[Review] AER - Cubello

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Paderborn
Minimalismus, der viel verspricht und wenig hält
AER Cubello*
*

Es war ein Zufall, der mich zum AER Cubello führte – ein Verstärker, der mit dem Versprechen antritt, Klangpurismus in Reinform zu bieten. Klingt verlockend, oder? Doch schon nach den ersten Tönen wurde mir klar: Hier stimmt etwas nicht. Und ich meine nicht nur den Klang...

Fakten (?)
  • Kanäle: 2 (Instrument: 6,3-mm-Klinke; Mic/Line: XLR/Klinke-Combi mit 48-V-Phantomspeisung)
  • Leistung: Offiziell 80 Watt – doch dazu später mehr.
  • Bestückung: 8"-Lautsprecher, geschlossene Gehäusekonstruktion
  • Regler: Gain, Bass, Treble pro Kanal; AUX/Bluetooth: Pan; Global: Effects Level, Master
  • Schalter: Bluetooth, Effect (Reverb/Delay)
  • Anschlüsse: AUX-In, Kopfhörerausgang, Line-Out
  • Abmessungen: 299 x 297 x 294 mm – also ein handlicher Würfel.
  • Gewicht: 7,2 kg – leicht genug, um ihn schnell wieder wegzuräumen.
  • Hersteller: AER Music GmbH

Aufbau und Verarbeitung​

Der Cubello gibt sich schlicht bis asketisch: Zwei Kanäle, ein paar Regler, Bluetooth, Hall/Delay – mehr nicht. Minimalismus als Konzept? Mag sein. Doch wenn selbst die Bedienungsanleitung das Gerät nicht kennt, wird es peinlich.

IMG_5016.webp


Denn dort steht schwarz auf weiß, wie man die Gain-Stufen aussteuert – nur leider fehlen die im Text erwähnten Clip-LEDs am Cubello komplett. Ein kleines Detail? Nein. Ein Symptom. Denn wer die Anleitung geschrieben hat, scheint den Verstärker nie in den Händen gehalten zu haben.

IMG_5015.webp


Vor dem Hintergrund, dass man der Bedienungsanleitung nachweislich nicht trauen kann, muss man auch die Leistung des Amp hinterfragen. Beworben wird er mit 80 Watt. In der Bedienungsanleitung steht, dass ein Limiter bei 40 Watt an 4 Ohm zu greift... Stimmt das? Wer kann das sagen?!

Klang

Der Klang des AER Cubello ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits überzeugt er mit einer präsenten Dynamik, die ihm immerhin eine gewisse Lebendigkeit verleiht – doch genau hier endet auch schon das Lob. Denn während die Lautstärke variabel und die Wiedergabe technisch sauber erfolgt, wirkt die Klangentfaltung selbst erstaunlich flach und eindimensional. Es fehlt die räumliche Tiefe, diese fast greifbare Weite, die einen guten Verstärker ausmacht. Stattdessen hört man einen Sound, der wie in einer geschlossenen Box gefangen scheint – präzise vielleicht, aber ohne die magische Entfaltung, die Musiker und Zuhörer gleißnerisch lächeln lässt. Die Dynamik ist da, keine Frage, doch sie dient hier nur als tadelloser Rahmen für einen Klang, der leider nie richtig atmet. Es ist, als würde man ein Bild betrachten, das zwar scharf, aber ohne Farben und Kontraste ist: Technisch korrekt, aber emotional leer.

Fazit

Der AER Cubello ist wie ein unfertiger Gedanke: Er sieht gut aus, wirkt durchdacht – und enttäuscht dann auf ganzer Linie. Die Verarbeitung ist tadellos, doch was nützt das, wenn die Dokumentation das Gerät nicht kennt? Wenn die Leistungsangaben eher Rätsel als Fakten sind? Und wenn der Klang so wenig inspirierend ist, dass man sich fragt, warum man überhaupt einen Verstärker gekauft hat?

