Songwriting Anfänger verzweifelt

Wenn wir schon beim spammen sind:

Ich hätte lieber Knotschi mit Zutschini ... :embarrassed:
 
Ohje ... und ich hatte fast die gesangsspezifischen Themen als offtopic angesehen ... :mampf:
 
Versteht ihr Teutoneberger "knutschen" ("rummachen")?

"Knotschi mit Zutschini" zeichnet in meinem Kopf das Bild einer Schweizerin die mit phallusförmigen Gemüse Oralsexübungen macht :engel:
 
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Mal back to topic ...

Ich sehe das hier als eine Grundhaltung an, die mehr als schadet als hilft:
Ich will nur nichts „falsch“ machen.
Der Einstieg in das Musik-Machen ist, ohne eigene Erfahrungen zu machen, schlicht nicht möglich. Das gilt umso mehr, wenn es um eigene songs und Texte geht und nicht um covers.
Der Ansatz und die Haltung, nichts falsch machen zu wollen, ist, so verständlich er sein mag, komplett und in Gänze fehl am Platze.

Es geht gerade darum, eigene Erfahrungen zu machen, einen eigenen Geschmacks-Kosmos zu entwickeln, eigene Wege zu gehen und mögliche eigene Favoriten nur als grobe Orientierung zu nehmen: um sich inspirieren zu lassen, sich einige Kniffe abzuschauen, sich bereichern zu lassen.
Es geht null darum, Fehler zu vermeiden, sondern es geht darum, alle Erfahrungen zu machen, die möglich sind und dann selbst die Sackgassen auszusondieren, das, was nicht klingt, beiseite zu lassen und beherzt auf das zu bauen, was einem selbst zusagt, was in den eigenen Ohren gut klingt. Etwas zu vermeiden ist keine geeignete Strategie, etwas zu entwickeln.

Herrjeh: Du als threadersteller stehst nicht vor einem Millionenpublikum, das Dich bei einem einzigen falschen Ton aus der Jahrhunderthalle jagt. Du stehst vor keinem Kuratorim, dass Dir den Weg zur Spitze verbauen kann.
Du kannst frisch und frei herumexperimentieren, bis Du Deinen Weg gefunden hast.

Schwimmen lernt man nicht, ohne nass zu werden. Und aus keinem noch so schlauen Buch ist auf theoretischem Wege ein Mark Spitz geworden.
Es braucht Mut, ins Becken zu springen. Aber draußen stehen, aufmerksam die Entwicklung der Wassertemperaturen und den Chlorgehalt zu studieren, Schwimmbücher zu lesen und zu fragen, was passiert, wenn man mal den linken Arm vor den rechten nach vorne schwingt und ob man bei jedem vierten oder bei jedem fünften Zug einatmen soll und ob es auch geht, beim dritten Zug einzuatmen, sollte man keine Luft mehr bekommen, hilft nicht wirklich weiter.

Wenn ich jetzt beispielsweise einen „gesungenen“ Refrain habe, der Rest aber nur Sprechgesang ist, kann ich mir dann rein theoretisch eine Akkordfolge suchen, die zu meiner Stimmung die ich ausdrücken will passt, die Melodie darauf aufbauen und die Melodie und die Akkorde (abgeändert) zu meinem Sprechgesang laufen lassen ohne das es sich dann beißt?

Das sind genau so Sachen, die man ausprobieren muss.
Eine allgemeine Regel hilft Dir da nicht weiter, es sei denn, sie bezeichnet ein absolutes No-Go. Von denen gibt es aber erstens im singer-songwriter- oder Pop-Bereich wenige und wenn es sie gibt, dann gibt es zweitens zu jeder Regel mindest zwei prominente Beispiele, wo jemand genau das macht und es trotzdem funktioniert.

