Reivew: Vox AD30VT-XL

von Moshpit, 13.10.07.

  1. Moshpit

    Moshpit Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.10.07   #1
    Dies ist eigentlich kein objektives Review sondern nur eine sehr subjektive Beschreibung. Ich würde weder zum Kauf raten noch abraten. Ich würde nur jedem empfehlen der einen günstigen Metal-Amp für den Hausgebrauch sucht, dieses gute Stück einmal anzutesten.

    Ich fang mal ganz anders an mit meinem Bericht und zwar mit dem Sound.

    Um eines vorweg zu nehmen: Vox hat die XL Serie ganz bewusst und eindeutig auf alle Spielarten des Metal abgestimmt und sie haben es gut gemacht. Laut eigener Beschreibung simuliert der Vox verschieden Class A bzw. Class A/B Röhrenverstärker aus sämtlichen Epochen der Rockgeschichte die in der Beschreibung aber nicht namentlich genannt werden (ich vermute stark es handelt sich um die üblichen Verdächtigen). In meinen Ohren klingt das auch alles sehr lebendig, vor allem weil der Amp sehr feinfühlig arbeitet, soll heissen die spielerischen Nuancen kommen sehr gut rüber. Wie nah die Sounds an den originalen Vorbildern dran sind kann ich nicht beurteilen da ich die originale zum größeren Teil nie selber gespielt habe.

    Der Vox bietet 11 Amp-Modelle an, die sich in zwei Punkten stets deutlich voneinander unterscheiden: zum einen ist da natürlich der Grad der Verzerrung und zum anderen die grundsätzliche Auslegung von den Frequenzen her: offen, hart komprimiert mit wenig Mitten, höhenlastig, basslastig oder auch sehr mittig. Zwei davon sind eindeutig für cleane Sounds ausgelegt: Glass und Funked. Beide lassen sich jedoch auch schon ein wenig anzerren. Bei Buzzsaw geht es dann schon mit stärker verzerrten Sounds los wobei dann über Crunched, Thrashed bis Raged der Zerrgrad kontinuierlich stärker wird. Bei diesen Modellen bringt der Compressor die Sounds auch schön zur Geltung durch das längere Sustain. Wenn man dann noch Volume aufdreht (und den Master natürlich leiser stellt) ergibt das einen wunderbar knurrigen Sound mit druckvollen Bässen und brillianten Höhen.

    Danach geht es dann aber richtig los. Wer unter Modern, Fluid, Molten, Black oder Damaged nicht seinen (Metal-)Sound findet, dem ist wirklich nicht zu helfen. Die Charakteristik steigert sich, je weiter man beim Wahlschalter nach rechts dreht: heftig, heftiger, am heftigsten, krass, brutal. Der Gain-Regler sollte ab hier zurück gedreht werden auf maximal 14 Uhr. Mehr macht den Sound nicht besser und es wird dann doch etwas matschig. Die 12 Uhr-Stellung dürfte allerdings bei den meisten Gitarren mit Humbucker schon locker ausreichen. Die Klangregler haben bei allen Modellen einen riesigen Regelbereich. Damit kann man die Sounds regelrecht verbiegen. Überhaupt sind die richtig derben Klänge mit abartig hochgezüchteter Hi-Gain Zerre die beste Disziplin dieses Verstärkers.

    Alle Sounds können auch noch mit 11 verschiedenen Effektkombinationen veredelt werden. Über die Qualität der Effekte will ich allerdings nicht schwadronieren da ich noch nie viel mit Effekten gearbeitet habe und daher wenig Vergleichsmöglichkeiten habe. Jedenfalls lassen sich die Effekte mit je maximal drei Parametern sehr einfach einstellen und matschen auch nicht den Sound zu wenn man die Balance zwischen trockenem und Effektsignal 50/50 einstellt. Ich denke wer von einem als Zugabe eingebauten Multieffekt keine Wunderdinge erwartet wird zufrieden sein. Für den Hausgebrauch reicht die Qualität meiner Meinung nach allemal.

    Die als weitere Zugabe eingebaute Rauschunterdrückung finde ich super. Es ist kein Problem die richtige Mischung zu finden, so dass nur Nebengeräusche gefiltert werden ohne das zuviel Sustain flöten geht.

    Mein Fazit: Vox hat nicht zuviel versprochen. Von Black Sabbath bis Slipknot ist wirklich alles in der kleinen Kiste drin. Die Kiste klingt sowohl auf ZImmerlautstärke als auch auf Kampflautstärke geil. Das der Amp nur zwei Speicherplätze hat, hat mich zwar zunächst verwundert aber vielleicht will der Vox auch gar kein typischer Modeller sein und kommt deshalb in diesem Punkt wie ein durchschnittlicher 2-Kanal Verstärker daher. Für den Proberaum finde ich die 30 Watt Version etwas zu klein. Da der Amp nun mal für Metal gebaut ist, dürfte für den Proberaum und die Bühne die 100 Watt-Combo mit 2x12 die erste Wahl sein. Leider fehlt bei der ADXL Serie noch das Topteil. Das gibt es bisher meines Wissens nur für die zahmere AD Serie. Schade eigentlich weil dann auch die 4x12 Fetischisten (wie ich) eine ernsthafte Alternative mehr hätten.

