Ein Trip in die Welt der irisch-schottischen Musik


Bernnt
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@diatoner, @Frank.M., mal andersrum gefragt: Gesetzten Fall, Ihr müsstet 3-5 bekannte einfachere irische Stücke zum Reinkommen empfehlen: Welche wären das? Wenn es für mich und andere Einsteiger Sinn macht, könnte ich mich auch darauf einlassen.

Mein Überflug, von dem ich mich auch abbringen lasse, überquert zunächst einmal die britischen Tunes "Shepherd's Hey", weil es einfach ist, rhythmisch charakteristisch und langsamer, so dass man Verzierungen ausprobieren kann, "Bear Dance" (einfach, mollig, langsamer) und "Balance the Straw" (6/8-Takt,langsamer). Dann ginge es über das flottere Schottland ("The Plane Tree") nach Irland (Einstieg "Morrison's Jig"). Dort ist dann ein längerer Aufenthalt bei bekannteren Stücken geplant.
 
Wil_Riker
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3-5 bekannte einfachere irische Stücke zum Reinkommen empfehlen: Welche wären das?
Irish Washerwoman, The Blackthorn Stick und The Rakes of Mallow - alle drei auch in deutschen Volkstanzkreisen mehr oder weniger bekannt ;). Freie Versionen finden sich über die bekannten Suchmaschinen...

Vor knapp 20 Jahren hatte ich mal das Vergnügen, bei einer englischen Morris Group zu Gast sein zu dürfen, und war ebenfalls etwas erstaunt über die "Melodeons" in H/C bzw. C/Cis :confused:.
 
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Für nicht ganz so geübte wären einfachere irische Polkas ein guter Einstieg. Es kommt da kaum darauf an, welche man nimmt, sondern darauf, damit die irischen Spielweise zu versuchen. Also z. b. die Bässe auf Zählzeit 3 wegzulassen, wie in den meisten reels, , ein paar Verzierungen einzubringen, z. B. ein paar Vorschlag- Noten. Da kann man als Vorübung gern einfach mit "what shall we do with the drunken sailor" ein paar Dinge ausprobieren, auch schon mal das Tempo etwas anziehen. Danach wäre ein einfacher Einstieg :
Britches full of stitches
Ballydesmond Polka

Beide lassen sich gut miteinander kombinieren.

Du findest beides in Akkordeon Versionen im Netz, sogar miteinander kombiniert, wie oben beschrieben.

Ein eher leichtes, aber sehr schönes Stück, bei dem man ohne Ende Verzierungen ausprobieren kann, und welches auch in langsamem Tempo sehr gut klingt, ist

Road to Lisdoonvarna

Danach kann man schon fast mit dem Cooley's reel loslegen.
 
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irisch-schottisch als eins zu betrachten ist folklore.
die jeweiligen musiker würden widerwillig nur den kopf schütteln.
für reinschmecker eine frage des anspruchs.
Grüße
gräfin mariza ;-)
 
Bernnt
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irisch-schottisch als eins zu betrachten ist folklore.
Liebe gräfin mariza,
Eure Durchlaucht, Ihr untertreibt ganz gewaltig mit Euren gesegneten Hinweisen. Ihr legt Eure Finger in die noch bescheidenen Wunden, die die weit ausholenden Ausgeburten der musikagelahrten Literaturschmieden bis dato hinterlassen haben. Schotte=Waliser, Waliser=Ire, Ire=Bretone, weil Schotte,Waliser,Bretone,Ire=Kelten?, deren Musik dasselbe?? Man werfe einen bescheidenen Blick auf das Deckblatt dieses quellengetränkten Machwerks und staune:

1 - Deckseite Celtic Music Buch.JPG


Es muss Sie dann nicht verwundern, dass das erste Capitulum dieses Papiermonsters unverfrohren überschrieben ist mit: "1. What is Celtic music?".

Es grüßt ehrerbietigst und untertähnigst:hail:
ein tanzender Bär beschränkten Wissens aber frohen Gemüts im keltischen Porzellanladen😉
 
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irisch-schottisch als eins zu betrachten ist folklore.
die jeweiligen musiker würden widerwillig nur den kopf schütteln.
Soweit ich informiert bin, wird irische Musik traditionell auch sehr viel über vorspielen und zuhören weitergegeben. Und hat seinen Ursprung unter anderem auch darin, dass in den Besatungszeiten die Tradition gebrochen werden sollte , ergo auch die Niederschrift der traditonellen Musik untersagt war... was dazu geführt hat, dass sich die Widerständler in den Hinterzimmern der Wirtschaften getroffen haben und durch spielen und zuhören ihre Musik weitergegeben haben.

