Einstieg in die Spielweise von Robert Johnson

von PettyMonk, 31.07.20 um 23:40 Uhr.

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  1. PettyMonk

    PettyMonk Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 31.07.20 um 23:40 Uhr   #1
    Hallo,

    (ich schreibe mal hier im Forum da es mir hier in erster Linie um das Lernen und Erarbeiten neuer Stücke und Spielweisen geht)

    nach langen Überlegen habe ich die Entscheidung getroffen: Als nächstes mittel- bis langfristiges Projekt will ich ausgewählte Songs von Robert Johnson lernen und angemessen spielen und improvisieren können. Ich möchte den Originalen spieltechnisch so nah wie möglich kommen. In dem Zusammenhang will ich auch endlich richtig Slidegitarre lernen. Ich spiele auch jetzt schon mit dem Bottleneck, aber das ist noch sehr schräg und scheppernd.
    Mein grundsätzliche Ziel ist es, irgendwann in den nächsten drei bis fünf Jahren mit einem kleinen Bluesrepertoire solo oder mit anderen vor kleinem Publikum auftreten zu können. Ich will die Songs nicht nur auf der Gitarre spielen, sondern wie Johnson auch dazu singen.

    Jetzt kommt mir mein eigenes Vorhaben selber durchaus ambitioniert vor, und da wollte ich hier einfach mal fragen was für Erfahrungen andere mit Robert Johnson gemacht haben. Welche Songs habt ihr schon gelernt und gespielt? Gibt es ein Ranking von einfachen über herausfordernde bis zu besonderen schweren Songs?

    Klar ist mir auch, dass ich nicht ins Delta reisen will, um bei Mitternacht auf einer verlassenen Kreuzung auf den ominösen Fremden zu warten, der mir meine Gitarre stimmt (das kann ich selber :tongue:), nein es gilt zu lernen und zu üben.

    Ich versuche die Sache systematisch anzugehen und habe so etwas wie eine Checkliste angefangen: Was braucht es an Spieltechnik und Equipment, um Robert Johnson zu spielen?


    Meine Liste umfasst folgende Dinge:
    • Liebe zum akustischen Blues
    • musikalisches Gefühl für den Blues ( I - IV -V)
    • Erfahrungen mit Fingerpicking, Spielen einer Basslinie mit dem Daumen und gleichzeitiges Melodiespiel mit den Finger
    • mindestens zwei griffbereite und gestimmte Gitarren: Eine in Standard und eine in Open-Tuning (meistens Open G) - regelmäßiges Rumkramen von Gitarren aus Koffern und zurück bzw. ständiges Umstimmen nervt
    • Eine Auswahl von Liedern - welche der 29 sollen es sein? Welche zuerst? Welche in einem Rutsch (weil dem gleichen Grundriff folgend)
      Ich dachte persönlich an Kindhearted Woman, Phonograph Blues, Dead Shrimp Blues, Dust my Broom, Sweet Home Chicago, Crossroad Blues, If I had possession over judgement day, Stones in my Passway und Travelling Riverside Blues - fürs erste
    • Für Slide: eine Slidespiel-fähige Gitarre (Saitenlage)
    • Bottleneck(s) und Experimentiererfahrung - was passt für welchen Finger (Ring- oder kleiner Finger?) am besten?
      Ich habe bislang zwei aus Metall, ein kurzes, weites und dafür sehr leichtes, das ich mit einem Papiertaschentuch ausgestopft habe, damit es auf dem kleinen Finger ohne zu rutschen stecken bleibt. Daneben habe ich ein langes schlankeres, aber massiveres, das so über den ganzen kleinen Finger geht, ebenfalls ausgestopft nur bis zum untersten Fingerglied. Mit dem kurzen komme ich mittlerweile besser zu recht. Ich kann es besser handeln und gerade Robert Johnson spielt meisten 2-3 Saiten mit Slide. Glas und Keramik habe ich bislang noch nicht ausprobieren können.
    • Noten und Tabulaturen am besten in gedruckter Form (immer nur auf den Bildschirm starren ermüdet)
      Zwei Hefte kommen für mich in Betracht:
    • https://www.notenlager.de/Unterhalt...s-for-guitar-with-chords-notes-tablature.html
      https://www.notenlager.de/Sonstige/p527008/The-Guitar-of-Robert-Johnson-3-DVDs.html
      Das eine sind nur die Noten, das andere wäre eine Heft mit Lern-DVDs von Tom Feldmann. Aus dem Heft können zwei Lieder, Kindhearted Woman Blues und Come in my Kitchen auf Youtube angesehen werden inklusive Link zum kostenlosen Download:

