Pickguard- und Satteltausch an einer Squier Vintage Modified Strat


Tremar
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Ein sensationelles Schnäppchen (https://www.musiker-board.de/threads/der-schnäppchen-thread.112507/page-95#post-7310089), das ich mir angeschafft hatte, weil meine geliebte Schwedin nach nunmehr 5 Jahren endlich die Modifikationen durchlaufen soll, die ich von Anfang an vorgesehen hatte.

Nachdem ich aus familiären, gesundheitlichen und beruflichen Gründen in den letzten Jahren aber sowieso kaum noch zum Spielen kam, schien es erst recht keine gute Idee, die einzige verfügbare E-Gitarre auch noch auseinanderzureißen, um dann auf unbestimmte Zeit überhaupt nicht mehr üben zu können.

Deshalb musste eine Zweitgitarre her. Eigentlich war ich auf der Jagd nach einer Yamaha Pacifica, als ich über diese Squier stolperte. Nun bin ich nicht wirklich Fender- oder Strat-Experte und konnte daher aus dem Design erstmal nichts bezüglich Serie, Qualität, Baujahr oder was auch immer schließen.

Nach etwas Recherche hatte ich dann aber raus, dass es wohl keine Bullet oder Affinity war sondern eine Vintage Modified (kleine Kopfplatte, tortoise pickguard, vintage tremolo, …). Wow! Die sollen doch ähnlich gut sein wie die Classic Vibes! Nicht übel für den Preis – und ein Verstärker ist auch noch dabei. Gut, das wird nix sein - aber ´n Zwanziger ist da ja vielleicht als resell-value auch nochmal drin.

Gesagt, getan, gekauft und erstmal über der Beute gemantelt. Vom Zustand her war die Gitarre top; fast unbenutzt. Einige Verfärbungen, vermutlich von buntem Kunstleder oder so, einige klitzekleine Kratzer und Dents und unterirdisch eingestellt. Ansonsten Hochglanz. Aaaber: Aus einer gekauften Gitarre muss imho immer erst eine eigene Gitarre WERDEN. Mir war sofort klar, dass ich neben dem obligaten Setup auch an Hardware und Optik Hand anlegen würde.

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Tortoise sieht auch nicht immer und überall gut aus… Die Bünde mussten poliert werden und den Sattel wollte ich gegen was Reelles tauschen.

Es stellte sich zunächst heraus, dass eine flüsterleise Saitenlage, wie ich sie von der Hagstrom kenne und liebe, nicht zu machen war. Irgendwo schlug es bei sehr niedrigen Einstellungen immer an. Was ich realisieren konnte, nachdem ich sogar mit dem neck angle herumhantiert, das allerdings anschließend wieder rückgängig gemacht hatte, reicht mir aber vorerst, habe ich beschlossen. So schlecht ist es nicht und ich will jetzt nicht die Fahrt verlieren. Bünde abrichten spare ich mir für später auf…

Also lautete das verbliebene Arbeitspaket:

- Bünde und Griffbrett reinigen und polieren
- Backplate und pickguard tauschen
- Sattel tauschen
- Pflegen und einstellen

1. Bünde und Griffbrett reinigen und polieren

Ich denke, wie das geht, weiß wohl jeder und hier gab es weder besondere Schwierigkeiten, noch außergewöhnliche Erfolgserlebnisse. Eine Fleißaufgabe und als solche dann auch relativ unspektakulär erledigt. Weiter im Text.

2. Backplate und pickguard tauschen

Die Ersatzteile stammen aus der edlen Hausschmiede des großen T. Ich werde ja nicht den Anschaffungspreis der Gitarre durch ein paar Plastikteile mit ´nem großen ‚F‘ drauf verdoppeln! ;o)

Erste Anprobe: Sieht ganz gut aus; könnte passen. Natürlich steckt aber hier der Teufel im Detail. Tatsächlich waren die Bohrungen der Neuteile nicht mit den vorhandenen Löchern in Deckung zu bringen. Hätt‘ mich auch gewundert – und eben deswegen hatte ich mir bereits Rundholz in verschiedenen Stärken zurechtgelegt, in der Hoffnung, ich könnte die „falschen“ Löcher mit überschaubarem Aufwand füllen, bevor ich neue für die Ersatzteile bohre.

Zahnstocher waren etwas zu schlank, funktionierten aber prima als Tiefenmesser. Für die Füllung wurden es schließlich Cocktailspieße. Press fit – perfekt. Mit dem Dremel abgelängt, oben und unten auf der mit doppelseitigem Klebeband und drei Körnungen Schleifpapier präparierten Fensterbank plan geschliffen und mit dem Holzhammer und einem Stück Hartholzleiste als „Vermittler“ eingetrieben.

