Kompositionsunterschied zwischen herkömmlichen Songs und Instrumentalmusik ???

von Ex-The Maniac, 17.02.06.

  1. Ex-The Maniac

    Ex-The Maniac Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 17.02.06   #1
    Worin unterscheidet sich eigentlich der Aufbau einer Instrumentalmusik von der populären, rockigen, bluesigen Musik, die vom Gesang geprägt ist ?

    In der Pop/Rock/BLues/Folk etc. -Musik gibt es ja in der Regel sehr einfache langsame Melodien (meist 4tel oder 8tel Noten) und meistens trifft man auf die drei Elemente Rhythmus, Melodie und Harmonie in der Form, dass die Melodie (wie gesagt eher schlicht gehalten ist, also aus realtiv wenigen Noten besteht) von Akkorden und Rhythmen begleitet wird.
    Nun klingt es ja vielleicht ganz nett, wenn mehrere Instrumente erklingen und jedes eine Rolle übernimmt (Perkussion z.B. den Rhythmus, Gitarren z.b Rhythmus und Akkorde, und der Gesang übernimmt den simplen Melodiepart).
    Aber bei instrumentaler Musik, die Beispielsweise nur von ein oder zwei Instrumneten praktiziert wird, klingt es dann extrem simpel, wenn das eine Instrument beispielsweise den Melodiepart der Stimme übernimmt und das andere Instrument einfach nur 5 Akkorde dazu rhythmisch spielt. Wie kommt es also das klassische Musik und instrumentaler Jazz usw. viel umfangreicher und komplexer klingen, wenn sie nur von ein oder zwei Instrumenten praktiziert werden ?
    Gibt es dort andere Kompositionsvorgänge als bei herkömmlicher (Gesang-orientierter Musik) ?
    Mir ist z.B aufgefallen dass gerade im Jazz oft gar keine simplen 4tel oder 8tel Melodien zu finden sind, sondern da wird virtuos gespielt (16tel bei 160bpm, usw.) und es scheint als ob mehr als nur 5, 6 Akkorde über das Stück verteilt gespielt werden. Die Frage ist woher holen sich diese Musiker ihr Tonmaterial um so komplexe Musik zu spielen. Ich habe z.B. Stücke gehört, die gehen 10 Min., klingen als ob jede Sekunde ein neuer Akkord hinzukommt und eine Melodie beginnt am Anfang im 160er Tempo (16tel Triolen) und geht über die gesamten 10 Min. des Stückes ohne ein Ende in Sicht zu stellen. Und all das klingt merkwürdigerweise auch noch extrem harmonisch und melodisch (trotz den 16tel bei 160bpm klingen die Tonfolgen wie endlose Melodieläufe im Up-Tempo) und trotz der ständig neu erklingenden Akkorde, lässt sich keine Atonalität oder Dissonanz heraushören. Wie íst das möglich, wenn das Stück auf der Diatonik basiert (sonst würde es nicht so harmonisch und tonal klingen), dass so viele Akkorde und Melodien entstehen können, wo eine diatonische Tonleiter doch nur aus sieben Tönen besteht. mit diesen 7 Tönen lassen sich doch niemals 100te von harmonisch und tonal klingenden Akkorden erzeugen ? Und ebenso die Melodien ?
     
  2. Korittke

    Korittke Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.02.06   #2
    Naja, es gibt Spannungen, Vorhalte, Synkopen, Umkehrungen, Modulationen, Erweiterungen, Tonart- und Taktartwechsel, und was weiß ich nicht alles. Außerdem verschiedene Instrumente, verschiedene Tonbereiche/Oktavlagen, verschiedene Klangfarben/Sounds und den Ausdruck über das Instrument (zich verschiedene Spielweisen). Und ansonsten kann man da nicht viel zu sagen, es gibt Notenlängen, es gibt Arrangement und das alles kannst du miteinander kombinieren. Selbst eine simple Grundmelodie wie alle meine Entchen kannst du damit auf unzählbar viele Weisen rephrasieren. Es gibt immer was neues. Im Grunde kannst du doch den allergrößten Teil der gesamten Musik auf 7 Töne reduzieren. Und trotzdem machen Leute immer wieder neue Musik. Die Grenze wird doch trotzdem nur durch menschliche Kreativität gesetzt.



    Wenn man einen Vergleich bemühen will: Stell die ein Blatt Papier vor und einen schwarzen Stift. Ein Mensch wird fast alles erkennen, was ein anderer Mensch mit diesen 2 Instrumenten darzustellen versucht. Es liegt einfach im Auge des Betrachters, was es ist und ob es neu ist oder nicht. Musik ist wie ein Blatt Papier mit 7 Stiften -.-
     
  3. Alpha

    Alpha Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 25.02.06   #3
    Ist vielleicht für euch zu "trivial", aber bei Instrumentalmusik musst du nicht überlegen, ob die Töne zu hoch sind oder man da keine Zeit zum Atem holen hat.
     