    • Videos von anderen Spielern anschauen und Kleinigkeiten sich abgucken
      Hier gibt es einige auf Youtube. Eric Clapton etwa spielt Stones in my Passway

      Und dann gibt es einen Musiker namens Edward Phillips aus South Carolina, der auf seinem Youtubekanal eine ganze Reihe an Robert Johnson Cover bringt. Er kommt dabei unglaublich nah an den Original Sound ran.
      Crossroads Blues

      Travelling Riversides Blues
    • wiederholtes Mitsingen, Auswendiglernen und Summen/Singen der Texte bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit:D
    • Geduld und Ausdauer zum Üben, üben, üben!
    Was fällt euch noch ein?
     
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  2. Bholenath

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    Erstellt: 31.07.20 um 23:56 Uhr   #2
    Ich spiele/singe "Love in Vain" aber mehr in der Stones version aber das dann auch nicht so wie die.


    Ich wünsche dir alles Gute auf dieser Reise.
    Blues zu spielen kann nie falsch sein.
     
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  3. Blues-Opa

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    Erstellt: 01.08.20 um 10:55 Uhr   #3
    Na, da hast du dir ja was vorgenommen ... viel Erfolg!
    Wenn du uns hier an deiner Reise teilhaben lässt, bin ich gerne dabei ...

    Meine eigenen Erfahrungen und Ambitionen Richtung Robert Johnson sind bisher eher gering. Interessant ja, aber kein besonderer "Lieblingsstil". Das Buch und die DVD oben besitze ich auch, mal auf Vorrat gekauft als sie gebraucht angeboten wurden. Habe mich bisher aber nur zu Lernzwecken mit einzelnen Fragmenten beschäftigt, vor allem die Transkriptionen im dem Buch finde ich zwar sehr interessant, sind mir im Moment aber oft noch zu schwer.

    Mein Problem mit Blues allgemein ist auch, dass ich nicht (mehr) singen kann. So beschäftige ich mich in erster Linie mit den instrumentalen Aspekten ... viele Begleitungen wirken ja auch für sich allein nur instrumental gespielt gut wie ich festgestellt habe. Ich will ja nicht auftreten, oder allgemein irgenwelchen "Erfolg" haben ... ich mach das ja nur für mich, weils mir Freude macht.
    Längerfristig gedacht ... vielleicht findet sich ja mal jemand der dazu ein bisschen singen oder harpen kann ... oder ich mache Aufnahmen mit zusätzlich instrumental eingespielter Melodielinie ... oder ich "bastle" mir auf Basis der Originalsongs richtige kleine Arrangements für Fingerstyle/Bottleneck Solo ... man wird sehen.
     
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  4. blechgitarre

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    Erstellt: 01.08.20 um 11:02 Uhr   #4
    Da wünsch ich viel Erfolg.
    Du hast Dir ja viel Mühe gemacht und kluge Gedanken zum Thema formuliert.:great:
    Mit etwas Talent wird das schon klappen:cool:



    Kennst Du schon den kleinen Trick mit dem man alle Tabs in open G auch in open D spielen kann?
    einfach alles eine Saite tiefer spielen.
     
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  5. PettyMonk

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    Erstellt: 01.08.20 um 13:01 Uhr   #5
    Ja vielen Dank, mal sehen wie es sich entwickelt. Natürlich muss ich ein bisschen Rücksicht nehmen auf meine bessere Hälfte, da kann ich auch nicht ständig Slide spielen :D

    Oh cool, muss ich ausprobieren!

