Lum im Studio - Ein Erfahrungsbericht (ongoing)

Schade aber dennoch, dass die E-Gitarreros trotz gepintem Redirect im Biergarten nicht den Weg über den Tellerrand in die Recording-Plauderecke gefunden hatten
Echt jetzt? Verstehe ich nicht. Mein täglicher Einstieg im Forum hier geht immer über die Seite "Neue Beiträge". Da wird doch jede Veränderung - gut sichtbar - in einem Thread angezeigt. So konnte ich diesem schönen Thread folgen. *Edit: Bei Redirects leider keine "Aktualisierungsanzeige" :redface:. Wer Threads beobachtet, bekommt bei neuen posts selbstverständlich einen Hinweis ("Fähnchen") - egal wo der Thread gerade weilt ;)."

Ahh... Danke! War mir nicht klar.
 
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Soooo, weiter geht's. Komme gerade wieder von einer längeren Session.

Zweit Heavy-Sound Findung

Nachdem der Hauptsound stand, ging es darum einen ergänzenden Sound zu finden. Als Erinnerung: Die Heavy spuren müssen 4 mal eingespielt sein, 2 mal pro Setup (Amp & Gitarren Kombi).
Dabei sollten es nicht die gleichen ZerrCharaketere sein. Der Hauptsound aus dem SLO100 knurrt eher im Hochmittigen Bereich (allerdings natürlich nicht so Spitz wie ein Brite), also war ein moderner Highgain mit Tiefmittenfokus eine angedachte Ergänzung.

Ich selbst habe dafür meinen THC Speedstar und Brunetti Singleman 50 mit einem Revv4 Pedal sowie Victory Kraken mitgebracht.
David hatte zur Auswahl (von Relevanz): Mesa Triple Recti, Peavey 5150, ENGL Fireball.


Der THC Speedstar hat David sehr gut gefallen, fällt allerdings in die gleiche Ecke wie der Soldano, ist daher ausgeschieden. Aus dem gleichen Grund haben wir auch den Recti und 5150 ausgeschlossen, weil es zu ähnlich ist.
Den ENGL Fireball haben wir allerdings dann doch (auch an einer ENGL Box) ausprobiert. Im Raum hat mir der Sound gar nicht(!) gefallen; viel zu Steril, etwas schrill. Im RegieRaum, mikrofoniert, war es dann aber gar nicht so schlecht.
Er hätte einen potentiell guten "SupportSound" liefern können. Ich hatte mir ja allerdings bei meinen Amps etwas gedacht und habe David den Brunetti + Victory Kraken gezeigt. Der Brunetti Singleman bietet viele Switches um den Sound zu formen.
Am Ende sind wir denke ich bei "Thick, Fat, Smooth" gelandet :D Zusammen mit dem Victory Pedal ergab sich ein Orange-artiger Tiefmitten-Growl der etwas verwaschen ist und laut David perfekt passte als Support-Sound.

IMG_20210204_171549.jpg


Bei beiden Amp-Setups haben wir den EQ zuerst im Raum angepasst und dann nochmal über "Funk" (David in der Regie, ich im Raum) nachjustiert. Ich hatte überall zu viel Höhen drin, ansonsten passten meine Settings größtenteils.
Für das Ribbon Mic musste man aber schauen, dass sich die Lautstärke im Rahmen hält. Master auf 5 am Soldano war das Maximum, aber eben auch nur im HighGain. Beim Crunch und Clean mussten wir deutlich runter.

Die Primär Gitarre über den Soldano war meine RBC Les Paul. Als Zweitgitarre gab es verschiedene Kandidaten, je nachdem was gefragt war:

  • Die RBC Strat dank Humbucker für hellere Sounds (Erle Body)
  • Meine Yamaha SG3000 wenn es dunkler sein sollte
  • Eine Fernandes Ravelle mit SH-13 und Sustainer wenn es freacking brutal (untenrum) sein musste
Es hat mich weggehauen was wir mit der Fernandes gemacht haben. An Effekten, an Ultra-Tiefen support-riffs. Diese sind kaum zu hören(!) im Endmix, aber man spürt sie. Ich war zunächst sehr verwundert als David vorgeschlagen hat
da in Drop A drunterzuspielen, aber es hat selbst "poppige" parts sehr schön angefettet. Die Gitarre kam sehr selten zum Einsatz und wurde von David gestellt. Mit der Fernandez wurden größtenteils "Drittspuren" eingespielt an wenigen Stellen. Also eher als "Effekt".
Mit dem Sustainer konnte man geniale Obertöne erzeugen um Übergänge noch etwas aufzuspicen.


