Horror: Gitarrenzargen biegen

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Das Biegen von Renaissance-Gitarren-Zargen ist für mich stets ein Horrortrip.

1. Selten habe ich die 8er Form, wie vom Resonanzboden vorgeben, hinbekommen - entweder zu tief hinein oder die Zarge hat einen überstehenden Rand.
2. Gerade bei engen Kurven besteht die Gefahr, dass Holz (zumeist Ahorn) an einer ganz bestimmten Stelle reißt oder ganz durchbricht.
3. Ist die eine Biegung einigermaßen passgenau, stimmt sie bei der anderen wiederum nicht.

Es ist ein frustrierendes Hin und Her, obwohl die Zargen die vorgeschriebene Stärke um die 2 bis 2,3 mm haben.

Heute, beim Biegen der zweiten Zarge ist mir aufgefallen, dass an einer Stelle das Holz sich nicht in Form bringen lässt, egal wie oft es dort eingenässt und wie lang es am heißen Eisen gehalten und hin und her geschoben wird. Diese Stelle bleibt mehr oder weniger gerade, es sei denn durch brachiale Anwendung von massivem Druck. Das Ergebnis ist meistens: KNACKS!!!

Da ich weder ein gelernter Instrumentenbauer noch ein Holzspezialist bin, kann ich mir das nur durch breitere Jahresringe bzw. stärkere Maserung erklären.

Die 2. Zarge ist zwar nun angeleimt, weist aber insgesamt 5 Knacksstellen auf, eine davon durchzieht die gesamte Zargenhöhe. Um die Risse zu schließen, werden sie mit Fischleim gefüllt und dann mit Schraubenzwingen zusammengepresst. Das unterlegte Backpapier soll verhindern, dass die Zwingen an der Riss-Stelle festgeklebt werden.
 

Du brauchst ein gleichmäßig gewachsenes Stück Holz mit möglichst stehenden Jahresringen. Für den Bau von Geigen werden dazu die Stämme erst abgelängt und dann zugeschnitten ähnlich Kuchenstücken um möglichst viele stehende Jahresringe rauszubekommen für die Decke wo das ungedingt notwendig ist.Mit den Zargen dürfte es aber ähnlich sein. Wird ein Stamm mit der Gattersäge zu Brettern aufgeschnitten hat nur das Kernbrett in der Mitte senkrecht stehende Jahreringe.
 
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  • #3
Bei einem flachen Stück mit sehr geringer Stärke sind stehende Jahresringe kaum eindeutig erkennbar. Möglicherweise lässt auch die Qualität des Holzes zu wünschen übrig - aus welchen Gründen auch immer.

Aber höherwertige Stücke erlaubt mein Budget leider nicht - oder ich muss meinen Tonholzhändler wechseln.

Stimmt es, dass engstehende Jahresringe eher für Qualität bürgen als weiter auseinander stehende?
 

Ja. Engstehende Jahresringe sind vor allem für die Decke wichtig und zeugen davon, dass der Baum nur langsam wachsen konnte. Dadurch ist die Schwingung im Holz schneller, es klingt klarer, höher und lauter.
 
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Das ist zur Fichte sehr gut beschrieben in dem Film die Seele der Geige.
 
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  • #6
Den Film kenne ich, hab' aber das Meiste wieder vergessen, nur an Martin Schleske, den Geigenbauer aus Landsberg am Lech, kann ich mich erinnern, da auch öfters an seiner Werkstatt nur vorbei gegangen. Eine solche Koryphäe, die auch in anderen Sphären zu schweben scheint, belästigt man nicht mit Anfängerfragen.
 
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Das Ergebnis ist meistens: KNACKS!!!

Probiere doch mal das Holz länger zu dämpfen. Du musst dazu natürlich ein Gehäuse bauen das Platz für die Zargen hat und dem eingeleiteten Wasserdampf widersteht.

Viel Erfolg!

*
 
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  • #8
Mit Wasserdampf habe ich es noch nicht probiert, dafür aber mit sehr heißem, fast schon kochendem Wasser.
 
Das ist ähnlich. Aber auch beim Dämpfen sollte der Wuchs gleichmäßig sein. Ich hatte von stehenden Jahresringen geschrieben. An anderer Stelle heißt es aber die Jahresringe sollten möglichst parallel zur Biegung verlaufen. Das wäre dann eher ein Seitenbrett.
 
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  • #10
Wie bei Akustik-Gitarren der angeleimte Steg den enormen Saitenzug aushalten halten, hat mich immer gewundert.

Dass der Saitenhalter auch bei historischen Lauten und Gitarren abreißen kann, ist nichts Neues in dieser Instrumentenbauszene. Bei meinen eigenen Renaissance-Stücken ist mir dies desöfteren passiert, so dass ich auf folgende Lösung kam - wie das Bild zeigt.

reissfest.webp


Keine Lösung habe ich gefunden, wie beim Bohren der Löcher in den Steg sie hinten in einer gerade Linie sich wieder öffnen. Dass sie derart versetzt sind, ist nach meinem Geschmack schon störend.
 
  • #11
Keine Lösung habe ich gefunden, wie beim Bohren der Löcher in den Steg sie hinten in einer gerade Linie sich wieder öffnen.

Einfach von beiden Seiten so bohren dass sich die Bohrungen mittig im Material treffen.

*
 
  • #12
Sinvoll ist da eine auf der Ständerbohrmaschine gefertigte Bohrschablone zur genauerenn Führung
 
  • #13
Bei dem Bohrdurchmesser verläuft jeder Bohrer im Holz durch dessen unterschiedliche Dichte.
Auch bei einer Bohrschablone, oder auf der Ständerbohrmaschine.
Da hilft nur das beidseitig halb Bohren, wie es @Bassturmator beschrieben hat.
 
  • #14
Die Bohrschablone ist auch sinnvoll beim Bohren von beiden Seiten.
Dünne Bohrer verbiegen sich natürlich leicht im Holz je nach Wuchs.
Zentrierspitzen helfen da aber gibt es erst ab 3 mm.
Bei ausreichender Dicke reduziert eine Schablone aber die Biegung des Bohrers auch dadurch daß sie die freie Bohrlänge reduziert.
Je kürzer die freie Bohrlänge ist umso weniger kann sich der Bohrer verbiegen.
Denkbar ist auch einen Bohrer zu kürzen wenn man sich aufs Anziehen der Bohrschneiden versteht.
 
  • #15
Wenn sich das Holz an einer Stelle gar nicht biegen lässt, ist meistens das Biegeeisen nicht heiß genug (Wassertropfen müssen sofort wegtanzen) oder das Holz ist an der Stelle schon trocken gedampft. Man braucht halt die richtige Mischung aus Hitze und Feuchtigkeit, damit das Lignin im Holz plastisch wird. Nicht mit Gewalt drücken, sondern einfach warten, bis das Holz unter leichtem Druck von alleine nachgibt.
 
Grund: unnötiges Vollzitat des Startposts entfernt
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