Flügel und Wohnung

von Woelf, 04.02.16.

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Casio
  1. Woelf

    Woelf Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.02.16   #1
    Ich grüße euch,
    Zugegebenermaßen ist mein Problem je nach Betrachtungswinkel kein richtiges, dennoch stehe ich vor einer schwierigen Entscheidung.
    Durch einen Erbfall bin ich in den Besitz eines fantastisch erhaltenen 220er Blüthner Flügels gekommen den ich immer sehr geliebt und gern gespielt habe. Ich selbst wohne in einer Altbauwohnung zur Miete (auch das auf absehbare Zeit) und frage mich nun aus mehreren Sichtweisen, ob ich das Instrument zu mir holen kann/soll?
    1. Zunächst wäre natürlich die Frage nach der Sinnhaftigkeit, ein solch voluminöses Instrument in ein hellhöriges Mehrparteienhaus zu stellen. Ich spiele auch gern mal mit Passion, möchte aber niemandem auf die Füße treten. Kennt jemand akkut eine solche Konstellation oder hat jemand sogar Erfahrungen mit Klavieren in der Nachbarschaft? Wie sind eure Eindrücke und Gedanken dazu - also vorausgesetzt der Nachbar spielt zu einer üblichen Zeit in üblicher Manier?
    2. Ich mache mir sorgen über die Tragkraft der Decken. Selbstverständlich soll der Blüthner statisch günstig in einer Ecke aufgestellt werden, deren Mauern sich tragend über alle Geschosse erstrecken. Dennoch sind die Decken relativ dünn - ich kann meine Nachbarn debatieren hören ;) vermutlich schlägt sich das auch auf deren punktuelle Belastbarkeit aus. Wie lässt sich die Lastverteilung am Realistischsten darstellen und was wäre als Mindesttragkraft für einen 220cm Flügel vorherzusehen?
    3. Sollte ich das Instrument in meine Wohnung holen, dann ist auch sicher, dass innerhalb der nächsten 5 Jahre ein letzter Umzug bevorsteht und das Teil nochmals von Profis verlagert werden muss. Wäre es bedachter, den Flügel nun zu veräußern und dann später irgendwann einen anderen zu kaufen? Fakt ist, dass ich definitiv einen Flügel zu mir holen werde, aber mach das im derzeitigen Umfeld sinn? Rein emotional möchte ich das Erbe wirklich gerne antreten!
    Selbstverständlich würde ich diese Thematik zunächst mit meinem Vermieter abklären wollen, aber was wäre aus Vernunftssicht eines Musikers sinnvoll?
     
  2. dvmwest

    dvmwest Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.02.16   #2
    Hallo,

    nicht dass man da neidisch wird. Also wenn du so und so einen Flügel haben wills, würde es nicht sinn machen den Flügel für eine bestimmte Zeit zu Verleihen.
    Oder einen passenden Raum zu mieten. Ich weiss nicht ab es sinn macht einen Flügel einzulagern, frag doch mal einen Klavierhändler um die Ecke was da möglich ist.

    Ich denke den Flügel zu verkaufen und später einen anderen Kaufen ist nur mit Verlust möglich.

    Michael
     
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  3. klicki

    klicki MOD Klavier & D-Piano Moderator HFU

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    Erstellt: 05.02.16   #3
    Wenn jemand bei mir für ein paar Jahre einen Flügel unterstellen will: gerne! :D
     
  4. Woelf

    Woelf Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.02.16   #4
    Zugegebenermaßen ist mir diese Option noch garnicht in den Sinn gekommen. Dafür extra einen Lagerraum zu Mieten kommt mich am Ende vermutlich teurer als ein Verlust bei Verkauf und späterem Neu/Gebrauchtkauf - aber die Option mit dem Verleihen klingt garnicht schlecht. Vorausgesetzt der Mieter geht pfleglich damit um. Vielleicht wäre eine Musikschule eine Option. Vielen Dank für deinen Hinweis!
     
  5. McCoy

    McCoy HCA Jazz & Piano Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 06.02.16   #5
    Zu Nr. 2:

    In enem Sauter-Prospekt habe ich gefunden, daß ein 220er Sauter-Flügel 385 kg wiegt, das entspricht 5 Menschen á 77 kg.