Clean und Crunch Sound

Für den Clean Sound haben wir einen alten Fender Vibrolux, den Soldano Clean und Brunetti Clean verglichen. Hier hat der Brunetti gewonnen aber auch die Wahl der Gitarre war sehr wichtig:
Wir haben sehr unterschiedliche Clean Parts. Die reichen von jazzig zu sehr drahtig (funkig) zu dickem singlenotes. Es gab ein kurzes Shootout zwischen meiner Strat und der Tele.


Strat hatte (nicht überraschenderweise) gewonnen für alle Clean Aspekte außer wenn es twangig sein soll. (Jaja, macht euch lustig über mich dass man Tele mit Strat verglichen hat :D) Am Ende waren es Nuancen und es hätte beides werden können.

Für clean und leichten Crunch wurde außerdem ein einzelnes Kondensator Mikrofon genutzt; nicht das SM57 oder das Ribbon! Ich schaue morgen mal welches genau.

Damit war das Lineup klar und hier könnt ihr die Ecke sehen wo ich bisher 60 Std Gitarre einspielen durfte:
IMG_20210206_182142.jpg

Die Fernandez:
IMG_20210214_142054.jpg



Vom Plan her ging es dann weiter ans Rhythm aufnehmen: Erst über alle (7) Songs die Heavy-Parts mit dem Soldano und dann wahlweise Clean / Crunch Parts oder eben die Dopplung mit dem Brunetti.

Hier etwas auf die Ohren. Einen Teil den ich mal geschrieben hatte, weil unser Drummer verspätet war und ihn ärgern wollte. Der Trick dabei: Es ist die ganze Zeit 7/8 9/8 im Wechsel und dank Bass & Drums hat es dennoch einen coolen groove :)
Das ist der Soldano Crunch Sound (Normal Channel) ohne irgendwelche Effekte. Allerdings habe ich zusätzlich zum Hauptriff, welches nur einmal(!) eingespielt wurde, noch 3 Support-Spuren eingespielt:

  1. Flächige Akkorde um es etwas breiter zu machen
  2. Um eine Oktave verschobene Akkorde welche die ebenfalls nicht gerade Betonung des Hauptriffs hervorhebt (weil man bei dem Krummen kram es sonst sehr schnell "andersrum" hört als es gemeint ist von den Betonungen her)
  3. Davon nochmal eine Quinte nach oben für die zweite Hälfte mit leichten Verschiebungen für etwas mehr Juice
Der Vorschlag für alle diese 3 Spuren kam von David und ich war ziemlich platt vom Ergebnis. Es war eine sehr geile Interaktion von ihm "mach mal was flächiges", "mach hier mal nur die Betonung" und "mach mal hier was ganz helles" :D
Ich hatte die Vision beim Songwriting, wie welche Gefühle der Song am Ende auslösen soll. David hat hingegen die Produktionsbrille und weiß wie man genau das erreicht. Wahnsinn.
Den Teil habe ich vor 4 Stunden eingespielt.
https://soundcloud.com/guitarlum/layeredcrunch

Wie immer: hier ist noch nichts gemixt, gemastered oder edited!
Ich gebe hier einen recht transparenten Einblick in den "Schaffensprozess", meine Musik könnt ihr bashen wenn das Album fertig ist :D

Beim nächsten mal:

Tricks im Studio beim Gitarre-Einspielen und vielleicht Lead Gitarre.
 
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Würde ich in einem Studio Gitarre bzw mit einer Band aufnehmen, würde ich so ca. alles komplett anders machen als hier.

Finde es daher umso spannender hier mitzulesen und zu schauen was dabei rauskommt.
Viel Spaß und Erfolg für die nächsten Sessions.
 
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Wahrscheinlich gehört @monsy auch zur älteren Generation wie ich, da ging es ins Studio wenn alles zuvor mit eigenen Demos fix war.

