Mir war einfach nicht bewusst, dass im Studio dermaßen getrickst wird.
Ohne dir zu nahe treten zu wollen, aber wo hast du die letzten 70 Jahre gelebt? Das "Tricksen" begann spätestens seit der Möglichkeit der Mehrspuraufnahme, und das begann Mitte der 1950er Jahre.
https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_multitrack_recording ist sehr lesenswert. Seitdem gibt es die Möglichkeit, dass Tonaufnahmen vollkommen anders entstehen als Livemusik, und diese Möglichkeit wird spätestens seit 1960 ausgiebig genutzt. Seitdem wird Tontechnik durch z.B. Akustikbau, Studiomusiker, VSTs und letztlich KI verfeinert und perfektioniert.
Das Klangbild von Tonaufnahmen haben i.d.R. mit live gespielter und nicht tontechnisch abgenommener Musik nicht das geringste gemeinsam, weil die Entstehungsbedingungen grundsätzlich unterschiedlich sind.
Ich dachte echt, dass Profis da ne gewisse Ehre und Ansprüche an sich selbst haben, dass sie gewisse Dinge nicht machen. Ich finde es ist schon ein Unterschied, ob man zum Beispiel x-Takes braucht, bis es mal richtig gut klingt ODER ob man einfach langsamer spielt und es dann beschleunigt oder wie bei Lars' Drumming Schnipselchen aus dem Band rausschneidet.
Wo soll da ein Unterschied sein? Den Konsumenten interessiert der Entstehungsprozess einer Aufnahme nicht, und das wissen Studiomusiker natürlich. Das ist mein persönlicher Grund, warum Studioarbeit eher unattraktiv ist gegenüber dem Livespielen. Auf der Bühne ist da noch ein Anspruch an den Musiker da, seinen Part ordentlich zu spielen. und wenn die Leute zahlen und klatschen, ist auch eine Wertschätzung direkt spürbar.
Das kann ich irgendwie nicht mehr ernst nehmen. Ich dachte diejenigen, die mit sagen wir 19 oder 20 schon "Profis" sind sind einfach absolute Ausnahmemusiker und deswegen haben sie in ihrem jungen Alter schon so ein Level an Perfektion erreicht, aber jetzt denke ich mir nix da das sind einfach Poser und nix dahinter. Ich bin wirklich ernüchtert! Das ist einfach nur Beschiss.
Es gibt Leute, die sind vorne an der Bühnenrampe erfolgreich - die Showstars. Und es gibt andere, die die Musik machen. Wie sonst hätte der Boygroup-Hype der 90er, Deutscher Schlager, die vielen One-Hit-Wonder und der Aufbau internationaler Popstars funktionieren sollen? Das ist eine arbeitsteilige Gesellschaft, in der einzelne Menschen ihre Produktionsprozesse optimieren. Und zwar, weil es da Geld zu verdienen gibt.
Idealismus ist schön und gut, aber sobald Produktionskosten von mehreren hunderttausend Euro im Spiel sind, kannst du dir doch an fünf Fingern abzählen, dass da Qualitätssicherung betrieben wird und es
nicht dem Zufall überlassen bleibt, wie das Endprodukt aussieht. Und in letzter Konsequenz wird dann eben auch Lars Ulrichs Schlagzeugspur zusammengepuzzelt.
Ich würde sogar fordern, dass Bands auf den CDs außen angeben müssen, ob ihr Produkt "natural" ist oder nicht. Für mich ist das gleichzusetzen mit GMO-Food.
Meinst du das ernst? a ) du hörst noch CDs??? und b) möchtest, dass deren Produktionsprozess nur
bestimmte technische Mittel nicht nutzt?
Das heißt, einerseits möchtest du durchaus künstlich produzierte Musikaufnahmen hören, die aber andererseits von dir definierte Schranken der Produktionsbedingungen beachten? Das ist eine interessante Mischung aus progressiv und strikt konservativ.