Metal-Texte und die Grenzen des Sagbaren

von Strato Incendus, 08.08.19.

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  1. Strato Incendus

    Strato Incendus Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.08.19   #1
    Im Metal kann man ja heutzutage mit praktisch nichts mehr schocken, weil alles, was irgendwen "triggern" könnte, schon gesagt wurde. Cannibal Corpse haben in ihren Texten bereits auf jede erdenkliche Weise andere Menschen zerlegt, Sentenced haben sich auf jede erdenkliche Weise selbst das Licht ausgeblasen, und Steel Panther haben alles besungen, was irgendwo unter der Gürtellinie stattfindet. Bei gewaltsamen Texten kann man ja - wie auch bei filmischen Darstellungen - immer darüber streiten, was denn eigentlich verherrlicht und was lediglich etwas (so schlimm) darstellt, wie es in Wirklichkeit ist. Nach der Logik wären Power-Metal-Bands, die das In-den-Kampf-Reiten mit dem Schwert buchstäblich glorifizieren, sogar "noch" bedenklicher als Brutal Death Metal-Bands, die lediglich eine überzeugende Charakterdarstellung eines Psychopathen abliefern. :D

    Jetzt ist aber die Frage: Wie ist das von rechtlicher Seite aus? Ist das alles einfach von der Kunstfreiheit gedeckt? Wer entscheidet darüber, ob ein Text, in dem eine Kettensäge vorkommt, nun lediglich Kunst ist, oder zu Parodie- / Satirezwecken überspitzt, oder gewaltverherrlichend bzw. zur Gewalt aufruft? Wenn ich z.B. einen Death Metal-Song auf YouTube hochlade, woher weiß ich, ob das wie tausende andere Metal-Songs durchgeht und was als "Hate Speech" geblockt wird?

    Und sobald es an metaphorische Umschreibungen geht: Wer hat eigentlich da die Deutungshoheit? Traditionell gibt es ja zwei Ansätze der Interpretation der Bedeutung von Kunstwerken: "Authorial Intent" und "Death of the Author." Authorial Intent heißt im Prinzip "Was der Autor sagt, das sein Werk aussagt, das stimmt, und nichts anderes", wohingegen Death of the Author besagt, dass der Autor mit Veröffentlichung seines Werks die Deutungshoheit aufgibt, da er das Werk an die Allgemeinheit übergibt, und damit es es quasi so, als sei er "tot" - alle anderen können nun genauso wie er interpretieren, was die Kunst aussagt.

    Je kontroverser die Kunst, desto mehr wird "Death of the Author" natürlich ein Pulverfass, denn es bedeutet ja im Umkehrschluss, wenn irgendjemand eine anstößige Interpretation meines Kunstwerks entdeckt, d.h. diese Interpretation auf Basis des vorliegenden Werks möglich ist, dann könnte ich als Autor ja nach der Logik in die Enge kommen - selbst, wenn diese Interpretation gar nicht meine ursprünglich beabsichtigte war.

    (Falls ihr es euch aus dem Kontext noch nicht erschließen könnt: :D Ja, ich habe mittlerweile selbst einige Songs geschrieben, die jeweils auf ganz unterschiedliche Weise als "kontrovers" gelten könnten. Einiges davon habe ich auch schon aufgenommen und frage mich jetzt natürlich, wie ich am besten damit weiter verfahre.)
     
  2. Jakari

    Jakari Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.08.19   #2
    Servus,
    Tja wo sind da Grenzen....
    Im schlimmsten Falle "regelt" das dann die BPjM und entscheidet, was Du "darfst" und wo es zuweit geht/ging.
    Die sog. "künstlerische Freiheit in Schrift & Bild" hat halt ihre Grenzen.
    Da geht es weniger darum, ob es kontrovers in den Texten zugeht (kontrovers sagt aber halt nichts aus...) sondern in wieweit der Inhalt (eines Textes) gegen geltendes Recht verstösst (zB Aufruf zu Gewalt oder Straftaten allg.; rassistische Inhalte; ggf pornografisch usw usf.