Kurz ins Studio, zack in 1 - 2 Tagen alles eingespielt, fertig ;) - Vor allem war das bei uns ja auch immer eine Kostenfrage.

Da wird heute anscheinend schon deutlich mehr Aufwand betrieben und die Musiker scheinen deutlich mehr Geld zu haben ;)

Hoffentlich wird der Mehraufwand durch deutlich "teurere" Produktion auch belohnt .

Ansonsten! Toller Bericht!
 
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Was würdest du denn anders machen?

In erster Linie die Songs live aufnehmen mit der ganzen Band und den Fokus dabei nicht so sehr auf die Gitarren legen. Keine Dopplungen (4fach schon gar nicht), keine verschiedenen Ampsetups usw.
Finde das immer faszinierend, dass wenn man 3 Leute aufnimmt 2 Instrumente davon relativ "normal" in den Kasten bringt (Drums, Bass) und bei den Gitarren dann quasi eine halbe Orchesterproduktion nachlegt.
Für mich läge der Fokus viel mehr darauf ein authentisches Bild der Musik festzuhalten, als die Songs im Studio quasi episch zu entwickeln.

Will dass nun aber auch nicht so aussehen lassen als sei irgendwas meiner Meinung nach "besser" oder "richtiger".
 
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@OliverT
Die Songs sind fertig geschrieben, habe auch einige Soli ausgeschrieben (andere aber im Studio improvisiert).

Es gibt ein paar Grunde warum es bei mir länger dauert:
  1. 60 Minuten pure playtime - das geht über ein Standard album hinaus und da sind noch keine lang-gezogenen Intros oder ähnliches eingerechnet
  2. Sehr sehr viele Parts - wir haben recht wenige Songs die eine klassische vers - bridge - refrain - vers Struktur haben... daher ist es einfach mehr Stuff
  3. Ich spiele alle Gitarren alleine ein
  4. Ich bin kein Profi-Gitarrist. Bis ein Riff perfekt eingespielt ist, braucht es oft einige Ansätze. Es zählt wie schon geschrieben zu meinen Lessons Learned, wie ich mich nächstes mal besser vorbereiten kann
  5. David hat eine Menge Ideen wie man es eben "breiter" einspielt (ich nenne das Effektspuren); die werden sehr spontan geschrieben und brauchen natürlich auch ihre Zeit
  6. Ich habe 0 Urlaub für diese ganze Aktion da ich (nachdem alte Firma den Bach runter gegangen ist) im neuen Job noch in der Probezeit bin
Alle Songs waren natürlich in einem Stand, dass wir sie live spielen konnten.

Laut ihm ist das alles im Rahmen und der Preis ist nicht sooo hoch :)

Eine Frage könnte eher sein: warum Stundenlang Soundsuche, Amps, Mics, Pedals, EQ wenn man doch mit zB Neural DSP / Modelling schneller zum Ergebnis kommt?
Ist ziemlich einfach: Weil es mir den Aufwand wert war und ich(!) das Gefühl von einem echten Amp mehr mag. Ob es am Ende im Mix einen Unterschied macht... vielleicht, aber beim Einspielen gibt es mir ein besseres Gefühl.
Und die meisten Plugins/Modeller wollen einen Sound replizieren, der unter optimalen Bedingungen eingefangen wurde: Hier habe ich die optimalen Bedingungen, warum also nicht nutzen.
Zusätzlich gibt es "meinen Sound" (diese Box, dieser Amp) nicht als Plugin.

@monsy
Guter Punkt.

Live vs Studio Sound:


Das kommt wieder sehr stark auf das Genre an. Die einfachste Erklärung warum es 4 Heavy-Spuren und 2 Amp-setups gibt: Weil es alle anderen auch so machen und unsere Ohren das auch (leider) inzwischen so gewohnt sind. (hatte auch mal gelesen dass Rammstein sogar 8 Spuren haben..)

