Reallife- wie schafft man es so flexibel zu sein

ginod

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Hi,

mich beeindrucken wirklich viele Gitarristen durch ihren Stil, ihre Technik, ihr Feeling etc. doch was mich wirklich äußerst fasziniert sind manche Berufsmusiker, welche auch oft für Notfälle gebucht werden, oder Gitarristen die sofort bei allem durchblicken und los legen können.

Ich habe manchmal das Gefühl ich übe gar nicht praxis orientiert. Ich sitze hier in meinem Wohnzimmer und übe jeden Tag einige Stunden Gitarre. Ich improvisiere, lerne Licks, lerne Songs, lerne Akkorde, lerne Stilrichtungen, lerne Sightreading etc. blabla. Doch ich bin irgendwie "larm". Nicht larm in den Fingern sondern larm im Kopf. :mad: .

wie schafft man es bitte ohne irgend eine Probe und ein paar hingeschmissenen Notenblättern eine Stunde vor nem Auftritt überzeugend auf der Bühne mit zu mischen?

Ich meine ich selber spiele auch in 2 Bands, aber wir proben. Ich kann mir alles was wir spielen zu Hause in Ruhe durch den Kopf gehen lassen. Aber wenn mir jemand eine Stunde vor nem Gig irgend ein Sheet hinballert und ich soll das gleich auf der Bühne präsentieren wäre mir schon recht mulmig zu mute. (Gehen wir mal nicht von 0/8/15 Wandersongs aus).

Gestern hat mich eine Freundin angerufen. Sie sagte mir sie solle in 3 Stunden auf einer Venisage singen und bräcuhte dringend einen Gitarristen, weil ihr Gitarrist nicht kann, weil seine Mutter gestorben ist (Sie wohnt ca. 1 Stunde Autofahrt von mir entfernt). Sie wolle 5 Mellissa Etheridge Songs spielen, sie habe schon einen Berufsmusiker gefragt d er Klavier spielt, aber der möchte 100 €.

Ich habe das ganze natürlich abgesagt. 1. weil ich keine Zeit hatte 2. weil es zu weit weg war 3. weil ich nicht gewusst hätte wie ich mir in 3 Stunden diese 5 Songs drauf schaffen soll.

Nehmen wir mal es wäre um die Ecke gewesen und ich hätte 300 € bekommen. Würdet ihr auf so ein Angebot eingehen oder würdet ihr sagen "Ne in 3 Stunden 5 songs, pack ich net".

Im Biz scheint das wohl Praxis zu sein und das bewunder ich wirklich. Weil spielen können ja viele diese Songs, aber so flexibel zu sein und so schnell durchzuschalten finde ich wirklich beeindruckend und würde ich mir auch gerne zutrauen.

Weiterhin gibt es so Situationen wo eine Sängerin auf mich zu kommt, ein Lied vorsingt und von mir sofort begleitet werden möchte. Auf solche Situationen war ich nie vorbereitet. Meistens hat es auch geklappt irgendwie, aber ich bewundere Leute die dann auf Anhieb die richtige Begleitung finden. Es gibt irgendwie soviele Sachen die man zu Hause gar nicht üben kann, irgendwie schade ...
 
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Nehmen wir mal es wäre um die Ecke gewesen und ich hätte 300 € bekommen. Würdet ihr auf so ein Angebot eingehen oder würdet ihr sagen "Ne in 3 Stunden 5 songs, pack ich net".
Das würde ich mir zutrauen. Also kommt auf die Musik an. Wenn das jetzt nicht total schweres Zeug ist zumindest..
 
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Ja der SChwierigkeitsgrad ist natürlich jetzt sehr relativ. Abgesehen von Wandersongs ;-).

Aber schon ein z.B. Queen Song würde mich äußerst Bauschmerzen bereiten in der Zeit, wenn ich das noch authentisch rüberbringen soll, wenn ich es vorher noch niemals gespielt habe das Lied.

Aber wenn ich mir überlege, dass ich schon an so manch einem Riff besonders bei Funksongs schon mal ne Weile dran saß, würden mich 5 Songs mit diversen Bridgen und mini Solo schon einschüchtern.

