Noten-Setzprogramm für Steirische Harmonika gesucht

von JonnyPeru, 19.07.20.

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  1. JonnyPeru

    JonnyPeru Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.07.20   #1
    Hallo Leute,
    ich bin mal wieder mit dem teuer erstandenen Forte beim Aufschreiben eines einfachen Songs gescheitert. Ich habe mir die Töne von "My Way" auf meiner Steierischen zusammen gesucht und wollte das in Griffschrift aufschreiben, allein, die Bedienung des Programmes ist mehr als zäh. Eine Fülle von Eigenartigkeiten verleidet mir immer wieder die Arbeit. Dabei hatte ich die Hoffnung, nach dem letzten Update von Forte flüssiger arbeiten zu können. Vielleicht gibt es Besseres zum Aufschreiben von Griffschrift-"Noten"? Toccata habe ich mir als Demo mal angeschaut. Das Plugin für die Steirische kostet aber und kann nicht ausprobiert werden in der Demo. Auch wird das Programm anscheindend seit Jahren nicht mehr weiter entwickelt und wirkt altbacken. Das ist bei MuseScore anders. Bevor ich mich in diesen Boliden einarbeite: Hat hier jemand Erfahrung mit den Plugins für unsere Quetsche bei Musescore und lohnt sich der Aufwand eines Umstieges von Forte?

    Ansonsten ist jeder Tipp über andere Programme und Möglichkeiten willkommen. Ich brauche die Software zum bloßen Aufschreiben von Griffschrift einer Vierreihigen. Umwandlungen von Noten in Griffschrift und umgekehrt oder das Abspielen der gesetzten Noten und ähnliche Delikatessen benötige ich nicht.

    LG aus Bochum

    Ted
     
  2. Wil_Riker

    Wil_Riker Helpful & Friendly Akkordeon-Mod Moderator HFU

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    Erstellt: 19.07.20   #2
    Hallo Ted,

    Griffschrift mit MuseScore funktioniert ohne Plugins, wenn auch etwas umständlicher als herkömmliche Notenschrift (Notenköpfe lassen sich als Kreuze oder Dreiecke darstellen, Zug/Druck über Linien markieren).
     
  3. Be-3

    Be-3 Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 20.07.20   #3
    Hallo Jonny,

    wenn ich mir das Forte-Griffschrift-Demo-Filmchen anschaue,



    dann komme ich zu dem Schluss: Tja, viel "komfortabler" wirst Du es nicht bekommen:
    Druckbalken ziehen nach Lineal mit Sechzehntel-Raster ist doch OK.
    Die korrekte Tonhöhenausgabe ist doch schön.
    Den Notenkopfstil bei Bedarf auf "Kreuz" umzustellen, das kannst Du, wie @Wil_Riker schreibt, auch anderswo haben.

    Es ist unter anderem auch alles eine Frage des Anspruchs bezüglich der endgültigen Ausgabequalität.
    Da habe ich eben bei so manchen (auch kommerziellen!) Programmen so meine Bedenken.


    Was mir im Forte-Demovideo extrem negativ auffällt...



    Ich habe einen kleinen Screenshot (höchste Auflösung) aus dem Video rot kommentiert:
    forte-griffschrift-haelse.png
    Die Länge und Standard-Ausrichtung von Hälsen sind absolute Grundlagen und die werden von Forte (zumindest in diesem Griffschrift-Modus) dermaßen versemmelt, wie ich es bei einem Programm mit professionellem Anspruch nie erwartet hätte.
    • Sobald er den ersten Notenkopftyp (das klingende f') auf "Kreuz" setzt, wird der Hals plötzlich absurd kurz (!?)
    • Direkt danach klappen dann ohne ersichtlichen Grund die Hälse plötzlich völlig unmotiviert nach unten (warum???)
    • Im zweiten Takt stimmt die Halsrichtung dann wieder, die Hälse sind aber viel zu lang, was extrem hässlich aussieht
    Sicherlich kann man die Halsrichtungen und -längen manuell korrigieren, aber ich hätte keine Lust, an fast jedem (!) Hals herumkorrigieren zu müssen.
    Vielleicht funktioniert das mit den Hälsen mittlerweile sogar, aber das ist das neueste (2018) und offizielle Demo-Video, das sich wohl alle anschauen, wenn sie nach "Forte" und "Griffschrift" suchen.
    Entweder hat das niemand gemerkt (peinlich) oder es interessiert niemanden (ungünstig).