Alle Instrumente gleichzeitig vs Nacheinander aufnehmen

Ich habe früher sehr sehr lange das Ziel verfolgt: Alle spielen alles gleichzeitig, 16 Spuren und der Song ist im Kasten :D Das hatte ich mit meiner Stoner Rock Band versucht, aber leider klang es immer noch nicht geil.
Ist auch wieder eine Genre Frage: Sowas geht im Blues, Jazz, vll. Stoner Rock, aber eben nicht im Metal.
Live Sessions verfolgen ein anderes Ziel (und da geht auch einiges(!) an Nachbearbeitung rein.. hört euch mal eine LiveDVD an vs einen unbearbeiteten Wacken-Mitschnitt zB)

Verzierungen aka mehr Gitarren-Spuren als ich live spielen könnte

Im Studio spiele ich Verzierungen (um stehende Clean Akkorde) zB nicht ein. David meinte auch: sowas ist dann für live. Ich finde sowas auch gar nicht schlimm, wenn live anders als Studio ist. :)
Live hat man einfach andere Aspekte: Alles ist lauter, man kann mehr improvisieren, die Band pusht sich gegenseitig, mit mehr / anderen Effekten rumspielen. Aber im Studio muss es eben reproduzierbar sein.

Zu den zusätzlichen "Effektspuren": Die sind da um sie vielleicht (sehr sehr dezent!) im Endmix zu nutzen. Kann sehr gut sein dass diese Teile nicht im Endmix sind, das kommt aufs Keyboard am Schluss an. Wie schon geschrieben, die Soundsamples hier haben nichts mit den Endergebnis zu tun. Die Gitarren sind sehr laut, weil wir eben mit dieser Einstellung die Gitarre monitoren; irgendwie logisch :D

Im Post-rock / Metal ist diese Dopplung/Mehrere Spuren noch viel viel extremer, da verfolge ich schon doch eher einen puristischen Ansatz.

Ein letztes Soundschnipsel (ist vermutlich nicht gut, diese Arbeitsstände zu posten.. sie erwecken einen falschen Eindruck / falsche Schlüsse :( ): hier auch wieder - nicht gemixt, nicht volume angepasst, nichts. Dient zum abhören der Gitarren!!
Das ist eine(!) Spur für Crunch (vers) und 2 Spuren für Heavy (refrain)
https://soundcloud.com/guitarlum/halfhalfhalf

Hier sind wir aber auch wieder in einem anderen "genre" als im letzten Sample und es muss viel Platz für den Gesang gelassen werden.
 
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Für mich läge der Fokus viel mehr darauf ein authentisches Bild der Musik festzuhalten, als die Songs im Studio quasi episch zu entwickeln.
Die Diskussion hatte ich auch immer wieder bei Aufnahmen. :D

Die Frage ist doch: Was ist "authentisch"? Für mich ist das eben nicht die Version, die die Band live oder im Proberaum spielt, mit der begrenzten Anzahl an Instrumenten und Musikern. Für mich ist die authentische Version eines Songs die, die ich im Kopf habe - und wenn ich im Kopf 80 Gitarrenspuren höre, warum sollte ich die nicht aufnehmen, bloß weil ich sie live nicht reproduziert kriege?

Ist aber eine Geschmacks- und Einstellungsfrage. Von daher auch mein Schlusswort: Jeder so, wie er mag, es gibt kein richtig oder falsch. :great:
 
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Ich habe früher sehr sehr lange das Ziel verfolgt: Alle spielen alles gleichzeitig, 16 Spuren und der Song ist im Kasten :D Das hatte ich mit meiner Stoner Rock Band versucht, aber leider klang es immer noch nicht geil.
Ist auch wieder eine Genre Frage: Sowas geht im Blues, Jazz, vll. Stoner Rock, aber eben nicht im Metal.
Live Sessions verfolgen ein anderes Ziel (und da geht auch einiges(!) an Nachbearbeitung rein.. hört euch mal eine LiveDVD an vs einen unbearbeiteten Wacken-Mitschnitt zB)
Ich bin deswegen bei Live-Versionen auch oft skeptisch. Entweder der Sound ist Schrott, oder sie sind so extrem overdubbed, dass es mit live nicht mehr viel zu tun hat.
Gibt aber auch einige Gegenbeispiele...

Dass das live einspielen im Metal nicht ginge haben z.b. meshuggah auf ihrem letzten Album widerlegt. Und der Kram ist ja extrem verkopft und erfordert ein Maximum an Präzision.
 