    => Punktuelles Gewicht an den 3 Beinen: jeweils 128,3 kg.

    Nun gibt es eine DIN-Norm 1055-3 zur Verteilung von Traglasten, die besagt, daß pro Quadratmeter 1,5N getragen werden können müssen, das entspricht ca. 153 kg. Wenn ich es richtig verstanden habe, müßten diese 153 kg aber auf jedem Quadratmeter lasten können, ohne daß die Decke einkracht. Deshalb stellt der Flügel wahrscheinlich kein Problem dar.

    Für Altbauten gilt die Norm wahrscheinlich nicht.

    Ich bin aber kein Statiker, und das Ganze stellt aber nur angelesenes Google-Halbwissen dar. Es soll nur ein Anhaltspunt sein, wie man sich der Sache nähern kann.

    Ein größeres Aquarium bringt schnell mal eine Tonne Gewicht auf den Fußboden, ebenso ein Wasserbett. Berichte darüber, daß ein Aquarium, ein Wasserbett oder ein Flügel irgendwo durch die Decke gekracht ist, habe ich bisher vergeblich gesucht.

    Beruhigender Link zum Thema: http://www.haus-xxl.de/themen/aquarium-wasserbett-statik-zimmerdecken-beachten-453

    Hier im Forum hatten wir diese Frage übrigens schon einmal:
    https://www.musiker-board.de/threads/flügelgewicht.534575/

    Zu Nr. 1:

    Man kann versuchen, den Flügel etwas zu dämmen: Isofloor unter die Füße zur Direktschallentkopplung ist Pflicht. Ansonsten hat man das Recht, in seiner Wohnung zu musizieren, wenn man sich an die vereinbarten Zeiten hält (Hausordnung). Ein nettes Gespräch mit den Nachbarn vorab hilft, Ärger im Nachhinein zu vermeiden.

    Zu Nr. 3:
    5 Jahre Flügel spielen oder nicht spielen, daß ist hier die Frage. :gruebel:

    Wenn man den Flügel verleiht, muß man sich überlegen, wie er dann wiederkommt. Wenn man ihn an eine Musikschule verleiht, die ihn pflegt, und er dort in einem Klavierunterrichtsraum steht, den ohne Lehrer niemand betreten kann, ist das wohl ganz gut. Wenn er in einem Raum steht, der vielen Menschen zugänglich ist, in dem unkontrollierte Rock'n'Roll-Proben oder andere unbeaufsichtigte Gruppenveranstaltungen abgehalten werden, und sich niemand für den Flügel zuständig fühlt, kann das ins Auge gehen. Plötzlich gibt es kaputte Tasten, Getränke werden auf dem Flügel abgestellt und kippen um und was man sich dergleichen noch alles vorstellen kann, und keiner will es gewesen sein. Daher: Zustand vorher gründlich dokumentieren und mit dem Leihenden besprechen.

    Viele Grüße,
    McCoy
     
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  6. .Jens

    .Jens Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 08.02.16   #6
    Wenn das mit der Statik geklärt ist (das lässt sich ja im Zweifel erfragen) und der Platz in der Wohnung dafür vorhanden ist, dann solltest du den Flügel zu dir holen - gerade wenn es ein Erbstück ist und eine emotionale Bindung an genau dieses Instrument besteht. Ein Klaviertransport in 5 Jahren ist sicher nicht der ausschlaggebende Faktor, kostenmäßig bist du mit jeder anderen Lösung teurer dran.
    Selbst wenn aufgrund penibler Nachbarn oder hellhörigem Haus der Flügel vielleicht im schlimmsten Fall nicht (regelmäßig) gespielt werden kann, so ist es für die Übergangszeit doch ein schönes Möbelstück und du weißt, wo dein Instrument steht und wie damit umgegangen wird. Ich würde das jeder Lagerung auswärts vorziehen.
    Was Nachbarn angeht: wenn man den Dialog sucht, wird man sicher eine Lösung finden. Am besten vorher den Leuten Bescheid sagen, sie auch ermutigen, sich jederzeit zu melden, sollte das Klavierspiel stören, und deutlich machen, dass man am Hausfrieden interessiert ist. Wenn Menschen im Haus Geräusche hören, ist es die halbe Miete, wenn sie wissen, woher es kommt. Die zweite Hälfte ist ein Nachbar, der vorher schon zu erkennen gibt, dass er mit der Musik niemanden stören möchte (also nicht einfach ignorant drauf los klimpert). Wenn man dann noch sein Instrument einigermaßen beherrscht, also nicht nur stundenlang Tonleitern übt, sondern etwas "hörbares" spielt, sollte das in den meisten Fällen auch in hellhörigen Häusern klappen.
     