Und vor diesem Hintergrund leuchtet es mir auch ein, dass "echte " Iren nur den Kopf schütteln, wenn ihre Musik mit schottischer in einen Topf geworfen wird.

Und es gibt auch bei uns eine gewisse "irische Szene" die sich auf Veranstaltungen trifft miteinander musiziert und ihre Musik so auch zum guten Teil weitergibt. Diese Treffen haben auch den Vorteil dass man hört , wie die Musik gespielt wird - man bekommt schnell eine besser Vorstellung welche Musikmuster, Verzierungen und sonstigs üblich ist und wie s angewndet wird.
 
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diatoner
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Ich glaube, daß es in der internationalen und speziell in der Europäischen Musikscene große Einigkeit gibt, daß die Bezeichnung keltische bzw. gaelische Musik alles aus dem entsprechenden Sprachraum meint. Das hat nichts mit musikalischer Gleichmacherei bzw. in einen Topf werfen zu tun. Ich verstehe wenn Iren an der einen oder anderen stelle den Kopf schütteln, das hat aber eher politische Ursachen als musikalische, und ist durch tausend Jahre Unterdrückung zu erklären.
 
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Soweit ich informiert bin, wird irische Musik traditionell auch sehr viel über vorspielen und zuhören weitergegeben.
Ja, das stimmt. Aber es war sehr früh üblich, das gesamte Material zu sichten. 1991 schuf der musikbegeisterte Mathematiker Chris Walshaw dann die ABCNotation, nicht zuletzt um Volksmusik im Internet zu tradieren. Herausgekommen ist eine riesige Datenbank, die aus alten wie neuen Stücken besteht. Die ABCNotation ist auch für uns hier von Bedeutung. Ich benutze Sie, um Stücke auf https://abcnotation.com/search zu sichten, verwandte Stücke kennenzulernen, sie als musicXML herunterzuladen und in Musescore weiter zu editieren. Man kann aber sich dort auch eine ABCNotation herunterladen, um sie in der Internetseite https://editor.drawthedots.com/ nach eigenen Wünschen anzupassen. Dort kann man einzelne Töne und Akkorde ändern, die ABCNotation in Noten verwandeln und sie ausdrucken. Zum Transponieren zweckentfremden viele Leute die Internetseite http://mandolintab.net/abcconverter.php. Damit haben wir zumindest zwei Wege, wie sich die Musik weitergibt: Persönlich innerhalb von Familien, Freunden und Schüler-Lehrer-Beziehungen und über das Internet nicht nur in Form von Videotutorials sondern auch über effektive Lieddatenbanken.

Letzteres hatte dann die Konsequenz, dass man nun vielleicht nicht mehr genau weiß, was nun irisch ist und was nicht. Die wichtigste Datenbank für irische Musik ist die von @diatoner genannte Seite www.thesession.org. Dort wurde Material eingestellt, was man im irischen Bereich so spielt. Aber nun der Clou: Mein "Shepherd's Hey", das ich oben eingespielt habe, findet sich genauso dort wie die von mir ursprünglich geplanten Stücke "Bear Dance" und "Balance the Straw", die eher aus England stammen... Was ist traditionell irisch? Das was ursprünglich aus Irland stammt? Das was von irischen Bands mit traditionellen Instrumenten gespielt wird? Das was nur irische Bands spielen? Das was von irischen Datenbanken tradiert wird? Das was sich irisch anhört, weil man eben bestimmte Verzierungen verwendet? Oder gibt es so etwas wie irische Musik gar nicht, weil eben Material sowohl in Irland als auch in Schottland gespielt wird?

Hallo Bielefeld: Jemand da?

speziell in der Europäischen Musikscene große Einigkeit gibt, daß die Bezeichnung keltische bzw. gaelische Musik alles aus dem entsprechenden Sprachraum meint.
Yup. Das ist auch die These von dem Buch oben. Gräbt man genauer nach, findet man auch innerhalb dieser Musik verschiedene Traditionen.