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Dass das live einspielen im Metal nicht ginge haben z.b. meshuggah auf ihrem letzten Album widerlegt. Und der Kram ist ja extrem verkopft und erfordert ein Maximum an Präzision.
da hast du recht, ziemlich impossant was die da geleistet haben, war aber auch ein Riesenaufwand. im Nailthemix März 2017 wurde ein Song dieses Albums abgearbeitet, was Tue Madsen dazu aus dem Nähkästchen geplaudert hat war ziemlich interessant.

Ich seh das eigentlich auch so wie @Tracii, authentisch ist für mich, wie ich den Song für mich im Kopf höre, nicht wie ich den Song mit einer 5 Kopf-Kapelle aufs Band bringe, was für mich eher einen kreativen Kompromiss bedeuten würde (was natürlich konzeptuell aber auch wieder interessant sein kann, absolut keine Frage). Die Frage die sich mir stellt wäre dann aber eher, wie hoch ist er Aufwand, das man diese Vorstellung, dann wirklich mit Studiomusikern so in der Form auch live im stzdio dann entsprechend umsetzen kann, und ob man es sich auch leisten kann diese zu engagieren?

Btt
Danke nochmal @Lum für die super Interessante und sehr ausführliche Doku! :great:
 
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Heute habe ich endlich einen wichtigen Milestone erreicht: Alle Gitarren fertig aufgenommen :juhuu:
Eine riesen Last von den Schultern. Habe bis zur letzten Session noch Soli ausgetüftelt und auch meine ImproParts nur noch bewusst gesetzt; umgeben von ausgeschriebenen Passagen.
Heute dann die letzten Soli eingespielt, fühlte sich richtig gut an :)
Als nächstes ist Keyboard dran und parallel & danach Gesang :fear:
Im chronologischen Verlauf dieses Thread ist das alles allerdings noch "Zukunftsmusik".

Tipps und Tricks im Studio

Das mag jedem erfahrenerem Gitarristen vmtl. alles bekannt sein, mir waren manche Dinge dennoch neu.

IMG_20210124_141829.jpg


Trick 1: Das Haarband - gegen nachschwingende Saiten

Wenn bei einem Part keine offen-klingenden Leersaiten erforderlich sind dämpft man mit einem Haarband (aus Stoff, oder eben ein spezielles Teil) sehr gut die Töne ab, die bei High Gain einfach nicht immer abstockbar sind.
Ich hatte mich schon bei Guthrie Govan und vielen Gitarristen immer gewundert, warum sie immer das Band ready hatten, aber bei meinen Aufnahmen, vA bei Licks/Gefuddel, hatte ich das schon sehr sehr oft genutzt.

Trick 2: Der Clipper - Wenn eine Saite gar nicht ertönen soll

Bei wenigen Funk Passagen kam dieser Clipper (siehe Bild oben rechts an der e-Saite) zum Einsatz. Er verhindert schlicht dass die Saite überhaupt ertönt.
Kommt eine Saite bei einem Riff gar nicht vor, man aber sehr viel, sehr schnell mehrere Saiten anschlägt rutscht einem doch manchmal eine ungewollte Saite durch. Damit ist das auch "gefixt"

Trick 3: Kontext-sensitives Stimmen

Unsere Gitarren sind ja nie so richtig in tune. Klar stimmt die Intonation, aber eben nur für Leersaite und den 12. Bund. Dazwischen ist man immer etwas off. Wenn man das nicht will, braucht man Temperament Frets.
Bei wenigen Clean-Passagen haben wir also die Gitarre "auf den Akkord" gestimmt (oft nach Davis gehör weil das close to (wenn nicht sogar) perfect pitch ist) damit der Akkord und umliegende Akkorde 100% akkurat waren.
Bei einer anderen Passage eines Songs, musste ich mit Downstrokes ziemlich reinhauen, damit die Single-Notes (trotz bravem PAF :thumb_twiddle:) maximal Attack haben.
Der harte Anschlag sorgt allerdings dafür, dass die Töne heller kommen, als sie es müssten. Für diesen Part habe ich die Gitarre ein paar cent zu tief gestimmt, sodass bei hartem Anschlag dennoch der richtige Ton rauskam.

