[Review] Headsetmikro Behringer BO440

mix4munich

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Vorgeschichte
Eigentlich habe ich mehr als genug Mikros. Aber in den letzten Monaten habe ich, mehr so aus Neugier, ein paar Behringer*-Mikros ausprobiert. Das Anklemmikro CB-100, das Grenzflächenmikrofon BA19 A (Review), das SL75c (Vergleichstest) und das C-2 (Review) haben mich wirklich umgehauen, nicht nur in Relation zu ihren günstigen Preisen. Das C112 (Review) und B906 waren auch nicht schlecht, aber für meinen Geschmack nicht in allen Bereichen auf demselben Level. Danach, nicht nur aus reiner Neugier, sondern auch, weil ich enger sitzende Headsets für einige meiner Funkstrecken brauchte (Review), und einer Empfehlung hier aus dem Forum folgend, testete ich erst das BO440 (Headset, Kugelcharakteristik) und später das BD440 (Headset, Niere). Hier geht es um das BO440. Allerdings sind die Erkenntnisse weitestgehend auch auf das BD440 übertragbar - vielleicht ist dieses sogar noch etwas weniger feedbackanfällig, aber geprüft habe ich das nicht. Für meinen primären Einsatzzweck sind beide mehr als gut genug.

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Unboxing und erster Eindruck
Das BO440 kommt in einer dezent bedruckten Pappschachtel, die nicht größer ist als sie unbedingt sein muss. Bis auf etwas Papierkram ist kaum etwas dabei, ein Windschutz und ein Hemdclip, mit dem man das BO440 theoretisch in ein Lavaliermikro verwandeln könnte. Allerdings bleibt das sehr theoretisch, denn dazu müsste man das recht dünne Mikrofonkabel aus den Clips lösen, die es am Nackenbügel entlangführen, und wer will das schon tun? Ich jedenfalls nicht, denn danach muss das Kabel ja auch wieder in diese Clips hinein, wenn man sein Headset zurückbekommen will! Alsdann, aufgemacht das Kistchen.

Das cremefarbene Headset, das man nun aus der Schachtel holt, ist federleicht. Dennoch fühlt es sich ausreichend stabil an und ist wirklich einwandfrei verarbeitet. Man kann den Bügel, der die Mikrofonkapsel hält, formen, und die Kapsel nach vorne oder hinten verschieben. Damit kann man die Position der Kapsel nahezu perfekt für alle kleinen bis mittelgroßen Kopfformen einstellen. Meine bisherigen Mikros passten besser auf Männerköpfe, aber das Behringer* BO440 ist für mich wesentlich vielfältiger einsatzbar. Bevor es losgeht, muss man den eng sitzenden Windschutz auf die Mikrofonkapsel friemeln, was mit meinen eher ungeschickten Fingern vielleicht zwei Minuten gedauert hat. Ihr kriegt das schneller hin, ich zähle auf Euch!


Technische Daten
Auf der Webseite von Behringer* und beim großen T finden sich (u.a.) die folgenden Informationen:
  • Richtcharakteristik: Kugel
  • Kapseltyp: Kondensator
  • Frequenzbereich: 20 - 18.000 Hz
  • Empfindlichkeit: -50 dB (0 dB = 1/u Pa @ 1 KHz)
  • kompatibel mit Taschensendern mit Mini 3-Pin XLR und Phantomspeisung (Anmerkung: den Ausdruck "Phantomspeisung" habe ich von der Webseite übernommen; es handelt sich hier aber nicht um die verbreiteten 48 Volt Phantomspeisung, sondern um eine Speisespannung mit typischerweise 5 Volt - der Spannungsbereich bis maximal 9 Volt ist ein Hinweis darauf); die normalen 48 Volt Phantomspeisung vom Pult kann man nur mit einem Adapter mit passender Spannungsanpassung nutzen, sonst wird das Headset gegrillt
  • Impedanz: 1,2 kΩ
  • Max. Betriebsspannung: 9 V DC
  • Standard Betriebsspannung: 3 V DC (RL: 2,2 kΩ)
  • Stromverbrauch: 0,5 mA
  • Farbe: Beige
Dank der Farbe ist das Mikrofon optisch wirklich sehr unauffällig einsetzbar. Ausserdem ist es recht klein und zierlich, es wirkt in natura wesentlich weniger "wuchtig" als auf dem Produktbild oben.


