Also erst mal ganz allgemein, meine Erfahrung von jemandem, der kein Talent hat, dies schon immer von anderen bescheinigt bekommen hat und selber fest davon überzeugt war, dass selber singen keine gute Idee ist und als akustische Umweltverschmutzung mitunter strafrechtlich verfolgt wird:
"Singen können" kommt vom singen, nicht vom können.
Talent wird gegenüber Übung meines Erachtens weit überschätzt. Ich glaube sogar, dass das, was man landläufig als "Talent" bezeichnet, mitunter schlicht auch Übung ist, die man bereits in früher Kindheit durchlaufen hat und da meine ich explizit nicht nur das selber singen, sondern vor allem auch Dinge wie Töne und Intervalle hören und das Rhythmusgefühl, was elementare Grundlagen für Gesang sind. Wer da im fortgeschrittenen Alter erst mit anfängt, hat einen längeren Weg zu laufen, als wem das schon in die sprichwörtliche Wiege gelegt wurde. Aber erlernen kann das jeder, vorausgesetzt er ist ausreichend motiviert und bereit auch über Jahre und Jahrzehnte (nein, ich schreibe jetzt nicht "daran zu arbeiten", denn wenn man motiviert ist, ist es keine Arbeit, sondern Spaß) dranzubleiben, auch wenn es immer noch nicht so richtig dolle klingt. Meiner Meinung nach ist es auch ein nicht unwesentlicher Teil des "Singen lernens", zu erkennen und zu lernen, was man singen kann und was nicht. Nicht jeder wird Pavarotti oder George Michael, aber umgekehrt gibt es für jeden Lieder, die man singen kann, ohne dass andere das als Komplettunfall bewerten würden. Das Repertoire muss sich der Stimme und den (zum jeweiligen Zeitpunkt vorhandenen) Möglichkeiten anpassen.
Ich habe vor Jahren mal ein Interview mit Eric Clapton gesehen, in dem er postulierte, jeder könne singen (lernen). Ich habe ihm nicht geglaubt. Heute weiß ich es besser.
Du bist erst 18, deine Lernkurve dürfte also noch steiler verlaufen als bei älteren Herren wie mir, wenn du dich aber trotzdem eher auf Jahre statt Monate einrichtest, steht einer Gesangs-"karriere" wenig entgegen.
Ich würde dir empfehlen, das ganze vorerst erst mal nur für dich zu betreiben und dich allenfalls, wenn du Gesangsunterricht nehmen möchtest, gegenüber einem Gesangslehrer oder ausgewählten Personen, die um diesen Prozess wissen und das ganze neutral sehen können zu offenbaren. Wenn du derzeit deinen Freunden oder Fremden vorsingst, die vom Singen keine Ahnung haben, kriegst du nur "hast kein Talent, lass das lieber" zu hören, was dich keinen Deut weiterbringt. Im Gegenteil, es nimmt dir mitunter das Selbstbewußtsein und verfestigt den Gedanken, nicht singen zu können, was sich dann umgekehrt auch wieder in deinem Gesang niederschlagen wird. Deiner Stimme hört man derzeit genau diese Unsicherheit an. Wenn du aber dran bleibst, wird irgendwann mal der Punkt kommen, wo du denkst, hey, das ist ja echt besser geworden, das geht ja schon, und dann kannst du auch wieder deinen Freunden vorsingen.
Alternativ könntest du dir auch noch überlegen in einen Chor oder so zu gehen. Wenn man nicht alleine singt, sondern im Rudel, kann man viel lernen, ohne im Mittelpunkt und somit auch im Mittelpunkt der Kritik zu stehen.
Spielst du ein Instrument? Wenn nicht, mal auch darüber nachdenken. Ich kann mir selber nicht vorstellen, ohne Instrument wie Klavier oder Gitarre zum singen zu finden, eben was Rhythmik und Hörvermögen angeht, aber das kann man vermutlich nicht verallgemeinern. Aber die Referenz, die einem ein Instument gibt, erleichter die Intonation natürlich sehr.
Also, wenn es dir Spass macht, dranbleiben, wird. Nur nicht eben morgen oder übermorgen.