Hier ist der Part:
https://soundcloud.com/guitarlum/clowningaround

(wie immer: kein mix, kein edit, nur keyboard-draft, zu Zeiten von dem Export auch ohne Zweitgitarre - soll ja spannend bleiben zum Endergebnis :D )

Trick 4: Grüner Tee

So richtig gar nicht rock and roll. Aber wenn man 8 Std am Stück aufnimmt braucht man viel Energie. Ich bin sonst durch Arbeit und Kinder schon ein Koffein Hardliner, aber Energie Drinks und Club Mate haben ein schnelles Juhu gefolgt
von einem noch schnelleren Gäähn. In dem Studio wurde ich immer mit dem besten Grünen Tee versorgt. Umso mehr japanische Zeichen auf der Verpackung desto besser. Beim 1. mal fragte ich noch "ist das grüner tee?" gegen Ende kannte ich immer hin
schon Sencha und Schattentee :D
Die geben den Koffein sehr langsam ab und man bleibt produktiv, hat mir auch irgendwie geholfen und ich dachte es ist erwähnenswert :D

IMG_20210204_173945.jpg


Habe heute dann doch noch kurz den Fireball geknippst, der Vollständigkeit halbler:
IMG_20210221_174254.jpg

Im Raum meh, aber mikrofoniert schon sehr ordentlich!
 
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Ist das ein kaufbares Produkt oder was selbstgebautes? Was ist das genau?
Sieht zumindest aus wie der Vibration Damper von Tesla; gibt's beispielsweise hier:
Ursprünglich gedacht, um unerwünschtes Mitschwingen der Saiten hinterm Sattel oder zwischen Brücke und Tailpiece zu dämpfen, was gerne mal auftritt, wenn die Saiten mit nur geringem Druck da drüber laufen. Meines Wissens nach allerdings nur in dieser Variante für maximal 6 Saiten erhältlich.
 
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Ich habe diesen äusserst interessanten Thread erst jetzt entdeckt. Sehr spannend einmal den Weg beschrieben zu bekommen, wie Aufnahmen entstehen und dann noch ein ganzes Album. Der Aufwand ist schon enorm. Hätte ich so nicht gedacht.

Ich gebe zum das es mir (aktuell) deutlich zu viel Aufwand wäre, gerade weil wir derzeit eigentlich nur covern. Aber selbst bei eigenen Songs wäre ich wohl aktuell nicht bereit, so viel Aufwand zu betreiben. Auch wenn das Ergebnis einen wahrscheinlich dafür entschädigt.

Deshalb, danke fürs teilen hier (y)

Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung und das Ergebnis (auch wenn das so gar nicht meine Musik ist).
 
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Es geht auch anders: Long Distance Calling komponierten, arrangierten und nahmen auf innerhalb von 3,5 Tagen. Das Werk heißt Ghost, hat sechs Tracks und eine Spielzeit von mehr als 30 min.
 
Hallo "Lum",

klasse Idee, deine Erfahrungen/Eindrücke mit uns zu teilen!
...gutes Gelingen! (das gibt Kekse!)

Gruß
SlapBummPop
 
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Es geht auch anders: Long Distance Calling komponierten, arrangierten und nahmen auf innerhalb von 3,5 Tagen. Das Werk heißt Ghost, hat sechs Tracks und eine Spielzeit von mehr als 30 min.
Sicher. Und 120 Min. schaffen richtig gute Musiker sicher auch in 2 Tagen...

@Lum

Danke für die aufwändigen und interessanten Beiträge, sowie das Teilen deiner Erfahrung, Einsichten, Tipps&Tricks :great:

Gruß und weiter viel Spaß und Erfolg,
glombi
 
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Weg über den Tellerrand in die Recording-Plauderecke

Bin eben manchmal etwas beschränkter in den Forenecken^^

Gut, dass es jetzt auf der Frontpage steht. ;-)


@Lum cooler Bericht! :great:
 
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Vielen Dank für die ganzen Kekse und posiitven Rückmeldungen!

Aktuell sind Keyboard und Vocals dran. Da wir alle arbeiten (und David auch natürlich andere Projekte hat) schaffen wir so 2-3 Songs pro Woche.
Vocals habe ich nun 2 Songs schon eingesungen; da reichen mir idR 4 Stunden pro Song bisher. Danach ist die Stimme ohnehin weg, aber darauf kann ich, wenn Bedarf, in einem weiteren Post eingehen.
Ich denke jedenfalls dass wir in 2 Wochen mit allem durch sind (restliche Keyboard Spuren, Vocals, Effektgitarre (Rückkopplungen, ...))

