Deutsche Texte klingen schnell lächerlich?

  • Ersteller Point Loma
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Sehr seltsam ;)

Ich kann wesentlich besser auf Deutsch texten, weil da weiß ich 100-prozentig ob es richtig ist. Und selbst bei einem Verstoß kann ich einschätzen, ob es durchgeht beim Zuhörer.
Wenn ich englisch texte, bleibt immer die Unsicherheit, ob es der "native speaker" nicht "awkward" findet. Da lasse ich dann immer jemand drüber schauen.

Was ich an den meisten Schlagern und Volksliedern gruselig finde, ist die Art des Vortrags. Ein und der selbe Text von jemand anders gesungen kann ganz anders wirken. Stellt euch vor die Amigos singen einen Song von den Ärzten, das würde genauso grottig klingen wie alles was die bringen. Würden die Ärzte was von den Amigos singen, käme es wahrscheinlich total ironisch rüber und wäre unter Umständen ziemlich cool. Der Effekt war doch schon bei Otto Waalkes und Mike Krüger immer zu bemerken, wenn die ihre Parodien brachten. Die Schlagertexter und -sänger nehmen sich einfach zu ernst, das macht sie so unerträglich.

Lächerlich klingt es eben, weil man sofort hört, wenn da was schlecht, verlogen (die Capri-Fischer müssen hart schuften, ihr Leben ist in Wirklichkeit nicht romantisch) oder unlogisch (alles was ich an dir mag,ich mein das so weil ich es sag -> dem Reim wird die Logik geopfert) ist.

LG
Alura
 
Ist bei Englischen Texten häufig anders. Da wird häufig Alltagssprache verwand. Klingt im Englischen aber auch, meiner Meinung nach, um einiges besser. Sucht mal ein passendes, deutsches Pendant zum Englischen "Fuck" (mal ganz drastisch). Gar nicht so leicht, nicht wahr? "Fick" hat keinen Sinn, "Scheiße" klingt nicht hart genug, "verdammt" ist zu elegant, "verfickt" ist irgendwie auch nicht das Wahre.

Gerade darin liegen doch die Möglichkeiten. Die deutsche Sprache ist hoch komplex. Wir können uns um ein vielfaches präziser ausdrücken, als der Engländer, dem sehr viel weniger Wörter zur Verfügung stehen, welche dann jedoch offen(er) für breite Interpretation sind. Das macht das Schreiben auf Deutsch sicherlich zu einer großen Herausforderung.. der sich zu meiner Freude mittlerweile viele junge Leute stellen.

Außerdem glaube ich, dass es schwerer ist, sich in seiner Muttersprache auszudrücken. Du bist sicherer im Sprachgebrauch, demnach dann auch kritischer und neigst dazu, dein Muster aus alltäglichen Gesprächen auf Text zu übertragen. Gerade die Beispiele die oben genannt wurden - Tex, Jupiter Jones, Kettcar - schreiben alle sehr metaphorisch. Sie bringen's nie direkt auf den Punkt. Lassen immer genug Raum für die eigene Interpretation des Hörers. Das klingt nicht nach Zeilen, die auch im alltäglichen Gespräch fallen würden. Was ich damit sagen möchte: Schreiben auf deutsch braucht 'ne Menge Praxis... aber können dafür (zumindest ist das bei mir so) auch tausend mal mehr ausdrücken, berühren, etc.
 
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Intressante Diskussion:gruebel:

Ich bin eigentlich der "normalo" Radio hörer und ich muss hier mal bestätigen, auch wenn mein Englisch jetzt nicht grottenschlecht ist, das ich euch nicht erzählen kann worum es in "Hotel California" geht.
Auch bei "knocking on Heavens Door" und weiteren Modernen Klassikern bin ich absolut aufgeschmissen, aber das liegt eben daran das sie im Radio quasi "vorbei dudeln".
Ein aktives konzentriertes Hören findet nicht statt, somit setzt ich mich auch nicht mit den Text auseinander...

Aber das selbe passiert auch bei deutschen texten... die "analen Ritter des Lichts":D gehen genauso vorbei wie "like a Satelit" und ich weiß bis heute nicht was mir silbermond damit sagen will.
Die Songs haben eben ein "Feeling" das hängen bleibt, auch wenn man (wie in meinem Fall) nichts versteht.