    Angestrebte Arbeitsweise...



    Entweder, man schreibt die Melodie zunächst in "normalen" Noten auf und sieht, dann, wie und ob überhaupt sich das auf der Steirischen realisieren lässt und welche Balgrichtung man braucht (das hängt im wesentlichen von den Bässen/Harmonien ab, es gibt aber oft mehrere Lösungen).

    Gerade bei der Steirischen gibt es durch den systematischen quartverschobenen Reihenaufbau und oft sogar 4 oder 5 Reihen im Gegensatz zum mittlerweile altbackenen Hohner-Club-System o.ä. sehr oft mehrere Möglichkeiten, einen Ton zu spielen.
    Und das automatisch zu bestimmen, wird Dir ein Programm höchstens annäherungsweise abnehmen können. Das ist auch recht schwer zu implementieren: Alle Knöpfe darstellen und der Benutzer kann die Duplikate bereinigen? Wie erkennt man dann in einem Akkord, welche Töne Duplikate sind? Farben? Wie viele braucht man da?
    Also alles nicht so einfach.

    Zweite Möglichkeit, wie Du ja auch zu arbeiten scheinst:

    Das betrachte ich als die weitaus bessere und sinnvollere Vorgehensweise, auch, wenn es zu Beginn in mühsame Sucherei und Herumprobiererei ausartet:
    1. Du lernst Dein Instrument kennen und kannst im Laufe der Zeit ziemlich spontan und direkt Melodien spielen, weil Du ein Gefühl für die Wechseltönigkeit und Knopfbelegung entwickelst.
    2. Langfristig wird so die "Krücke" Griffschrift überflüssig oder unwichtiger und Du kannst sie zumindest relativ flüssig aufschreiben.
    3. Griffschrift "missbraucht" ja eigentlich normale Noten (mit ein paar Besonderheiten), so dass sie prinzipiell mit jedem Notensatzprogramm mehr oder weniger elegant/einfach/schön darstellbar ist (siehe Wil_Rikers Anmerkungen).


    Alternativen



    Wie gesagt - viel komfortabler als in Forte wird es nicht gehen.
    Toccata ist tatsächlich recht antiquiert, für Capella gibt es Scripte, die sind wahrscheinlich viel umständlicher zu handhaben, wenn man etwas korrigieren muss.

    Ich denke mal, Du solltest MuseScore ausprobieren, wie Wil es vorgeschlagen hat:
    1. Es ist kein Risiko, denn Dir entstehen keine Kosten
    2. Bedienung ist recht intuitiv.
    3. Vielleicht lernst Du dann Dein "umständliches" Finale schätzen, wenn Du siehst, was Dir die Finale-Automatik alles abnimmt.
    Außerdem bietet MuseScore die Möglichkeit, Plug-Ins zu nutzen/entwicklen.
    Ich hatte da mal was Experimentelles für Club-System oder Wiener, aber dann kam die komplette technische Neuausrichtung und außerdem ist es durch den Wildwuchs von Sonderbelegungen für eine allgemeingültige Lösung ziemlich unschön (Hilfs-"Halbtöne" und vor allem die gefühlten Milliarden von Bassbelegenungen).

    Aber Steirische haben ja wenigstens (im Vergleich zu den französischen "diatos" wenigstens im Diskant eine ziemlich systematische Belegung). Und in Anbetracht der steigenden Beliebtheit von Steirischen wäre es vielleicht sogar sinnvoll, sich für MuseScore ein paar Plugins zu überlegen, die zumindest die Arbeit erleichtern.

