Musikstudium ohne Fingerfertigkeit?

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Madecine
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Hallo allerseits!

In ein paar Monaten werde ich ( hoffentlich ) mein Abitur haben und danach solls irgendwie studientechnisch in den Bereich Musik gehen. Ich bin begeisterter Gitarrist und Songschreiber seit guten 7 Jahren jetzt und bringe einiges an Fähigkeiten für ein solches Studium mit. Allerdings gibt es Hürden, die ich noch zu nehmen habe. Mein großes Problem ist folgendes:
Aufgrund einer nervlichen Erkrankung neigen meine Finger dazu, schnell zu krampfen. Das ist bei einer Instrumentalausbildung nicht unbedingt hilfreich, da sich dieser Effekt auch noch bei Nervosität verstärkt. Bei der Aufforderung, dass ich doch endlich mal anfangen solle zu spielen, kann ich da also nur dezent lächeln, bzw. bei einem Liveauftritt mit meiner Band würde ich kein Solo riskieren, da es vllt auch da haken könnte. Schade daran ist, dass ich nach ca. 2 Stunden Warmspielen eine ganze Menge kann auf der Gitarre und auf diesem Niveau Songs komponieren und Solos einspielen kann. Und dieses Niveau bestimmt auch meinen Ehrgeiz. Ich will irgendwie mit Musik mein Geld verdienen. Jetzt gehen wir mal die Kriterien durch, anhand derer ich ein Studienfach wählen würde.

Meine Vorraussetzungen sind folgende: Wie gesagt, seit 7 Jahren spiele ich Gitarre, gut Egitarre und vertretbar Westerngitarre (Fingerpicking), meine bevorzugten Genres sind (Hard)Rock/Blues, offen bin ich auch für Metal, Jazz, interessanten Pop und elektronische Sachen (mit Instrumenten). Ich habe ein ausreichendes musiktheoretisches Verständnis um Akkorde und Tonleitern zu konstruieren, Skalen auf die Gitarre zu bringen und schnell rauf und runter zu spielen, kenne Tonarten und Modes. Notenelesen klappt nicht auf anhieb, ist aber drin, Akkordfolgen vom Blatt geht fliessend, wenn auch teils der Rhythmus erst mühsam abgelesen werden muss. Ich habe ein sehr gutes musikalisches Verständnis, kann Songs (meistens) problemlos raushören, Melodien umsetzten und gut improvisieren. Schwierig wird es allerdings, wenn es zur Gehörbildung kommt. Ich mache so gut wie alles nach Gefühl, Intervalle raushören, leider keine Chance, ich muss mit nem Instrument den Abstand der Töne zueinander bestimmen bevor das geht. Ich kenne die Aufnahmeprüfungen und Notendiktate werden wirklich schwierig ... Meine große Leidenschaft ist das Schreiben von Songs, ich arbeite z.Z. an einem Projekt, bei dem ich am Ende einige große eigene Nummern vorspielen werde (mit 8 köpfiger Band), der Großteil der Kompositionen stammt von mir, teils 11minütige Songs die ich als sehr athmosphärisch und musikalisch nicht einfach beschreiben würde. Ich texte und arrangiere aus Leidenschaft, bin organisatorisch tätig in der Organisation und Planung und diplomatisch im Umgang mit den Musikern ;)

Ok, soviel dazu. Das war jetzt recht umfangreich. Aber es ist mir auch sehr wichtig. Das einzige woran es halt wirklich hakt, ist das Handwerkliche, das Spielen. Ich bin eher der Typ, der für die Bühne schreibt, als auf der Bühne die dicke Show abzieht. Aber bei so ziemlich jedem Studiengang, den ich mir bisher angeguckt habe, kommen große technische Anforderung hinzu. Ich verstehe das natürlich und letztenedes habe ich die auch (im Ansatz zumindest), blöd ist halt nur, dass ich mich darauf einfach nicht verlassen kann.

Jetzt frage ich euch: Gibt es einen umfangreich bildenden Studiengang in Richtung Musik, der nicht soviel Wert auf die spielerische Praxis legt sondern vermehrt aufs eben beschriebene Drumherum? Sollte es sowas nicht geben, bleibt mir immernoch die Musikwissenschaft, aber ich will noch eine Menge dazu lernen z.B. in Komposition usw., da käme mir ein professionelles Studium mit guten Dozenten sehr gelegen. Es gibt viel zu lernen Leute! Wo hab ich die Möglichkeit?