Ach um mal wieder zum Hauptthema zu kommen.
Auch in der Deutschen sprache ist nicht alles gesagt, auch wenn die Liedermacher Zeit von Hannes Wadner, Rainer May & Co. schon vorbei ist...
Den hier hab ich live beim warten auf Götz Wiedmann gehört und ich find seine songs super:
http://www.youtube.com/watch?v=6yREYfNm-R0&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=JqvZMwHiQaU&feature=related
oder hier live:
http://www.youtube.com/watch?v=XQaLsjlmiNI
 
[...]Gerade darin liegen doch die Möglichkeiten. Die deutsche Sprache ist hoch komplex. Wir können uns um ein vielfaches präziser ausdrücken, als der Engländer, dem sehr viel weniger Wörter zur Verfügung stehen[...]

Dass die deutsche Sprache hochkomplex ist, da kann ich dir zustimmen. Alleine schon dass wir vier Fälle haben, macht viele Leute verrückt. Allerdings hab' ich etwas anderes gelesen in Bezug auf die Anzahl der Worte, die uns zur Verfügung stehen. Ich kann mich nicht mehr an die genaue Zahl erinnern, ist schon ein paar Monate her, ist aus einem Englischbuch gewesen. Da stand etwas von etwa 500.000 Wörtern im Englischen und etwa 100.000 im Deutschen.
Aber zugegeben, kein Englischsprechender kennt alle, genauso wenig, wie wir alle 100.000 Wörter benutzen würden. Vielleicht ist das der Grund, warum Englische Texte schnell in die Alltagssprache rutschen.
 
Nochmal kurz eingeklinkt: Unabhängig von der Anzahl der verwendeten oder existierenden Wörter ist Englisch halt einfach kürzer als Deutsch - die Grammatik ist simpler, und man hat weniger Buchstaben.

Beispiel:

Bryan Adams / Summer of 69:
"I got my first real six-string" (6-7 Worte / 25 Zeichen inkl. Bindestrich) / SIEBEN SILBEN!)
"Ich bekam meine erste echte sechssaitige (Gitarre)" (6-7 Worte, Ohne "Gitarre" versteht man's nicht, 35-41 Zeichen, 13-15 Silben)

ACDC / Highway To Hell:
"I'm on the Highway to Hell" (6-7 Worte / 21 Zeichen inkl ' / SIEBEN SILBEN!)
"Ich bin auf der Autobahn zur Hölle" (7 Worte / 28 Zeichen, Schnellstraße wäre noch länger, 10 Silben)

Für mich ist es vor allen Dingen die Zahl der Silben, die unterzubringen sind, die das auf Deutsch so schwer machen.

Ansonsten empfehle ich für wirklich gute und eingängige und tiefgründige Texte nach wie vor den Meister Udo Lindenberg - in vieler Hinsicht so was wie ein deutscher Bob Dylan... :)
 
"Was geht, das geht
was nicht, das nicht
es ist schon spät
ein letztes Licht
brennt im Haus gegenüber"

Und jetzt, mein Lieber, übersetze mir diesen Text so getreu wie deine Beispiel (also wortwörtlich, sinnbehaltend, korrektes Englisch) - ohne dabei mehr Silben als im Deutschen zu verwenden! ;)

Es sind einfach zwei verschiedene Sprachen, mit verschiedenen umgangssprachlichen Elementen darin. In beiden Sprachen kann man knackig und direkt starke Botschaften vermitteln - nur selten die gleichen. ;)
 
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;)Und jetzt, mein Lieber, übersetze mir diesen Text so getreu wie deine Beispiel (also wortwörtlich, sinnbehaltend, korrektes Englisch) - ohne dabei mehr Silben als im Deutschen zu verwenden! ;)

Natürlich, das ist ein weiterer Aspekt. Und ich bin bei Dir, dass eine "Übersetzung" in diesen Fällen nicht wirklich machbar ist - das ist ja allgemein bei Poesie (was gute Songtexte ja sind) ein Thema für sich. Wo immer man Slang / Umgangssprache / Alltagssprache hat, wird es mit der Übersetzung schwer bis unmöglich - es sei denn, man kennt eben wirklich die dazu passende Umgangssprache im anderen Land. Gerade die Übersetzung von Rap-Texten fordert eigentlich Kenntnis beider "Straßensprachen" - de facto unmöglich. Auch da, wo es eben um einzelne "Subkulturen" geht, gibt es schnell grenzen.