In Irland findet sich zum einen alte höfische Musik. Die Barden spielten sie zu ihrer Harfe und unterhielten damit die keltischen Fürsten und Könige. Als die Engländer und andere Völker über Irland herfielen, ging es nicht nur der adligen Obrigkeit an den Kragen. Man eliminierte auch Barden und Harfen. Die englische Königin Elisabeth I. etwa fand während ihrer Herrschaft im 16. Jahrhundert zwar das Harfenspiel an ihrem eigene Hof ganz wundervoll, den Iren wollte sie die Harfenklänge jedoch nicht gönnen. Sie befahl, jeden Barden, Poeten und Harfenspieler in Irland zu erhängen und die Instrumente zu zerstören. Die Konsequenz war, dass es nicht mehr so viele alte Harfen in Irland gibt. Die bardische Musik ist mir gänzlich unbekannt.

Zum anderen gibt und gab es neben der höfischen Musik ländliche Musik aus Irland, die Musik aus dem Volk. Ich kenne dort die Gattungen Jigs, Reels und Hornpipes. Später sind wohl Polka und sogar Walzer hinzugekommen. Ich kann die Stücke nur über die Gattungen dem keltischen Bereich zuordnen. Schwierig ist insbesondere, dass es einen kulturellen Austausch gab und gibt. So finden sich die gleichen oder ähnliche Melodien in Irland und Schottland. Also kapituliere ich und spreche nur noch von keltischer Musik.
 
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Ursula52
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@Bernnt ich finde deine Idee ganz wunderbar. Ich versuche, im Rahmen meiner Zeit hier auch mitzumachen und habe mir den Shepherd's Hey auch bereits runtergeladen. Dein Hinweis für das Bass Spiel fand ich sehr hilfreich. War mir vollkommen unbekannt. Jetzt habe ich noch eine allgemeine Frage. Was ist unter ABCNotation zu verstehen?
 
Frank.M.
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die jeweiligen musiker würden widerwillig nur den kopf schütteln.
Diese Aussage könnte der ein oder andere jeweilige Musiker sogar übel nehmen. Es kommt nämlich auch noch darauf an, wen, z. B. aus welcher Generation, mit welcher Tradition und aus welchem Gebiet man da gerade meint, und über welche Musikepoche geredet wird. Die gemeinsamen Wurzeln bildet wohl die keltische Musik oder deren Einfluss auf den gesamten keltischen Raum. Genau wie bei der gälischen Sprache bildeten sich aber kleine regionale Unterschiede, regional typische Instrumente, Tänze usw. heraus. Die Gemeinsamkeiten sind aber immer noch, bis heute, viel größer als die Unterschiede. Wer hauptsächlich auf die Unterschiede schauen möchte, der spricht in Schottland von schottischer Musik und verbindet das mit Stolz, Mut und langer Tradition. In Irland, und dort besonders die Ältesten, die teilweise noch gälische sprechen, verbinden ihre Musik mit Trauer, Verlust, Sehnsucht, Hoffnung. Der Blick auf die musikalischen Unterschiede ist deshalb auch ein sehr politischer. Ein großer Teil der Musiker in Irland und Schottland schaut aber auch bei neuzeitlicher Musik auf die Gemeinsamkeiten und arbeitet die sogar bei eigenen Kompositionen heraus. Sie sprechen dabei wieder von "celtic" oder "caledonian", wobei caledonian genau die gemeinsamen Merkmale der Kultur und Musik meint, und nicht etwa das genaue geografische Gebiet der früheren römischen Provinz.
 
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Was ist unter ABCNotation zu verstehen?
Wenn wir in www.thesession.org nach "Shepherd's Hey" suchen, kommen wir dort hin: https://thesession.org/tunes/3573

Wenn du an einem PC sitzt, klick einfach mal zwischen dem Reiter "ABC" und dem Reiter "Sheet Music" hin und her. Dann siehst Du, wie die ABCNotation und das zugehörige Notenbild aussehen. ABCNotation ist einfach nur eine Methode, mit Buchstaben Noten zu schreiben.
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Dein Hinweis für das Bass Spiel fand ich sehr hilfreich.
Schön, dass du mitmachst. Ja, das Bass-Spiel ist wichtig. Wenn wir unsere Unterrichtstechniken übertragen, klingt es falsch. Der Grundbass dominiert alles. Außerdem gehen die Betonungen verloren und das ganze klingt steif. Man wird besser, wenn man sich von den Diatonikern überzeugen lässt, die gelegentlich die Grundbässe weglassen, aber bei einem 4/4-Takt Wert auf einen kurzen Akkordbass auf 2 und 4 legen. Man merkt, dass sich gefühlsmäßig einiges ändert. Man kriegt Lust und Schwung und kommt fast ins Tanzen.
 
