Meine Lehre habe ich 1991 beendet. Damals hieß es, dass man Grauguss nicht schweißen kann. Das könnte sich mittlerweile geändert haben, das weiß ich aber nicht so genau. Ich habe mittlerweile schon öfter gehört, dass das jetzt wohl gehen soll. Oder besser gesagt: dass das gemacht wird. Gusseisen ist aber nicht immer gleich Grauguss. Die Gussplatte im Klavier ist allerdings Grauguss.
Wenn ein Riss in der Diskantspreize ist, dann ist die Stabilität der Platte und der gesamten Konstruktion nicht mehr gegeben. Dann hält das Klavier die Stimmung nicht mehr. Die Platte wurde ja nicht aus Jux und Dollerei da eingebaut, sondern um die Zugkräfte der Saiten aufzunehmen. Wenn sie das nicht mehr kann, ist halt vorbei mit der guten Stimmung.
Es kann sein, dass anfangs nur ein ganz feiner Riss zu sehen ist, der sich aber im Laufe der Zeit so weit ausbreitet, dass die Strebe schließlich komplett durchbricht. Deswegen ganz grundsätzlich: Finger weg von Klavieren mit Gussplattenriss. Es gibt allerdings auch Stellen, wo ein Riss nicht unbedingt was ausmacht. Aber die Diskantspreize gehört leider nicht dazu, da ist es am schlimmsten. Man kann sich aber auch irren: ich hab mal über die Jahre immer wieder ein Klavier gestimmt, das im Diskant (nicht an der Spreize, sondern oberhalb der Silie) einen sehr feinen Haarriss hatte, den man kaum sehen konnte. Ich dachte mir dass das an der Stelle wohl eher nichts macht. Und jedes Jahr musste ich aufs Neue den Riss suchen, weil der wirklich kaum zu sehen und sehr fein war. Irgendwann wurde der aber immer größer und irgendwann war da eine klaffende Wunde. Und die Stimmung hielt überhaupt nicht mehr.
Die Spielart ändert sich von der Mechanik her nicht, aber wenn ein Klavier nicht mehr stimmbar ist dann ist es auch nicht wirklich spielbar. Selbst wenn man die Platte schweißen könnte, muss man sie vorher natürlich ausbauen. Und dann ist die Frage, wie man sie schweißt. Denn sie hat sich ja verwoben/verwölbt. Deswegen ist sie ja schließlich auch gebrochen. Sie wurde wohl nicht richtig angepasst. Sollte man sie also wieder in exakt die selbe Form bringen wie sie vorher war? Geht das überhaupt? Oder sollte man einfach gewölbt schweißen und dann neu anpassen? Hält das oder reißt sie dann an anderer Stelle? Ehrlich gesagt bin ich da auch überfragt. Auf jeden Fall ist das eh nur etwas, was man im Rahmen einer Generalüberholung machen würde. Und die benötigt mindestens 100 Arbeitsstunden (ohne Gehäusearbeiten wie Lackierung und so). Plus Material wie Wirbel, Saiten, Hämmer, Dämpfer usw.
Wenn eine Gussplatte reißt, dann muss das wohl einen ohrenbetäubenden Knall geben. Hab ich zum Glück noch nie selber erlebt, aber davon gehört. Von Kollegen, denen das beim Stimmen passiert ist. Oder wo die Platte einen Tag nach der Stimmung geknallt hat.