Wer einen Verstärker sucht, der nicht nur gut aussieht, sondern auch hält, was er verspricht, sollte hier lieber die Finger von lassen. Denn am Ende bleibt nur ein teurer Würfel, der mehr Fragen aufwirft, als er beantwortet. Nicht empfehlenswert – und das ist noch höflich ausgedrückt.
 
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Schade, dass der AER hier so ungut abschneidet ... diese Marke hatte doch imho immer einen guten Ruf :nix:
Zum Glück bin ich mit meinem Roland AC-60 gut versorgt.
 
  • Ersteller
  • #3

Ist natürlich auch ein sehr kritisches Review (was ich durchaus gut finde).
Manche Sachen empfinde ich als eher irrelevant, andere sind natürlich wichtig.

Dass die Anleitung nicht zum Produkt passt ist schon peinlich, fällt für mich aber eher unter "egal".
Klar, fehlen die LEDs, dafür hat offenbar jeder Kanal eigene Bass und Treble Regler, die im Manual gar nicht zu finden sind. Die wären mir viel lieber als die LED ;-)
Aber die Bilder vom Gerät zeigen ja, was man bekommt. In Anleitungen für Verstärker guckt man ja doch eher selten. Ist ja jetzt nicht so super komplex son Gerät.

Ähnlich sehe ich es mit der Leistung: Mir doch vollkommen egal, was da für eine Zahl drauf steht. Diese Watt-Angaben sind ohnehin alle nicht vergleichbar (gibt zig verschiedene Messmethoden) und sagen nix aus.
Da muss man einfach testen ob das reicht oder nicht. Als Kind hatte ich mal eine Musikanlage mit 4000 Watt Leistung. Jetzt hab ich nen 20W Verstärker an meiner Anlage, den ich selten mehr als ein Viertel aufdrehe, weil dann schon die Wände wackeln.

Zentraler Punkt ist hier halt der Klang. Wenn der nicht gefällt, rettet auch die beste Anleitung nix.
Die Beschreibung liest sich aber tatsächlich ähnlich, wie ich die meisten AER Verstärker einordnen würde: Eher kühl, steril, technisch.
Das ist mMn aber auch ein wenig das Markenzeichen von AER und es gibt Leute die mögen das.
Wenn ich aber auf der Suche nach einem warmen, kuschligem Amp bin, dann werde ich dort nicht fündig. Für die kleinen Versionen gilt das gleich nochmal doppelt.
Und man muss natürlich auch bedenken, dass das hier das untere Ende des Anbieter-Spektrums ist. Gibt ja auch AERs, die das sechsfache kosten, da muss dann natürlich auch ein klanglicher Mehrwert da sein.
 
  • Ersteller
  • #5
Dass die Anleitung nicht zum Produkt passt ist schon peinlich, fällt für mich aber eher unter "egal".

Wenn mich der Klang überzeugt hätte, dann wäre das ein lustiger Side-Fakt gewesen.

Ähnlich sehe ich es mit der Leistung

Bedingt gehe ich auch hier mit. Aber das Gerät wird halt mit 80 Watt beworben. Ich finde schon, dass man sich auf beworbene Aspekte verlassen können sollte.

Und man muss natürlich auch bedenken, dass das hier das untere Ende des Anbieter-Spektrums ist.

Genau das ist der springende Punkt. Ich gebe hier nicht AER die Schuld, aber bei mir ist durch die wenigen im Internet verfügbaren Informationen der Eindruck entstanden, dass der Cubello bei eingeschränktem Funktionsumfang dennoch den typischen AER-Sound abliefert. Und diesen würde ich nicht auf
kühl, steril, technisch
reduzieren. Ich kenne AER-Verstärker seit den 90er Jahren. Und bei allen anderen AER-Amps die ich bisher anspielen durfte war durchaus sowas wie Freude am Spiel bei mir entstanden. Nie hatte ich den Eindruck von einem in einer Kiste gefangenem Sound oder Leblosigkeit. Das hätte ich so nicht erwartet beim Cubello.
 