Hier würde ich gerne noch über die anderen kleinen Helferlein schreiben:

Effektgeräte - Nice to have & "Pflicht"

Wie im Eingangspost gesehen kam ja schon mit ein paar Effekten bewaffnet ins Studio.
Meine Hauptsounds waren:
  • Clean Brunetti oder Victory Countess in Soldano
  • Crunch & Pushed Clean Soldano Normal Channel
  • Rhythm Soldano Lead Channel (oder Victory Kraken in den Brunetti)
  • Lead Sound war der Rhythm Sound + leicht Reverb (glab dual reverb), Delay (DYI) und ein Tubescreamer (MEK TD1)
  • Fuzzy &Ultrafett Rhythm - Soldano Lead Channel & Beetronics Fat-Bee Overdrive
Das Board sah dann so aus:
IMG_20210121_114450.jpg

Für ein Bandproben und Live ist so ein Board natürlich sehr geil; für das Studio allerdings nicht so optimal. Alles ist recht statisch platziert und Effekte lassen sich nicht super schnell auswechseln.
Das war allerdings kein Problem: Dieses Board stand im Recording-Raum (beim Amp) und für Effekte on Top konnten wir uns aus dem Regie-Raum bedienen.

Wenn ich bewerten müsste welche Effekte am wichtigsten sind wären es: TubeScreamer, Fuzz und dann erst Modulationseffekte. Warum? Delay, Chorus, Reverb, Bitcrusher lassen sich sehr sehr gut über Plugins abdecken und es ist immer sehr einfach nachträglich (beim Mixing) einen Effekt drüberzulegen; einen Effekt wegzunehmen allerdings unmöglich.

Den Tubescreamer nahm ich auch für einige technische SingleNote (gefuddel) Teile her, daher hatte er die meiste Benutzung.

Für Zweit-Gitarren war dann doch manchmal eine andere Klangfarbe sehr angebracht.
Dazu haben wir selten (aber geil :D ) ein altes Big Muff genutzt:
IMG_20210207_182511.jpg


Wir hatten streckenweise auch andere Effekte ausprobiert
IMG_20210206_175609.jpg

vA das Ravish Sitar hätte es fast geschafft, aber ich mochte meinen Sound dann doch etwas puristischer.

Wir haben unter unseren Songs einen Part, welcher eher in Richtung Death/Black geht. Hier hatte auch eine kleine Legende einen Versuch:
IMG_20210228_173733.jpg

Natürlich mit der einzig richtigen Einstellung: Alles auf 11. Allerdings hat mir der Sound dann doch nicht so zugesagt und es blieb beim Brunetti & Kraken.

Am letzten Tag meines Recordings der Gitarre ging es um ein Solo, auf welches ich mich sehr lange vorbereitet hatte. Es ist insgesamt 2 1/2 Minuten lang und war mein "Endboss".
Das Solo war gut durchstrukturiert, hatte aber einen Part für Improvisierung übrig. Ich wusste wo ich mich auf dem Griffbrett bewegen wollte, es sollte ein eher bluesiger ImprovTeil sein.
Auf der HInfahrt im Studio kam mir noch ein Gedanke: Seit 10 Jahren habe ich dieses verdammte zvex Jonny Octave.. ich habe es nie richtig eingesetzt, nie hat es irgendwo hingepasst, ich spiele doch Metal.. Was will ich da mit einem OctaFuzz? Aber im Auto formte sich die Idee, den Improv-Teil damit einzuspielen. Der Gedanke gefiel mir. Ich hatte das Teil zum Glück als Backup ins Studio mitgenommen, David kurz demonstriert was ich damit machen will: GEIL. Nach kurzer Zeit (inkl Sound einstellen) war das ganze Solo im Kasten. (man schaltet nie Sounds während einem Take um)
IMG_20210221_130910.jpg


Nächstes mal: Ein kleiner Ausflug zu Keyboard, Klavier und Orgel Recording sowie Vocals!
 
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