Kunst oder Kommerz?

von Ciccio, 03.01.07.

  1. Ciccio

    Ciccio Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.01.07   #1
    Was haltet Ihr von der Kombination aus Musik/Kunst und Geld? Große Firmen wie Beck's und VW bieten Ihre Unterstützung für Newcommer an - verkauft man sich dort in jedem Fall, kann es dann noch Kunst sein oder geht mit dem Geld auch das Ursprüngliche verloren?

    Also, mich würd's mal interessieren was Ihr dazu sagt?

    Ciccio
     
  2. FloVanFlowsen

    FloVanFlowsen Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.01.07   #2
    Ich verstehe ehrlichgesagt dein Beispiel von Becks und VW nicht ganz. Aber allgemein bin ich schon der Meinung, dass Musik/Kunst und Kommerz natürlich vereinbar sind, vorausgesetzt dass
    1.) Die Kunst kunstvoll entsteht, bevor sie kommerziell wird
    2.) Der Künstler sich vom Kommerz nicht beeinflussen hat

    Denn dann, wenn eins der beiden Fälle der Fall ist, ist die Kunst absolut ungebunden zum Kommerz. Somit ist ein Konflikt ausgeschlossen.
     
  3. Gast 23432

    Gast 23432 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.01.07   #3
    Ähm, ich auch nicht...
    Vielleicht könntest Du als Diskussionsgrundlage erst mal Deine eigene Meinung darlegen... Du hast doch sicher eine?
     
  4. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 04.01.07   #4
    Ich kenne keine kunst, die nicht eine materiell/kommerzielle basis hätte, irgendeiner muss doch die anlaufenden rechnungen bezahlen. Meisterwerke sind auf bestellung angefertigt worden und auch - meist - bezahlt worden. Bei Michelangelo stehen allerdings noch größere beträge aus, die zahlungsmoral von päpsten entsprach nicht der verbal geäußerten, vieles ist ja dann auch nicht fertiggeworden, und das "non-finito" sein markenzeichen wie das von Leonardo da Vinci.
    Der junge Goethe diskutierte noch, ob man sich poesie bezahlen lassen dürfe, der ältere hatte dann eine feste meinung, überließ aber seinem sohn die geschäfte, um der dichterwürde willen. "Arrivierte" haben heute agenturen, die das geschäftliche regeln.
    Und leider, wer heute umsonst spielt, wird für "nicht-professionell" gehalten ("nein, diesmal haben wir mittel, da können wir "richtige künstler" nehmen).
    Das wort "sponsoring" macht mir allerdings unbehagen, und ich würde kunst nicht gern allein der industrie überlassen, das schicksal eines freundes, der musik für werbespots macht, ist mir erspart geblieben, aber ich musste viel anderen unfug machen.
     
  5. Ciccio

    Ciccio Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.01.07   #5
    Manchmal bildet sich eine Meinung auch erst im Diskussionsprozess heraus...nachdem Für und Wider einer Sache in einer Art Dialektik abgewogen worden sind. So diese Herangehensweise an gewisse Themen hier erlaubt ist, würde ich gern fortfahren....
    Zum besseren Verständnis: VW und Beck's aber auch Coca-Cola und selbst die Bahn haben diverse Programme, mit denen sie Newcommer unterstützen. Was grundsätzlich ja auch gut und richtig ist. Wenn man nun aber gebeten wird während des Auftritts einen Sticker von Beck's auf der Jacke zu tragen oder eben mal für alle sichtbar ein Bierchen - selbst wenn die Entstehung der Musik dann noch unbeeinflusst ist, wurde die Grenze nicht überschritten?
     
  6. Wödan

    Wödan Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.01.07   #6
    So läuft das eben bei Sponsoring. "Ich geb dir die Kohle und du damit du deine Kunst machen kannst und dafür ziehst du n Becks's Shirt an."
    Ist bei Sport ja auch nicht anders.
     
  7. Jack Green

    Jack Green Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.01.07   #7
    Ich denke, sobald viele Menschen beginnen, sich für etwas zu interessieren, wird aus diesem etwas automatisch Komerz, weil immer irgendwer versucht, daraus für sich einen Vorteil zu ziehen.
    Erst wenn der Künstler beginnt, sich selbst, d.h. seine Kunst zu verkaufen, d.h. seine Musik den Wünschen z.B. der Plattenfirma anzupassen, dann würde ich sagen, dass in diesem Fall die Kunst zum Kommerz wurde.