Könnte es sein das mit der Clipping-Led das Ding da rechts gemeint ist?
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  • Ersteller
  • #7
Sorry, jetzt bin ich total verwirrt, die Leistungsangabe auf dem Typenschild ist deiner Meinung nach auch gefälscht?
Screenshot_2026-06-06-18-58-42-611.webp

Danke für die Warnung!
 
  • Ersteller
  • #9
die Leistungsangabe auf dem Typenschild ist deiner Meinung nach auch gefälscht?
Nur damit hier keiner auf falsche Gedanken kommt: Ich behaupte nicht, dass irgendwas gefälscht ist! Alles was ich sage ist, dass auf die Bedienungsanleitung nachweislich nichts gegeben werden kann!
 
  • #10
...sagt nur aus, dass der Amp maximal 100 Watt ausm Strohmnetz zieht, nicht wieviel er daraus macht....auf deutsch würde da "Leistungsaufnahme" stehen.
Das im Test angesprochene "sterile" Klangverhalten mit ausgeprägtem "in the Box" Klang empfand ich immer tendenziell bei AER Amps, einzig der Akusticube agierte etwas plastischer.
Das muss aber im Bandgefüge kein Nachteil sein, eher sogar denke ich, dass es beim Monitoring auch Vorteile bei der Hörbarkeit in komplexeren Bühnensituationen haben wird und ein Grund für die Beliebtheit dieser Amps ist.
Leider fehlt dem Test ein Check in ner Band-/Ensemble-Situation im Proberaum oder bei nem Gig...schade, denn dafür ist er ja gemacht😉
AER Amps sind vom Konzept (auch klanglich) Geschmacksache.....ich empand Schertler/SR und vor allem Acus (kommen ja alle irgendwie aus dem gleichen "Stall") stets als natürlicher...aber das kommt eben auf die Vorlieben an...und AER Fans schwören auf ihre Amps und haben ihre Gründe dafür.
Gruß,
Bernie
 
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  • #11
Hi @unixbook,
Danke für das Review.
Mich würde hier noch interessieren ob Du im Vergleich einen Compact 60 angespielt hast und wie Du diesen empfindest. Sprich, ob Du den "topfigen, eindimensionalen" Klang auch beim Compact 60 empfindest.
 
  • Ersteller
  • #12
Zu dem AER Compact 60 kann ich nichts sagen. Oder besser: Ich bin mir nicht sicher, ob ich den irgendwann mal in irgendeiner Version gespielt habe. Sicher bin ich mir, dass ich den AER Domino sowie den AER Acousticube mal gespielt habe. Aber ich weiß nicht mehr in welcher Version/Generation. Bei diesen beiden habe ich null Topfigkeit in Erinnerung.
 
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  • #13
Ich kenne das Gerät nicht. Ich spiele den kleinen AER Alpha. Das Ding wollte ich haben nach dem ersten Akkord mit meinen Fingern. Eine geile Kiste. Mit einer der besten Käufe meines Lebens.
Der A/B-Test würde mich mal reizen.
Wie sage ich immer: Sound is at your fingertips.
Wobei der AER ausflippt, wenn man Metalpicks benutzt. Leider spiele ich kaum noch laut. Aber in der Band, mit den zwei Sängerinnen, das war ein super Sound. Muss mal wieder unsere CDs anhören...
Ps.
Ein Nachbar hatte den Roland Amp. Der war damals deutlich billiger. Und so klang er auch. Alles lange her. Man teste mit eigenen Ohren.
 
  • Gelöscht von peter55
  • Grund: nur Zitat, kein eigener Beitrag
  • #14
Moin zusammen,
ich heisse Andreas und bin seit mehr als dreißig Jahren bei AER. Damals noch in Recklinghausen, mittlerweile in Velbert.

