Ich hab mir den Artikel durchgelesen und dann mal das eine genannte Beispiel angehört, nämlich "drivers license" [sic!] von Olivia Rodrigo.
1. Ich erkenne da eine klare Struktur, nämlich in etwa folgende:
Strophe, Strophe, Chorus, Strophe, Chorus, Bridge, Chorus. Harmonien und Melodien (und im Chorus auch der Text) wiederholen sich jedenfalls. Gut möglich, dass ich Details übersehen hab, aber auf den ersten Blick ist das 100% konventionell. Die Szenen im Musikvideo unterstreichen diese Struktur meiner Meinung nach übrigens.
Ganz am Ende gibts einen lustigen Twist: Sie wiederholt in ganz klassischer Manier die letzte Zeile. Allerdings endet die Zeile beim ersten Mal auf dem gleichen Akkord wie die vorigen Male auch, und nur bei der Wiederholung endet sie auf der Moll-Parallele. Also umgekehrt zu dem, wie es traditionell wäre.
2. Ich finde, das ist ein extrem starker Song mit einer Wahnsinns-Sängerin. Ja, das, was ich als Bridge bezeichnet hab, könnte auch der Chorus von einem anderen Lied sein. Das stimmt schon. Aber dass an dem Lied mehr als nur der Chorus catchy ist, ist ja wohl nichts Schlechtes, oder? Außerdem ist der Aufbau des ganzen Songs sehr dynamisch. Vor allem die Stimme trägt die Dynamik. Man muss einmal vergleichen, wie sie Chorus 1 und 2 singt - das ist einfach nur absolute Spitze. Der letzte Chorus ist dann wieder sehr, sehr leise.
Ich hab den Song angemacht und erwartet, irgendwas zu hören, was ich blöd finde und nicht verstehe und wo ich denke: "Ok, einfach nicht meine Welt, ich bin halt ne andere Generation." ...ich wurde sehr positiv überrascht.
Das, was der Artikel mit "Hook after Hook after Hook" beschreibt, klingt für mich aber tatsächlich zum Fürchten. Von daher kann ich die kritischen Kommentare hier total verstehen. Die pausenlose Reizüberflutung ist was, wovon ich mir selber regelmäßig ne Pause nehmen muss. Ein besseres Beispiel dafür ist meiner Meinung nach das Album "50mg" von Gable Price and Friends. Die Musik ist genial, und der, der das gemixt hat, auch. Aber das ist so derart komprimiert, dass ichs mir nicht anhören kann. Nicht mehr als zwei Lieder am Stück jedenfalls. So eine extreme Kompression ohne Artefakte und dass es einfach nur plump und unbeholfen klingt, muss man erstmal hinkriegen. Aber ich finds trotzdem echt schlimm.