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Das wird knapp, mit dem neuen Loch da oben links…

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Passt. Angefangen hatte ich mit der backplate, danach ging es ans pickguard: Zuerst fummelt man die Knöppe ab.

Volume, Tone 1, Tone 2 und den Hut vom Bladeswitch. Sitzen die sehr fest, kann man sie entweder rundherum leicht anhebeln (z. B. mit einem Buttermesser, Tortenheber, etc.), oder aber ein Handtuch oder ähnlich stabiles Stück Stoff drumherum und darunter würgen, zuzwirbeln und vorsichtig aber beherzt nach oben ziehen.

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Nachdem das bewerkstelligt war, ging es ans Lösen der Schrauben. Da kein Wechsel elektronischer Bauteile vorgesehen war (die DUNCAN designed SCs klingen imho super), bot es sich an, ein Handtuch unter das Schlagbrett zu legen, in das man die abgelösten Bauteile betten kann und einfach draufloszuschrauben. Wichtig ist, dass man auf die unter dem guard befindlichen Scheiben, Federn, etc. aufpasst. Auch da hilft das Handtuch.

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Bei der Gelegenheit möchte ich anmerken, dass es unter dem PG prima aussah. Nun ist das ja eigentlich gar nicht wirklich wichtig und auch kein Hexenwerk – selbstverständlich ist es aber auch nicht, wie ich z. B. von meiner letztendlich über zwanzigmal so teuren Schwedin weiß. Es sah in der Squier einfach ordentlich, sauber, „präzise“ aus. Hier hat sich jemand Mühe gegeben! Mir gefällt sowas, ich kann’s nicht ändern.

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Ich war merkwürdiger- und ungewöhnlicherweise clever genug, mir die Pickuphöhen vor dem Ausbau zu notieren, denn der Klang über meine Anlage erschien mir von PU zu PU und auch von Bass zu Diskant sehr ausgewogen. Keine Not, hier etwas zu ändern.

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À propos: Man wird mich niemals „Boutique-Tonabnehmer“ kaufen sehen, von daher werden mich die „PU-Gourmets“ unter den Lesern für das folgende statement womöglich milde belächeln:

Ich bin beeindruckt, wie leise die SCs im Ruhezustand sind und im Einsatz trotzdem absolut Strat-typisch klingen. Vom Output sind sie dabei kaum schwachbrüstiger als die Custom 58 HBs z. B. der (Super) Swede. Exzellente Pickups imho!

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Wie auch immer, weiter geht‘s. Das PG(neu) wurde jetzt mit der faul herumliegenden Elektronik bestückt. Das ging relativ problemlos; ein paar spannende Momente, als die PU-Kappen nicht auf Anhieb durch die Ausfräsung wollten. Passt aber! ‚Saugend-schmatzend‘, sozusagen; was wohl eher ein Vor- als ein Nachteil ist. Dann kann man ja einen ersten Annäherungsversuch zwischen Lochmuster alt und PG neu wagen! Elf Löcher hat das Ding, fünf passten – fast halbe-halbe immerhin… Also die „danebenen“ Löcher auf bewährte Weise ver-cocktailstäbchen-füllt.

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Okay, PG wieder drauf und mit einem dicken Kreuzschlitz-Bit (‚dick‘ wegen der so quasi automatischen Zentrierung durch den Rand der Bohrung im neuen pickguard) vorsichtig die neuen Löcher vorgekörnt. Dann mit dem Bohrer nachgesetzt und anschließend alles wieder verschraubt.

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Et voilá. Passt und sieht gut aus. Wie gewünscht! Nun zu etwas völlig Anderem:

3. Sattel tauschen

Bei den Plaste-Parts war ich geizig. Bei einem Sattel sehe ich die Sache grundsätzlich anders: Hier sollte es gern TUSQ sein – der darf dann auch ein paar Euro kosten.

Graph Tech GTPQ0 Gitarrensattel ST-Style


Geht ja nun auch alles noch, arm wird man dabei nicht…

Der TUSQ-Sattel wird in einem „Mal-sehen-was-kommt“-Zustand geliefert. Er ist elegant gebogen – dem vermeintlichen Griffbrettradius folgend, hat mittig aber einen Steg, auf dem er ruhen soll, wenn er in einer flachen (nicht konvex gewölbten) Sattelnut installiert wird.