    Einen Punkt der Checkliste hab ich gar nicht näher besprochen, dabei ist es doch wichtig: Die passende Gitarre! Hier gibt es Verbesserungsbedarf und einen mittelfristigen Veränderungswunsch.
    Ich spiele derzeit auf zwei Dreadnought-Western-Gitarren. Eine von beiden hab ich jetzt in Open-G gestimmt, obwohl sie kein Cut-Away hat wie meine andere klingt sie besser, v.a. mit Capo im zweiten Bund für Open-A . Ich komm dennoch einigermaßen gut in den 14. Bund.
    Stichwort Saitenlage:
    Beide Gitarren haben derzeit eine sehr niedrige Saitenlage. Habe gelesen, dass das für Slide nicht so hilfreich ist. Ich würde es derzeit aber ungern ändern, beide Gitarren waren erst um den Jahreswechsel bei einem Gitarrenbauer um neu eingestellt zu werden, Bünde abschleifen, neue Saiten, bei einer musste was geleimt werden etc. Da war das Slidespielen als Vorhaben noch nicht auf dem Schirm. Sprich ich spiele derzeit mit einem ziemlichen Handicap, aber ich versuch es sportlich zu nehmen und umso mehr zu achten das Bottleneck aufzusetzen ohne die Saiten groß runterzudrücken.
    Aber dennoch: Was für eine Gitarre könnte ich mir mittelfristig gerade für das Slidespielen anschaffen? Es gibt ja schöne Modelle vor Gretsch aber auch anderen Herstellern... sowohl aus Holz als auch als Metall...
     
  6. Bholenath

    Bholenath Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.08.20 um 13:35 Uhr   #6
    Angeblich soll man dafür ja Resonator Gitarren nehmen.
    Ich konnte mich mit dem Sound nie so recht anfreunden aber ich glaube viele Slide Gitarristen nutzen so eine.
     
  7. Blues-Opa

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    Erstellt: 01.08.20 um 13:45 Uhr   #7
    Sliden geht auf jeder Gitarre, wenn man Übung hat auch bei flacher Saitenlage. RJ hatte meines Wissens auch nur normale akustische Gitarren einfacherer Bauart.

    Wenn es eine Resonatorgitarre sein soll ... da gibt es inzwischen eine gute Auswahl. Ich würde nicht ZU billig einsteigen (obwohl auch da immer wieder mal ganz brauchbare Instrumente dabei sind), aber in der Preisklasse ca. 500 bis 1000 € gibt es eigentlich für jeden etwas. Aber jede hat ihren eigen Klang, jede spielt sich anders ... da solltest du dir erst mal klar werden was dir selber am besten gefällt ...

    Resonatorgitarre ist eigentlich ein eigenständiges Instrument, nicht nur für Blues, nicht nur ein "Lautmacher" wie sie ursprünglich gedacht war, sondern eine eigene musikalische Welt. Die typische Bauform die beim Blues meist zum Einsatz kam/kommt ist die sog. Single Cone mit Biskuit-Bridge und Metallkorpus. Stahlblech für etwas "deftigeren" Klang oder Messing oder Neusilber für volleren, wärmeren, "schöneren" Klang. Aber es kommt auch stark auf die Spielweise an, auch eine Stahlblech kann - in Grenzen - "schön" klingen, und eine Neusilber ausgesprochen deftig und krachig ... :)
     
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  8. blechgitarre

    blechgitarre Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.08.20 um 15:31 Uhr   #8
    Für den Anfang ist eine hohe Saitenlage sicher gut, später kannst Du auch auf niedrigen Saiten gut sliden.
    Einfach ausprobieren welche Gitarre bei Dir gut mit Slide klingt.
    Gerade alte Gitarren klingen oft gut. Bei ebay ist "toll geeignet für Slide" geradezu ein Markenzeichen für zu nix anderem zu gebrauchen:evil:


    mein Lieblingslied von Johnson ist der Küchensong.
    Hier gibts eine tolle Lesson dazu
    https://www.musiker-board.de/threads/slide-gitarren-workshop-kapitel-4.341817/#post-4014275
    Vom "Der Zauberer" der ist ein toller Kenner der Bluestheorie:cool: und kann auch Gitarre spielen:great:
     
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  9. Ralphgue

    Ralphgue Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.08.20 um 16:30 Uhr   #9
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  10. Blues-Opa

    Blues-Opa Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.08.20 um 16:58 Uhr   #10
    Gilt aber nur, wenn ausschließlich geslidet wird, nicht für gemischtes Spiel normal gegriffen mit Slide-Passagen.
     
  11. dubbel

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    Erstellt: 01.08.20 um 19:37 Uhr   #11
    warum nicht so eine wie die, die Robert Johnson gespielt hat?
     