    Ich selbst benutze grundsätzlich für alles LilyPond, aber das ist durch die Texteingabe und den Einarbeitungsaufwand für die meisten unzumutbar. :nix:

    Du kannst ja mal die erste Zeile/Phrase Deines My-Way-Versuchs hier einstellen.
    Dann kann man mal vergleichen, wie das mit anderen Programmen zu realisieren ist und wie dort das Ergebnis aussieht.
    Eine Zeile/Phrase dürfte auch kein Copyright-Problem ergeben, zumal es sich bei Griffschrift ja um eine perfekte Verschlüsselung handelt. Außerdem geht es hier ja um Ausbildungszwecke.

    My Way ohne den typischen Bass-Abgang hat sowieso keinen Sinn und da kann ich mit meinen ollen Club-Harmonikas schon mal einpacken.
    Steirische mögen da mehr Glück haben.

    Viele Grüße
    Torsten
     
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  4. Claus

    Claus Brass/Keys Trompete Moderator HCA

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    Erstellt: 20.07.20   #4
    Finale soll hier eigentlich Forte heißen?
     
  5. Be-3

    Be-3 Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 20.07.20   #5
    Radio Eriwan meint: "Im Prinzip - ja! Aber..." ;)
    ... Finale ist ja noch viel umständlicher, weil man dort meines Wissens alles von Hand machen muss und es keinerlei automatisierte Griffschrift-Unterstützung gibt.

    Aber ernsthaft: Du hast natürlich recht, ich meinte Forte, das war ein Freudscher Verschreiber, weil man eben doch die Platzhirsche Finale und Sibelius im Kopf hat (und natürlich das Nesthäkchen Dorico, das hoffentlich auch mal groß und erfolgreich wird).


    Erkenntnisse



    Es geht in diesem Thread ja nicht einmal primär darum, wie man Griffschrift in den diversen Notensatzprogrammen setzen kann, sondern vor allem, wie das möglichst schnell, einfach und effizient geht.
    Da dachte ich mir, es sei vielleicht keine schlechte Idee, herauszufinden, die das üblicherweise in "der Szene" gehandhabt wird.


    Was machen die Laien?

    "Laien" ist hier nicht abwertend gemeint, es soll lediglich die Tatsache widerspiegeln, dass Laien mit den Griffschrift-Noten nicht ihren Lebensunterhalt verdienen und somit völlig andere Rahmenbedingungen herrschen:
    • das Programm sollte möglichst kostengünstig sein
    • Es geht ums Prinzip, die Ausgabequalität ist nicht so wichtig
    • Nebenbeschäftigung/Hobby, für das man sich gerne Zeit nimmt
    In "der Szene" ist offensichtlich Capella der Quasi-Standard.
    Wenn man also nicht festgelegt ist, könnte es hilfreich sein, "mit den Wölfen zu heulen".
    Es ist klar, dass sich nicht immer das Beste durchsetzt (kennt VHS-Video, Windows usw.), aber irgendetwas muss dran sein, wenn so viele sich dafür entscheiden.


    Was machen Profis?

    Für Profis ist das die Arbeit, mit denen sie ihre Brötchen verdienen müssen.
    Deshalb werden sie sich eher teure Programme leisten, weil sich die Kosten schnell amortisieren, weil sie mit diesem Programm ja Geld verdienen.
    Im Profibereich gibt es zwei wesentliche Kriterien
    • Das Endergebnis muss professionellen Ansprüchen genügen, und da wird die große Notensatzprogramm-Welt sehr schnell zu einem Dorf
    • Viel mehr als den meisten bewusst ist, spielt die Zeit eine überaus große Rolle. Das Ergebnis muss nicht nur möglichst perfekt sein, die benötigte Arbeitszeit ist auch entscheidend (!)
    Griffschriftnoten sind eine Randerscheinung, deshalb haben sich nur wenige kommerziell darauf spezialisiert. Als erstes fällt mir da der Echo Musikverlag (Michlbauer) ein, der nach meiner Einschätzung professionelle Ergebnisse abliefert.