    Dabei ist es also etwas anderes, wenn die vorhandene, unveränderte Kunst einfach schlau vermarktet und damit Profit gemacht wird, als wenn die ganze Kunst verkommerzialisiert wird, und zwar so, dass sie zu Gunsten des kommerziellen Erfolges verändert wird.
     
  8. Marc02

    Marc02 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.01.07   #8
    Mein Vorredner hat das sehr treffend gesagt. "Wenn Kunst zu Gunsten des kommerziellen Erfolges kommerzialisiert wird" ist das verständlich aber scheiße.

    Zurück zum Thema : Ich hätte absolut 0 Problem damit auf der Bühne Becks zu trinken wenn`s dafür ein paar Sponsorengelder gibt. Allerdings würde ich mich nicht im dunkelblauen DB-Poloshirt hinstellen.

    Ist doch mit Endorsern nicht viel anders.
     
  9. Ciccio

    Ciccio Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.01.07   #9
    Wahrscheinlich ist es einfach so, dass man von Fall zu Fall - der Künstler aber auch der Kunst-Konsument (interessantes Wort in diesem Zusammenhang) - jedesmal für sich selbst entscheiden muss, was nun Kommerz bzw. Einfluß der Plattenfirma bzw. des Sponsors ist und was pure Kunst ist. Aber dieser Vorgehensweise bedarf es einen aufgeklärten, interessierten und nicht gleichgültigen Fan bzw. Künstler. Viele Künstler sind sich den Gefahren wohl bewusst. Ich bezweifle nur, ob der Fan auch immer so kritisch ist...
     
  10. zion

    zion Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.01.07   #10
    ich hab ein Problem mit dem Begriff Kunst bzw. Künstler bezogen auf altägliche Musik wie etwa. Pop, Rock, Punk, Metal und alle Spielarten dieser Richtungen. Denn eigentlich sind kommerziell erfolgreiche Musiker in der Regel weit von einem künstlerischen Anspruch entfernt, sondern definieren sich öffentlich eher als Unterhalter, Entertainer, Wetlverbesserer usw.

    Geht es allerdings um Musik mit hohem künstlerischen Anspruch dann wird das mit den Sponsoren, Geldgebern, Mäzenen etc. schon eng.
     
  11. Ciccio

    Ciccio Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.01.07   #11
    Naja, ich bin da nicht so ganz sicher - ich denke, eine ganze Reihe von Leuten, bis hin zu zusammengecasteten Boygroups würden sich selbst als Künstler beschreiben
     
  12. Driver 8

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    Erstellt: 11.01.07   #12
    Genau da liegt der springende Punkt. Ich würde es genau so definieren.

    Beispiel:
    Eine Band hat ihren eigenen, unverwechselbaren Sound und ist damit zunächst lokal bekannt. Irgendwann wird sie entdeckt und von einem Plattenlaben unter Vertrag genommen. Irgendwann passiert es, dass eine ihrer Singles und vielleicht auch ein Album von ihnen einschlägt, wie eine Bombe. Die Leute reißen sich darum, die Kritiker sind begeistert. Es wird eine Menge Geld eingestrichen, das ist klar. Trotzdem, es gibt auch Leute, denen das, was die Jungs da machen gar nicht. Aber die Band gibt nichts drauf und macht weiter wie bisher. Die nächsten Alben verkaufen sich gut und auch mal weniger gut, aber die Band hat eine eingeschworene Fangemeinde, die die Band dafür liebt, dass sie das sind, was sie sind und vor allem so sind, wie sie sind.

    Hier hat keine Kommerzialisierung stattgefunden. Es waren einfach ein paar Musiker, die das getan haben, was für sie gut klang und was ihnen gefiehl, das, was sie machen wollten. Anderen hat das in diesem Fall halt auch gefallen und die haben es gekauft. Da ist nichts verwerfliches dabei.

    Hätte man die Band, oder hätte die Band sich selbst, an das angepasst, was andere tun um Erfolg zu haben, nur um im Rampenlicht zu stehen, dann wäre das schon eine Kommerzialisierung gewesen, da man etwas aus ihnen gemacht hätte, nur um in den Mainstream zu passen und das nicht weil das künstlerisch besonders anspruchsvoll wäre, sondern einfach weil die Plattenfirma möglichst viel Geld verdienen wollte.
    Bei Bands, die aus Castings hervorgehen ist das natürlich noch stärker. Solche Bands sind es dann aber, die wenn diese Mode, an die sie angepasst waren vorbei ist, wieder ganz schnell verschwinden und auch eben keine eingeschworene Fangemeinde haben, weil sie so besonders ja nicht waren, sondern ziemlich das gleiche, was die anderen getan haben, die zeitgleich mit ihnen erfolgreich waren.