    11 Amp-Modelle wie oben beschrieben

    11 Effekte: Octaver, Compressor, Comp-Phaser, Comp-Chorus, Chorus-Delay, Chorus-Reverb, Flanger-Reverb, Tremolo-Reverb, Rotary-Reverb, Delay und Reverb

    30 Watt Endstufe mit 12AX7 Doppeltrioden-Röhre, stufenlos regelbare Leistung
    12er Vox Speaker
    Anschluss für Fußschalter
    Line-out/Kopfhörer
    2 Speicherplätze für eigene Sounds
    Rauschunterdrückung

    Bedienung:

    sehr übersichtlich: ganz links geht es los mit den Amp-Modellen, dann kommt Gain, Volume, Treble, Middle, Bass, dahinter der Wahlschalter für die Effekte und schließlich Mastervolume. Das Bedienfeld befindet sich oben auf dem Amp was ich bei kleinen Combos die auf dem Boden stehen ganz praktisch finde.

    Darunter befinden sich die Schalter für den Preset-Modus, den manuellen Modus, der Schalter für die beiden eigenen Soundspeicher und die Speichertaste und ganz rechts unten zwei Schalter sowie ein Regler mit denen die Effekte gesteuert werden. Auf der Rückseite ist der Regler für die Ausgangsleistung sowie die Buchsen für Line und Fußschalter.

    Alle Einstellungen kann man fast ohne einen Blick in die Bedienungsanleitung vornehmen. Übersichtlich, funktionell und intuitiv - so wie ich es mag. Die Presets können beliebig editiert werden und auf einem der beiden Plätze gespeichert werden. Wer sich gar nicht erst die Presets anhören will schaltet einfach auf den manuellen Modus und hat im Handumdrehen seine Sounds eingestellt und gespeichert.

    Preis: ich habe ihn bisher überall zum gleichen Kurs von € 299,-- gesehen. Mit 15 Watt, dem kleineren 10er Speaker und ohne Leistungsregler gibt es ihn schon für € 199,--

    Edit: bei der Gelegenheit danke an Musik Meisinger (http://www.musik-meisinger.de/1/index.php). Schnelle und freundliche Abwicklung im Online-Shop. Ist ja leider auch nicht selbstverständlich.
     
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  2. Götterfunke

    Götterfunke Gesperrter Benutzer

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    Erstellt: 13.10.07   #2
    Sehr schön, da hast dir richtig mühe gegeben, sehr aufschlussreich. *Bewert*
     
  3. BLurreD

    BLurreD Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.10.07   #3
    jo danke fürs Review.
    Hab selbst die XL-Serie noch nie in einem Musikladen entdeckt obwohl ich sie mal anspielen wollte.
    Aber so wie du beschrieben hast, sind da größtenteils nur Metal-Sounds drauf.
    Deshalb bin ich net mehr so neugierig den amp anzuspielen, da ich dann doch mit meinem normalen ad50vt ein größeres Spektrum an Sounds hab.
     
  4. Moshpit

    Moshpit Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.10.07   #4
    Vox formuliert es ja selber so, das der Amp auf Metal getrimmt ist. Die Tatsache das man Gain ja auch raus drehen kann relativiert diese Aussage ein wenig und da sind ja nun auch zwei clean-Modelle und immerhin vier die mit eher konventionellen Rocksounds daher kommen. Die ich nenne sie mal nicht-Metal-Modelle find ich schon beim AD ziemlich gut. Da waren in meinen Ohren eher die Hi-Gain Modelle der Schwachpunkt. Beim XL finde ich aber alle Modelle recht gelungen.

    Probieren geht über studieren....
     
  5. cyrus-der-virus

    cyrus-der-virus Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.10.07   #5
    klingt auf jedenfall sehr gut dein Review! Finde leider kaum welche über die 50er/100er Serie :( interessiert mich schon, ob die 50er Bandtauglich sind oder auf der Bühne eine Chance haben z.B... wenn jemand diese noch antestet, oder im internet was bereits gefunden hat, wärs cool wenns nen Link dazu gibt ;D oder Soundsamples (nicht die von der Homepage ;) )

    gruß
     
  6. chaosbringer

    chaosbringer Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 27.08.08   #6
    Was mich noch interessieren würde:
    Wie klingt der Amp über den Line-Out?
    Recordingtauglich?
     
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