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  12. Blues-Opa

    Blues-Opa Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 01.08.20 um 20:07 Uhr   #12
    Falls du mit EJ den RJ gemeint hast, und mit der Gitarre die auf dem bekannten Foto ... das ist eine Gibson L-1 Flattop. Hat er aber vermutlich nie gespielt, dürfte eine Leihgabe fürs Foto gewesen sein. Tatsächlich soll er relativ einfache/billige Gitarren von Stella- und Kalamazoo (Billigmarke von Gibson) gespielt haben. Von der L-1 gibt es verschiedene neue Modelle (die qualitätsmäßig sehr unterschiedlich sind), aktuell bietet Gibson jedoch keine an, und auch gebraucht sind sie so gut wie nie zu bekommen. Wenn man RJ wirklich klanglich nahe kommen will, sollte man es wohl auch mit entsprechenden einfacheren Gitarren und eher "altmodischen" Saitentypen versuchen (Bronzesaiten gab es noch lange nicht)
     
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  13. Rude Mood

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    Erstellt: 01.08.20 um 20:10 Uhr   #13
    Hi!

    Als erstes solltest Du Dir darüber klar werden, dass Robert Johnson zu den Gitarristen gehört, deren Spiel schwierig zu reproduzieren ist.

    Damit meine ich nicht (nur), dass er technisch anspruchsvoll ist, sondern auch, dass er zu den Gitarristen gehört, die "ungerade" spielen und deswegen schwierig originalgetreu nachzuahmen sind. Um mal ein paar modernere Beispiele zu nennen: Eric Clapton (als E-Gitarrist) und Stevie Ray Vaughan gehören zu den "gerade" spielenden Gitarristen, da sie meistens (aber nicht immer) symmetrisch, aufgeräumt und rhythmisch präzise spielen und relativ viele Standard/Signature-Licks haben, die Du gut studieren, auswendig lernen und dann in Dein Spiel einbauen kannst. Wenn du bereit bist, den langen Weg zu gehen und sorgfältig zu lernen und zu üben, kannst Du ihre Musik gut kopieren. Auf der anderen Seite gehören Jimi Hendrix und Jeff Beck zu den "ungeraden" Gitarristen, da sie spontan und unberechenbar spielen. Auch verwenden beide häufig Überraschungseffekte und spielen gerne um den Beat herum. Das bedeutet für Dich, dass Du es schwer haben wirst, ihre Soli notengetreu so zu reproduzieren, dass du ähnlich klingst wie sie und Du Dein Spiel dabei nicht zur Karikatur machst.

    Zurück zu Robert Johnson: er gehört eindeutig zu den "ungerade" spielenden, was natürlich auch damit zusammenhängt, dass es keine Bandbegleitung gegeben hat und er deswegen die Möglichkeit hatte, ein wenig mit dem Beat zu spielen und hin und wieder auch mal ein Viertel oder ein Achtel zu "klauen". Ob Du das 100 Prozent genau so reproduzieren kannst, wie Du es auf den Aufnahmen hörst, wage ich zu bezweifeln. Daher solltest Du eher genau zuhören: versuche zu verstehen, was Dir RJ mit dem konkreten Takt oder Lick sagen möchte, und versuche es dann, so frei wie möglich, aber so treu wie nötig selbst zu spielen.

    Ich erkenne in Robert Johnsons Spiel trotz seiner eher freien Spielweise sehr viele Signature-Themen, die er immer wieder an ähnlichen Stellen im Song spielt. Diese solltest Du sehr präzise lernen und sie in Dein Spiel integrieren. Auf Anhieb denke ich da z.B. an die Licks mit dem Slide um den 12. Bund, sowie an die berühmten Turnarounds. Höre Dir auf jeden Fall an, wie diese Ideen von anderen Gitarristen in ihr eigenes, moderneres Spiel integriert wurden, und lass Dich von ihnen inspirieren. Ich denke natürlich als erstes an Eric Clapton, der Robert Johnson immer wieder als seinen wichtigsten Einfluss zitierte und sehr viel von ihm in sein Spiel übernahm - nicht nur die Attitüde von RJ, sondern wirklich auch viele konkrete Themen und Licks. Hör dir mal an, wie Eric RJ auf der Akustischen covert: im Vergleich zum Original ist er deutlich strukturierter, präziser und aufgeräumter, trifft aber den Vibe der alten Stücke trotzdem perfekt - und fügt ihnen gleichzeitig seine eigene Handschrift hinzu.

