wobei das im Bandkontext wiederum nicht so sehr auffällt.

    Ich finde viele Produkte von Behringer nicht nur für Einsteiger gut und sinnvoll. Das NR gehört leider nicht dazu... das was bei uns mal im Proberaum lag (aus einem MegaSuperDuperSpecial-Deal) war nach ein paar Wochen hinüber ... der Eigentümer war aber nicht sonderlich traurig und hat jetzt ein G-String. :-)
     
  3. Handwerker

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    Erstellt: 03.02.16   #3
    Hi KTDF. Ich habe/brauche kein Noisegate. Mich würde aber interessieren, wie Reverb und Delay ein Problem darstellen können. Ich bin immer davon ausgegangen, dass die hinter das Noisegate kommen, da von sich aus relativ rauscharme Effekte und zum Erhalt der Hallfahne.
     
  4. KTDF

    KTDF Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.02.16   #4
    Probleme hatte ich immer, wenn ich mehr als drei oder vier Tretminen genutzt habe, gerade wenn dann noch Reverb und Delays im Spiel waren. Verkabelt habe ich damals als "X", wie von Boss vorgeschlagen. Mal mit mal ohne Amp FX LOOP.

    Ist ein paar Jahre her, daher kann ich Dir leider nicht sehr viel mehr dazu sagen - der Fehler kann auch auf meiner Seite gelegen haben, ich sagte ja ich wurde nicht warm mit dem NS-2.

    Aber natürlich: Man versucht normalerweise die Hallfahne zu erhalten.

    Nebenbei, ich hatte früher diverse Reverbs die schon einige Nebengeräusche hatten.
     
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  5. shadow_dreams

    shadow_dreams Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.02.16   #5
    Also ich habe das Sentry und so verkabelt:

    Gitarre -> Tuner -> Sentry IN - Sentry SEND -> OD/DIST/Fuzz-Pedale -> Amp-Vorstufe -> FX SEND -> Sentry RETURN - Sentry OUT -> Modulationseffekte -> FX RETURN

    Dementsprechend habe ich auch Tremolo, Chorus, Delay usw. hinter dem Gate und habe damit absolut keine Probleme.
     
  6. jfm Blues

    jfm Blues Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.04.16   #6
    Moin!

    ich bin neu hier und erst noch recht jung, spiele aber schon 10 Jahre Gitarre und finde Noise Gates sehr interessant.
    ich persönlich finde das teil von Behringer besonders als Blues-Gitarrist cool. Es beeinträchtigt meinen Sound echt garnicht. Und das für 19 Euro! :Dhabe von Boss den SD1,GE 7,TS Mini,und ein cry baby in dem loop und bin sehr zufrieden!
     
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