Gotthard / Lipservice / 2005 / CD

von Jogi`s Rockfabrik, 06.06.05.

  1. Jogi`s Rockfabrik

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    Erstellt: 06.06.05   #1
    Gotthard - Lipservice
    2005

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    Jetzt ist es also soweit, die Schweizer Gotthard haben ihr neues Album veröffentlicht mit dem Titel „Lipservice“. Erste Enttäuschung: Das Cover!!!! Geschmackssache, aber mir gefällt es überhaupt nicht. Für mich langweilig und einfallslos.

    Im selben Moment fallen mir die endlosen Diskussionen ein, die ich um diese Band schon geführt habe. Ich erinnere mich an die erste Scheibe mit dem schlichten Titel „Gotthard“ und das immer noch umwerfende „Dial Hard“. Ich sah sie damals live und war begeistert. Richtig kerniger und harter Rock `n `Roll und ein Sänger, der sich Steve Lee schimpft und von Gottes Gnaden eine der schönsten Rockstimmen hat, die ich je gehört habe. Seit „Dial hard“ habe ich mir jede Scheibe gekauft und auch auf jeder Tournee mindestens ein Konzert besucht. Und ich muss zugeben, dass es sich bei Gotthard um eine inzwischen durchaus mehr als professionelle Band handelt. Nun, es gab in der Folgezeit Konflikte mit dem Plattenmanagement, die Folgeplatten waren zwar allesamt gut bis sehr gut produziert und auch hörenswert. Aber der Kommerz stand wohl im Vordergrund, und so wurde die Band leichter und berechenbarer. Dies schadete zwar nicht dem Bekanntheitsgrad und füllte den Geldbeutel, aber die Fans der ersten Stunden waren erschrocken und drehten teilweise ab.

    Anlässlich der im Jahr 2003 erschienenen Platte „Human Zoo“ wurde im Vorfeld viel geschrieben und die Frage war, ob die Band nun endlich wieder zur alten Härte zurück kommt. „Human Zoo“ war härter, aber bei weitem nicht das, was sich die Fans erhofft hatten. Und um nun endlich zur Sache zu kommen: Diese Diskussion wurde jetzt im Vorfeld von „Lipservice“ wieder geführt und ich verfolgte diese schon nur noch halbherzig, weil ich der festen Überzeugung war, dass es eh wieder auf einen Kompromiss hinaus läuft. Und als ich die jetzige Single-Veröffentlichung hörte, sah ich mich bestätigt.

    Jetzt habe ich das neue Album ausgepackt und einige Umläufe hinter mir. Und ich habe total daneben gegriffen und einfach nicht recht gehabt. „Lipservice“ ist in weiten Teilen ein echtes hartes Album geworden und ich bin mir sicher, dass die Scheibe zur Versöhnung beiträgt. Ab heute haben Shakra wieder ein Problem. Sie sind nicht mehr härter als Gotthard, diese wiederum haben aber definitiv den besseren Sänger und können die bessere Produktion ihr Eigen nennen.

    Mit dröhnenden Drums eröffnen Gotthard mit dem Song „All we are“ und dann geht das erste mal richtig die Post ab. Kennt Ihr „Here comes the heat“ von „Dial Hard“, dann wisst Ihr was ich meine. Die Gitarren rauchen endlich wieder, einzig im Vergleich zum früheren Werk sind nun die Keyboards maßgeblich beteiligt. Macht aber nichts.

    „Dream on“ zeigt, dass das kein Versehen war, denn es geht im gleichen Stile weiter. Einzig der Refrain erscheint mir bereits beim ersten Hören absolut eingängig.

    Als drittes bedient Gotthard nun die Hörerschaft mit Ihrer Single-Auskopplung „Lift u up“. Zugegeben, leichte Kost und durchaus rockig. Ein echter Gröhler und für mich auf der neuen Scheibe der Kompromiss, allerdings diesmal in die andere Rechung und die Freunde des harten Rocks werden dies verzeihen, da bin ich mir sicher.

    Gotthard haben schon immer schöne Balladen gespielt. So ist auch mit „Everything I want“, das mit Chorus unterlegten Gitarren beginnt. Einzig die im Mittelteil angeschlagenen Gitarren sind heavy, und so dürfte dieser Song auch in der Heavy-Gemeinde unter den besten Balladen Einzug halten und akzeptiert werden.

    Genug der Verschnaufpause! „Cupids Arrow“ rockt im Midtempo, trockenen Gitarren wie zu alten Zeiten.

    Es gibt wenig Schwachpunkte, und „I wonder“ ist auch keiner. Etwas düster gehalten grooved es heavy, lässt aber melodiemäßig die Fanschar aus beiden Lagern wieder aufhorchen.

