Hellier
Registrierter Benutzer
- 27.10.26
- 03.09.22
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Hallo in die Runde,
Gerne zeige ich euch hier ein paar Bilder aus der Werkstatt meines Freundes. Dort liegt gerade die besagte Gitarre von Ehrlich auf dem OP-Tisch und wird in den Zustand zurück versetzt in dem sie vor mehr als 200 Jahren mal war.
Eine unglaublich gute Dokumentation zu Ehrlich und den erhaltenen Instrumenten findet man auf der Seite von Thomas Ochs, welche uns als wichtige Informationsquelle bei der Restaurierung des Instruments dient. Gerne verweise ich an dieser Stelle auf Thomas Homepage:
Grossen Dank an dieser Stelle für seine umfassende Recherche!!
Die Ausgangslage:
Vor einigen Wochen habe ich zwei Instrumente aus meiner Sammlung nach Holland gebracht um sie von einem Fachmann restaurieren zu lassen. Ich durfte dort zwei wundervolle Tage im Gitarrenhimmel verbringen, und als ich durch die noch zu restaurierenden Projekte geleitet wurde fiel mir gleich diese Gitarre von Ehrlich ins Auge. Seine Instrumente kannte ich bereits aus der obigen Publikation, und was soll ich sagen..... Schwupps lag sie im meinem Kofferraum und trat mit mir zusammen die Heimreise an:
Wie man unschwer erkennen kann wurde daran ordentlich herum gedoktert. Der Kollege Trautner aus Ansbach hat das gute Stück im Jahr 1940 ordentlich aufgebrezelt. Der ursprüngliche Hals wurde gegen einen neuen ausgetauscht, dabei ging leider die hübsche Lyra Kopfplatte die da sicher mal drauf war verloren. Ich vermute einfach mal das der ursprüngliche Hals die ersten 130 Jahre wohl nicht unbeschadet überstanden hat, sonst wäre wohl kaum ein neuer zum Einsatz gekommen. Ferner wurde auch der Boden ersetzt, Zargen und Decke sind wohl noch die originalen Teile. Alles etwas beschädigt und nach der letzten "Umbauaktion" erneut restaurierungsbedürftig. Ist ja auch schon wieder 86 Jahre her.....
Der Plan zum Rückbau:
Es war uns relativ schnell klar das wir dem Instrument sein ursprüngliches Aussehen zurück geben möchten. So wirklich viele Instrumente von Ehrlich sind nicht erhalten geblieben, daher war es eine relativ kurze Diskussion. Meinen Freund Zeno konnte ich jedenfalls schnell für diese Projekt begeistern.
Übrigens sind die Instrumente von Ehrlich interessant gebaut, auf diesem Bild kann man gut die Wölbung der Decke am Unterklotz erkennen (wie auch die etwas in Mitleidenschaft gezogenen Zargen):
Die Kopfplatte:
Wie man auf den Bildern aus der Ochs'schen Dokumentation gut erkennen kann fällt dem Betrachter als erstes die Kopfplatte mit ihrer markanten Lyra-Form auf. Die Masse dazu konnte ich aus der Doku entnehmen, weitere Pläne gibt es leider keine. Es war also gute alte Handarbeit (und etwas KI Unterstützung) gefragt um daraus einen ersten Entwurf zu gestalten. Zeno hat diesen gleich in einen ersten Prototypen umgesetzt der sogleich aus Styropor geschnitzt wurde:
Wie geschrieben, ein erster Versuch um ein Gefühl zu bekommen was da noch alles auf uns wartet. Und das wird so einiges sein wenn man die Detailbilder betrachtet.
Die Enthauptung:
Der Hals von Trautner aus dem Jahr 1940 besitzt ja nun ein Griffbrett welches sich erhöht auf dem Korpus in Richtung des Schallochs fortsetzt. Ehrlichs Hälse gehen noch ganz der barocken Tradition folgend plan in den Korpus über, mit dem für die damalige Zeit typischen, sich in den Hals fortsetzenden Teil der Decke. Also noch alte Schule.....