    Den Arbeitsaufwand solltest du nicht unterschätzen. Viele der Vorkriegs-Blueser waren ausgezeichnete Gitarristen, die zwar über ein eher kleines Vokabular verfügten, dieses aber sehr gut beherrschten und ihre typischen Themen locker aus dem Handgelenk spielten. Du solltest hier Realist bleiben: eine Fingerpicking-Technik wie Blind Blake oder Buddy Boy Hawkins, ein Slide-Ton wie Blind Willie Johnson oder eben ein Gesamtpaket wie Johnson erfordern viel Arbeit und Disziplin. Am besten zerteilst du alles, was du lernen möchtest, in möglichst kleine Häppchen, analysierst diese sehr detailliert und übst dann jeden Tag, am besten mit Metronom und ganz langsam.

    Ich denke, dass Du an Dein Equipment keine überzogenen Ansprüche stellen musst. Eigentlich sollte jede Gitarre mit Stahlsaiten brauchbar sein. Wichtiger sind Spielweise und Attitüde. Den wenigen Fotos nach zu urteilen hatte RJ ziemlich große, starke Hände, und obendrein waren zu der Zeit schwere Saiten und hohe Saitenlage Standard. Also: nicht zimperlich sein und schön männlich reinlangen! Aber am Anfang nur in kleinen Intervallen üben, da Du Dir schnell Blasen oder sogar Verletzungen holen kannst. Wichtig ist, dass RJ einen Downstroke mit dem Daumen für die tiefen Saiten verwendet hat. Soweit ich weiss, hat er die Zwei- und Dreiklänge auf den hohen Saiten eher nicht gezupft sondern "gebrusht", ist also mit dem Zeigefinger der Schlaghand von untern nach oben über die Saiten gefahren. Diese Technik ist ein Alptraum für klassisch ausgebildete Gitarristen und ziemlich rau und barbarisch, bringt aber Klang und Attitüde gut rüber.

    Eine Zweitgitarre zum soliden solltest Du Dir auf jeden Fall zulegen - am besten eine Dobro! Es muss nicht eine National sein, auch preiswerte Modelle aus Fernost können ihren Zweck erfüllen. Eine National ist natürlich genial, aber sehr teuer und (was noch schlimmer ist) sehr schwer wieder zu verkaufen - der Markt in Europa ist sehr klein!

    Hoffe, dass ich ein wenig Inspiration geben und Dir helfen konnte!

    Mark
     
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  14. dubbel

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    Erstellt: 01.08.20 um 20:40 Uhr   #14
    darauf wollte ich hinaus.
     
  15. blechgitarre

    blechgitarre Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.08.20 um 08:46 Uhr   #15
    aus was waren die Saiten damals?
     
  16. Blues-Opa

    Blues-Opa Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 02.08.20 um 10:48 Uhr   #16
    Speziell für Blues habe ich das auch noch nicht wirklich herausgefunden ... vielleicht wissen hier andere mehr ... würde mich auch interessieren ...

    Allgemein wurden relativ früh auch Metallsaiten hergestellt, seit man Draht in einigermaßen gleichmäßiger Qualität herstellen konnte. Bewährt haben sich wohl vor allem Eisen/Stahl, Nickel, Messing, in verschiedenen Zusammensetzungen. Ich könnte mir vorstellen, dass es beim Blues anfangs ähnliche Saiten waren wie bei den frühen deutschen Stahlsaiten-Wandergitarrentypen etwa der 1930er Jahre ...
    Ein alter Saitentyp sind auch die Monel-Saiten. Saiten aus Monelstahl gibt es noch/wieder zu kaufen - ich selber verwende sie ganz gern, klingen schön "altmodisch" speziell auf einfacheren kleinen Gitarren. Hier mal ein kleines Klangbeispiel, das ich mal im Akustikblueser-Thread gezeigt hatte (stecken auch ein paar Robert Johnson Fragmente drin :) ) :

    https://www.musiker-board.de/thread...elt-ihr-gerade-so.464393/page-23#post-8678301
     
  17. PettyMonk

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    Erstellt: 02.08.20 um 15:34 Uhr   #17
    Vielen vielen Dank für die ganzen Hinweise und Links!