Danke schonmal im Vorraus,

Madecine!
 
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Entscheidend ist u.a., was dein Gitarrenlehrer und dein behandelnder Arzt zu einem Musikstudium sagen. Was sind ihre Meinungen dazu?

Harald
 
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Madecine
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Hallo Harald!

Ich bin ein erfolgreicher Autodidakt. Der Arzt sagt bloss, dass ich mich nicht darauf verlassen kann, immer und überall gut Gitarre spielen zu können weil kalte Hände, Nervosität uvw. diesen "Krampfeffekt" verstärken. Allerdings gibt es auch einen Warmupeffekt: Nach ca. 2 Stunden intensivem Spielen bin ich auf meinem Standardniveau.

Die Frage ist eigentlich, ob die beim Studium ( ein richtiges Musikstudium wäre glaube ich auch generell etwas zu hart, da mein Gehör nicht so geschult ist ) auch mal sagen " Ja ok, heute kanner halt nicht " oder ob ich immer, wenn ich dort etwas leisten müsste, das auch können müsste. Wie gesagt, in Sachen Komposition bin ich recht fit und sehr kreativ, ich könnte Werke einreichen usw. Aber einen Studiengang in Richtung Komposition der ohne handwerkliches Können ( ich kann leider auch nicht Klavier spielen ), gibt es den?

MfG
Madecine
 
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Ich bin ein erfolgreicher Autodidakt.

Für ein Musikstudium solltest du Unterricht nehmen. Bei besonderer Begabung und in Ausnahmefällen kann es vielleicht auch ohne gehen, aber das ist nicht der Regelfall.

Die Frage ist eigentlich, ob die beim Studium ( ein richtiges Musikstudium wäre glaube ich auch generell etwas zu hart, da mein Gehör nicht so geschult ist ) auch mal sagen " Ja ok, heute kanner halt nicht " oder ob ich immer, wenn ich dort etwas leisten müsste, das auch können müsste.

Wenn du hin und wieder nicht spielen kannst, ist das kein grundsätzliches Problem, wenn das allerdings mehr als ~3 mal pro Semester passiert, wird das schon bedenklich. Denn: wie willst du hinterher einen künstlerischen oder pädagogischen Beruf ausüben, wenn du nicht belastbar bist? Belastbarkeit ist ein wichtiges Kriterium, und das wird im Studium schon trainiert.

Wie gesagt, in Sachen Komposition bin ich recht fit und sehr kreativ, ich könnte Werke einreichen usw.

Wenn deine Finger verkrampfen, kannst du aber nicht belastbar Noten schreiben. Das wäre ein Ausschlusskriterium für so einen Studiengang.

Aber einen Studiengang in Richtung Komposition der ohne handwerkliches Können ( ich kann leider auch nicht Klavier spielen ), gibt es den?

Nein, denn so eine Ausbildung wäre kaum vermarktungsfähig. Gerade der Kompositionsstudiengang legt recht viel Wert auf handwerkliches Können, speziell im Tonsatz und im Klavierspielen. IMHO wäre Musikwissenschaft die für dich sinnvollste Perspektive, aber auch dort mußt du belastbar schreiben können und ein gutes Grundwissen über Musik und ihre Geschichte mitbringen.

Harald
 
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Danke für deine Antwort Harald,

Ich habe mir jetzt nicht so wahnsinnig viele Hoffnungen gemacht, da ich mir schon dachte, dass es vor dem Hintergrund nicht gut aussieht. Ich denke auch, dass ich bei Musikwissenschaften bleiben werde. Natürlich werde ich meine Projekte auch weiterhin verfolgen und solange es MEINE sind und bleiben, kann ich dort auch eigene Regeln machen und ich werde so schon noch einen Weg finden, das alles hinzubiegen ;)

Danke nochmal,

Gruß, Madecine
 
HaraldS
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Ich denke auch, dass ich bei Musikwissenschaften bleiben werde.

...was übrigens auch IMHO ein hochinteressantes Fach ist. Es gibt für mich (als ausübendem Musiker) wie auch für viele musikalische Laien mit denen ich zu tun habe kaum etwas spannenderes, als lebendig dargebotene Musikwissenschaft. Götz Alsmann, Harald Schmidt, Herbert Feuerstein oder Hans Liberg haben immer wieder Momente, wo das eine Rolle spielt. Wer das Fach beherrscht und es medial gut vermarkten kann, kann sich eine ergiebige Marktnische schaffen. Viel Erfolg auf jeden Fall.

Harald
 

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