Lieber Mondluchs,
diese Version spricht mich tatsächlich stärker an. Viel stärker. Ich empfinde das LI in beiden Fällen depressiv. Die ganze Welt verschwimmt ihm zu einem grauen Gewässer. Nichts kommt hinzu. Nichts fließt ab. Handlungsunfähig empfindet es - nach meiner Deutung - die Verantwortung einer Beziehung als zu bedrückend. Ist aber, seiner momentanen Verfassung entsprechend, selbst zu einer Trennung unfähig...( eine wunderschöne Frau verriet mir mal, dass sie sich von allen Männer getrennt hat, obwohl sie einige noch heute liebt, aber ihre teilweise lieblosen Männer wären durch die Bank unfähig gewesen, sich selber zu trennen

)
...wenn ich den Song bis dahin nicht total falsch interpretieren, sehnt sich das LI nach seiner Freiheit! Und dieser Ausweg strahlt sonnig in seine geistige Grotte...
...aber MICH spricht eben seine Verlorenheit viel ehrlicher an. Weckt mein MitgefĂĽhl... vor allem, weil ich diese Situation kenne...
hm...während dieses "ich beginne zu versteh / ich kann frei sein" meine Wahrnehmung verändert. Nun beginnt sich das LI zu überschätzen und ich unterstelle IHM plötzlich in Lichtgeschwindigkeit die Schuld an seiner Misere. Das wird dann so ein Psychokram. Und Psychokram spricht sehr wohl meinen Kopf, aber nicht mein Herz an.
Oh, diese Diskussion (auch bedingt durch dein mich wirklich beeindruckendes Vertrauen - ich hab es in dieser Intensität sicher nicht verdient) bringt auch für mich mehr Klarheit über meine Ansprüche. Ein guter Autor sollte mehr wissen, als er im Text vorgibt. Mir erscheint dieses "ich kann frei sein" AUCH ein Versuch des Autoren zu sein, sich irgendwie von seinem jammernden LI distanzieren zu wollen. Weil er, der Autor, natürlich klüger ist. - Aber SEINE Klugheit interessiert nicht. Nur die Glaubwürdigkeit der Geschichte und ihrer Figuren.
@ DugDanger
Du schreibst, dass du dich schwer tust, deine Kritik genauer zu schreiben. Und folgerst, dass gründliches Nachdenken letztlich dazu führen würde, gute Songs auf Knopfdruck schreiben zu können. Die Grenzen eigener Kritik kenne ich nur all zu gut. Auch meine eigenen.
Wenn du aber noch mal liest, wie du Eingangs geradezu gönnerhaft über den Gesang von Mondluchs geschrieben hast, hab ich von dieser Zurückhaltung nichts gespürt. Beispiel gefällig : "Klar doch fehlt dir in der Bridge die Stimme..." - ist wirklich KLAR, das Mondluchs da die Stimme fehlte... Oder war die Kläglichkeit ein Gestaltungsmittel?
Ich habe nichts gegen naive Meinungsäußerungen. Im Gegenteil. Aber reine Naivität kann sich für sehr vieles begeistern. Ist ohne Vorurteile....weil sie (noch) nicht auf negativen Erfahrungen aufbauen kann oder will...Bist du im Prinzip ohne Vorurteil?....
ich respektiere fremdes Feedback. Aber nachdem Du mich hier angesprochen hast...
Nun wenn wir uns einig sind, dass das alles nicht so klar und eindeutig ist, haben wir auch keine Meinungsverschiedenheit.
