Anspielen ist wirklich sinnvoll - es kann absolut passieren, dass Du Dich auf dem einen Modell unheimlisch schwer tust und auf dem anderen geht alles wie von selbst. Vom Klang ganz zu schweigen. Beides kann sich nach kurzer Zeit zum ultimativen Motivationskiller entwickeln. Guck nur mal bei Ebay, wie viele Leute da ihre Starterkits komplett wieder loswerden wollen. Die Beschreibungstexte sprechen manchmal Bände.
Dummerweise besteht die Gefahr, wenn man echt noch gar nix kann, dass es einem nicht mal unbedingt beim Anspielen auffällt, ob und wie gut man mit einem bestimmten Hals zurecht kommt. Vor diesem Hintergrund kann es doch eine gute Idee sein, erst mal eine gebrauchte Chinakopie oder so was billig bei Ebay herauszufischen - ausschließlich um darauf erst mal ein paar Fingerübungen, einfache Melodien und Riffs zu lernen. In den ersten paar Wochen wird es Dir nämlich wirklich weitgehend wurst sein, wie gut oder schlecht das Teil bespielbar ist und/oder klingt, vor allem wenn Du keine Vergleichsmöglichkeiten hast.
Und DANN, wenn Du erst mal flüssig eine Bluestonleiter, "Smoke on the Water" und "Lady in Black" sowie die nötigsten Lagerfeuer-Griffe schrammeln kannst, dann hast Du im Musikladen wenigstens was zu tun. Dann kann das gebrauchte Teil über Ebay immer noch bei vertretbarem Verlust wieder abgestoßen werden. Oder vielleicht taugt es ja doch was und man behält es als Zweitklampfe, oder man kann die Saiten höherlegen und es zur Slideguitar umwidmen oder so was.
Allerdings sollte man dabei bedenken, zu welchen Preisen es diese Instrumente beim Versender gibt. Die billigsten Teile bietet beispielsweise
Thomann* für 79 Euro an - und der liefert ab 25 Euro gratis. Da ist es echt absolut sinnlos, für so ein Teil gebraucht bei Ebay auch nur die Hälfte auszugeben, zumal da noch heftig Versandgebühr drauf kommen kann und ein Privatverkäufer weder 30-Tage-Geld-zurück noch Gewährleistung bietet.
Ich würde zudem empfehlen, am Anfang kein Instrument mit Tremolo zu kaufen, weil das gerade im unteren Preissegment oft nicht ohne intensive Nacharbeiten gescheit funktioniert, den Saitenwechsel unnötig kompliziert macht und man das Instrument nicht gut gestimmt bekommt. Mit anderen Worten: Für Einsteiger mehr Schaden als nutzen.
Verstärkerseitig kann ich die
Behringer* Analog-Modeller V-Tone GM108 und GM110 empfehlen, die ich auch selbst spiele. Aus diesen kleinen Brüllwürfeln bekommt man auch ohne digitale Effekte mit wenig Aufwand Sounds heraus, die schon ziemlich nah an den bekanntesten und gefragtesten Amps liegen. Der größere ist dazu auch vom Gehäuse her sehr solide gemacht. Eine andere Empfehlung sind jegliche Amps von Rath, insbesondere der Retro 20, der man mitunter gebraucht für um die 110 Euro bekommt. Der klingt einfach schön und ist lila. (Ist natürlich subjektiv.) Einen auch leise gut klingenden kleinen Übungsverstärker wirst Du unter Umständen länger behalten wollen als die erste Übungsgitarre, selbst wenn später mal was größeres ins Haus kommt.
Eine empfehlenswerte Schule ist in meinen Augen "Rock Guitar Basics" von Peter Fischer; das beste ist aber immer noch ein gescheiter Lehrer.