    Grundidee: Wenn man gute Qualität bei gutem "Workflow" (Zeit ist Geld!) sucht, sollte man sich an den Profis orientieren.


    Überraschung!

    Wenn man erraten möchte, welches Notensatzprogramm ein Verlag nutzt, geht das am einfachsten über das PDF. Ich habe mir also eine Michlbauer-PDF-Leseprobe heruntergeladen und das PDF angeschaut.

    Erkenntnis 1: Die Noten-Schriftart Petrucci weist schonmal in Richtung Finale (aha - Finale und Griffschrift!?)

    Erkenntnis 2: Ich kenne nur ein Programm, das noch nie wusste, wie man Postscript-Linien zieht und deshalb alle Liniendicken durch mehrere dünne Linien darstellt.
    Sinnlos und Speicherplatzvergeudung --> eindeutig wieder Finale!

    Wenn man die "richtige" Vergrößerung erwischt, kann man die Einzellinien erkennen (je nachdem, wie das Anzeigeprogramm rundet) - zum Vergrößern bitte anklicken!
    finale-griffschrift.png
    Wichtig: das tut der Ausgabequalität von Finale keinen Abbruch (man sieht es im Druck nicht), aber ich finde es trotzdem lustig.

    Erkenntnis 3: Ich hätte auch auf den Titel in der PDF-Datei schauen können, da steht unter anderem: Finale.


    Warum ist das eine Überraschung?

    Ich sprach von "Zeit ist Geld" und dann landet man im professionellen Bereich ausgerechnet bei Finale, das doch (meines Wissens) keinerlei automatisierte Griffschrift-Unterstützung bietet?

    Mögliche Gründe für Finale
    • Finale bietet volle Kontrolle über alles, somit ist praktisch alles möglich und - vor allem: Es lassen sich absolut professionelle Ergebnisse erzielen
    • Der Verlag bietet ja auch "normale" Noten an und es ist naheliegend, hausintern ein einheitliches Satzprogramm zu nutzen.
    • Wenn man weiß, was man setzen muss (ohne das Satzprogramm als Griffschrift-Experimentierkasten zu missbrauchen), dann tut man das einfach:
      Griffschrift-"Noten" sind auch nur Noten, nur nach anderer Logik positioniert.

    Eine Automatik-Unterstützung (Klingende Notation -> Griffschrift) hat nur dann wirklich Vorteile, wenn man ein Stück in mehreren Griffschrift-Systemen veröffentlichen will (Steirisch, Club, Wiener, eine der tausend französischen Systeme).
    Aber die Franzosen nutzen sowieso keine Griffschrift, sondern eher "Malen nach Zahlen", Club ist tot und für professionelle Verlage lohnen sich die dreieinhalb Wiener-Spieler nicht.
    Nur die Steirische boomt.

    Außerdem geht nicht alles überall und es sollte ein guter Spieler/Arrangeur die Griffschrift erstellen und keine Automatik.

    Wichtig: Im Profibereich gilt (bzw. sollte gelten):
    Setzer ist in der Regel nicht gleich Komponist/Arrangeur/Autor!!!
    Oder: Der Setzer setzt das, was er vorgegeben bekommt, nicht, was eine Automatik generiert (betrifft jetzt die Noten-in-Griffschrift-Umwandlung).

    Schriftsetzer und Notenstecher waren Ausbildungsberufe, aber heute glaubt man oft, das sei alles nicht mehr wichtig, weil doch jeder einen PC hat.