    Ein schönes Beckenspiel ist das Intro zu „I`m alive“ und es geht nach vorne ab. Die Gitarrenläufe wunderbar aufeinander abgestimmt. Der Song ist unruhig und bedarf mindestens eines 2. Umlaufs, um richtig zu zünden, dann aber garantiert.

    Als die Orgel zu „I`ve seen an angel cry“ spielt, bin ich in einer gewissen Lauerstellung. Was dann folgt, ist für mich einer der besten Songs, die Gotthard je eingespielt haben. Eine Mischung aus hartem Rock und Balladen, absolut eingängig wird auf die Tränendrüse gedrückt. Es gab schon mal einen Song, der sich schlicht „Angel“ schimpfte, und genau daran erinnert mich das neue Teil. Wirklich toll!!

    „Stay for the night“ ist Boogie, und hätte ohne Zweifel auch auf die „Dial Hard“ gepasst. Nun, ich verwende dieses Album aus dem Jahr 1993 immer wieder, um einen Vergleich überhaupt zu ermöglichen.

    „Anytime anywhere“ erscheint mir als eine Fahrt in die Vergangenheit der 70er. So sind die Harmonien zwar in bekannte Linien gepackt und nun mit einer modernen Produktion kombiniert.

    „Said & Done“ : Ein sehr interessantes Gitarrenspiel im Gesamtgefüge. Es wird deutlich, dass der neue Gitarrist Freddy Scherer absolut kompatibel zu Leo Leoni ist. Ansonsten sehr flott und eingängig.

    Was haben Gotthard mit Krokus gemeinsam? Richtig, sie kommen beide aus der Schweiz, aber auch der Riff in dem Song „The other side of me“ erinnert schwer an die guten alten 80er. Ich würde fast wetten, dass dieses Ding noch in der Schublade schlummerte, als sich Ex-Krokus Chris von Rohr um die Geschicke der Band kümmerte, aber aus kommerziellen Gründen nicht mehr gespielt werden durfte.

    Dann gibt es endlich wieder eine Verschnaufpause bei "Nothing left it all". Dieses Stück versprüht die Leichtigkeit der vergangenen, softeren Alben, cleane Gitarren mit Ausnahme der Crunch in der Sologitarre.

    Mit „And then Goodbye“ schließen Gotthard ihr neues Album und ich bin seit heute wieder richtig heiß auf ein Gotthard-Konzert. Denn ich weiß nur zu gut, dass sie auch eine bomben Live-Band sind und mit diesem Album im Zentrum der Setlist bin auch ich wieder richtig versöhnt.

    Die Produktion ist fett, gewohnt gut trotz Labelwechsels. Also schönen Gruß in die Schweiz und endlich stimmt das gute alte „Keep in Rockin`wieder!!!! Danke.


    9/10

    Tracklist:

    1. All we are 3.38 min
    2. Dream on 3.24 min
    3. Lift u up 2.58 min
    4. Everything I want 4.32 min
    5. Cupid`s arrow 3.46 min
    6. I wonder 4.23 min
    7. I`m alive 2.59 min
    8. I`ve seen an angel cry 4.47 min
    9. Stay for the night 3.26 min
    10. Anytime anywhere 4.16 min
    11. Said & done 3.22 min
    12. The other side of me 4.03 min
    13. Nothing left it all 3.56 min
    14. And then goodbye 3.30 min



    Gesamtspielzeit: 53.06 min
     
  2. CandleWaltz

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    Erstellt: 06.06.05   #2
    Ja, kann dir in Allen bereichen gut zustimmen. Aber das Cover is imo wirklich ein graus. Passt doch gar net zu Gotthard, aber auf die Musik kommts ja schließlich drauf an und die is wirklich gelungen.
     
  3. Mige

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    Erstellt: 24.06.05   #3
    Sehr gutes Review!

    Nach Human Zoo hatte ich in Gotthard keine grossen Hoffnungen mehr gesteckt. Zu offensichtlich war die (absichtliche?) Ausrichtung auf den radiotauglichen Massenmarkt.

    Lipservice rockt hingegen wieder so richtig, und das ist gut so. Zwar werden es Songs wie "All we are" oder "Cupids arrow" nie in den Radio schaffen, aber was solls. Mein persönliches Highlight sind die zahlreichen Uptempo-Kracher, die ich in dieser Form und Anzahl nicht erwartet hätte.

    Gleichzeitig ist es die erste CD unter Gotthard`s eigenem Label. Mal schauen, was das für die Zukunft heisst.
     
  4. Gast 17404

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    Erstellt: 01.07.05   #4
    Hm - ich find das Cover sogar mal ganz witzig, dat ist wenigstens mal was anderes :great: Aber egal, Hauptsache die Platte rockt!
     
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