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Dein Hinweis für das Bass Spiel fand ich sehr hilfreich.
Das motiviert mich jetzt. Also lag ich mit meinen Vorüberlegungen nicht ganz verkehrt. Sorry, @diatoner und @Frank.M. , ihr müsst leider noch einen langsamen englischen Ausrutscher ertragen. Ich weiß, dass der Bärentanz früh eingesetzt wird, um diatonische Spieler bei einem langsameren Stück an den Gebrauch von Mollakkorden zu gewöhnen. Wir gewöhnen uns damit daran, zunächst einmal nur Akkorde auf 2 und 4 zu spielen. Die Herausforderung besteht jetzt für uns Chromatiker darin, die Akkorde auf der Bass-Seite zu treffen. Jetzt muss man nämlich gelegentlich einen Akkordknopf überspringen. Bei dem Gespringe die Lockerheit nicht verlieren.

Tutorial 2: Bear Dance
(ist englisch, aber wird auch von Iren gespielt)

2 - Bear Dance.JPG



Im Anhang wieder die Noten. Viel Freude mit dem heutigen Tutorial. Mir auf jeden Fall gefällt's.
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Und wer spielt nach sowas?
Ich fand es total witzig so etwas zu entdecken. Ich hab früher Melodien, die ich gehört habe, auf ähnliche Weise aufgeschrieben. Das geht halt unglaublich flott. Man braucht keine Linien. Man kann es total schnell ändern, wenn man sich verschrieben hat. Und es passt viel Notentext auf ein karriertes DinA4-Blatt. Dennoch glaube ich jetzt nicht, dass viele Iren danach spielen. Ich glaube, es ist vor allem ein Austauschformat im Internet.
 

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Bei dem Gespringe die Lockerheit nicht verlieren.
Sehr richtig! :)

Zur "Auflockerung" kann auch jetzt am Anfang, schon bei diesem schönen Stück, eine wichtige Übung beitragen:

Ganz am Ende des Stücks wird normalerweise eine vollständige Wiederholung begonnen oder in ein weiteres, meistens ähnliches Stück übergeleitet. Das ist deshalb die Stelle, an der man sich bei einer gemeinsamen Session als einzelner Mitspieler gut aus dem Spiel herausnehmen und pausieren kann, oder für andere, um in das Stück einzusteigen. Also eine Übergabestelle. Die Iren markieren diese Stelle gern, indem sie im letzten Takt auf Zählzeit 3 laut "hey!" rufen, und unmittelbar danach, mit dem nächsten Takt, beginnt der neue Teil, oft mit neu hinzukommenden Musikern.
Also bitte schon mal üben, beim Spielen an der richtigen Stelle "hey" zu rufen. Sehr wichtig! :giggle:
 
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Um sich in die Irische Musik reinzuhören könnte es hilfreich sein, Spiel und Gesang von Seamus Begley anzuhören. Er und seine Musik ist außerordentlich Irisch und er spielt und singt sehr oft und scheinbar sehr gern auch langsameres.
 
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scheinbar sehr gern auch langsameres.
Das müssen wir uns auch noch ansehen.

Ich möchte hier später die beliebtesten irischen Stücke anschauen und lernen. Wir suchen also nach DEM irischen "Schneewalzer" beziehungsweise DEN irischen Schneewalzern. Sorry für die Formulierung, mir fällt aber gerade keine andere ein. Eine Anaylse der Notenhefte brachte nicht viel, von Einzelheiten mal abgesehen. Ich weiß, dass Vorlieben individuell und lokal sind. Aber das hätte man sich vorher schon mit ein bisschen Hirn zusammenreimen können. Also habe ich die Stücke herausgesucht, die auf www.thesession.org am beliebtesten sind. Als beliebt habe ich für mich definiert, dass sie entweder in den meisten Notensammlungen vorkommen oder aber oft aufgenommen wurden. Hier die Top Ten der Jigs und Reels laut Auswertung (Bild, pdf-Anhang):

Beliebteste Stücke.JPG

Stücke in den TOP TEN sowohl in den Sammlungen als auch bei den Aufnahmen sind fett markiert. Ich vermute, dass wir darunter die Schneewalzer der irischen Musik finden. "The Kesh" und "Cooley's" sind mir schon öfter über den Weg gelaufen. "Cooley's" taucht auch in der Liste von @Frank.M. auf, also würde ich fast vermuten, dass die dort jeder kennt....

ABER: Da auch englisches und schottisches Material auf der Seite auftaucht, bitte ich die Sachverständigen mal die Liste der Jigs und Reels zu checken. Ist einer der auf der Liste genannten Stücke englisch oder nicht-irisch, so dass sie zu streichen sind? Kann mir jemand weiter helfen?
 

