[Review] Xaphoon Standard C Pocket Sax

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Anforderungen

Gewünscht wurde ein günstiges Instrument als Alternative zur Blockflöte, um in einer Musik-Gruppe weitere Akzente zu setzen. Es sollte sich zudem leicht verstauen lassen und robust genug für den Outdoor-Bereich sein. Relativ schnell kam der Wunsch hinzu, dass die Töne über die Lippenspannung modulierbar sein sollten und es gern ein bisschen jazzig werden dürfte.

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Sowohl am jSax als auch an der Clarineo von nuovo waren mir zu viele Kleinteile verbaut und das Chalumeau schied aufgrund des geringen Tonumfangs aus. Die Beschreibung des Xaphoons machte einen sehr guten Eindruck. Es punktete mit einem Tonumfang von 2 Oktaven, wobei in der mitgelieferten Broschüre steht, dass es zweifach überblasbar ist, wodurch einem weitere Töne offen stünden. Zudem sah es aus, als könnte es auch einem größeren Streit zwischen Kindern standhalten, was für die Robustheit spricht.

Auswahl

Die Auswahl an angebotenen Xaphoonen ist derzeit überschaubar. Es gibt das Maui Xaphoon, das Standard C und das Xaphoon de Catalunya. Sie sind in verschiedenen Hölzern bzw. das Standard aus Kunststoff und in verschiedenen Stimmungen ausgeführt. Da ich gelesen hatte, dass bei den aus Holz gefertigten Xaphoonen die Stimmung nicht immer passt, das Xaphoon aus Kunststoff hingegen extra für das Gruppenspiel angepriesen wird und natürlich auch robuster und günstiger ist, entschied ich mich für das Standard C.

Mein Xaphoon

Erhalten habe ich einen schwarzen Karton, in dem auf hellen Packpapier das Xaphoon ruhte.

01_Karton_Verpackung.jpg
02_Instrument.jpg

Die Spuren der Gußform werden überall erwähnt, somit hatte ich sie erwartet. Sie lassen sich aber gut weg polieren. Am Instrument, vor allem der Schutzkappe, befand sich ein weißes Pulver, welches sich in dem Verpackungspapier gesammelt hat, so dass es "nachpudert". Das Instrument ist frei von scharfen Kanten. Die Schutzkappe sitzt gut, die Blatthalterung erledigt ihre Arbeit. Hier die Fotos vom ersten Kennenlernen.

03_Instrument.jpg


04_Rueckseite.jpg

07_Guss.jpg
06_Blattschraube.jpg

05_Mundstueck_seitlich.jpg

Das hochgewölbte Mundstück und der große Spalt zum Blatt dürften der größte Unterschied zu den Vorbildern sein.

In der beigelegten Broschüre finden sich eine Spiel-Anleitung (Haltung, Blastechnik, Lippendruck) sowie eine Grifftabelle in einer Art Retro-Design, was die Lesbarkeit erschwert und @Marketing mir keinerlei guten Gefühle übermittelt. Auch finden sich in der Broschüre Hinweise zur Pflege des Xaphoons und zum Wechseln des Blattes sowie die Aufforderung, rauszugehen und drauf los zu spielen.

Das habe ich dann versucht. :) Leider steht nirgends in der Broschüre etwas über die Besonderheit von Rohrblattinstrumenten. Die Beschreibung in der Broschüre war speziell für mich an der Stelle nicht ausreichend. Für mich war es zuerst einmal Atemtraining bis ich verstand, dass das Spielen nicht deswegen leichter wurde, weil ich die Technik änderte, sondern weil das Blatt eingespielt wurde und natürlich auch während des Spiels durchfeuchtete. Mittlerweile feuchte ich das Blatt vor dem Spielen an und spiele parallel ein zweites Blatt ein, um immer eines zur Hand zu haben.

Ungewohnt (zur Blockflöte) sind die Fingerabstände. Dies liegt vor allem daran, dass der rechte Zeigefinger sehr eng am linken kleinen Finger zu setzen ist und der linke Zeigefinger einen großen Abstand zum linken Mittelfinger hat. Auf die Griffmulden um die Löcher hätte ich sehr gern verzichtet, da sie nicht identisch zum Aufsatz-Winkel meiner Finger sind, stören tun sie jedoch nicht. Der Durchmesser der Löcher ist immer gleich (Schätzmessung 8 mm).