  7. Woelf

    Woelf Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.02.16   #7
    Klasse, vielen Dank für den Ansatz! Ja mit dieser Betrachtung sieht es garnicht so schlecht aus. Vielleicht kann der Hausbesitzer auch was zu den Materialien oder Baunormen nennen. Immerhin wurde das Gebäude mal komplett renoviert.

    Danke für die Links!

    Die mechanische Entkopplung mit Dämmmatten hatte ich mir auch schon vorgemerkt ;)

    Genau. Wenn ich den Flügel verleihen würde, dann auch nur unter den, von dir geschilderten Bedingungen.

    Nachdem McCoy mir beim ausräumen der triftigsten Gegenargumente sehr helfen konnte, spricht auch alles immer mehr für den Flügel in meinen Wänden ;)
     
  8. stoffl.s

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    Erstellt: 08.02.16   #8
    Hallo, bin ja kein Pianist und eher zufällig über deinen Thread gestolpert.

    zu 1: such das Gespräch mit den Nachbarn und dem Vermieter, in Österreich gibt es Gerichtsurteile, dass Musiker/ Musikstudenten untertags auch auf Flügeln üben dürfen. Und die Dinger können ja sehr laut werden. Ich nehme an die Rechtslage in Deutschland ist ähnlich - aber wie gesagt: ein klärendes Gespräch vorab, vielleicht auch verbindliche Zeiten und vor allem Nichtspielzeiten (zb falls kleine Kinder im Haus sind die Mittagsschlaf halten sollen) vereinbaren. Und dann daran halten.
    2. Wenn die Decke in dem Haus einen Flügel nicht mehr trägt, solltest du einen Umzug so bald wie möglich in Erwägung ziehen! Zum einen wird das Gewicht eines Klaviers oft überschätzt und die Tragkraft der Decken unterschätzt. Diverse Möbelstücke etc. wiegen ja auch punktuell einiges. Aber wenn das Haus vor kürzerer Zeit renoviert wurde, hat der Vermieter ja möglicherweise ein Statikgutachten - da du ja sowieso mit ihm reden willst, sprich ihn auch darauf an.
    3. jetzt verkaufen und in paar Jahren neu kaufen ist wahrscheinlich die teuerste Lösung. Wenn du nicht gerade im 4. Altbaustock mit enger Wendeltreppe wohnst, ist der Transport ja nicht so eine große Sache - lass dir da mal Kostenvoranschläge geben, den ersten Transport hast du ja soweiso in deine Wohnung - und in 5 Jahren wird es nicht so viel mehr kosten.
    Verleihen würd ich ihn eher nicht, du kannst dann davon ausgehen, dass das gute Stück zumindest optisch Schaden nimmt - und für den wird dir keiner haften wollen.

    Ich gratulier dir auf jeden Fall zu dem schönen Erbstück!
     
  9. Silvieann

    Silvieann Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.03.16   #9
    Ich würde auch sagen: Hol ihn zu Dir, wenn's irgendwie geht!
    Das klappt schon! :great:

    Worauf spielst Du denn jetzt? Und würde das dann weichen?
     
  10. Woelf

    Woelf Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.03.16   #10
    Die Entscheidung steht auch :) Jetzt gilt es nur noch zuvor das Zimmer umzugestalten.

    Derzeit spiele ich auf meinem Technics SX-PC 15 in Verbindung mit 'The Grand 3' über meinen Computer. Hammermechanik und ein nicht zu ernüchtender Klang - Vorteil, ich kann hier mit Kopfhörern die ganze Nacht durchspielen ;) Ist aber nicht vergleichbar. Weichen wird diese Konstellation aber trotz des Flügels nicht.
     
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