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Seamus Begley ist ein super Beispiel, besonders auch für die Wichtigkeit der Verzierungen (Ornamentations)! Ursprünglich waren die nötig, um bei verschiedenen Instrumenten, deren Töne man nicht unterbrechen kann ( z. B. Sack pfeifen und Drehleiern) zwei aufeinanderfolgende Noten gleicher Höhe überhaupt voneinander trennen zu können. Zudem stellte sich heraus, dass bei diesen sehr gleichtönig klingenden Instrumenten das die beste Möglichkeit ist, dem Spiel Ausdruck und Lebendigkeit zu geben, und so wurde es bald auf sehr vielen Instrumenten angewendet, bei denen es eigentlich gar nicht erforderlich wäre, z. B. Flöte, Violine und Akkordeon. Manchmal sogar beim Gesang. Aber u. a. gerade das macht den irischen Klang der Musik aus.
 
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Wow, Danke für die wunderbaren Anregungen zu dieser Musik!
Ich für meinen Teil kenne diese Musikrichtungen aus Tanzworkshops, bei denen ich wegen der Tänze dabei war und gleichzeitig von der Musik sehr angetan war. Es wurde immer live gespielt. Die Instrumente waren durchgängig diatonisch und schienen - ähnlich der steirischen Szene auch einer bestimmten Marke/ Stimmung anzugehören, und optisch sehr ansprechend teils in Vollholz.

Zum Beat ist mir aufgefallen, dass viele Tänze sich den Balgwechsel regelrecht zu Nutzen machen, um Betonungen zu erreichen, die auch im Tanz eine bestimmte Bewegung anregen, z.b. Hüpfer, Richtungswechsel,...
Das Ganze ist mittlerweile auch schon 20 Jahre her. Ich erinnere mich, dass ich es mir schwer vorstellen konnte, sowas mit ner Morino mal eben nachspielen zu können, es sei denn, ich treffe halbwegs die Klangfarbe einerseits und mache andererseits an allen relevanten Stellen ebenfalls einen Balgwechsel, um diesen "Hupferle-Effekt" zu haben, der sich ohne Balgwechsel einfach zu "glatt" anhört.
Ich hab auch so ein diatonisches Instrument zufälligerweise - allerdings die alte zweireihige Hohne in C/G. Allein da fiel mir auf, dass es (ähnlich wie wenn man mal ein Bandoneon angefasst hat) einen Sound gibt, der sich aus der kompakten Bauweise heraus ergibt und einfach so nicht übertragbar ist.
Im Fall der Bretonischen Musik äußert sich das, dass der Balg ja im Vergleich extrem leicht ist und dadurch wenig Trägheit besitzt, um auf eben solche beschriebenen Effekte zu kommen. Ich denke aber, dass man das durch Timing mit einem großen chromatischen Akkordeon halbwegs hinbekommen kann.
Auch erinnere ich mich, dass es SEHR viele verschiedene Tänze gibt, die zum Teil unrunde Taktzahlen haben und für das ungeübte Ohr überraschende Wendungen haben. (Z b. 17 - Taktig, der dann kürzer ausfällt, dann Wiederholung, was man - gerade als Tänzer :) überhaupt nicht erwartet- sehr reizvoll! - weil einzig in Takt 17 die alles entscheidende neue Bewegung kommt, die man braucht, um nicht komplett aus dem Tanz rauszufliegen :D ) Also wie so oft: Die Musik dient einzig dem Tanz, selbst die Instrumentcharakteristik ist auf den Tanz ausgelegt und umgekehrt. Das fühlt sich lebendig und authentisch an.

Andere Möglichkeit wie immer: Man passt den Style dem Instrument an und hat dann ein schönes Stück für eben das Akkordeon, was aber den Tanz halt nicht so zum Ausdruck bringt - oder man wählt Stücke, bei denen das weniger relevant ist.

Was mir auch auffällt ist die Fingertechnik, die man benötigt um diese extremen Tonwiederholungen hinzubekommen (ich frage mich, ob und wie die im Notenbild notiert sind?)

Registrierung ist halt ein Kompromiss bei Cassotto-Instrumenten. Das 8` klingt halt wie eine Mischung aus Flöte und Diatonischem, was aber nicht stört, finde ich. Eher im Gegenteil.

Auf jeden Fall: Super Faden, den ich gerne mitverfolge :) !
 
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