Das Xaphoon wird mit Tenor-Saxophon-Blättern gespielt. Es kommt mit einem Blatt der Stärke 2,5. Das mitgelieferte Blatt funktioniert und mehr kann ich über Blätter noch nicht sagen.
11_Blatt_Original.png


Das Instrument ist leicht erlernbar, ich finde es sehr ausdrucksstark und facettenreich. Damit ist das Xaphoon sehr viel mehr als eine Alternative zur Blockflöte. Ich konnte am zweiten Tag bereits eine kleine Impro über einem g-Moll Backing-Track spielen, so dass das Üben viel Freude bringt. Für das Zusammenspiel musste ich etwas mehr üben, um die Tonhöhen exakt zu treffen. Das Xaphoon lässt sich tonrein spielen, wobei man einen sehr großen Spielraum hat, was für Rohrblattinstrumente wohl normal ist.
Wenn es in Griffe geht, in denen kein Loch verschlossen wird und ich dann schnelle Wechsel spielen möchte, dann habe ich derzeit noch Schwierigkeiten mit dem Festhalten des Instruments. Auch das Überblasen ist anfangs schwierig. Aber es ist einfach wie bei jedem Instrument, ein bisschen Üben bewirkt Wunder. Derzeit spiele ich viel mit einer App, um meine Tonhöhen zu kontrollieren und somit auch mein Gehör zu trainieren.

Das Xaphoon Standard lässt sich im Regen ohne Schutzhülle unbeschadet transportieren. Spielen ist jedoch nicht mehr möglich, sobald das Wasser durch die Fingerlöcher schwappt. Es gurgelt nicht klangschön. Da habe ich auch bei längerem Spielen ohne Regen derzeit noch Lösungsbedarf, wenn die Innenseite zu feucht wird. Momentan wische ich immer mal durch.

Ansonsten will das Xaphoon tatsächlich raus. Draußen hinsetzen und inspirieren lassen, macht unheimlich Laune. Es fügt sich wunderbar in die Umgebungsgeräusche ein und trägt. Waldrest, Rauschen, Holztransporter und das Xaphoon.

Hörprobe
Ein paar Töne für einen Höreindruck


Viele "Hörproben" gibt es mittlerweile auf Youtube, die die Vielfalt gut darstellen.


Fazit
Ein robustes, kleines Freudeteilchen, das man überall mit hinnehmen kann. Man kann wunderbar in die Tönen hineingleiten, sie fallen lassen oder hoch schlenzen, wenn man es kann. Ansonsten muss man erst mal lernen, sie zwischen fallen lassen und hoch schlenzen zu treffen.

Es wird zwar als Pocket-Sax bezeichnet, wirkt für mich jedoch eher wie eine Klarinette ohne Klappen. Also wohin nun mit dem Review? :-D
 
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Mal was anderes als Gitarren. Klasse Bericht. Vor allen Dingen mit kleiner Hörprobe.
 
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Sehr schöner Bericht.
Hmm, ja, so ein Ding habe ich auch noch im Schrank liegen. Hab ich etwa zwei Jahre lang mit Begeisterung gespielt - bis ich dann auf Saxophon umgestiegen bin. Eigentlich erst danach habe ich erkannt, wieviele Einschränkungen das Teilchen gegenüber einem echten, chromatischen Instrument hat. Das Üben mit Intonationskontrolle ist anfänglich sicher sinnvoll - Intonation ist auf dem Ding auch nicht unproblematisch. Auf die Dauer sollten aber die Ohren führend sein.
Apropos Intonation: Wenn Du mit anderen zusammen spielen willst: Komm nicht auf die Idee, dass ein Bambus-Xaphoon nett wäre... die sind von der Intonation her deutlich schlechter als das Plastik-Xaphoon.
Eigentlich komisch: Tin-Whistle spiele ich noch immer mit Begeisterung. Das Xaphoon ist in den Schrank gewandert und ruht da.
Mit der Tauglichkeit zum Wandern hast Du sicher recht... aber das Xaphoon ist so laut, dass ich mich z.B. nicht trauen darf, es am Campingplatz zu nutzen.

Ach ja, und noch eins: Kleb Dir ein Bissplättchen auf das "Mundstück". Gibt es für wenig Geld bei einem grossen Musikalienversandhandel oder im nächsten Musik-laden. Die schützen Dein Instrument vor hässlichen Kerben durch die Zähne und entkoppeln Deine Zähne von Vibrationen.

Grüße, und viel Spaß mit dem Xaphoon,

Kokopelli
 

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