Man darf also gespannt sein was da noch zum Vorschein kommt wenn der Hals erst mal runter ist. Das Ding ist übrigens schwerer als der ganze Rest der Gitarre, bei dem klein dimensionierten Korpus ist das auch nicht wirklich verwunderlich.
Dazu kam als Mittel der Wahl das japanische Präzisions Katana zum Einsatz, wie auch das stets bewährte Bügeleisen um den Leim von Herrn Trautner in die Knie zu zwingen:
Das ging wohl überraschend gut, am Ende der Verstümmelung sah das dann so aus:
Nun, es heisst ja da sich die Lage immer erst verschlechtert bevor es besser wird. Dies scheint hier wohl auch der Fall zu sein, man hat schon schöneres vor Augen gehabt. Am Halsklotz wurde offensichtlich ordentlich herum gebastelt, wie man unschwer erkennen kann.
Erste Stellprobe mit dem Template für den neuen Hals inklusive Kopfplatte:
Das sieht doch schon mal vielversprechend aus und hebt die Stimmung!!
Nächste Schritte:
Was nun noch folgt ist die Öffnung des Kastens, der Boden muss also runter. Die Risse in der Decke und den Zargen müssen verarztet werden, und das geht deutlich einfacher wenn man ungehindert daran arbeiten kann.
Der grosse Ausschnitt des ehemaligen Halsfusses muss danach verschlossen werden, er ist deutlich grösser als der geplante neue. In der Dokumentation findet man Bilder vom originalen, elegant geschwungenen und recht zierlichen Halsfuss. Ehrlich hat seine Hälse definitiv nicht mittels V-Joint am Korpus befestigt, sondern wie damals recht üblich stumpf auf den Korpus geleimt/ geschraubt/ genagelt. Erkennt man gut auf den Röntgenbildern die Thomas Ochs hat anfertigen lassen.
Demnächst geht es weiter, ich hoffe es gefällt euch soweit.
Liebe Grüsse, Michael
Gerne zeige ich euch hier ein paar Bilder aus der Werkstatt meines Freundes. Dort liegt gerade die besagte Gitarre von Ehrlich auf dem OP-Tisch und wird in den Zustand zurück versetzt in dem sie vor mehr als 200 Jahren mal war.
Eine unglaublich gute Dokumentation zu Ehrlich und den erhaltenen Instrumenten findet man auf der Seite von Thomas Ochs, welche uns als wichtige Informationsquelle bei der Restaurierung des Instruments dient. Gerne verweise ich an dieser Stelle auf Thomas Homepage:
Grossen Dank an dieser Stelle für seine umfassende Recherche!!
Die Ausgangslage:
Vor einigen Wochen habe ich zwei Instrumente aus meiner Sammlung nach Holland gebracht um sie von einem Fachmann restaurieren zu lassen. Ich durfte dort zwei wundervolle Tage im Gitarrenhimmel verbringen, und als ich durch die noch zu restaurierenden Projekte geleitet wurde fiel mir gleich diese Gitarre von Ehrlich ins Auge. Seine Instrumente kannte ich bereits aus der obigen Publikation, und was soll ich sagen..... Schwupps lag sie im meinem Kofferraum und trat mit mir zusammen die Heimreise an:
Wie man unschwer erkennen kann wurde daran ordentlich herum gedoktert. Der Kollege Trautner aus Ansbach hat das gute Stück im Jahr 1940 ordentlich aufgebrezelt. Der ursprüngliche Hals wurde gegen einen neuen ausgetauscht, dabei ging leider die hübsche Lyra Kopfplatte die da sicher mal drauf war verloren. Ich vermute einfach mal das der ursprüngliche Hals die ersten 130 Jahre wohl nicht unbeschadet überstanden hat, sonst wäre wohl kaum ein neuer zum Einsatz gekommen. Ferner wurde auch der Boden ersetzt, Zargen und Decke sind wohl noch die originalen Teile. Alles etwas beschädigt und nach der letzten "Umbauaktion" erneut restaurierungsbedürftig. Ist ja auch schon wieder 86 Jahre her.....