    Gruß,
    Carsten.
     
  13. Bobbycartuner

    Bobbycartuner Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.01.07   #13
    Hm. Schaut man sich jetzt aber mal manche Werbeclips an, die ja einzig und allein dem Verkauf eines Produkts dienen, finde ich manche Clips doch sehr kunstvoll, sowohl Ton als auch Bildtechnisch.
    Paradox, ist aber so;-)
     
  14. Marc02

    Marc02 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.01.07   #14
    Jap !!!

    Was genau ist denn die Kunst ?? Also ich persönlich nenne es schon Kunst wenn man einen Ton so erzeugen kann wie es kein anderer kann. Also wenn man ein ganz besonders eigenen Stil hat.

    Kunst geht für mich dort los wo die Fließbandarbeit aufhört. Also eine billige Songstruktur von Verse/Chrorus/Verse/Chorus/Solo/Outro ist keine Kunst. Ein 10-Minuten song der nicht langweilig wird irgendwie schon.
     
  15. mrnouseforaname

    mrnouseforaname Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.01.07   #15
    also erstmal bin ich grundsätzlich gegen endorsing/sponsoring und diese ganzen anderen, als newcomerunterstützung getarnte werbungen.
    ich bin bereit, und so ist es passiert, obwohl musik in vieler hinsicht mein leben ist mit etwas anderem meinen lebensunterhalt zu besteiten. obwohl es eine kurz zeit auch ging.
    mir ist auch relaitv egal was goethe, michaelangelo und davinci gesagt haben. für mich soll musik und der kontext in dem sie besteht "real" bleiben. ich möchte immer 100% verantwortlich sein. (wenn ein freund für meine band ein paar konzerte bookt oder ein shirt entwirft, ist das etwas anderes, den diese tun es aus freundschaft ohne finanzielles interesse) ich weiß aus eigener erfahrung, dass wenn man erstmal anfängt mit dem sponsoring, man sich und seine einstellung relativ schnell verändert ohne es zu merken. es fängt an mit einem endorsing für zb saiten, als nächstes wird das label etwas größer, man spielt auf gesponsorten veranstaltungen. erfüllt hier einen kleinen wunsch der firma (auch wenn man sich am ersten tag geshchworen hat, sich nie für diese firmen zu verändern) und als dann ein vocalcoach im studio stand dachten wir: wtf? an dem punkt sind wir gottseidank ausgestiegen. jetzt ist alles ein bißchen härter, wir haben jobs um die rechnungen bezahlen zu können. wir müsen alles genauer planen, aber wir machen unser ding. 100%. und wir müssen uns für nichts schämen (abgesehen von peinlichen dingen, die unter dem einfluß von alkohol passieren:rolleyes: ). und vor allem: es funkioniert!
    nun gut, das ist meine meinung. wie gesagt: für junge bands finde ich das tödlich. für bereits große und etablierte bands finde ich es immer noch nicht gut, aber die band wird daran nicht zerbrechen, weil die beziehung zwischen sponsor und band viel ausgewogener ist.
     
  16. Gnu

    Gnu Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.01.07   #16
    Ich finde, der Kommerz in der Kunst steht und fällt mit dem Künstler.

    Wenn ich als relativ bekannte Band entscheide, mittels Trend-Outfit, Trendmusik meinen Status zu pushen, dann ist das für mich Kommerz.
    Wenn ich aber als Musikgröße trotzdem noch auf Gigs in Mini-Schuppen spiele (der Fans und des Spaßes wegen), dann ist das kein Kommerz.

    Die Leute sind nicht so doof, als daß sie sich nicht aus der Summe aller Verhaltensweisen ein Bild machen könnten... so wie es hier unterstellt wurde.
    Auch wenn es Gegenbeispiele gibt.
     
  17. Heier

    Heier Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.01.07   #17
    Kunst und Kommerz ist dann miteinander vereinbar, wenn die dass eine sich nicht dem anderen beugen muss, um letzteren zu maximieren!