Gehör nicht objektiv genug / Zu viel Mitten im Mix erst nicht bemerkt

von gigatobi, 08.08.10.

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  1. gigatobi

    gigatobi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.08.10   #1
    Hi!

    Ich habe eine befreundete Band in meinem Homestudio aufgenommen und nun hab ich das ganze abgemischt und mal vorzeitig gemastered, um der Band ein vorläufiges Soundergebnis zu präsentieren.

    Einer von denen meinte dann zu mir dass da irgendwie zu viele Mitten bzw. zu wenig Bass und Höhen drinne sind.
    Ich konnte das überhaupt nicht nachvollziehen. Sowohl im Vergleich mit anderen Bands/Aufnahmen als auch über 3 verschiedene Abhören (Mackie Nahfeldmonitore, Logitech HiFi-Boxen, Beyerdynamic Studiokopfhörer) klang der Sound für mich sehr geil.

    Jetzt war ich von Dienstag bis heute in Wacken :-)D), komme wieder, höre mir das ganze noch mal an und stelle im vergleich mit anderen Bands sofort und eindeutig fest "verdammt, da sind echt viel zu viele Mitten im Mix!".

    Ich würde gerne verstehen wieso ich jetzt auf einmal so anders über den Sound urteile..
    könnte es etwas damit zu tun haben dass ich mir die Aufnahmen zuvor viel zu oft angehört habe / zu viel daran gearbeitet habe ... und jetzt nach einer gewissen Pause kann ich das ganze wieder anders beurteilen?
    Oder gewöhnen sich die Ohren so an die Mitten und da ich jetzt aufm Festival/auf der Autofahrt die ganze Zeit mit einem nicht besonders mittenreichen Sound beschallt wurde hat sich mein Gehör das wieder abgewöhnt?

    Ich hab nicht so wirklich eine Ahnung aber es wär schon wichtig für mich zu wissen woran das liegt damit ich sowas in Zukunft vermeiden kann, kann mir da jmd helfen?? :confused:

    Gruß,
    gigatobi
     
  2. JoNi22

    JoNi22 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.08.10   #2

    Man gewöhnt sich sagenhaft schnell an einen Sound.
    Deshalb höre ich IMMER zwischendurch ein paar andere Songs, um einen Vergleich zu haben :great:

    Wenn du dann allerdings nach ein paar Tagen merkst, dass da was Gravierendes nicht stimmt, hattest du den Song für dich wohl totgehört oder auf anderes geachtet.
    Vermeiden kannst du das, indem du Pausen machst und jemandem deine Songs vorspielst ;)

    Den Einfluss des Festivals selbst würde ich persönlich als nicht extrem hoch einschätzen, da du beim Mixen ja zwischendurch scheinbar andere mittenärmere Songs gegengehört hast.
     
  3. Laguna

    Laguna Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 08.08.10   #3
    Das kann ich auch bestätigen. Gerade, wenn man sich akustisch intensiv mit recht gleichem Sound beschäftigt, hört man sich sehr schnell einfach tot.
    Zeitlich oder von der Art der Musik ne Auszeit nehmen kann da durchaus Wunder helfen.

    So Far...

    Laguna
     
  4. kusi

    kusi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.08.10   #4
    wie sieht denn dein abhör/mix-raum aus? könnte auf einen schlechten raumklang zurückzuführen sein...
     
  5. 901

    901 Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 08.08.10   #5
    Ausser Pausen zu machen, kann ich noch folgendes empfehlen:

    - Es einer fremden Person vorspielen. Komischerweise hört man plötzlich ganz anders.
    - Tür zum Abhörraum auflassen und von nebenan zuhören.
    - Im Autoradio anhören
    - mal ganz leise drehen
     
  6. pico

    pico HCA-Recording Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 09.08.10   #6
    ich zieh mir immer ein Stück, das in etwa so klingt wie das was ich gerade machen will, in eine Spur und höre die immer wieder mal gegen meinen Mix

    Auch immer wieder mal auf Mono-Wiedergabe umschalten, da treten auch viele Fehler im Mix zu Tage...
     
  7. Navar

    Navar Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.08.10   #7
    Auch wenn ein Wacken Besuch sicher nicht die beste Art ist seinen Ohren Ruhe zu gönnen, manchmal kann man sich auch mit einer halben Stunde Pause und Ruhe wieder entspannen. Gerade nach langen Konzentrationsphasen bei denen man sich zum Beispiel intensiv mit Einzelinstrumenten beschäftigt hat, kann der Abstand wichtig sein um sich zum Beispiel wieder in den gesamten Mix einzufinden.
     
  8. turko

    turko Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 09.08.10   #8
    Ich bin zwar kein gelernter Tontechniker, habe aber auch so meine Erfahrungen, und die sind ... : Das Ohr (meines zumindest) gewöhnt sich nicht nur an Mitten, sondern an buchstäblich alles, was man ihm vorsetzt. Und das in kürzester Zeit. Das betrifft auch Stimmungs- und Intonations-Problematiken ... Daher sollte man vielleicht entweder a) sehr gezielt und sehr schnell arbeiten, oder b) sehr "langsam" mit sehr viel Zeit.

    Bei a) muß man natürlich gut genug sein, um den gewünschten Sound in sehr kurzer Zeit, mit noch frischen Ohren, auch tatsächlich hinzubringen
    Bei b) muß man genug Zeit haben, um sich wirklich LANGE Pausen zu gönnen (einige Tage), und mit frischen Ohren danach wieder einmal "probezuhören"

    Ich kenne auch das Phänomen, nach einer Nacht hinter dem Mischpult am nächsten Vormittag nochmal probezuhöen ... und ENTSETZT zu sein ...

