Keyboard "zähmen"

miwe
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Moin,

welche Möglichkeiten habe ich ein Keyboard auf "einen Level" zu bekommen?
Hintergrund: Der Keyboarder hat in einer Veranstaltung mehrere Setups die leider in der Lautstärke stark variieren.
Gespräche mit dem Bandkollegen die Level mal anzupassen waren bisher leider nicht zielführend.
Ich bekomme zwar die Unterschiede auch "on the fly" am Mischer hin, aber villeicht habt ihr ne Idee wie ich mir diese
Arbeit etwas erleichtern kann. Falls man ja doch durch eine Situation / Ereignis abgelenkt ist knallt das schon ganz schön.


Equipment: Mischpult XR-18

Dankeschön
 
Eigenschaft
 
So eine Situation hatte ich auch mal. Damals, noch zu meinen analogen Zeiten, habe ich einen Vierfach-Kompressor gekauft und diesen mit hoher Ratio um 10:1 und sehr kurzer Attack-Zeit, also fast wie einen Limiter in den vier Kanälen des Keyboards betrieben. Stelle einen Sound auf seinen (für Dich) korrekten Level ein, und knapp oberhalb dieses Levels lässt Du den Kompressor zuschlagen, stellst also den Threshold knapp oberhalb Deines gewünschten Maximallevels ein. Kannst Du digital genauso machen wie ich damals analog.

Wenn möglich, lass den Monitorweg von dem Kompressor unbearbeitet durchlaufen, dann hat er die Pegelsprünge auf seinem Monitor und greift evtl. selbst ein. Lernen durch Schmerzen halt.
 
Den Keyboard-Monitor lauter machen ist schon mal keine schlechte Idee. Ich würde aber am MR18 anstelle eines Limiters einen Ducker einsetzen. Der regelt beim Uberschreiten eines Pegels einfach so 9-12 dB(z.B) zurück. Quasi eine Idiotenbremse für Keyboards. Das kann man dann auch wieder so auf den Monitor schicken damit die Arbeitsweise klar wird (Machst du lauter, mach ich leiser).
Leider hatte ich es heuer auch mit so einem Keyboarder zu tun, der mit extremen Pegelsprüngen daher kam. Versuche das Mittels konstruktiver Gespräche zu klärenscheiterten an der Widerborstigkeit des Tastenakrobaten. Ich löste das mit dem Monitorpegel und einem konsequenten Ignorieren seiner Zeichen, den Monitor da oder dort leiser zu machen. Nach ein paar Songs hat er das Konzept kapiert und den Masterregler seines Keyboards benutzt. Freunde werden wir aber wohl nicht mehr.
 
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Hi,

Danke für eure Tipps - bissel schmunzeln musste ich ja schon :D - schön dass ichh nicht alleine damit dastehe :) - Ich danke euch Jungs.
 
Als Keyboarder (nicht Pianist, nicht Rockkeyboarder, sondern Synthmann) muß ich hier mal nachhaken: Inwiefern gibt es so deutliche Lautstärkeunterschiede?

Ist es wirklich nur schlampige Programmierung, sind das Sachen, die definitiv alle gleich laut gehören, und der Keyboarder kriegt das einfach nur nicht gebacken?

Oder hat das, was er macht, konzeptionell bedingt sehr große Lautstärkeunterschiede, die aber irgendeinem Grundsatz "Keyboards gehören so-und-so laut" widersprechen und entsprechend irritieren?

Ich frage deshalb, weil ich selbst innerhalb eines Gigs zwischen den Lautstärken meiner (auch schon mal zahlreichen) Sounds Gesamtunterschiede von bis zu ca. 30 dB habe. Die sind aber gewollt, also volle Absicht, und werden nicht händisch geregelt (außer kontinuierliche Lautstärkenänderungen), sondern sind so programmiert. Bei einigen Stücken spiele ich nur sehr leise im Hintergrund. Bei anderen gibt es Bläsersätze oder Synth-Soli oder dergleichen, die ganz vorne und entsprechend laut spielen müssen – dann bin ich der lauteste in der Band (wir sind keine Rock- oder Metalband). In einem Stück gehört das Intro 16 Takte lang fast komplett mir (6 Sequencerspuren + Handspiel), und niemand in der Band darf lauter sein – weil sich die Band darauf verlassen können muß, mich deutlich zu hören. Es gibt auch Stücke mit sowohl als auch, und zwar ohne Vorwarnung.