    Dem Feedback entnehme ich schonmal, dass ich dann mit einer eher niedrig eingestellten Saitenlage gar nicht so schlecht liege, da eben nicht nur ausschließlich Slide auf den Saiten gespielt wird, sondern es gerade eine Kombination aus normalen Griffen und Slideparts ist. Und auch sonst liege ich offenbar mit einer circa 25 Jahre alten Gitarre mit derzeit recht dicken Seiten und metallischem Grundton nicht verkehrt. Die Frage was ich mich für eine Gitarre mit Blick auf zukünftiges Slidespiel anschaffen will kann ich also mit aller Muße angehen.
    Vor einem dreiviertel Jahr hatte ich in einem anderen Zusammenhang mit einer Halbakustik-E-gitarre mit F-Schalllöchern geliebäugelt. Damals hab ich mir aber auch gesagt dass ich mit spezielleren Anschaffungen warten sollte, solange mein dreijähriger Sohn gerne Zeug in Schalllöcher noch Gitarren steckt (Tempos, Socken... Papa wundert sich dann warum es so dumpf klingt) Andererseits hat er das schon lang nicht mehr gemacht und Resonatorgitarren sind da offenbar noch mehr abgeschlossen nach außen.:D

    Oh, dieser Hinweis ist Gold wert :great: Ich denke "Come in my kitchen" muss auch auf meine Liste... was ich gesehen habe ist wirklich hilfreich! Auch die Grundlagen zum Slidespielen, solche Infos hab ich gesucht!

    Danke für diese eingehenden Überlegungen! Die Beobachtung mit den geraden und ungeraden Gitarristen find ich sehr interessant. Dass eine verkrampfte Nachahmung zur Karikatur verkommt und es authentischer ist seinen eigenen Stil zu finden und einzubringen.. Mit Blick auf den Gesang ist mir auch aufgefallen, dass RJ in einigen Liedern den Gesang unterbricht und fast wie beiläufig hereinspricht, so als machte er eine Nebenbemerkung. Gesang der auch Storytelling ist...

    Die Hinweise zum Fingerspiel decken sich mit dem was ich vermutet habe... den Downstroke mit dem Daumen hab ich mir übers Spielen von Big Bill Broonzy und Mississippi John Hurt angewöhnt. Den "Upbrush" mit dem Zeigefinger muss ich mir mal anschauen... Vielleicht finde ich hier ein Mittelding, ein schnelles wiederholtes und rythmisches Zupfen der Melodiesaiten mit Zeige- und Mitfinger hatte ich mir übers das Grundriff von Big Bill Broonzys "Hey Hey" angewöhnt.

    Ich möchte mich einfach trauen mutig zu sein und mir so ein spielerisches Ziel zu setzen auch aus positiven Erfahrungen der letzen Monate... Man findet ein Stück und die Tabulatur dazu, hört sich hinein und übt es tagtäglich ein paar Mal. Irgendwann kann man holperig und langsam, aber auswendig. Dann identifiziert man die Stellen wo es immer noch hapert und guckt nochmal genauer hin. Und irgendwann läuft es!
     
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  18. blechgitarre

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    Erstellt: 02.08.20 um 16:00 Uhr   #18

    Kennst Du schon R.L.Burnside? Der fummelt auch genial auf den Saiten:great:
    ob der jetzt schlägt oder zupft er kombiniert das alles.

    Von Burnside und Johnson gibts gute Tabs bei
    http://www.deltaloumusic.com/Free-Downloads.php
     
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  19. Blues-Opa

    Blues-Opa Registrierter Benutzer

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    Meine persönliche Erkenntnis dazu ... mir scheint es besser/wichtiger SELBST authentisch zu sein, als "authentisch zu klingen" wie man oft hört ...
    Scheint mir aber auch schwieriger zu sein ... es ist eine Entwicklung, und die braucht Zeit, wie jede Entwicklung ...
     
  20. B.B

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    Erstellt: 02.08.20 um 20:37 Uhr   #20
    Das wird ein langfristiges Unterfangen...;) Aber sicherlich ein spannendes.