  4. Ex-The Maniac

    Ex-The Maniac Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.02.06   #4
    Hm.....also ich hab nämlich echt ein gewaltiges Problem. Wenn ich Instrumentalmusik höre (Jazz, Latin, Klassik usw.) stelle ich dauernd fest, dass die Musik die geleichen Skalen benutzt wie andere Musik auch und darauf die gleichen Akkorde usw. aufbaut. Und trotzdem klingt Latin Musik wieder ganz anders als Jazz und Jazz ganz anders als Pop usw. Mal abgesehen davon, dass die jeweilige Musik ja auch mit unterschiedlichen Instrumenten gespielt wird. Aber selbst bei gleicher Instrumentalbesetzung klingt Latin wie Latin und Pop wie Pop und Blues wie Blues und das obwohl alle dieselben diatonischen Intervalle als Tonvorrat benutzen (also Moll Dur und modes) und dennoch klingt alles verschieden, das will mir nicht klar werden warum das so ist ? Liegt es nur an Rhythmus, Phrasierung von Melodien und Harmonien ? In Latin-Musik findet man z.B. genauso ein Gmaj7 wie im Jazz oder sonstwo und man findet genauso Melodien die auf dem selben Tonvorrat aufgebaut sind wie in der Pop, Blues, Jazz, Klassik usw. aber dennoch klingt ein Latin STück anders als ein Pop Stück und wieder anders als ein Klassik-Stück. Warum ? Wenn doch alle die gleichen Tonleitern, Akkorde usw. benutzen ? Liegt es nur daran wie man diese einsetzt, also wie man eine Tonfolge phrasiert um z.B. eine Latinmelodie von einer Jazzmelodie zu unterscheiden ? Oder was ist der Punkt ?
     
  5. Ex-The Maniac

    Ex-The Maniac Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.02.06   #5
    Und zu dem Zitat von pmts :

    Aber warum sollte denn ein Stück wenn es von jemandem kopiert wird und er die Noten exakt so spielt wie der Komponist (in diesem Fall Meister Vai) völlig anders klingen als bei dem Komponisten ?
     
  6. Korittke

    Korittke Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.02.06   #6
    Naja, die Stile unterscheiden sich typischerweise in den oben genannten Punkten in gewisser Weise. Ich versteh nicht so recht, wo dein Verständnisproblem liegt. Nur weil die gleichen Akkorde oder Harmonien irgendwo zu finden sind, muss es doch nicht identisch oder nur ähnlich klingen. Man kann unglaublich viel damit machen, allein schon Reihenfolge/Progression, Arrangement. Erweiterungen und Instrumentierung. Rhythmus ist natürlich auch relevant, z.B. Latin. Jeder Stil hat seine eigenen Charakteristika. Ich will da jetzt nicht ins Detail gehen, aber vielleicht kannst du dir mal ein paar solche Charakteristika angucken, um ein Gefühl dafür zu kriegen, was diese Charakteristika sind. Shuffle-Rhythmus (Drums) + Bass mit Septimen erinnert z.B. an Blues/jazz usw. Allein schon durch die Notenlängen kannst du aus ner Reihe von 5 Noten z.B. zic Varianten machen. Punktierte und Triolen oder Quintolen sind eher jazzig, Viertel und Achtel ohne Ende sind eher poppig. Auch die Abwesenheit bestimmter Noten einer Skala und der Grundton sind wichtig (vgl China-Pentatonik). Bestimmte Rhythmen erscheinen besonders funkig, ebenso wie staccato-akkorde in höheren Tonlagen. Mathematisch kämst du auf 7 Töne in 4-5 Oktaven bei 3-5 Instrumenten. Die Töne kannst du als Linie allein schon in (7!) Variationen anneinanderreihen, jeder Ton kann 10 verschiedene Längen haben. Nicht zu vergessen, dass die Geschwindigkeit des Stücks auch sehr variabel ist.
    Was vielleicht auch noch relevant sein kann ist der Hook eines Songs. Ne bestimmte Nummer auf dem Schlagzeug kann eine schon tausendmal gehörte Kadenz völlig anders erklingen lassen.

    Und das Zitat ist eigentlich in meiner Signatur aber egal :) Niemand hat gesagt, dass es völlig anders klingt. Er spielt die Noten aber ja nicht "wie der Komponist" sondern auf seinem Equipment mit seinen Fingern. Und das klingt anders, aber noch so, dass man den Song erkennen kann. Es klingt halt schlechter
     
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