Wenn ein Toni auf die Idee käme, bei mir alles von knapp über Grundrauschen bis "übersteuert schon fast" mittels knallharter Kompression auf einen Level zu pressen, würde ich ganz schön meutern – und die ganze Band würde einfach nur grausig klingen.


Martman
 
Moin,

hier ist es definitiv der Keyboarder wo das Keyboard derart in den Vordergrund rückt, dass der Rest der Band inkl. Gesang absäuft.
Ich kann schon recht gut einschätzen was in den Vordergrund gehört und und welchem Stück wer den Takt angibt.
Wenn man den Gesang nicht mehr versteht bzw, wenn das Keyboard dann plötzlich viel zu leise und kraftlos wirkt ist es Mist.
Ich finde es aber äußerst gut dass sich auch ein Keyboarder / Synthyman zu Wort meldet um mal eine unabhängige Gegenseite zu hören.
 
Ich hab die Erfahrung gemacht, dass z.B. in Bandräumen das Keyboard einfach nur (!) über dessen - möglicherweise extra von mir installierten - Monitor läuft und überhaupt nirgends anders. Nur dann ist es für die anderen verträglich.

Die Lautstärkeunterschiede kommen auch durch unterschiedliche Sounds zustande. Ein muggeliger und tief gespielter Streichersatz klingt natürlich massiv weniger prägnant als den aggressiven Konzertflügel mit eingebauter Kompression. Die gefühlte Lautstärke ist dann sehr unterschiedlich.
 
Ich melde mich mal als Tonmensch und Keyboarder in einer Person. Ich kenne also beide Perspektiven.

Aus Toni Perspektive hasse ich auch Bands, bei denen der Keyboarder seine Finger nicht vom Mastervolume lassen kann. Ich mische eine Band regelmäßig bei denen ich schon zig mal versucht habe dem Keyboarder zu erklären, dass er zu große Pegelsprünge hat. Bisher war das fruchtlos. Ich versuche immer einen transparenten Gesamtmix zu machen, bei dem man jedes Instrument hören kann. Aber wenn von einem Sound zum nächsten sich mal eben 12dB und mehr ändern, dann führt das in die eine Richtung dazu, dass man kaum noch was hört und in die andere Richtung, dass die Keys noch vor dem Gesang sind. Kann so gewollt sein (Solo oder Bläser Hits), ist es aber oftmals nicht.

Daher also mein Appell an alle Keyboarder: Ja, Lautstärkeunterschiede zwischen Sound sind notwendig, aber bitte immer mit Bedacht programmieren. Am besten auch immer wieder in Mitschnitte kritisch reinhören und schauen, ob die Lautstärken passen.

Meine Lösung als Toni an lernresistente Kandidaten ist ähnlich wie bei @mix4munich: Starker Kompressor drauf, dann so einpegeln, dass sein lautester Sound passt und dann lasse ich das weitestgehend so. Wenn er bei leisen Sounds nicht zu hören ist, selber schuld, vorgewarnt habe ich ja oft genug.

Aus Keyboarder-Perspektive versuche ich meine Dynamik im Griff zu haben. Alle Sounds werden in Proben optimiert und mittels Mitschnitten prüfe ich auch immer wieder ob die Sounds sich gut in die Songs integrieren. Wenn ich mit einem Fremdtech unterwegs bin, bitte ich diesen oft auch Anmerkungen auf die Setliste zu machen falls er bei mir eingreifen musste. Mit der Zeit entwickelt man dann ein Gespür dafür, was wie laut sein muss und mittlerweile sind nur noch moderate Anpassungen an neuen Sounds nach der initialen Programmierung notwendig.
 
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Ich bin auch aus beiden Welten.
Als Mischer hatte ich mit einem resistenten Gitarristen zu tun, der seine Sounds nicht im Griff hatte. Ich hab seine Gitarre auf ALLE Monitore Pre-Fader gesetzt. War zwar bitter für seine Kollegen, aber die haben dann auf ihn eingewirkt. Das war aber wirklich letzte Not, Musiker, die das Verstanden (bis auf den Gitarristen) und eine unwichtige, unbezahlte Mucke. Im professionellen Bereich würde ich die Lösung von mix4munich bevorzugen.

