Harley Benton HBV840,
Tei 1:
ist gestern gekommen. Erste Augenscheinnahme: ganz ok
2. Augenscheinnahme: Ahhh, sie hat einen A-Wirbel-Riß!
Deshalb wandert sie am Mo wieder zurück zu T. Das geht mal garnicht.
Die Hardware:
Der Korpus besteht aus einer Art Esche. Könnte aber auch was ähnliches sein (da bin ich mir nicht sicher, denn es gibt sowohl Tropen- wie Asiatische Hölzer, die dem sehr ähneln können). Die Verarbeitung ist solide. Da verbiegt sich nix und schein richtig stabil. Der Hals ist aus Ahorn (kein Zweifel). Dieser Hals+Schnecke ist ein typischer Fräsling unterster Qualität - vor allem die Holzqualität erscheint mir sehr grenzwertig. Wahrscheinlich ist das mit der Grund, warum der A-Wirbel beim Einpassen geplatzt ist. Da hat vermutlich der Arbeiter gepennt und das schlechte Holz das seine dazu beigetragen. Jedenfalls so ist das ein wirtschaftlicher Totalschaden. (ich reparier das nicht)
Das Griffbrett ist auch nicht der burner - wahrscheinlich nachgebeizt.
Die Deckenmensur stimmt, die Halsmensur ist 3mm zu lang.
Der Steg ist ein Barock-Steg-Rohling - mittelprächtig auf Maß gebracht. Das ist fürs erste ok, nur die Barock-Form halte ich klanglich für keine gute Wahl.
Der Saitenhalter ist vermutlich ein chinesischer Eigenbau. Funktioniert ganz gut, nur die Feinstimmer-Schrauben sitzen etwas zu eng beieinander (für meinen Geschmack). Funktional spielt das aber keine große Rolle. Endknoppf: Messingring und Schraube - ok, kann man machen.
Der Obersattel ist (oh Wunder) lieblos und unschön gearbeitet. Die Kerben der Saiten stehen mir zu dicht zusammen. Ich mag es eher etwas breiter, als Standard (so etwa + 0,5mm). Hier würde ich in jedem Fall einen neuen Obersattel von einem Geigenbauer empfehlen. Dabei kann man die zu lange Halsmensur auch etwas korrigieren. Die Halsbreite ist auch am unteren Ender der Skala. Hier stand vielleicht eine Sächsische als Vorlage Pate. 23 mm am Obersattel ist 1 mm zu wenig. Könnte man mit einem neuen Griffbrett auch etwas korrigieren - muß aber nicht zwingend. Die Halsrundung ist eher elliptisch als halbrund - mag ich auch nicht so arg, aber man gewöhnt sich an vieles.
Beim Spannen der Saiten kam der Hals etwas nach vorne, so daß die Saitenlage am Griffbrett hoch ging. Ein Indiz für eine schlechte/weiche Holzqualität. Auch nicht soo schlimm, aber man muß die Saitenlage am Steg korrigieren - mindestens 2mm tiefer. (das ist nicht wenig) - Keine Arbeit für einen Laien.
Die Wirbel sind nur grob eingepaßt und stehen noch weit heraus. Ohne daß ich da jetzt viel rumprobiert hätte, würde ich sagen: da gehören neue rein. Aber bei HB passen die Wirbel besser, als anfangs bei der Yamaha SV100 als ich diese bekam. Könnte man zur Not auch lassen.
Insgesamt ist sie robust gebaut und das Gewicht ist nicht schlecht. Es muß einiges modifiziert werden - keine Frage.
Ich würde sagen: ohne Wirbel-Riß ist das ne ganz gute Basis und der Preis schein ok. Zusätzlich sollte man aber 150 Euronen für einen Geigenbauer einplanen, dann hat man eine gut funktionierende Geige.
Einschub:
Vorteile: Robust. Man kann jeden handelsüblichen Kinnhalter und Schulterstütze einsetzen, da angefräster Randüberstand.
Ich frage mich, wozu man rechts die Geigen-Ecken braucht. An sowas bleib ich gerne mit dem Fingernagel hängen. Jedenfalls wird Modell 2 (die Austauschgeige) nicht so bleiben - is klar, oder?
Zum Kinnhalter sei noch angemerkt: vielleicht benötigt man kürzere Schrauben für die Kinnstütze, da die Zargenhöhe+Decke+Boden deutlich kleiner ist, als normal. Ist ja auch gut so. Diese Schrauben gibts beim Geigenbauer und kosten nicht viel.
Klanglch habe ich noch nichts probiert - das kommt in Teil 2, wenn die neue da ist.
cheers, fiddle