Ich bin weiß Gott kein Anfänger und kann auch Songs spielen weit über so einem Schwierigkeitsgrad, aber so eine schnelle Auffassungsgabe traue ich mir nicht zu und das finde ich natürlich für mich persönlich schon recht traurig und würde daran natürlich gerne arbeiten, aber wie ist natürlich die Frage
 
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Also ich nehm einfach mal mich als Beispiel: Ich hab nie wirklich Songs gelernt weil mir des einfach zu blöd war direkt jede Note nachzuspielen. Dadurch hab ich mir meine eigenen Sachen auf ne Loop-Station gespielt und bin dadurch auch relativ gut im improvisieren geworden. Jetzt hab ich vor vlt. einem Jahr angefangen auf Blues Sessions zu spielen und es gibt immer noch Tage an denen man mir sagt: "Hey, war saugeil!" und ich hab dann immer im Hinterkopf dass ich kein einziges von den Liedern kannte, geschweige denn spielen konnte. Ich spiel halt mein Kram oder schau den anderen Gitarristen auf die Finger.

Aber den Gig hätt ich angenommen weil des glaub ich schon zu machen ist. Und außerdem hat man ja wohl ne sehr gute Entschuldigung falls nicht alles nahtlos klappt. Man kennt die Lieder schließlich erst seit 2 Stunden.

>Greetz MaX
 
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da fällt mir auch auf: ich hab auch schon öfter mal auf der bühne gestanden und gejammt oder lieder nicht so ganz gekannt. Lief eigentlich oft relativ gut, manchmal zwar auch scheiße, aber mein Gott, man lernt ja was dabei ;)
 
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Ich muss mal meine Drummerfahrung hier mit einbringen: Wenn man wirklich in der Lage ist, zu improvisieren und auch recht schnell sich in komplexe Songaufbauten zurechtfindet, kann man sowas auf jeden Fall machen. Ich habe mal einen gig gespielt (ca. 5 Lieder), da haben wir einmal vorher geprobt und dann lief alles, obwohl ich nur ein Lied davon richtig kannte. Man muss dafür aber auch eine gewissen Disziplin haben, dass man überhaupt sich dazu bringt, sich mal aktiv 2 Stunden in Songsrein"fimmelt" und danach genau weiß, wie's geht. Schwierige Sache, aber ich würde es jeder Zeit machen. :)
 
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hm... der Vorteil am Schlagzeug ist, dass wenn man Songgefühl hat und sicher ist auch einfach mal irgendwas mitspielen kann, ohne sich irgendwelche Akkordabläufe merken zu müssen^^
 
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Ja, das stimmt, aber bei den Drums musst du dir auch genug merken und vor Allem orientieren sich alle an dir, klar, ist nicht das gleiche, aber ist denke ich beides schaffbar. ;)
 
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ja, denke ich auch. aber das ist schon ein unterschied. ich habs da auch öfter mal mit meinem Bruder drüber (->Schlagzeuger) :D
 
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Wobei man eine Jam Session jetzt nicht mit einem Gig vergleichen sollte. Bei der Jam Session ist es ja komplett normal vorher nicht zu wissen was man auf der Bühne spielen wird. Da spielt man auch meistens eher simple Abläufe und hat alle Freiheit für das Improvisieren eventuell auch mal aus dem REal book ein STandard oder einen Blues. Das ist ja bei richtigen Songs nicht so und ein Sänger verlässt sich ja auf einen, dass er gut begleitet wird.

Bei einer Jam session ist mir das auch immer völlig egal, da muss man sich einfahc reinstürzen aber wenn ich für meine Leistung bezahlt werden würde, wäre mir eventuell 2 Stunden Vorbereitungszeit für 5 songs echt wenig, besonders wenn ich die Songs gar nicht kenne und dann sollte man noch hoffen, dass man ordentliche Sheets bekommt. Ich persönlich habe es schon erlebt, dass mir mal jemand eine reine Tabulatur ohne Noten hingelegt hat und ich kannte den Song nicht und sollte mal schnell die MElodie spielen. Da musste mir die Person das auch noch vorsingen erstmal bis ich das mitspielen konnte.

Für mich wäre es sowieso nur machbar, wenn ich die Soli improvisieren dürfte. So schnell mal in authentisches Solo drauf haben nur nach Blattspiel ist schon nicht so lustig :(.