    Ich gehe in weiten Teilen mit @Rude Mood 's Einschätzung der Lage mit. Johnson ist überhaupt nicht zu unterschätzen, schon allein weil er so ganz idiosynkratisch spielt. Die größte Hürde würde ich persönlich beim singen sehen. Gut, ich bin da, bis auf meine Gelegentlich Background-Vocals in der Band, auch nicht so geübt, aber Johnson ist da für mich in einer Liga mit Sting, nämlich in der Liga der Menschen mit 2 Gehirnen von denen eines spielt, das andere singt, und beide scheinbar garnichts miteinander zu tun haben. Da ist ein hohes Maß an unabhängigkeit gefragt, deutlich mehr als bei Broonzy oder Mississippi John Hurt.

    Was den Slide betrifft. Die Slide-Parts sind jetzt nicht ansich so schwer bei ihm. Es geht dort auch nicht so genau was die Intonation angeht. Wenn du dir Bukka White und Son House anhörst, die sind tendenziell noch "schlampiger ( nicht in einem schlechten Sinne). Derek Trucks oder Sonny Landreht sind da aber ganz anders unterwegs. Das wirst du hinbekommten, es ist ein bischen eine Gewöhnungsfrage. Ich persönlich kann es leider nur mit dem Ringfinger, weil ich damals so angefangen habe. Wenn du jetzt die Wahl hast: Ich würde es auch mit dem kleinen Finger probieren, das ist für das Kombinieren von Slide und Akkordspiel deutlich praktischer. Am besten man hat 2 Finger auf denen es ganz gut geht.

    Das man auf jeder Gitarre Slide spielen kann, muss ich aus meiner Sicht verneinen, das ist ein Mythos. Auf meinen normalen Gitarren ist die Saitenlage so niedrig dass es einfach nicht geht. Die sind aber auch wirklich so niedrig eingestellt wies geht. Sobald man ein bischen ein Altherren-Setup spielt, geht es mit viel Gefühl. Ein leichter Slide hilft dabei. Ein bischen höhere Saitenlage hilft also schon deutlich, dickere Saiten auch. Ich habe 12er auf der elektrik zum Slide spielen (11er gehen auch) und auf der Akustik 16er. Vor allem was die hohe E-Saite betrifft ist das besondrs relevant. Man kann auch z.b. einen 13er Satz nehmen und nur die hohe E-Saite etwas stärker machen, das machen auch viele. Man darf es mit der hohen Saitenlage insgesamt aber auch wieder nicht übertreiben, weil man sonst grauenhafte Intonationsprobleme bekommt. Ein guter Mittelweg ist wie so häufig das beste.

    Wie @Rude Mood schon gesagt hat, ist neben dem Daumen diese "brushing" Technik nicht unwichtig. Ich tu mich da persönlich schwer, ich habe das nie so richtig adaptiert, weil es überall sonst eher hinderlich ist.

    Ich weiß nicht ob das nicht eh schon kennst, aber von Big Bill Broonzy gibt es ein paar wenige Videoaufnahmen, da sieht man das recht gut. Man sieht auch ganz gut, dass er noch größere Hände hatte als Hendrix....:eek: Und man sieht auch dass er ganz schön reinlangt. Das ist Teil des ganzen. So einen Groove wie "Hey Hey" über längere Zeit durchzuziehen ist erstmal ganz schön anstrengend.



    Ich bin gerade erstaunt, dass es da jetzt doch schon Lehrmaterial dazu gibt. Als ich jung war und meine Delta-Blues Phase hatte war da nichts zu bekommen, außer Stefan Grossman Bücher, und die waren auch schwer zu bekommen.

    Was Dobros betrifft. Wenn schon nicht für Johnson, so ist doch als Blues-Fan immer eine Anschaffung wert. National ist natürlich der "King". Auch sehr gut sind die "Continental", ehemals aus Deutschland/Tschechien gefertigte Teile, mit Sitzt in München, gibts aber nur noch gebraucht. Republic hat im bezahlbaren Bereich offenbar keinen schlechten Ruf, ich hatte von denen aber noch nie eine in der Hand. Abraten kann ich von den jetzigen "dobros" und Fender/Epiphone etc...

    Sehr empfehlenswert im günstigen Segment sind imho die von Gretsch. Die klingen alle ausnahmslos besser als die Konkurrenz in dem Preissegment. Ich habe meine mal für 400 auf ebay-kleinanzeigen gekauft. Hier ein kleiner Eindruck mit Impromptu-Johnson-Licks. Man bedenke, dass ich schon vor mehr als 10 Jahren verzweifelt aufgegeben habe diese Leute kopieren zu wollen.



    grüße B.B.
     
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