    Wenns Grenzfälle sind, werden sie FSK 18 oder "nur" indiziert.

    Wegen metaphorischen Umschreibungen oder "Authors Death" CC Freigabe, wäre ich auch vorsichtig.
    Authorial Intent ist auch eher Graubereich, und im Schlimmsten Falle entscheidet ein Richter, egal was Du dann sagst, wie der Inhalt zu verstehen sei.

    Frag mal nen Anwalt, der kann Dir bestimmt bessere Auskunft geben, weil das doch ein recht grosses Themenfeld ist.
     
  3. Signalschwarz

    Signalschwarz Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.08.19   #3
    Also ich glaube sobald Du etwas gegen Israel/das Judentum schreibst/sagst/singst ist gleich Schicht im Schacht, Schluss mit lustig, aus die Maus und Ende irgendwelcher künstlerischen Freiheiten, aber ansonsten kann man wohl beinahe fast alles als solche verkaufen.
     
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  4. Strato Incendus

    Strato Incendus Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.08.19   #4
    Die Frage, was ein "Aufruf zu Gewalt oder Straftaten" ist, hängt ja auch eng mit Authorial Intent zusammen.

    Klassisches Beispiel: Irgendjemand nimmt sich das Leben und in seiner CD-Sammlung findet man Alben von Sentenced, die wie eingangs erwähnt unzählige Male über Selbstmord gesungen haben.

    Das ist ja nun bloß eine Korrelation, keine klar identifizerbare Kausalität. Trotzdem würden viele wohl nach dem ersten Instinkt die Musik (und damit die Band) zumindest mitverantwortlich machen. Normalerweise sind Gesetze ja genau dafür da, damit solche Dinge eben nicht nach Gefühl entschieden werden. Aber wenn ein Richter da in der Grauzone steht, entscheidet er im Endeffekt genauso nach "Gefühl" über die Interpretation, nur das seine Aussage dann gilt.

    Die größte "Wundertüte" hätte man quasi, wenn die vermeintliche Absicht erst post-hoc anhand der vermeintlichen Konsequenzen konstruiert wird. Nach der Logik "Taten sprechen lauter als Worte".

    Beispiel:

    Band A schreibt einen Song über Selbstmord, und es bringt sich jemand um, der diesen Song auf seinem Rechner hat. --> Band A hat zu Gewalt aufgerufen.
    Band B schreibt einen Song über Selbstmord und (bislang) setzt ihn niemand in die Tat um. --> Mit dem Song von Band B ist alles in Ordnung.

    Das kann's ja nun auch nicht sein, oder? :rolleyes:

    Sag das Kollegah und Farid Bang. ;) Ihr Album "Jung, brutal, gutaussehend 3" ist ja auch "nur" auf dem Index gelandet, und das auch erst nach der Aufregung um den Echo. Vorher wurde es munter ganz normal verkauft, und jetzt kriegt man es halt offiziell erst ab 18.

    Da du aber das Thema anführst: Hier wird bereits eine Menge vermischt. Kritik am Staat Israel und seiner Politik ist nicht dasselbe wie Kritik an einem Glaubenssystem, was wiederum etwas anderes ist als Kritik an einer bestimmten Person, die eben zufällig einen bestimmten Glauben hat, und all diese drei Dinge unterscheiden sich noch einmal von der Herabwürdigung von Personen aufgrund ihrer Glaubenszugehörigkeit.

    Das scheint mir allerdings generell keineswegs exklusiv für das Judentum. In Deutschland gibt es nämlich, wie ich kürzlich zufällig herausgefunden habe einen Paragraphen zur

    Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen

    Das harmlose Beispiel von Jesus als "Tünnes" war mir bereits vorher geläufig, da wurde "Gott sei Dank" (badumm-tss) zugunsten der Kunstfreiheit entschieden. Aber wenn man sich mal die anderen Beispiele durchliest, für die Leute tatsächlich verurteilt wurden, kann man sich schon wundern, wie schnell dieser "Blasphemieparagraph" zuschlagen kann.