    Trotz aller Programme: Professionelle Ergebnisse erfordern professionelles Wissen und Erfahrung. Das ist mit Aufwand verbunden. :opa:

    Ich liebe auch kleine Experimente und Spielereien für den Privatgebrauch, aber man muss Abstriche machen oder entsprechenden Aufwand betreiben.

    Viele Grüße
    Torsten
     
  6. Claus

    Claus Brass/Keys Trompete Moderator HCA

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    Erstellt: 20.07.20   #6
    Oops, da war wohl Teds Hinweis auf Forte eine falsche Fährte...
    Petrucci als Notenschrift ist allerdings Finale Steinzeit, selbst der Nachfolgefont wurde längst ersetzt.
    https://www.finalemusic.com/blog/a-brief-history-of-finale-fonts/

    Gruß Claus
     
  7. Be-3

    Be-3 Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 20.07.20   #7
    Nee, nee, Forte stimmt schon.
    Ted benutzt ausdrücklich Forte und sucht Alternativen.

    Finale hatte ich ins Spiel gebracht, weil es vom Griffschrift-Spezialisten Michlbauer genutzt wird.



    Ich muss zugeben, dass das von mir betrachtete PDF-Probeexemplar das einzige war, was ich auf die Schnelle bei Michlbauer/Echo-Verlag gefunden habe.
    Das ist schon uralt (es steht auch Finale 2006 im Titel und sogar der name des MUS-Files:
    "Finale 2006 - [17Gamsb.MUS]"
    und die Datei wurde im Januar 2008 erstellt.

    Ich extrapoliere daraus einfach, dass der Echo-Verlag heute immer noch Finale benutzt (wenn auch eine neuere Version und vielleicht auch mit aktuellen Fonts). Denn warum sollte ein Verlag ohne triftige Gründe sein seit vielen Jahren etabliertes Notensatzprogramm ändern?

    Interessant wäre in diesem Zusammenhang vor allem: haben die irgendwelche selbstentwickelten Griffschrift-Plugins im Einsatz?

    Viele Grüße
    Torsten
     
  8. JonnyPeru

    JonnyPeru Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 20.07.20   #8
    Wow! Wo soll ich anfangen? Erst mal herzlichen Dank an Torsten für die tollen Inputs.

    Ich habe mir tatsächlich mal MuseScore runtergeladen und komme damit wesentlich schneller zu Potte als mit Forte. Dabei geht es ja im Moment noch nicht einmal um Umwandlung, sondern um reines Aufschreiben der Tasten, also Griffschrift-Notation. Michlbauer gefällt mir da im Wildwuchs der verschiedenen Layouts am besten, was andere naturgemäß völlig anders sehen werden. Aber den Notenkopf durch ein Kreuz zu ersetzen für die 3. Diskantreihe, bringt optische Probleme bei halben Noten. So ist es leider bei Forte gelöst. MuseScore hat durch die große Bandbreite an Symbolen da viel mehr Freiheiten. Auch ist die Bedienung wesentlich komfortabler und das Programm läuft absolut stabil.

    Ich möchte keinesfalls die Programmierer von Forte bloßstellen, aber auf meinem Rechner ist kein vernünftiges Arbeiten mit diesem Programm möglich. Das könnte, zur Ehrenrettung muß ich das sagen, aber auch an meinem leicht exotischen Windows Embedded 8.1 Industry Enterprise liegen, das auch bei einigen anderen Programmen Probleme bereitete, allerdings nie in dem Maße wie bei Forte. Im März hatte ich eine pdf-Datei mit den gröbsten mir aufgefallenen Fehlern der damals aktuellen Version von Forte 11 an Lugert Software geschickt und nie eine Antwort erhalten. Die Fülle an Merkwürdigkeiten war immens. Dabei habe ich auch die Umwandlung in oder von Griffschrift nie als befriedigend erlebt, das aber gnädig ausgeklammert. Auch das Scanmodul ist ohne Mehrwert für mich gewesen und blieb mit seinen Absurditäten unbesprochen. Am Ende wollte ich nur noch Griffschrift schreiben, aber selbst das kostet Zeit und Nerven. Zwischenzeitlich wollte ich schon mit Photoshop alles selbst setzen. Ich habe das pdf-File mal angehängt. Wer mal herzlich lachen möchte, kann sich meine Aufzählung von Bugs gerne anschauen. Vieles wird mittlerweile verbessert worden sein, da mehrere Updates kamen. Bedenklich finde ich allerdings die hohe Versionsnummer von 11, die eigentlich schon damals ein stabiles Programm hätte erwarten lassen.