Praxis, Sound und Feedbackneigung
Mit wenigen Handgriffen ist die Bügelform auf Form und Größe für den Kopf des Trägers bzw. der Trägerin angepasst. Das läuft schonmal gut. Der Klang, den man nun mit dem BO440 einfängt, ist klar und deutlich und mit geringen Anpassungen am EQ einwandfrei auf alle möglichen Stimmen anpassbar, auch auf sehr unterschiedliche Stimmen - aber selbst Mikros, die ein Vielfaches kosten, brauchen diese Anpassungen. Ich besitze Headsets von Sennheiser* und Beyerdynamic* mit Preisen im Bereich von 100 bis 150 EUR, und das Behringer steht diesen klanglich in nichts nach, ist teils sogar besser. Ich behaupte mal, mit einem LoCut bei ca. 120 bis 200 Hz (je nach Stimme und Raumresonanzen), zusätzlich einer geringen Bassabsenkung und vielleicht noch einem HiCut um 10 kHz ist dieses Mikro hervorragend für die meisten Stimmen brauchbar. Der Rest sind individuelle Anpassungen - zu scharfe S-Laute? De-esser oder Höhenabsenkung. Nasale Stimme? Absenkung der passenden Mittenfrequenzen irgendwo zwischen 600 und 800 Hz. Undeutliche, zu weiche Stimme? Dezente breitbandige Anhebung (BW=2 bzw. Q=1/2, also zwei Oktaven Bandbreite) der Höhen mit einer Centerfrequenz irgendwo im Bereich zwischen 2 und 5 kHz.

Auch die Feedbackgefahr ist wirklich gering, was mich bei einem Mikro mit Kugelcharakteristik positiv überrascht. In meiner ersten "echten" Anwendung sind Yogatrainer damit im Saal herumgelaufen, standen also zeitweise voll im beschallten Bereich, und es gab keinerlei Feedbacks. Also nicht eins, bei drei Tagen Einsatz. Okay, diese Veranstaltung war nun nicht wirklich laut, aber die Stimmen müssen klar im ganzen Saal zu verstehen sein, d.h. flüsterleise war es auch nicht grade. Kurz überschlagen, in 16 Metern Abstand lag der Pegel noch bei ca. 65 bis 70 dB. D.h. in einem Meter Abstand von den Boxen waren es rund 89 bis 94 dB, und die Lehrer sind in ca. 2 bis 3 Metern Abstand an den Boxen vorbeigelaufen, dort muss also ein Pegel von irgendwas zwischen 80 und 88 dB Pegel geherrscht haben. Das ist nicht exakt leise. Da man das Mikro dank des flexiblen Bügels aber recht nah an bzw. neben dem Mund platzieren kann (nicht zu nah, sonst hört man beim Ausatmen durch die Nase den Luftstrom recht laut), fängt man einen relativ guten Pegel ein, und damit hält sich die notwendige Verstärkung, also der Gain am Pult, in Grenzen.


Weitere Information...
... allerdings nicht allzu viele mehr, finden sich auf der Produktwebseite bei Behringer, und zwar hier. U.a. kann man ein Manual in ungefähr drölfzig Sprachen mit nichtssagend-kurzen Erklärungen herunterladen. Nach kurzem Hineinlesen denke ich, dass Juristen ohne Produktkenntnisse dieses Manual verfasst haben, mehr um eine rechtliche Anforderung zu erfüllen als um Produktwissen weiterzugeben. Das ist eigentlich doppelt schade, denn früher mal, so gegen Ende des letzten Jahrtausends, waren Behringer-Manuals wahre Enzyklopädien mit ganz viel Grundlagenwissen und Praxisempfehlungen. Die Produktwebseite bei Thomann findet sich hier*.


Mein Fazit
Günstiger Preis, Flexibilität im Einsatz, guter bis sehr guter Sound, den man per EQ noch individuell anpassen kann, dazu eine geringe Feedbackanfälligkeit - wirklich ein großartiges Mikro, und zu diesem Preis sogar überragend. Ich werde noch zwei davon für meine anderen Funkstrecken kaufen.
 
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Dein Fazit kann ich nur bestätigen.

Ich betreue ja schon einige Zeit eine Schule bei deren jährlichen Musical Aufführungen und die stellen so schrittweise auf diese Behringer Headsets um, nachdem die mal zwei als Ersatzteil für deren üblichen Exemplare von LD Systems und Mipro besorgt haben. Als ich die das erste mal gehört habe, war ich begeistert wie gut die klangen und wie wenig Stress mit Feedback ich damit hatte.
Inzwischen werden die mehr und mehr, nicht zuletzt weil die anderen so schön langsam kaputt gegangen sind. Nach wie vor kann ich denen aber ein gutes Zeugnis ausstellen.
 
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