Entstehung der Mehrstimmigkeit in Europa ....

von metalpete, 29.03.06.

  1. metalpete

    metalpete Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.03.06   #1
    Ich nutze mal die Gunst der Stunde, um den ersten Thread im neuen Unterforum zu starten. :)

    Das älteste bekannte Dokument zu diesem Thema ist die "Musica Enchiriadis" - eine Musiklehrschrift aus dem 9.Jhd.
    Dort werden folgende potentielle Formen früher Mehrstimmigkeit erwähnt:

    Das Halten von Borduntönen, das Oktavorganum, das Quintorganum und das Quartorganum.

    Das Halten von Borduntönen meint, dass ein und derselbe Ton gehalten wird, während dazu eine Melodie erklingt.
    Oktavorganum heißt, dass eine Melodie Oktavverdopplungen erfährt.
    Quintorganum heißt, dass zu einer gegebenen Melodie konsequent die reine Quinte ergänzt wird. (Letztere beiden bezeichnet man deshalb auch als Parallelorganum)
    Quartorganum heißt, dass zwei Stimmen mit dem gleichen Ton beginnen und enden, wobei die zweite Stimme solange den Bordunton hält, bis die reine Quarte erreicht ist, von da aus wird die reine Quarte parallel geführt, allerdings darf sie gewisse Schranken nicht überschreiten (nämlich dann nicht, wenn laut Dasia-Notensystem ein Tritonus entstehen würde...) , welches zu einer Mischvariante aus Borduntonhaltung und Parallelorganum führt.

    Farge zur Diskussion: Ab wann kann man von "Mehrstimmigkeit" im eigentlichen Sinne sprechen?


    (PS: Ich suche eine Musica Enchiriadis (und oder Scolica Enchiriadis) in deutscher oder englischer Übersetzung. Wer sowas hat oder weiß, wo's das gibt - bitte melden :o )
     
  2. Martin WPunkt

    Martin WPunkt Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 29.03.06   #2
    Das sollte kein Problem sein:

    *Musica enchiriadis and Scolica enchiriadis / transl., with introd. and notes, by Raymond Erickson. Ed. by Claude V. Palisca. - New Haven : Yale Univ. Press, 1995. - LIV, 106 S. : Notenbeisp.; (engl.).

    *Musica enchiriadis. Das älteste Dokument zur Entstehung der abendländischen Mehrstimmigkeit : eine Handschrift aus Werden an der Ruhr: das "{Düsseldorfer Fragment}" / Dieter Torkewitz. - Stuttgart : Steiner, 1999. - 131 S., [8] Bl. : Ill., graph. Darst., Notenbeisp.; (dt., lat.) (Beihefte zum Archiv für Musikwissenschaft ; 44).

    Solltest du eigentlich in jeder halbwegs wissenschaftlichen Bibliothek finden. Die o.g. Literatur habe ich aus dem Katalog der WLB Stuttgart, die eine sehr gut sortierte Musik-Abteilung besitzt.
     
  3. metalpete

    metalpete Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.03.06   #3
    Hab vielen Dank, aber hier in Dresden an der SLUB sind gerade alle Exemplare vergriffen und die anderen Bibliotheken hier in der Gegend haben das nicht.
    Und Fernleihe dauert i.d.R. ca. 4 Wochen.... - was soll's, ich hab's jetzt gebraucht bei Amazon bestellt ......
     
  4. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 29.03.06   #4
     
  5. Martin WPunkt

    Martin WPunkt Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 29.03.06   #5
    Vielleicht wäre es sinnvoll, zwischen den ersten greifbaren mehrstimmigen Aufzeichungen in Lehrschriften überhaupt im Zeitalter improvisierter Mehrstimmigkeit und den später bewusst aufgezeichneten, "komponierten" Organa des 11. Jhds unterscheiden, also zwischen nachweisbarer Existenz von Mehrstimmigkeit und tatsächlich komponierter Mehrstimmigkeit.
     
  6. 2close2see

    2close2see Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.04.06   #6
    Woa geht mir damit weg, über den Kram hab ich am Montag ne Musikklausur geschrieben :)
    Dort gilt übrigens Mehrstimmigkeit ab dem Quartorganum, weil dort die Organalstimme zum 1. mal selbstständig neben der Vox principalis (1.stimme) wurde, um den Tritonus
    Zumindest laut dem, was wir gelernt ham ^^
     
  7. kleinershredder

    kleinershredder Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.08.06   #7
    und was is mit leonin und perotin? ich dachte leonin hat das 2 stimmige organum erfunden und perotin das vierstimmige
     
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