"Metal, Bier und Wurstsalat" -- Das Buch von André Schönfelder

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Guten Morgen.

Heute mal bisschen Literatur! :)
Ich habe vergangene Woche das Buch "Metal, Bier und Wurstsalat" (Roman) gelesen und bin - nachdem ich mit großen Erwartungen an die Sache ran bin - eigentlich sehr enttäuscht.

Kurz zur Story:
Es wird die Geschichte von vier Metal-Fans (19-20 Jahre) erzählt, irgendwo in einer norddeutschen Kleinstadt, die zusammen "die erste (und einzige) Thrash Metal-Band des Dorfes" haben. Es beginnt damit, dass ein neuer Gitarrist in die Band einsteigt. Dann das Übliche: erste Songs schreiben, erste Auftritte, ein Pseudo-Manager findet sich, der den Jungs das Blaue vom Himmel verspricht, mißglückte Demo-Aufnahmen, Band-Wettbewerbe und schließlich das Ende der jungen Band, weil der eine zum Studieren weg geht, der andere in Hamburg nen Job findet.
An sich also toll! Eine Geschichte, wie man sie kennt, und wie sie sich überall abspielt.

Wo ist also das Problem?

Nun, ich finde es einfach erschreckend, wie wenig der Autor aus der an sich guten Ausgangsposition und Rahmenhandlung macht. Nämlich nix. Das Buch beschreibt zu einem Großteil wie sich die Metal-Jünger nahezu täglich besaufen. Immer. Ständig. Ohne Rücksicht auf Verluste. Egal ob am nächsten Tag Arbeit oder nicht. Saufen geht immer. Notfalls holt man sich ne Krankmeldung. Und wir reden hier nicht über ein, zwei Bier, nein. Die fiktiven Musikerkollegen vernichten in Rekordzeit ihre Sechser-Träger - "6 Bier in ner halben Stunde". Da trinkt dann auch der Fahrer zu den Auftritten "nur" 4-8 Bier, weil er ja noch fahren muss. Dann heim, regelmäßig kotzen und gut is.
Da lernt der Sänger auch aus einer Alkoholvergiftung nüscht, und plant schon die nächsten Streifzüge durch die Kneipen und Discos der Stadt.

Die Band (die im Übrigen Slayer als Vorbild hat (was der Autor auch ständig betont!)) und sich "Society of Skeletons" nennt - :D - fährt dann auch zum Wacken Open Air (2006 wird beschrieben, wo "Ministry" da waren...). Anstatt die einzigartige Atmosphäre eines Festivals auch nur anzudeuten wird auch hier nur erzählt, wieviel gesoffen wird und wer mit wem in welchem Zelt vögelt. Großartig!

An dieser Stelle gebe ich zu: JA, solche Menschen soll`s geben. Wenn ich an meine ersten Metal-Festivals zurückdenke war`s da auch nicht arg viel besser. Aber ganz ehrlich - muss ich darüber ein Buch schreiben??? WARUM??
Und wenn schon, dann doch gleich auf`s Wesentliche (Saufen & Mucke machen!) konzentrieren und nicht aus irgendwelchen pseudo-literarischen Triebgründen auch noch versuchen, Nebenhandlungen, Personen-Charakteristika, sozialen Kontext o.ä. einzubauen. Es reicht leider nicht wenn man das dann immer nur auf einer Seite halbherzig erwähnt, damit`s halt da steht. Dann gleich weglassen, dann wird`s auch weniger zu lesen.

Ein "Nicht-Metaller", der dieses Buch aus Neugier lesen würde um einen Einblick in die Metal-Szene zu bekommen, bekäme ein mehr als schlechtes Bild. Denn es wird nur eines vermittelt: Heavy Metal ist Saufen, Saufen, Saufen, Saufen, Saufen.... Punkt.

Spannung gibt es keine. Die Probleme einer Nachwuchs-Band werden nur am Rande thematisiert. Substanz tendiert gegen Null. Es werden zwar auch einige kuriose Texte der fiktiven Band abgedruckt, aber anstatt hier tiefer einzusteigen und zu erklären warum ein junger Mann, dem es blendend geht und der keine Probleme hat, Texte über das Böse, Krieg & Leiden, etc. verfasst, wird mehr oder weniger nur gesagt "das ihn das halt interessiert" (im Subtext schwingt dann mit: "Ach, als Metaler muss man das halt so machen!").
Dann folgt eine Textzeile aus "Angel of Death" - eifrig mitgesungen von allen - und es steht geschrieben, das "Slayer" dafür mal in die Nazi-Ecke gedrängt wurden, aber das das ja nicht so ist... Häh??
Soll wohl für "Tiefe" im Buch sorgen, geht aber schief...

Überhaupt schwankt der Autor immer zwischen "Roman" und "Dokumentation", also Beschreibung und Erklärung der Metal-Szene (nicht besonders tiefgründig, halt).

Hinzu kommt noch die sprachlich nicht besonders anspruchsvolle Schreibweise und ärgerliche bis unverständliche Rechtschreibfehler. Erstes könnte ich verschmerzen - ich hab nicht erwartet hier einen Literatur-Akrobaten vor mir zu haben. Wenn auch eine "schönere" Schreibweise sehr zum Gelingen des Buches beigetragen hätte. So ist es dann doch eher laaaaangweilig zu lesen.
Die ab und an auftretenden Fehler sind aber schlimm. Mal abgesehen von so Sachen wie ULR (statt URL) oder ständig wechselnden Schreibweisen (mal Metal-Apokalypse, mal Metalapokalypse - wohl gemerkt auf einer Seite) werden Band-, Platten- und Song-Namen einfach falsch geschrieben: da gibt`s dann die Band "Never More" und das Album "Seasons to the Abyss". Aua!

Chance vertan, würde ich sagen. Besser keine Bücher mehr schreiben.

So, das musste jetzt mal raus. Hätt ich doch lieber was anderes gelesen.
Kennt jemand das Buch und möchte auch seinen Senf dazu geben? ;)

Sonnige Grüße
Michel
 
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Wenn du ein gutes Buch über Metal lesen möchtest, versuch es mal mit "Schwedischer Death Metal" von Daniel Ekeroth. Die Geschichte des schwedischen Death Metal (wer hätte das bei dem Titel gedacht ;) aus einer angenehmen Erzählweise heraus beschrieben.
 
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Das beste Buch in der Thematik: "Livemusiker" meiner Ansicht nach:

Fleisch ist mein Gemüse von Heinz Strunk

Wahnsinn mit wieviel Verachtung (für die Musik, für die die Leute die man bespaßt und für sich selbst) der Autor seine Erinnerungen als jahrelanger Partymukker und Möchtegernmusiklehrer in dieser tolle, witzige Autobiographie niedergeschrieben hat.

Ich könnte den ganzen Tag zitieren, aber... lest es um Gottes willen


ps: die Verfilmung ist nicht im geringsten ein Ersatz zum Buch. In dem Film gehts auch kaum um Musik, also zuerstd as Buch lesen!
 

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