Harmonielehre: Falscher Ton in Tonart ? klingt trotzdem gut ?!?

von Kluson, 14.11.16.

Sponsored by
pedaltrain
  1. Kluson

    Kluson Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    23.12.14
    Beiträge:
    3.537
    Zustimmungen:
    1.342
    Kekse:
    5.988
    Erstellt: 14.11.16   #1
    Hallo,

    vorab - ich habe ein gewisses Wissen zum Thema Harmonielehre, allerdings nicht in der Tiefe. Man verzeihe mir deswegen die Frage :-)

    Hintergrund:

    Ich wollte Songs mal umgekehrt angehen - d.h. nicht zuerst die Chords definieren, sondern eine Melodie finden, und danach diese harmonisieren.
    Zudem hatte ich mal Lust das Thema 2-stimmige Melodie-Linien etwas näher zu betrachten, weil ich es bisher selten bis nie gemacht habe.

    Direkt beim ersten Versuch bin ich auf etwas gestoßen, bei dem ich nicht genau weiß wie ich es einordnen soll.

    Die Melodie beinhaltet folgende Töne:

    B / E / F# / A / G# / C

    Also alles gut und in E maj - wenn da nur das C nicht wäre :-)

    Ich habe bisher noch keine Chords hamonisiert, ich wollte erst einmal wissen was das ist. Eine Art Blue Note ? Ausflug in eine andere Tonart ? Out of the Box Note ? harmonische Dur Tonleiter ?

    Danke schon mal vorab
     
  2. michum

    michum Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    21.08.12
    Beiträge:
    1.557
    Zustimmungen:
    781
    Kekse:
    13.103
    Erstellt: 14.11.16   #2
    Nichts ist unmöglich ;) man muss sich in Songs keinesfalls nur an einer einzigen "richtigen" Tonleiter orientieren.

    Falls deine Frage ist, wie sich der Ton C in die Tonart E Dur einsortieren lässt:

    als üblichste Variante fällt mir Am ein. Also IV.Stufe moll.
    Spiel mal die Akkorde A - Am - E und höre begeistert, wie glatt sich das auflöst.
    Auch vertraut als Blues-Wendung E - E7 - A - Am - E .

    IVm ist ein alter Hut. Die anschließende Auflösung zur I kann dann, wenn der Hörer eh schon diese Hörerwartung hat, auch weggelassen werden, um die Erwartung ad absurdum zu führen. Du kannst Am also überall verwenden; die vertrauteste und klassische Variante wäre wie gesagt die Auflösung zur I.

    --

    Ebenfalls möglich, wenn auch weit seltener, ist die Rückung C - D - E.
    Gern benutzt als pompöser Schluss.
    Hier wird statt des erwarteten Em doch E dur gespielt, aber auch damit klingt es immer noch folgerichtig. Die Akkorde C und D wären dann ausgeborgt aus der Em Tonleiter.

    --

    In der Rock/Pop/etc. - Musik gelten die alten Regeln lang nicht mehr, hier ist auch der "Bruch mit den Konventionen" zur Hörgewohnheit geworden. Weil es eben seit Jahrzehnten schon gemacht wird. Eine Akkordfolge wie E G A oder auch C A E erstaunt heute keinen mehr, trotz der offensichtlichen Brüche in der Tonart.
     
  3. Kluson

    Kluson Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    23.12.14
    Beiträge:
    3.537
    Zustimmungen:
    1.342
    Kekse:
    5.988
    Erstellt: 14.11.16   #3
    danke für die Antwort. Ich klebe nicht an "richtigen" Tonarten, ich wollte es nur einsortieren können. Einen Akkord zu spielen, der zum C passt war auch weniger das Problem. Ich dachte nur, dass es - im Falle von E maj - eine Tonart / Tonarten gibt, in die man typischerweise wechseln kann bzw. aus denen man sich in einem bestimmten Kontext Akkorde "borgen" kann. So hast du es ja im Falle von A min bzw. E min beschrieben. Ich werde es ausprobieren. Ich habe auch nichts gegen schräge Akkordfolgen, aber es gibt bestimmt Methoden / Varianten, in denen es eine gewisse Spannung erzeugt, ohne falsch oder deplatziert zu klingen.

    Aber stimmt schon - die von dir genannten Abfolgen klingen schon stimmig, wenn auch nicht "typisch". Dann muss ich nur mal schauen, dass das C an entsprechender Stelle liegt
     
  4. Hans_3

    Hans_3 High Competence Award HCA

    Im Board seit:
    09.11.03
    Beiträge:
    16.405
    Zustimmungen:
    1.397
    Kekse:
    52.645
    Erstellt: 15.11.16   #4
    Da hast du dir ja was Schönes eingebrockt :D: Du hast nämlich A-Moll melodisch im 5. Modus entdeckt (= mixolydisch b13) - auch bekannt als indische "Hindu-Skala". - Vorausgesetzt, du ersetzt wirklich die Sexte C# dauerhaft durch das C und behandelst sich also nicht als zusätzliche Tension-Note. Und nimmst noch D mit ins Boot.

    Schlüssige Harmonisationsmöglichkeiten gibt es kaum. In der Regel wird das über einen stehenden Grundton modal ausgeführt. Eine der wenigen Möglichkeiten, Akkorde aus der Skala zu bilden, die eine durchaus interessante Stimmung mitbringen können:

    E7 | F#7/b5 | G# 7/b5 | F#7b5 | E7

    Oder halt viertaktiger Wechsel E7 | E7 | Am-maj7 | E7


    Andere Möglichkeit: Du verwendest die Skala in ihrem eigentlichen Ursprung: Melodisch Moll A.

    Dann kannst Du z.B. mit dem Wechsel zwischen Am(maj7) und Ab7/#5 eine schöne Schleife bilden.

    Viel Spaß beim experimentieren ;)
     
  5. Kluson

    Kluson Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    23.12.14
    Beiträge:
    3.537
    Zustimmungen:
    1.342
    Kekse:
    5.988
    Erstellt: 15.11.16   #5
    Vielen Dank für die Antwort. Hindu Skala trifft es ganz gut - dieser eigentlich in E Maj nicht vorhandene zusätzliche Halbtonschritt lässt es so klingen.

    Ich denke aber, dass das C in diesem Fall eher als "Tension Note" genutzt wird, da ich die Skala / Melodie nicht über einen stehenden "Pedal Ton" laufen lassen wollte, sondern schon über eine Akkordfolge.
    Insofern muss ich mal schauen, wie ich die Chords positioniere, damit das C an der passenden Stelle auftaucht.

    Es ist ja auch keine Improvisation angedacht, sondern eine feste Position der Melodie im Arrangement
     
Die Seite wird geladen...

mapping