    LG, Thomas
     
  9. monsy

    monsy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.08.10   #9
    Ich hab mir angewöhnt beim mischen nur noch "konkret" vorzugehen. Wenn alles zu meiner Zufriedenheit im Kasten ist und ich arbeite am mix, dann tue ich nur noch konkrete Dinge. Soll heißen: Sich nicht Ewigkeiten lang davorsetzen... sich den Song noch 7 mal anhören und dann mal hier am EQ nen db mehr und da weniger. Sondern ich höre nur noch sehr bewusst hin, stell alles zu meiner Zufriedenheit ein und mach dann kleine Pausen wo ich auch mal andere Musik höre.
     
  10. Preci55ion

    Preci55ion Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 09.08.10   #10
    Ich habe es schon mal erwähnt:

    Mit der Stimme beim Mischen anfangen. Die Stimme ist uns am vertrautesten. Alle Instrumente immer mit der Gesangspur gegenhören, Fehler fallen dann sofort auf.

    Beim Mastern: Nicht Endloschleife und Mastern. Anhören und stoppen, dann Einstellung vornehmen. Wieder anhören und stoppen etc.

    Und wie oben erwähnt, auch mit bekannten und guten Tracks gegenhören, gerade beim mastern.
     
  11. Laguna

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    Erstellt: 10.08.10   #11

    Würde ich persönlich nicht so machen. Gut, ich bin Schlagzeuger und entsprechend wenig harmonisch, von irgendwelchen Gesangskünsten brauch ich garnicht reden... :rolleyes:
    Ich fange, je nach Song entweder mit Bass oder Drums an. So steht dann der Groove als Basis und Fundament. Zumal die Drums oft am Problematischsten in den Gesamtsound einzuordnen sind. Hat man diesen bereits am Anfang einen festen (spektralen) Platzt zugewiesen, tu ich mir jedenfalls deutlich leichter.

    Aber gut, das ist ein Thema über das man vortrefflichst streiten kann und es wird da wohl mindestens so viele herangehensweisen geben, wie es Songs gibt. Letztendlich zählt das Ergebniss und das man zufrieden sein kann. Ich denke, da muss jeder für sich selbst herausfinden, was für ihn und v.a. auch für die Musik am besten passt.

    So Far...

    Laguna
     
  12. gigatobi

    gigatobi Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.08.10   #12
    Heyho!
    Vielen Dank für die ganzen Hinweise, das meiste davon ist echt hilfreich.

    Beim Abmischen hängt meine Reihenfolge eigentlich davon ab, wie ich die Instrumente aufnehme, denn direkt nach/bei der Aufnahme fang ich meistens schon an mit EQ o. Kompressor rumzufukeln.
    Da man üblicherweise zuerst die Drums aufnimmt kommen die bei mir üblicherweise zu erst... allerdings nicht bei meinem aktuellen Projekt, da habe ich die Drums ganz zum schluss aufgenommen.
    Sicher nicht ideal aber es ging nicht anders. :D

    Dass die Ohren sich allgemein an einen Sound gewöhnen ist mir auch schon öfter aufgefallen.. man sollte ihnen also nach möglichkeit nur super Sound vorsetzen wenn man wirklich beurteilen will ob etwas gut klingt. ^^

    Ich habe im Bereich "Tips und Tricks zum fertigen Mix" mal einen weiteren Thread aufgemacht und dort einen der 4 Songs die auf die EP kommen hoch geladen.
    Wär schön wenn ihr euch das mal anhört und mir eure Meinung dazu sagt. :)
    https://www.musiker-board.de/kritik-tipps-zum-fertigen-mix-rec/402491-melodic-metalcore.html

    Eine Frage hätt ich noch.. auf meinen Studiomonitorboxen hört sich alles total anders an als auf meinen Logitech HiFi-Boxen (ist ja klar), aber beim Abmischen macht es für mich daher eher wenig Sinn über die Studiomonitore zu hören, denn der Sound den die breite Masse mit ihren HiFi-Boxen hat kommt soll ja gut sein, nicht nur der Monitorsound.
    Wieso benutzt man also Studiomonitore zum Abmischen und nicht Boxen, die einen Sound erzeugen, der möglichst überall hin passt?
     
  13. Laguna

    Laguna Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 11.08.10   #13
    Studioboxen sind erstmal nicht dafür gemacht, "gut" oder "angenehm" zu klingen. Ihre oberste Aufgabe ist es, Fehler im Mix und bei der Aufnahme zu zeigen.
    Nimm dir einfach eine Scheibe, die du in und auswendig kennst und höre sie dir auf deinen Logitech Boxen an (hast du vmtl eh schon) und dann auf deinen Studiumonitoren. Achte dabei auf den Mix und den Klang der Instrumente.

    Zusätzlich muss man sich an jede Box wohl erst gewöhnen. Ich hatte, bevor ich meine Studioboxen gekauft habe, nur gute Kopfhörer. Die sind, gerade im Bass, komplett anders. Da sind mir im wahrsten Sinne des Wortes die Ohren aufgegangen. Die Umgewöhnungsphase fällt halt je nach dem kürzer oder länger aus. Dennoch würde ich immer und immer wieder gut produzierte Musik auf der Studioabhöre durchhören. Von der kennt man den Klang und lernt die Boxen kennen. Das geht nicht in ein paar Tagen, Monate sind da realistischer.

    So Far...

    Laguna
     
  14. pico

    pico HCA-Recording Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 11.08.10   #14
    der 'Trick' mit den Studioboxen ist eigentlich der, dass wenn sich ein Mix darauf gut anhört, dann hört er sich meist auch auf HiFi Boxen gut an - umgekehrt ist das eher selten der Fall
     
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