Der Plan zum Rückbau:
Es war uns relativ schnell klar das wir dem Instrument sein ursprüngliches Aussehen zurück geben möchten. So wirklich viele Instrumente von Ehrlich sind nicht erhalten geblieben, daher war es eine relativ kurze Diskussion. Meinen Freund Zeno konnte ich jedenfalls schnell für diese Projekt begeistern.
Übrigens sind die Instrumente von Ehrlich interessant gebaut, auf diesem Bild kann man gut die Wölbung der Decke am Unterklotz erkennen (wie auch die etwas in Mitleidenschaft gezogenen Zargen):
Die Kopfplatte:
Wie man auf den Bildern aus der Ochs'schen Dokumentation gut erkennen kann fällt dem Betrachter als erstes die Kopfplatte mit ihrer markanten Lyra-Form auf. Die Masse dazu konnte ich aus der Doku entnehmen, weitere Pläne gibt es leider keine. Es war also gute alte Handarbeit (und etwas KI Unterstützung) gefragt um daraus einen ersten Entwurf zu gestalten. Zeno hat diesen gleich in einen ersten Prototypen umgesetzt der sogleich aus Styropor geschnitzt wurde:
Wie geschrieben, ein erster Versuch um ein Gefühl zu bekommen was da noch alles auf uns wartet. Und das wird so einiges sein wenn man die Detailbilder betrachtet.
Die Enthauptung:
Der Hals von Trautner aus dem Jahr 1940 besitzt ja nun ein Griffbrett welches sich erhöht auf dem Korpus in Richtung des Schallochs fortsetzt. Ehrlichs Hälse gehen noch ganz der barocken Tradition folgend plan in den Korpus über, mit dem für die damalige Zeit typischen, sich in den Hals fortsetzenden Teil der Decke. Also noch alte Schule.....
Man darf also gespannt sein was da noch zum Vorschein kommt wenn der Hals erst mal runter ist. Das Ding ist übrigens schwerer als der ganze Rest der Gitarre, bei dem klein dimensionierten Korpus ist das auch nicht wirklich verwunderlich.
Dazu kam als Mittel der Wahl das japanische Präzisions Katana zum Einsatz, wie auch das stets bewährte Bügeleisen um den Leim von Herrn Trautner in die Knie zu zwingen:
Das ging wohl überraschend gut, am Ende der Verstümmelung sah das dann so aus:
Nun, es heisst ja da sich die Lage immer erst verschlechtert bevor es besser wird. Dies scheint hier wohl auch der Fall zu sein, man hat schon schöneres vor Augen gehabt. Am Halsklotz wurde offensichtlich ordentlich herum gebastelt, wie man unschwer erkennen kann.
Erste Stellprobe mit dem Template für den neuen Hals inklusive Kopfplatte:
Das sieht doch schon mal vielversprechend aus und hebt die Stimmung!!
Nächste Schritte:
Was nun noch folgt ist die Öffnung des Kastens, der Boden muss also runter. Die Risse in der Decke und den Zargen müssen verarztet werden, und das geht deutlich einfacher wenn man ungehindert daran arbeiten kann.
Der grosse Ausschnitt des ehemaligen Halsfusses muss danach verschlossen werden, er ist deutlich grösser als der geplante neue. In der Dokumentation findet man Bilder vom originalen, elegant geschwungenen und recht zierlichen Halsfuss. Ehrlich hat seine Hälse definitiv nicht mittels V-Joint am Korpus befestigt, sondern wie damals recht üblich stumpf auf den Korpus geleimt/ geschraubt/ genagelt. Erkennt man gut auf den Röntgenbildern die Thomas Ochs hat anfertigen lassen.
Demnächst geht es weiter, ich hoffe es gefällt euch soweit.
Liebe Grüsse, Michael
