phrygische Melodie ohne Begleitung?

von ginod, 10.11.08.

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  1. ginod

    ginod Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 10.11.08   #1
    Hi,

    Ich kenne die Anwendung von Modi bisher nur mit der Akkord Skalentheorie. Also wenn ich z.B. die G-Dur Tonleiter über eine Bm Harmonie spiele, erzeugt dies phrygischen Klangcharakter.

    Allerdings habe ich jetzt auch von MElodien gehört, die ohne jegliche Begleiteung nach phrygisch klingen. Wie ist sowas ohne Begleitung möglich? kann mir jemand erläutern, warum man ohne Begleitung einen modalen Charakter erzeugen kann?
     
  2. MaBa

    MaBa HCA Musiktheorie HCA

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    Erstellt: 10.11.08   #2
    Das funktioniert genauso wie mit einem Begleitakkord oder mit modalen Kadenzen.
    Wichtig ist, daß der Grundton etabliert wird und der markante Ton auch gespielt wird.

    Wenn du nur eine Melodie spielst, dann mußt du den Grundton hervorheben, indem du die wichtigen Akkordtöne auf betonte Zählzeiten spielst.

    phrygische_melodie.mp3

    Gruß
     
  3. CUDO II

    CUDO II Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.11.08   #3
    Wie MaBa schon sagte, wichtig dabei ist die zeitliche Gewichtung des Grundtones und die Präsenz des charakteristisch Tones des jeweiligen Modus.
    Zum einfachen Merken - der charakteristische Ton eines Modus ist immer der Ton, der ihn vom Ionischen bzw. Aeolischen unterscheidet.

    Hinzu kommt die Kenntnis von den Klauseln. Das sind melodisch kadenzierende Wendungen. Ob Tenor-, Diskant- oder Altklausel, sie finden außer auf der Finalis auch auf der Confinalis und Repercusa statt. Sie sind sozusagen die Komma und Punktsetzung in den Melodien.
    Finalis, Confinalis und Repercusa sind von Modus zu Modus verschieden.
    Dazu und zu den Klauseln solltest Du Dir mal Literatur besorgen.

    Höre die aus dem Evangelischen Gesangsbuch (EG) oder dem katholischen "Gottes Lob" (GL) auch mal folgende Lieder an:


    Dorisch

    * O Heiland reiß die Himmel auf (GL 105 ö, EG 7, 1666)
    * Tauet, ihr Himmel, von oben (GL 117 (1)) nach Rorate coeli (Gregorianischer Choral (Introitus) vom 4. Adventsonntag, 9. Jahrhundert)
    * Nun komm, der Heiden Heiland (Hymnus, 11. Jahrhundert) nach Veni, redemptor gentium (Text von Ambrosius 4. Jahrhundert, Deutscher Text Martin Luther 1524), (EG 4)
    * Herr, send herab uns deinen Sohn (GL 112, 1608)
    * Gottes Lamm, Herr Jesu Christ (GL 161, 1945)
    * Wir danken Dir, Herr Jesu Christ (EG 107, GL 178 ö, 1560)
    * Victimae paschali laudes, Dem Osterlamm, das geopfert wurde (Ostersequenz, GL 215, 11. Jahrhundert)
    * Veni sancte spiritus, Komm heiliger Geist, Pfingstsequenz (GL 243, um 1200)


    Phrygisch

    * Aus hartem Weh die Menschheit klagt (GL 109, 1537)
    * Gott, heil'ger Schöpfer aller Stern (GL 116, EG 3, um 1000; deutscher Text: Thomas Müntzer 1523)
    * Aus tiefer Not schrei′ ich zu dir (EG 299, GL 163, 1524)
    * Erbarme dich, erbarm dich mein (GL 164, 1582)
    * O höre, Herr, erhöre mich (GL 167, 1602)
    * O Herr, nimm unsre Schuld (GL 168, 1964)
    * O Herr aus tiefer Klage (GL 169, 1935)
    * O Haupt voll Blut und Wunden (EG 85, GL 179 ö, vor 1250) Hörbeispiel ?/i
    * Es sungen drei Engel (GL 186, 1605)
    * Da Jesus an dem Kreuze stund (GL 187, 1495)
    * Pange lingua (GL 543, 12. Jahrhundert)


    Lydisch

    * Credo III, (GL 423)
    * Gloria VIII (GL 406)


    Mixolydisch

    * Lobt Gott, ihr Christen alle gleich (GL 134, EG 27)



    CIAO
    CUDO

    P.S.
    Die Liste ist kopiert aus Wikipedia. Habe das nicht alles überprüft. Sorry!
     
  4. ginod

    ginod Threadersteller Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 12.11.08   #4
    Also beim 2. Beitrag kam ich nciht mehr ganz mit. ALso das ich die Töne, die sich unterscheiden hervorheben muss ist irgendwo klar, sonst unterscheidet sich ja nichts. Aber die Fachbegriffe da konnte ich nix mit anfangen, obwohl ich Frank Haunschild durchgelesen habe :D .

    Allerdings habe ich noch nicht wirklich verinnerlicht welche Intervalle sehr typisch sind. Also Bezug zum Grundton der Kirchentonleiter ist schonmal klar, aber ich habe gemerkt, dass die Töne der dazugehören Pentatonik wesentlich weniger den Klangcharakter zum Vorschein bringen als die 2 Töne durch die Halbtonschritte, die bei der Dur Tonleiter hinzugefügt werden. Ich finde, wenn man die 2 bei der Pentatonik fehlenden Töne zusammen mit dem Grundton der jeweiligen Tonleiter spielt, der Klang am meisten zum Vorschein kommt.

    Kann ma ndas so stehen lassen?
     
  5. Funkeybrother

    Funkeybrother Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 12.11.08   #5
    Schon klar: die Töne, die bei der Pentatonik fehlen sind die, die den Unterschied zwischen Dorisch, Aeolisch und Phrygisch ausmachen.
    Alle diese Skalen enthalten auf dem Grundton aufgebaut die herkömmliche Moll-Pentatonik (I,--,bIII,IV,V,--,VI).

    Was die Phrygische Skala ausmacht, also von den anderen beiden Modi unterscheidet ist die kleine Sekunde, also der Halbtonschritt von der ersten zur zweiten Stufe. Die kleine Sexte, die auch nicht in der Moll-Pentatonik enthalten ist, hat Phrygisch mit Aeolisch gemein.

    Das Hörbeispiel von MaBa enthält übrigens sowohl die kleine Sekunde als auch die kleine Sexte.
    Dorisch hätte als einzige der drei Skalen die große Sexte das wäre also hier der "Erkennungston".

    (Mit den Fachbegriffen die CUDO benutzt kann ich übrigens auch nicht so viel anfangen - Finalis? Confinalis?? Repercusa??? :confused: Großes schwarzes Loch...:D)
     
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