Das UNIXBOOK-Review ist schon ein 'Hammer', In vielen Punkten hast du Recht. Gerade Beschreibungen von Elementen, die nicht da sind, ist schon ein heftiges 'No-Go'. Da gibt es nix. (Ich hab das geändert).
Der Plan war, einen Amp hier in DE zu bauen, mit dem wir guten Gewissens der chin. Konkurrenz entgegenstehen können. Quasi ein 'Beginner-Amp.
Plug and Play und ohne SchnickSchnack. Das war die Idee.
Aber anyway.
Ein Kollege, Konzertflötist, (es sind sehr viel Musiker in der Company) und ich, haben uns hingesetzt und an den Frequenzen 'geschraubt'. Also mit Bordmitteln, anderen Bauteilen, den Ton des Gerätes verändert. Mit, wie ich finde, gutem Ergebnis. In der Blind-Abhöre (mit Lehle Switch) stehen da
Der alte Cubello
Der Cubello 2.0
Der Compact Slope
Der Compact XL

Glück Auf

Andreas
 
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  • Ersteller
  • #15
Plug and Play und ohne SchnickSchnack. Das war die Idee.
Genau das hat mich an dem Konzept gereizt!
Das kann ich persönlich nicht nachvollziehen das Urteil. Ich kenne den 6er gut und habe seinerzeit ein Review dazu geschrieben (vgl. https://www.musiker-board.de/threads/review-acus-one-6t.625323/) Aber gut... Geschmäcker sind verschieden und dürfen das auch sein!

Was ich spannend finde: Ich verstehe Deinen Beitrag so, dass es zwei (oder drei?) Cubellos gibt... Verstehe ich das richtig? Kannst Du vielleicht was konkreteres dazu sagen? Ich hatte den Cubello über den ich hier schreibe einfach nur als Cubello hier und war mir nicht bewusst, dass es da verschiedene Versionen gibt.
 
  • #16
Genau das hat mich an dem Konzept gereizt!

Was ich spannend finde: Ich verstehe Deinen Beitrag so, dass es zwei (oder drei?) Cubellos gibt... Verstehe ich das richtig? Kannst Du vielleicht was konkreteres dazu sagen? Ich hatte den Cubello über den ich hier schreibe einfach nur als Cubello hier und war mir nicht bewusst, dass es da verschiedene Versionen gibt.
Moin,
gibts auch nicht. Aber Deine Kritikpunkte sind mir bekannt. Auch innerhalb der Company ist er, sagen wir mal, umstritten.
Deshalb haben wir uns an die Arbeit gemacht und den Cubello komplett auf den Prüfstand gestellt.
Es wird (wahrscheinlich zum Guitar Summit) eine Version 2.0 geben. Da schrauben wir noch dran.
(Der 6er Acus hat im direkten Vergleich völlig verloren)

Glück Auf
Andreas
 
  • Ersteller
  • #17
Es wird (wahrscheinlich zum Guitar Summit) eine Version 2.0 geben. Da schrauben wir noch dran.
(Der 6er Acus hat im direkten Vergleich völlig verloren)
Verstehe ich Dich richtig, dass sich der Vergleich zum ACUS 6 auf den noch nicht erhältlichen Cubello 2.0 bezieht?

Wenn der raus ist wäre es natürlich super spannend für mich diesen mal auszuprobieren, denn das Konzept als solches finde ich wirklich top!
 
  • #18
Im Prinzip ja. Wie gesagt, wir 'schrauben' noch am Cubello 2.0.
Als Referenz haben wir den Compact Slope hergenommen.

Paderborn - Velbert ist nicht soo weit.
Kannst ja mal überlegen.
 
  • Ersteller
  • #19
Im Prinzip ja. Wie gesagt, wir 'schrauben' noch am Cubello 2.0.
ah, ok... Dann verstehe ich Deinen früheren Beitrag jetzt richtig. Denn den Vergleich zwischen dem derzeit erhältlichen Cubello und dem ACUS 6 gewinnt aus meiner Sicht (subjektiv) ganz klar der ACUS.
 
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