Solche Nuten gäbe es bei replacement necks, hatte ich irgendwo gelesen und rechnete deshalb nicht damit, dass mir das Konvexschleifen der Unterseite erspart bleiben würde. Blieb es aber. Also entweder ist das mit den replacement necks nur die halbe Wahrheit oder Squier macht es eben anders als Fender, oder, oder, oder. Die Sattelnut ist jedenfalls topfeben.

Allerdings brauchte es einige Zeit und Nerven, das überhaupt herauszufinden, denn die Spezis, die den ersten Sattel eingesetzt hatten, haben ihn großzügigerweise auf der vollen Länge verklebt.

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Man kann sich vielleicht vorstellen, wie glücklich ich darüber war. Leider ging die Demontage dann auch tatsächlich nicht ganz ohne Beschädigungen ab. Trotzdem bin ich mit mir im Reinen. Als das Ding schon nach ersten zaghaften Versuchen irreparabel beschädigt war (stellenweise war er wohl schon angeknackst), also ´raus MUSSTE, habe ich nicht mehr versaut, als es jeder Andere auch hätte riskieren müssen.

Bilanz dieses mit Abstand nervenraubendsten Teils der Arbeit jedenfalls: Ein Chip brach aus der hinteren Nutenwand heraus, den ich mit entsprechendem Kleber wieder eingesetzt habe. Man sieht es – erst recht, wenn man weiß, dass es da ist. Von der Festigkeit und Funktion her habe ich aber keinerlei Bedenken. What shall’s – sowas passiert sogar den besten Gitarrenbauern (etwa beim refretting), insofern geißele ich mich da nicht übermäßig.

Ein Stück des alten Sattels in der Mitte der Nut war aber auch geradezu biestig. Herausbekommen habe ich es erst mit Hilfe eines weiteren Sattel-Rohlings (HB, Plastik, eines von zwei für den Notfall mitbestellten Ersatz-Ersatzteilen), den ich auf Nutenbreite zurechtgeschliffen und dann unsanft mit dem Holzhammer traktiert habe, bis das räudige Stück Dr***splastik endlich das Feld räumte. Als ultima ratio wäre sonst nur noch das Stecheisen geblieben.

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Den „Notfall-Sattel“ habe ich anschließend mit Schleifpapier beklebt und damit liebevoll die Nut geglättet, damit der TUSQ-Sattel überall plan und eben an- und aufliegen kann.

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Das Einpassen des neuen Sattels selbst ging Gott sei Dank wieder angenehmer vonstatten. Die Fensterbank leistete hier wertvolle Dienste; das Material lässt sich gut schleifen und auch die „Freihand“-Passagen im Bereich der Ecken des Sattels sind mir ganz ansehnlich gelungen. Bearbeitet werden mussten im Wesentlichen die Stärke und die Breite. Letztere, damit der Sattel nicht über das Griffbrett hinausragt.

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Das gute Stück passt nun jedenfalls perfekt und so habe ich – auch im Gedenken an kürzlich gemachte Erfahrungen – komplett auf Kleber verzichtet. Herrjeh, auf vielen Archtops steht die Brücke ohne jegliche Befestigung nur unter dem Zug der Saiten! Und hier war wirklich kein Yota Bewegung möglich. Wie auch immer, sollte sich die Notwendigkeit doch irgendwann erweisen, kann ja problemlos nachgeklebt werden.

4. Pflege und Einstellen

Weil wir mal dabei sind, werden Bünde und Griffbrett natürlich schnell mit etwas Schmiere verwöhnt.

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Dann neue Saiten drauf! BTW; ich möchte bei der Gelegenheit mal DR Strings empfehlen. Klingen fantastisch und halten ewig, korrodieren quasi nicht und fassen sich prima an. IMHO, natürlich. Ende der Werbung; zurück zum Thema.

Relief und neck angle hatte ich schon unmittelbar nach dem Kauf in etwa eingestellt, respektive überprüft. Langfristig werde ich die Bünde abrichten, einfach um meinen Ehrgeiz zu befriedigen. Mittelfristig lebe ich mit einem halben Millimeter mehr Saitenlage. Selbige und die Intonation geprüft, bzw. eingestellt und dann sind wir auch fertig!

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Hat gut geklappt, sieht prima aus, alles funktioniert, klingt traumhaft – supi!

Jetzt ist dann also die Schwedin dran. Ich hab‘ das Gefühl, das wird sich länger hinziehen… Zumindest ist das Programm umfangreicher:

- PUs tauschen
- komplette Elektronik tauschen und
- Schaltung verändern (Peter Greeeeen…)
- Bünde abrichten
- Hardware-Parts ersetzen
- büsch‘n refurbishing

Ich hoffe, ich komm' demnächst dazu...​
 
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