Also ganz klar "Point Taken" - das ist wahr so, es kommt auf die richtige Anwendung der jeweiligen Sprache an. Und Dein Beispiel ist meiner Ansicht nach ein wirklich "gutes" - es nutzt das, was Leute wirklich sagen, verbindet es mit schöner poetischer Sprache - darus wird dann ein Text, der berühren kann. Viele deutsche Texter verfallen hingegen meinem Eindruck in eine "Kunstsprache", die dann "gekünstelt" klingt und nicht wirklich das trifft, was sie eigentlich soll. Nicht falsch verstehen - Wortverdreher a la Wir Sind Helden oder auch mein Lieblingsbeispiel Udo Lindenberg haben auch ihren Platz - sie schaffen ja trotzdem, ihre "eigene" Sprache in die aktuelle deutsche Sprache einzubinden.

Ich bleibe aber dabei, dass "Texte" im Durchschnitt auf Englisch kürzer gehen als auf Deutsch - vielleicht ist es aber so, dass das bei "guten" Songtexten eben nicht der Fall ist? Interessanter Aspekt... :great:

Der gestellten Aufgabe stelle ich mich trotzdem, :D, auch wenn ich jetzt schon weiß, dass ich scheitern werde... aber versuchen will ich's dann doch, da sieht man dann auch hoffentlich gut dran, wie das mit dem "Übersetzen" so ist... zumal ich ja nun auch kein Muttersprachler bin, ich hab' nur diverse Schul- und Studienjahre im englischsprachigen Ausland verbracht, bin aber grundsätzlich im Deutschen "daheim".

Also: Erstes Problem ist das "Was", das heißt ja hier nicht nur das Fragewort, sondern eben auch "etwas", bestimmte Dinge, Abläufe, etc. - das gibt's so nicht in meinem englischen Wortschatz. Zweites Problem ist "geht", das kann "funktionieren" bedeuten, oder auch "gut sein", positiv, etc. - daraus erwächst das dritte Problem: Ein gerufenes "Was geht'n Alter" ist so eine Redewenung an sich, so ein komplettes Gebilde, das kann man praktisch nicht vernünftig transportieren. Dann kommt dazu, dass Lichter im Englischen häufig nicht "brennen"... einzig mit "es ist schon spät" gibt's was.

Zufrieden kann man damit nicht sein, aber ich finde die Herausforderung spannend. Den Sinn treffe ich aber nur zum Teil...

What works, (just) works (3-4 Silben, +/-0 ggü. der deutschen Version... ist mir aber bewusst, dass ich den Umfang von "was geht" nicht treffe. Muss passen, da fällt mir nix ein)
What doesn't (simply) doesn't (3-4 Silben, +/-0)
It's already late (5 Silben, +1)
One final light (4 Silben, +/-0 - "one last light" wäre eine Silbe weniger, aber sprachlich fühlt sich das falsch an)
is burning in the house across the street (10 Silben, da war's dann aus ;), +3... auch hier wäre "is on" ein Silbchen kürzer... man könnte auch "...in the opposite house" sagen, das klingt aber auch bescheuert und sagt so keiner).

Also - ein erster (wenn auch wacklicher) Beweis Deiner These (und meines Bauchgefühls), dass es eben auf die "richtige" Sprache ankommt und dass man auch im Deutschen durchaus knapp und präzise und treffend sein kann. Also: einfach machen!
 
Schön erklärt, was genau das Problem ist. ;)

Deutsche Songtexte sind oft aus der Kunstsprache, ja - während englische sehr aus der Umgangssprache kommen. Die deutsche Umgangssprache wird übrigens immer populärer, zumindest in Österreich - der sogenannte "Austropop" hat herrliche Texte hervorgebracht, die sehr authentisch waren (und sind).