    Wie es auch sei, die Optik von Michlbauer mit normalen "Noten", denen für die 3. und 4. Reihe ein "x" oder ein "x im Kreis" vorgestellt wird, ist mit Musescore ohne große Verrenkungen möglich. Der Druckstrich wird als Linie eingefügt, mit der Maus zu seinem Platz unter den Noten gezogen und mit Anfangs- und Endwinkeln verziert, fertig! Nicht ganz so komfortabel wie bei Forte, dafür stürzt nichts ab, was ja auch Vorteile bringt...Anbei ist ein Screenshot vom gegenwärtigen Stand meiner "My way"-Bemühungen in MuseScore, bei denen noch einiges wie Bassbegleitung und Terz/Quinten-Aufhübschung fehlt. Der Sceenshot von Forte zeigt nach einigen Stunden Klickorgie und dutzendfachem Neustart das Ende meiner Arbeit mit diesem Programm. Zum korrekten Setzen der Noten bin ich da noch gar nicht gekommen. In MuseScore stimmt dagegen die Optik, das Programm arbeitet stabil und am Ende werde ich ein Blatt mit Griffschrift haben, nach dem ich üben kann, bis ich es auswendig spiele. Jedes Mal neu die Töne suchen zu müssen, nervt nämlich erheblich und da ich nirgendwo den alten Sinatra-Klassiker als Griffschrift gefunden habe, wollte ich halt selbst mal ran.

    Mal zu schauen, wie es die Profis machen, ist ein hervorragender Ansatz! In eine Michlbauer-Datei zu schauen, da bin ich gar nicht drauf gekommen, obwohl ich reichlich davor erstanden habe. Ich wollte den Verlag schon anschreiben wegen ihres Notenprogrammes, das kann ich mir jetzt sparen und werde mir Finale mal anschauen. Die Testversion läuft 30 Tage.

    Plugins sind hohe Schule bei der Harmonika, besonders die Umwandlung von Noten in Griffschrift ist wohl bedeutend anspruchsvoller als der umgekehrte Weg. Doch wer will eigentlich Griffschrift in Noten umwandeln? Fast alles an Liedgut für die Steirische ist als Notenausgabe in allen möglichen Tonarten zu haben. Es bleibt also der steinige umgekehrte Weg von der Note zum Knopf! Hier steht sich die Steirische selbst im Weg. Ich darf aus "Alles im Griff? Symposion zur Steirischen Harmonika" , Seite 54, zitieren:

    "11 Töne gibt es ein Mal,
    14 Töne zwei Mal,
    5 Töne drei Mal
    und 3 Töne vier Mal"!

    Da wird sich so mancher Programmierer schnell die Haare raufen. Dazu kommen immer neue Ideen von Halb- und Molltönen und Tastenbelegungen und sicherlich ist die fünfte Diskant-Reihe schon in Planung. Seit vielen Jahren wird immer wieder ein neues Stück Ofenrohr an die Kiste angelötet. Wer sich programmiertechnisch da dran wagt, darf weder Tod noch Teufel fürchten.

    Mit zunehmender Verbreitung der Steirischen könnte sich allerdings irgendwann der Aufwand für eine Lösung der Umwandlung lohnen. Nicht jeder mag sich auf den eher reduzierten Lieder-Pool aus dem schönen Süden Europas beschränken. Meine Bemühungen um "My way" kommen ja auch aus purer Verzweiflung, mal was anderes zu spielen als Alpen-Musi.