    Was ist, wenn ich z.B. eine Religion kritisiere, ohne sie konkret zu benennen, obwohl anhand der Anspielungen im Text jedem Zuhörer klar sein sollte, worum es geht? Kann sich dann ein Richter aufschwingen, zu behaupten, er wisse, was ich mir dabei gedacht habe? :gruebel:

    Und "kritisieren" findet in einem emotionsgeladenen Medium wie der Musik ja nun auch auf einem anderen, meist zugespitzteren Level statt als in einer fein durchdachten PowerPoint-Präsentation zum Thema "10 Gründe warum ich Weltanschauung X problematisch finde", mit Quellenverzeichnis im Anhang. :D
     
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  5. gesch

    gesch Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.08.19   #5
    Also prinzipiell kann man sagen: "Wo kein Kläger, da kein Richter".

    Gerichte beschäftigen sich erst damit wenn einer dagegen klagt. Natürlich gibt es einige Grundvorraussetzungen was man darf und was nicht aber es kommt immer darauf an ob sich jemand daran stört und es zur Anzeige bringt.
    Es ist halt schon erstaunlich, das einige Bands meinen nur mit entsprechenden Texten (oder auch Outfits) bekannt zu werden - haben die sonst keine Substanz? :evil:

    Aber im ernst - es gibt Themen bzw. Beschreibungen die sollte man nicht publizieren. Man kann sich ja viel Denken aber man muss nicht alles Aussprechen.
    Wer jetzt mit der Schere im Kopf kommt und nach Zensur schreit liegt da Falsch. Denn alles was Du sagst (oder singst) beeinflusst das Bild von Dir das Du anderen vermittelst. Da musst Du schon Wissen welches Bild Du vermitteln willst.

    Noch etwas zur "Kunsterklärung".
    Ich kann soviel malen, bildhauern, schreiben etc. pp. und es Kunst nennen wie ich will - dadurch wird es noch lange keine Kunst.
    Kunst entsteht im Auge des Betrachters und nicht im Auge des Künstlers.
    Es gibt renomierte Künstler die dies berücksichtigen und sich weigern ihre Kunst zu erklären.

    Gruß
     
  6. klangschale

    klangschale Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.08.19   #6
    man mag den Struwwelpeter auch als Aufforderung zur Gewalt in der Erziehung verstehen. Auf den Index hat er's noch nicht geschafft, und das, obwohl er aus der Gedankenwelt eines Pädagogen stammt. Vielleicht einfach die Aufarbeitung von Fantasien um das Lehrerleben besser ertragen zu können...
     
  7. Signalschwarz

    Signalschwarz Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.08.19   #7
    Klar, weil wo kein Kläger da kein Richter.

    Das ist richtig und mir auch bewusst, aber in der öffentlichen Wahrnehmung und in der Folge auch der Urteilsfindung "der Menschen da draussen" gerne forciert durch die Medien ist das alles eins.
     
  8. Beyme

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    Erstellt: 10.08.19   #8
    Manche von "den" Medien helfen auch bei der Unterscheidung:
     
  9. Strato Incendus

    Strato Incendus Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.08.19   #9
    Da stimme ich dir zu, nur zum Glück entscheiden die Medien (noch!) nicht, was von der Meinungsfreiheit gedeckt ist und was nicht :D . Zumindest nicht im rechtlichen Sinne. Da Meinungsfreiheit natürlich bekanntlich nur vor dem Staat schützt, nicht vor privaten Organisationen, gelten in der realen Welt wieder andere Regeln. Denn für die meisten Künstler dürfte es eher den Bekanntheitsgrad ihrer Musik negativ betreffen, wenn YouTube mit ihrem eigenen Kriterienkatalog ihren Text als "Hate Speech" einstufen und das Video löschen, als wenn irgendjemand sie wegen vermeintlicher Volksverhetzung anzeigt, nur damit dann ermittelt und das Verfahren eingestellt wird.

