Gitarrenboxen und Schallstreuung

von KlausP, 22.12.07.

  1. KlausP

    KlausP HCA Gitarre HCA

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    Erstellt: 22.12.07   #1
    Hallo, zusammen

    Mir gefällt in letzter Zeit immer weniger die extreme Richtwirkung meiner Marshall 1960, wenn man in 3 m Entfernung vor der Box steht ist es irre laut, wenn man dann nur einen Schritt zur Seite geht, hört man fast nichts mehr.

    Warum ist das eigentlich so, bei der Größe so einer Box und den 4 Lautsprechern würde ich eigentlich das Gegenteil erwarten, statt dessen ist ein kleiner Combo mit einem 12er speaker im Raum insgesamt präsenter und besser zu hören.

    Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Thema mit verschiedenen Boxen gemacht?

    Manche Hersteller (z.B. PCL Vintageamps) bieten hinten offene bzw. halboffene Boxen an, wer hat da schon Vergleiche angestellt?
     
  2. 68goldtop

    68goldtop HCA classic amps & guitars HCA

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    Erstellt: 22.12.07   #2
    hi klaus!
    ja, das ist ein bekanntes phänomen.
    bei geschlossenen boxen KANN (und soll) der sound ja nur vorne raus - bei einem offenen gehäuse kommt der sound halt vorne UND hinten raus und verteilt sich entsprechend besser im raum.

    die basswiedergabe ist bei einer offenen box halt nicht so dicht und voll - aber wir sind ja auch gar keine bassisten ;)

    "halboffen" gibt es - streng genommen - nicht. offen ist offen, zu ist zu.
    aber natürlich beeinflusst die größe der rückseitigen abdeckung/en schon ein bißchen den klangcharakter.


    cheers - 68.
     
  3. Kramusha

    Kramusha Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 22.12.07   #3
    Die 1960er ist geschlossen oder? Dann ist es klar.

    Die Präsenz bei offenen Boxen kommt daher, dass sich der Schall auch nach hinten ausbreiten kann (und dadurch an Wänden usw. reflektiert wird).

    Allerdings fehlt offenen Boxen Kompression und Höhen kommen härter und die Höhen "grätzeln" bisschen mehr.

    Lg Stefan :)
     
  4. KlausP

    KlausP Threadersteller HCA Gitarre HCA

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    Erstellt: 22.12.07   #4
    in dem Zusammenhang ist das hier vielleicht interessant, aus einer Antwort auf meine Anfrage an PCL:

    "Es handelt sich hier um eine 2x12" Box , hinten offen. Die Öffnung ist auf das Gehäuse so abgestimmt, daß die Abstrahlung nach vorne etwas in die Breite geht."
     
  5. the flix

    the flix Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 22.12.07   #5
    Dadurch, dass du 4 Schallquellen hast, hast du ja bis auf einen Punkt immer unterschiedliche Entfernungen zu ihnen. Und raus resultieren Laufzeitunterschiede, die sich in destruktiven Interferrenzen bemerkbar machen.
    Das wird umso schlimmer, je kleiner die Wellenlänge ist, also je höher die Frequenz ist. Da das Ohr aber für die höheren Frequenzen empfindlicher ist und ein großer Teil der Durchsetzungsfähigkeit der E-Gitarre in den Hochmitten liegt, ist es kein Wunder, dass du diese extremen Unterschiede wahrnimmst.

    Das ist nicht ganz korrekt.
    Bei tiefen Frequenzen wird der Schall bei einer geschlossenen Box kugelförmig abgestrahlt, erst die hohen und wichtigen Frequenzen (siehe oben) werden zunehmen nur in der Hauptabstrahlachse abgestrahlt.
    Ansonsten wäre der Sound ja der gleiche, nur leiser, wenn man seitlich steht.
     
  6. OneStone

    OneStone HCA Röhrenamps HCA

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    Erstellt: 22.12.07   #6
    @the_flix: Die konstruktiven Interferenzen tun zu dem von dir angeführten Problem ja auch noch ihr übriges...Stichwort Kammfiltereffekte.
     
  7. the flix

    the flix Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 22.12.07   #7
    Stimmt natürlich, da so die Unterschiede im Schalldruck noch stärker hervortreten.
     
  8. MAI

    MAI HCA Gitarren/Amps HCA

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    Erstellt: 22.12.07   #8
    Also ich muß mittlerweile sagen:

    ich würde mir nur noch halboffene Boxen kaufen. Sind in der Flexibilität und der Auflösung wesentlich besser und bieten dennoch den nöitgen Druck und Fundament.

    Habe aktuell als meine Lieblingsbox eine Mojo-Box vom Tube Amp Doctor ( Mojo ist ein renommierter US-Hersteller, der u.a. die Bogner, Diezel, Bad Cat und Matchless Boxen baut ).

    [​IMG]

    Es handelt sich um eine Bluesbreaker Box mit dreiteiliger Rückwand.

    [​IMG]

    [​IMG]

    Wie man sieht, kann man das Mittelteil entfernen und hat somit die halboffene Variante.

    Ausgestattet mit Speakern kostet diese Box im Übrigen nicht mehr als eine handelsübliche 2x12er von etwas besseren Markenherstellern.

    Nun zum Unterschied geschlossen vs. halboffen:

    Geschlossen klingen solche Boxen unheimlich druckvoll. Haben ein wuchtiges Bassfundament und ein sehr ausgewogenes Abstrahlverhalten. Man wird auch gut versorgt, wenn man mal etwas zur Seite geht. Viel hängt hier meines Erachtens auch von der Anbringung der Speaker ab: diese sind nämlich, ähnlich einer schrägen 4x12er leicht schräg ausgerichtet angebracht. Die Höhen klingen im geschlossenen Zustand ein wenig geglättet, was durchaus angenehm sein kann.

    Halboffen klingt die Box dann im wahrsten Sinne des Wortes offener. Die Bässe werden schlanker, sind aber noch prägnant genug, weil eben das Gehäusevolumen sein Übriges tut. Die Höhen klingen klarer, brillianter und präsenter im Raum. Der falsche Speaker kann da schon unangenehm werden.

    Wenn man sich nun hinter die Box stellt, fällt einem auf, daß sie hinten fast 3/4 so laut rausschallt wie vorne. So entsteht eben dieser Surround-Effekt, der diesen breiteren und offeneren Charakter prägt.

    Definitiver Nachteil einer halboffenen Konstruktion:
    man ist abhängiger vom Raum. Nahe an die Wand stellen ist tabu. Auch bringt eine halboffene Bauweise viel leichter Möbel und Heizkörper in Schwingung, bzw. es entstehen leichter diffuse Störgeräusche. So hat man immer ein Stellungsproblem im Raum, das es erstmal zu lösen gibt. Auch potenziert sich dieses Problem an fremden Örtlichkeiten. Da ist man dann länger damit beschäftigt, alles aufeinander abzustimmen.

    Eine geschlossene Box ist da wesentlich unkomplizierter.

    Dennoch finde ich halbboffene Boxen interessanter und lebendiger. Wenn man sich dann für eine flexible Rückwand entscheidet, hat man beides.
     
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