Wenn ich mit dem Keyboard Solos hab, speicher ich den Sound immer als Solosound lauter ab. Die Lautstärke ermittle ich via Probenmitschnitte und Rücksprache mit den Tontechnikern. Es sollte klar sein, dass aufgrund örtlicher Gegebenheiten, Auswahl der PA etc. immer bisschen nachgeregelt werden muss, sonst bräuchte man ja keinen Techniker ;-)
Vielleicht kannst du das dem Keyboarder nahe bringen
 
Leider herrscht bei vielen Musikern der (Irr-)Glaube vor, dass man Sounds und Lautstärken zuhause unterm Kopfhörer programmieren könnte und sich das dann eins zu eins auf PAs übertragen ließe. Das ist leider Quatsch.
Wird ja schon dadurch deutlich, dass dem Tonmann ja nach Raum, pax, Qualität und Größe der PA und Dynamik der Band eine ganz andere dynamic range zur Verfügung steht. Manchmal reichen für ein Solo 12 dB Boost nicht aus und am nächsten Abend sind 3 dB zu viel.
Daher lieber vorsichtig programmieren und lieber mit dem Tonmann wichtige Stellen besprechen (oder auf der Setliste markieren).
 
... noch besser wäre wohl ein Bandtechniker, der mit den Musikern gemeinsam am Bandsound arbeitet damit bei einem Konzert das auch so umgesetzt werden kann wie es einmal gedacht war. ;-)
 
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Unser Toni ist Mitglied der Band und beihefte Probe dabei.
 
Ich kenne das Problem auch aus eigener Erfahrung. Die erste Erkenntnis - von rockinski schon angedeutet - erfährt man bereits im Proberaum, denn meist passt das, was man zu Hause über Kopfhörer oder seine Abhöre erstellt schon nicht mehr.

Das Grundproblem ist oftmals, das viele Sounds zu 'fett' programmiert sind. Gerade die Werkssounds vieler Keyboards, sind Verkaufs-Sounds, die über Kopfhörer, wenn man das Gerät im Laden anspielt, bombastisch geil klingen, aber im Bandgefüge, vor allem über größere Boxen, nur alles vermatschen. Erste Reaktion des Mischers: leiser drehen. Besser wäre oftmals, wenn er mal mit einer Bass-Reduktion anfangen würde. Noch besser wäre es, wenn man die Sound gleich so programmiert, dass sie weniger bass-lastig sind, auch weniger Effekt schadet absolut nicht. Klingt dann alleine gespielt beschissener und wäre auch ein schlechteres Kauf-Argument (daher nenne ich es ja auch Verkaufs-Sounds ;) ), aber im Bandgefüge passt es deutlich besser. Auch hilft es, die wirklichen Lautstärkeverhältnisse besser einschätzen zu können.

Das zweite und oftmals wichtigere Grundprinzip ist es, dass man seine Spielweise anpasst. Zum einen ist es die gewohnte linke Hand, gerade beim Pianospiel, zum anderen auch die Lage, wo man spielt. Ich versuche auch gerade, mich dran zu gewöhnen, dass ich vor allem Orgelsounds eher eine Lage höher lege, als ich es eigentlich gut fände.
Ein weiteres Problem ist auch der Monitor. Die Verhältnisse, wie ich sie aus einem Wedge höre, sind nicht zwingend so, wie sie aus der PA kommen. Deutlich besser - so meine Erfahrung - ist da in-ear-Monitoring.

Und ja, Harle und Hardl haben es auch erwähnt: es ist ein langwieriger Prozess, der immer wieder kontrolliert und korrigiert werden muss, am besten durch Mitschnitte oder durch Feedback, bis man die Verältnisse seiner Sounds abgestimmt hat.

Natürlich hat auch Martman recht. Es gibt viele Songs, wo ich wirklich nur leise eine Orgel drunterlege. Wenn ich nun von jemandem abgemixt werde, der uns nicht kennt, und der Meinung ist, dass die Orgel da lauter müsste, dann macht er das möglicherweise, ich bekomme das nicht mit, und er muss im nächsten Song wieder runterregeln. Das kann ich dann aber nicht ändern. Ich hab's erst gerade beim Durchhören des Mitschnitts vom letzten Konzert gemerkt. Das kann man aber wohl kaum ändern, wenn man keinen eigenen Techniker hat, dann bekommt man möglicherweise einen Kombi mit 10:1 Ratio aufgedrückt, worunter dann die Dynamik des Keyboardsounds leidet.
 
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