    Da gab es ja nun in jüngster Zeit einige Zitate von AfD-Politikern, die in den Medien zwar einen Aufschrei ausgelöst und auch Ermittlungen wegen Volksverhetzung nach sich gezogen haben - im Endeffekt wurde jedoch keine der genannten Personen verurteilt. Darüber berichtet dann niemand mehr - aber das zeigt, wie weit "selbst" in Deutschland die Meinungsfreiheit reicht und was davon aus staatlicher Sicht alles noch abgedeckt ist.

    Wenn man hingegen bewusst einen Aufschrei auslösen will, schafft man die von dir beschriebene Vermischung am besten durch den untergeschobenen Vorwurf "XY verwendet seine Israelkritik lediglich als Vehikel, um seinen Antisemitismus auszudrücken", oder wahlweise "verwendet seine Kritik an der Religion des Islam, um seinen Rassismus auszudrücken."

    Dass die meisten politischen Systeme und Weltanschauungen genug Angriffsfläche bieten, um aus sich bereits gewisser Kritik würdig zu sein, und man keine unterstellten rassistischen Ansichten haben muss, um sie ausdrücken zu wollen, kommt diesen Menschen offenbar nicht in den Sinn. ;)

    Ein rein medialer Aufschrei, der aber keine rechtlichen Konsequenzen nach sich zieht, ist für einen Künstler wahrscheinlich das Beste, was passieren kann. :D Frei nach dem Motto "es gibt keine schlechte Publicity". Rammstein haben das mit ihrem "Deutschland"-Video perfektioniert, die wissen genau, wie man Rechte und Linke gleichzeitig auf die Palme bringt.

    Und ich schätze, die oben erwähnten politischen Äußerungen, die erfolglose Ermittlungen nach sich gezogen haben, funktionierten nach demselben Prinzip:

    Die Aufmerksamkeit ist eigentlich das, was alle wollen. Und da wird es eben ein Spiel mit dem Feuer: "Was ist das Maximum an Aufmerksamkeit, das ich herausholen kann, bevor ich so weit gehe, dass mir der Richter mit seinem Hämmerchen auf die Finger haut?" :D

    So zumindest, wenn man bloß "trollen" und provozieren möchte.



    Manchmal aber hat man ja auch einfach einen Text, der einem inhaltlich tatsächlich wichtig ist, aber eben ein paar Menschen auf die Füße treten könnte - und bei dem das wahrscheinlich auch gut so ist, weil man nur so zum Nachdenken angeregt wird: Wenn man etwas hört, das der eigenen Weltsicht widerspricht.

    Ich sehe mich ein bisschen als "Metal-Liedermacher" - nicht nur, weil ich alle Instrumente selbst spiele und aufnehme und das ein "Ein-Mann-Projekt" ist, sondern auch, weil ich relativ viel Fokus auf meine Texte lege und ich ernsthaft glaube, die beste Präsentationsform dafür auf YouTube wären Lyric Videos.

    Ich denke, damit korreliert auch der Unterschied zwischen denen, die durch Provokation lediglich Aufmerksamkeit wollen, und jenen, die die Ideen selbst diskutieren wollen:

    Wer einen provokanten Text der Aufmerksamkeit zuliebe veröffentlicht, der wird höchstwahrscheinlich dazu auch selbst sein Gesicht in die Kamera halten, weil sonst die Aufmerksamkeit ja nicht ihm persönlich zugute käme.