    Viele Grüße

    Ted

    Anhang:

    musescore3.jpg forte.jpg
     

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  9. Claus

    Claus Brass/Keys Trompete Moderator HCA

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    Erstellt: 21.07.20   #9
    Der Verlag benutzt Finale, weil das in den 90er Jahren das einsame professionelle Programm für DTP war, die Alternative hieß manueller Stich auf Druckplatten.

    Diese Zeiten sind lange vorbei und Finale hat m.E. leider den Anschluss verloren, weil man vor 20 Jahren bei Erscheinen von Sibelius den Braten nicht gerochen hat. Aktuelles Multimedia ist mit Finale unmöglich, die entsprechenden Funktionsansätze mussten in den letzten Versionen zurückgestutzt werden. Der Midisequenzer holpert und stolpert aktuell aber genauso asynchron wie in den frühen Versionen des Programms.

    Mit der Entwicklung von MuseScore in revidierter Version ist der Zug m.E. eigentlich abgefahren, was den Benutzerkreis ambitionierter Amateure und vieler Berufsmusiker angeht.
    Die Schlachtschiffe Finale und Sibelius haben es in Konkurrenz zu MuseScore zunehmend schwerer und Dorico kommt m.E. zu spät für diesen Markt, es exisitiert nur auf Yamahas Gnaden.

    Soll heißen, MuseScore 3.x kann alles, was man so braucht und will. Es bietet außerdem den Komfort einer zeitgemäßen Programmierung und aufgeräumten Oberfläche.
    Wenn man damit Probleme hat, dem wird Finale dank seines kryptischen Interface ungeahnte Gefühle bescheren. :evil:
    Das ist jedenfalls meine Einschätzung nach über 20 Jahren mit Finale Vollversionen, zuletzt V.25.

    Gruß Claus
     
  10. Be-3

    Be-3 Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 21.07.20   #10
    MuseScore wird immer besser, wird auch von vielen hier genutzt.
    Ein Austausch mit anderen ist auch problemlos möglich (PDF), vor allem kann jeder bei Bedarf das Programm schnell, problem- und kostenlos bei sich installieren.

    Ich hatte zuerst gedacht, das konkrete Programm sei eigentlich sekundär, es ist immer das Programm am schnellsten, das man am besten kennt.
    Aber dass Forte so oft abstürzt wie Du berichtest und in Version 11 noch Kinderkrankheiten hat, hätte ich nie gedacht.

    Besonders schlimm aber finde ich, wenn die einfachsten und grundlegendsten Regeln der Kunst missachtet werden. In Deinem Forte-My-Way-Beispiel habe ich meinen Augen nicht getraut und hier einen Ausschnitt gewählt, bei dem ironischerweise der Text "richtig" daruntersteht:

    forte-griffschrift-ties.png

    Ein Haltebogen geht immer (ja, liebes Forte - immer!) von Notenkopf zu Notenkopf.




    Siehst Du - genau das meinte ich mit "professioneller Ausgabequalität".
    Im Profi-Bereich reicht nicht "man kann's doch lesen!", da spielt neben der reinen Funktionalität noch die Ästhetik eine wesentliche Rolle.

    Ich habe bei mir noch Finale und Sibelius als jeweils abgelaufene Testversion installiert, die sich weiterhin benutzen lassen (nur ohne Speichern und mit anderen Einschränkungen).
    Die nutze ich regelmäßig, wenn ich ausprobieren möchte, wie das eine oder andere Programm mit der einen oder anderen Aufgabestellung umgeht.

    Aber Du musst jetzt nicht unbedingt auf Finale umsteigen, nur weil Michlbauer das benutzt.
    Das könnte genau so gut Sibelius usw. sein, die Verlage wechseln nur eben nicht ihr Notensatzsystem wie andere das Hemd.