Ich erwische mich selbst grad gern dabei, Ideen sofort auf Englisch zu denken, weil dort "knackige" Formulierungen eher drinnen sind als im Deutschen (momentan). Also es ist nicht so leicht, dass beide Sprache in ihrer Anwendung gleich betrachtet werden können. Machbar ist es auf jeden Fall, meine Signatur ist ja auch so etwas, was nicht leicht übersetzbar:

"It's always already too late
and I've never been on time

But for me this should only mean,
that I can try again"

Es fließt natürlich nicht, der Reim ist weg (genau wie bei deiner Übersetzung) - wenn man die Geschichte auf Englisch sagen will, wird es eine andere Geschichte. ;)

Achja, sowohl meine Signatur als auch das Fragment im Beitrag zuvor ist beides von mir, danke für das Kompliment. ;)
 
Die deutsche Sprache mag zwar an gewissen Stellen schwieriger sein als Englisch aber es gibt genug Sprachen, die noch sehr viel komplexer sind und umfangreichere Grammatik haben.

Und dann gibt es noch tonale Sprachen, bei denen ihr nicht wie im Deutschen ein Gefühl in Betonung und Tonlage "kodieren" könnt, sondern um das richtige Wort zu sagen/singen müsst ihr losgelöst von Gefühl Tonlage und Betonung treffen und das während ihr singt. 100Mio chinesischen Popschnulzen - und ja ich meine wirklich SCHNULZEN - hat das keinen Abbruch getan. Also es geht noch viel "schlimmer" und schwieriger - vielleicht ist das ja ein kleiner Trost :)

Wortschatz Umfang zu vergleichen ist denke ich nicht sehr zielführend und man findet mitunter auch Zahlen wie 700.000 im Englischen und 400.000 im Deutschen - nur was sagt dir das dann?
 
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Ansonsten empfehle ich für wirklich gute und eingängige und tiefgründige Texte nach wie vor den Meister Udo Lindenberg - in vieler Hinsicht so was wie ein deutscher Bob Dylan... :)

Kettcar-Sänger Marcus Wiebusch schreibt auch sehr tiefgründige und poetische Texte, die ich immer gerne bewundere.

Mach immer was dein Herz dir sagt
Da muss viel mehr Weisheit in mich rein
und ich weiß genau dein Herz ist gut
und weiß ganz genau meins wird zu Stein
und ein letzter flotter Spruch zum Schluss
Nicht von Anfang an gewusst
Nicht von Anfang an geahnt
was war und ist, kommt und bleibt
Es tut uns nicht leid
so sieht's aus - unterm Strich:
es tut uns nicht leid

- 48 Stunden
 
Wen ich als Texter_in sehr schätze, weil sie beide sehr direkt schreiben und rappen, ohne ins Peinliche abzudriften, sind Lena Stoehrfaktor und Blank von Conexion Musical.
Lena Stoehrfaktor - Komisch

Ich kann nicht überflexibel und nicht schnell sein ...
Blank - 200 Billionen Puzzlestücke

Ich verstecke mein Gesicht hinter Handflächen Anderer...
Zitate stark gekürzt, da sie in der ursprünglichen Form dem Recht des Urhebers widersprachen:

1. Erst 70 Jahre nach dem Tode des Schöpfers läuft der Urheberrechtsschutz ab.

2.
Sog. "Kleinzitate" (§ 51 Nr. 2 UrhG) sind zulässig, wenn lediglich einzelne Ausschnitte eines fremden Werkes nach dessen Veröffentlichung in ein eigenes Werk übernommen werden. Voraussetzung ist aber eine eigene geistige Auseinandersetzung mit dem Zitat bzw. eine Einbindung in ein neues, eigenständiges Werk. Das reine Zitieren zur Kenntnisnahme der Allgemeinheit reicht nicht aus. Ob ein neues eigenständiges Werk vorliegt, bestimmt sich nach dem Verhältnis der Länge des Zitates zur Länge des zitierten Werkes.
3. Im Internet sollte neben Nennung des Namens vom Urheber ggf. ein entsprechender Link gesetzt werden.

Quellen:
- Urheberrecht , Rechtsprechung
- Punkt 2 zusammengefasst durch: http://www.praetoria-legal.com/aktuelles/einzelnews/article/9/Zitatrecht-Inhalt-und-Grenzen.html
 
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