    Wer hingegen vor allem kontroverse Ideen ventilieren möchte, genießt vielleicht sogar eher den Schutz der Anonymität, weil dann die Ideen losgelöst von seiner Person im Raum stehen. Man macht sich quasi weniger anfällig für Ad Hominems, die sich ja eh nicht mit dem Argument an sich befassen, sondern bloß mit der Quelle, die es äußert. Und das hat natürlich auch den Vorteil, dass man seine Identität nicht jenen preisgibt, die bereit sind, Personen Schaden im realen Leben zuzufügen, nur weil ihnen ihre online getätigten Aussagen nicht gefallen.

    Nicht umsonst haben viele der sogenannten "skeptics" auf YouTube nur irgendwelche Comic-Figuren als Avatare in ihren Videos, wohingegen die meisten Aktivisten selbst vor der Kamera stehen. Interessant ist dann, an welchem Punkt sich ein Comic-Avatar-User dazu entscheidet, doch selbst vor die Kamera zu treten und ihr Gesicht zu zeigen.


    Von daher: Der von einem Vorposter implizierte Gedanke, der ich jetzt mal frei sinngemäß zusammenfasse als "sag online nichts, hinter dem du nicht auch im realen Leben stehen würdest", ist zwar ein guter Ansatz, um im Internet den Anstand zu wahren und nicht gedankenlos Parolen in die Welt zu posaunen, nur weil man glaubt, man werde nicht erwischt. Das hat das Niveau von Siebtklässlern, die es auf Klassenfahrt in England lustig finden, Einheimische auf Deutsch zu beleidigen, weil sie denken, die würden sie nicht verstehen. :D

    Wenn man dieses Prinzip jedoch konsequent durchzieht, dann hätte man im Internet sicherlich deutlich mehr Schwarmdenken und Duckmäusertum, weil den meisten Menschen die Integration in ihre jeweilige Gruppe wichtiger ist, als mit einer kontroversen Idee herauszustechen und als Folge ausgesondert zu werden.

    Im realen Leben behalten deshalb viele Menschen ihre kontroverseren Gedanken für sich - das können dann aber auch unentdeckte Zeitbomben sein, wenn diese Ideen nie offen diskutiert und damit auch nie widerlegt werden. Das Internet bietet da eine große Chance, eben gerade weil es diese Diskussion ohne direkte persönliche und soziale Konsequenzen ermöglicht.

    Würde das verloren gehen, würde online dasselbe Risiko für Reputationsverlust und Ausgrenzung bestehen wie im realen Leben, wenn man einmal danebentritt - auf bestimmten Plattformen ist das ja bereits der Fall, insbesondere bei ausreichender Prominenz des Sprechers - dann würde damit gleichzeitig auch eine große Chance verschenkt, einen "freien Markt der Ideen" zu haben, auf dem die besten Ideen sich durchsetzen und die schlechten untergebuttert werden.

    Und da muss man wirklich mal innehalten und fragen, was das größere Übel ist. Klar, es gibt da draußen einige Individuen mit sehr gefährlichen Ideen. Aber wie gefährlich wird eine Idee erst, wenn eine große, tumbe Masse ihr folgt, von der keiner sie mehr hinterfragt, weil keiner aus der Gruppe fliegen möchte? ;)


    Das verlinkte Video ist für mich als Eurovisions-Nerd natürlich passend, weil hier just Alina Stiegler in einem Jahr über Israelkritik aufklärt, in dem sie dann später zum ESC vor Ort in Tel Aviv ist :) . Soll jetzt keine Anspielung sein, ich finde es bloß interessant, weil ich sonst außerhalb von ESC-Content selten etwas von ihr zu sehen bekomme.

    Wenn man sich das Video jedoch mal nicht eingebettet in einen Post, sondern auf YouTube anschaut, finden sich da eine Menge gut formulierter sachlicher Gegenargumente, warum diese Erklärung zu kurz gegriffen und dieser "3-D-Test" erstaunlich eindimensional ist... :D
     
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