    Wie Claus so überaus richtig schreibt:
    Trotzdem eine kleine Widerrede meinerseits: das berühmte SCORE von Leland Smith (noch auf MS-DOS-Basis!!!) aus den 80ern war ein echtes professionelles Programm, das meiner Meinung nach sogar Finale überlegen war.
    Nur war es eben recht aufwendig und kryptisch zu bedienen (Text-Eingabe von Tonhöhen, Notendauern, Artikulationszeichen usw. jeweils ein eigenen, sequentiell abzuarbeitenden Schritten. Dagegen ist LilyPond ein Kindergarten).
    Aber man hatte volle Kontrolle über alles, worauf es letztendlich ankommt.

    ... und im Grunde hat Sibelius (bzw. Avid) sich selber ins Knie geschossen, als sie damals das komplette Londoner Entwicklerteam vor die Tür gesetzt haben. Die haben dann nämlich kurzerhand Dorico aus der Taufe gehoben und konnten durch den kompletten Neubeginn die alten Zöpfe abschneiden und ein wirklich modernes und innovatives Programm entwicklen.
    Es ist halt noch recht jung und muss gegenüber der Konkurrenz noch ausgebaut werden, aber der Ansatz ist sehr innovativ und vielversprechend.

    Wichtig ist immer: prinzipiell gute Notensatzqualität und Eingriffsmöglichkeiten, denn am Ende muss immer noch der Mensch entscheiden.


    Der Weg von Griffschrift nach Noten ist dahingehend "einfacher" weil jeder Knopf einer eindeutigen Note zugeordnet werden kann (ein c' ist ein c', egal, welchen Knopp man drückt). Somit ist das Ergebnis eindeutig.
    Im umgekehrten Fall muss man oft eine Auswahl treffen, was automatisch nur schwer bis überhaupt nicht möglich ist.


    Och, ich finde das schon nicht ganz uninteressant, denn Noten repräsentieren (völlig unabhängig vom Instrument) musikalische Inhalte.
    Griffschrift hingegen (wie auch Gitarren-Tabulatur) ist nur eine Instrumenten- und stimmungsabhängige Landkarte und Bedienungsanleitung.
    "Der achte Knopf in der zweiten Reihe" hat keinen musikalischen Gehalt.

    Vielleicht können einige auch Griffschrift lesen und haben sofort eine Klangvorstellung im Ohr, aber die wäre wieder Instrumentenabhängig. Das ist ja wie Lochkartenlesen. ;)


    Das Problem sind noch nicht einmal so sehr die Haare, sondern wie man dieses Mehrdeutigkeits-Problem idealerweise lösen soll, damit es möglichst benutzerfreundlich wird.

    Am Ende bleibt (meine persönliche Erkenntnis, andere mögen das anders sehen): Es ist gut, wenn man weiß, was man will und dann gleich die Notenköpfe auf die Griffschrift-Positionen setzt, die man möchte.
    Ausnahme: LilyPond ist ja immer am musikalischen Gehalt orientiert, da gibt man tatsächliche Töne ein, also z. B. auch beim "normalen" Notensatz immer ein fis, wenn ein fis klingen soll - ungeachtet der Vorzeichen.
    Das kann ich ja rein interessehalber mal bei Gelegenheit anhand Deines My-Way-Beispiels demonstrieren, da brauche ich aber ein wenig Zeit.


    Diese vielen chaotischen Bass-Systeme machen es leider unmöglich, kommerziell Noten für Steirische anzubieten, die auch nur halbwegs die erweiterten Möglichkeiten nutzen.
    Oder man versucht, wie Michlbauer, ein "System Michlbauer" durchzusetzen.

    Alles in allem eine Katastrophe, denn am Ende kann im Extremfall jeder nur "sein" individuelles Instrument spielen und braucht eine personalisierte Griffschrift.
    Oder eben 08/15 mit Tonika, Subdominante und Dominante - fertig!

    Viele Grüße
    Torsten
     
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