Morgen ist wieder eine Jam Session bei uns in der Stadt. Ich bin gespannt was so passieren wird :)
 
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Für mich wäre es sowieso nur machbar, wenn ich die Soli improvisieren dürfte. So schnell mal in authentisches Solo drauf haben nur nach Blattspiel ist schon nicht so lustig :(.
Das ist bei mir in den allermeisten Fällen auch so...
 
RaZ

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Hi,
ich denke "nur" Abläufe sich zu merken ist einfach eine Sache von ja... Gedächtnistraining. Also ich glaube Berufsmusiker machen das so, dass sie sich das alles für ca. 10 Stunden ins Kurzzeitgedächtnis rufen, aber 3 Tage später wissen sie nicht mal mehr, wann die Bridge kam :p

Hinzu kommt, dass Berufsmusiker wahrscheinlich ALLES schon können, also von den reinen Bewegungsabläufen, das heißt sie müssen wirklich NUR noch den Ablauf lernen. Schwer wird es, wenn man etwas noch nie so gespielt hat, und die Fingerbewegungen erst "lernen" muss. Das hatte ich einmal: " Bekannte von mir: "Hey, du mein Gitarrist ist ausgefallen... In einer Woche bin ich auf einer Hochzeit gebucht uns soll friends for ever singen. Kannst du mich begleiten?" ich: "ömh... jo passt.. Wann treffen wir uns zum proben? 3-4x?" Sie: "hmm... also ich kann nur 2 Stunden bevor wir los müssten.." ich: "Oo oooookay.... ich mach's!"" Naja... ich saß da also, guck mir die Tabs an und denk mir: "gut, diese akkorde, hast du noch nie in deinem Leben gesehen... Naja 8 neue Akkorde lernen in 7 Tagen... Joa das wird lustig^^" Ich hab's im Endeffekt geschafft... Das waren aber auch Akkorde wo einem schwarz vor Augen wird... haben 50€ jeder bekommen und die Braut hat geweint =) Sooo schlecht war ich also wohl nicht =P
 
kypdurron

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Kommt wirklich darauf an, was man spielen soll. Solche Aktionen gab es auf jeden Fall schon, und gerade wenn ich alleine einen Sänger begleite dann muss er auch schlucken, was ich ihm hinwerfe. Zumindest wenn man sich vorher nicht groß en detail abstimmen konnte. Ich kann alle Standardakkorde und die gängigen Variationen und behaupte einfach mal, dass es relativ wenig Popsongs gibt, die man damit gar nicht spielen kann. Natürlich klingt es dann nicht wie im Original, aber zum Drübersingen sollte es reichen.

In einer Band hopplahopp mal mitspielen stelle ich mir dagegen schwierig vor ... schließlich haben die ja auch ihre Arrangements, die ich nicht unbedingt kenne. Auch sehr gute und erfahrene Amateurmusiker / Semiprofis dürften hier an ihre Grenzen stoßen. Wenn man die Songs kennt, zB bei ner Coverband kann das ja sein, sollte es aber möglich sein. Heart of Stone spielen sie dann evtl nicht in C sondern in B, kurz umdenken und fertig ...

Ausnahme natürlich ich soll bei Nick Cave and the Bad Seeds oder Johnny Cash and the Tennessee Three mitspielen. Da würd ich mir einfach nur die Tonart durchgeben lassen, das Zeug kann ich überwiegend auswendig ... aber so was ist damit wohl eher nicht gemeint. ;)
 
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Die JamSessions hier sind nur im Bezug aufs Solo improvisiert. Der Rest ist eigentlich 1:1 der Original Track.

>Greetz
 
H&M

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Als prof. Musiker hat man ja nicht um sonst studiert. Wenn man ein ordentlich Leadsheet bekommt dann söllte es also kein Problem sein die Songs (vom Blatt) zu spielen. Natürlich sind 2 Stunden Vorbereitungszeit etwas kurz (das hätte ich mir z.Bsp. auch nicht zugetraut) aber ich denke, dass man über die Jahre auch Erfahrung sammelt und so mit solchen Situationen immer besser zurecht kommt.
 

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