Was aus meiner Sicht weiter helfen würde, wäre, wenn Du jetzt mal ins Becken sprüngest und Dir eine Möglichkeit organisierst, wie Du Deine Sachen halbwegs vernünftig aufnehmen kannst und zwar möglichst so, dass Du mit mehreren Spuren arbeiten kannst, so dass Du beispielsweise über eine einmal aufgenommene Akkordfolge sowohl getrennt Gesangs- und Gitarren-Melodien improvisieren, aufnehmen und die abhören kannst.

Und dann gehst Du genau so vor, dass Du erst mal die Spreu vom Weizen trennst und so lange vor Dich hinwerkelst, dass Du mit einem Ergebnis zufrieden bist (und vielleicht ein paar Stellen hast, mit denen Du noch nicht so zufrieden bist) und die hier reinstellst oder Leuten hier zugänglich machst.

Und dann finden sich höchstwahrscheinlich ein paar Leute, die fundiertes Feedback abgeben, einige Tipps absondern und Hilfestellung bieten.

Herzliche Grüße und viel Erfolg!


x-Riff

P.S.: Sollte das hier zutreffen:
Und was ist wenn es komplett falsch ist und ich es nicht raus höre?
... dann haben wir eine ganz andere Baustelle.
Aber erst mal schauen wir, ob nicht eher etwas ganz brauchbares dabei herauskommst ... :)
 
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… und abgesehen davon:

Selbst am Fehlermachen kann man Freude haben, wenn man das, was man tut, mit voller Hingabe tut.
Und aus seinen Fehlern lernt.

Thomas
 
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@drowo

Mir kommt teils schon e“ wie ein Extrembereich vor wenn es um ausgesprochene Worte geht ;)
Fühlt sich irgendwie auch anstrengend an, soll das so sein?

@Palm Muter

Das mit der Gitarre kam mir nicht so kompliziert vor wie das jetzt mit dem Gesang, vielleicht auch weil es für mich nicht so leicht verständlich ist solche Sachen wie richtige Atmung usw. beispielsweise aus einem Buch zu lernen.

Ja da mag das erlernen im Kindesalter wirklich ein riesiger Vorteil sein.

Auch das Beispiel mit der inneren Klangvorstellung hat mir jetzt etwas weiter geholfen.


@x-Riff

Du hast recht nur bin ich wirklich oft viel zu verkopft da ich erst wissen will wie man es macht um es dann auszuprobieren. Manchmal sind es ja auch Kleinigkeiten die nötig sind bevor es „klick“ macht ;)

Welches Gerät wäre für meine Zwecke gut zum mehrspurigen Aufnehmen geeignet (eines für das man keinen PC benötigt)? Am besten mit nicht allzu umständlicher Bedienung ;)
 
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Mir kommt teils schon e“ wie ein Extrembereich vor wenn es um ausgesprochene Worte geht ;)
Fühlt sich irgendwie auch anstrengend an, soll das so sein?
Je nach Technik kann das schon sehr anstrengend sein, z.B. ist ein e'' im Belting eigentlich nur was für ausgebildete (Berufs-) Sängerinnen und selbst bei denen trennt sich beim eb'' schonmal die Spreu vom Weizen. In klassischer Technik ist das e'' dagegen leicht machbar, selbst für einen Alt. Falls du noch mehr Fragen speziell zum Gesang hast, schlage ich vor besser in diesem Sub-Forum hier einen neuen Thread zu eröffnen:

https://www.musiker-board.de/forum/gesangstechnik-theorie-und-uebungen.196/

Dort werde ich dir selbstverständlich auch antworten, aber du bekommst dort auch von anderen Sängern und Sängerinnen Feedback. Darunter sind auch einige Gesangslehrer. Hier in der Musik-Theorie sind nicht so arg viele Vocaleros unterwegs.


LG Robert
 
Hi Alma2,
in Bezug auf Deine Anforderungen würde ich ohne zögern den Boss BR 80 empfehlen.
Ein handlicher, praktischer digitaler 8-Spur- Rekorder mit Effekten an Bord. Damit kannst Du E- Gitarre und Bass, aber auch akustische Gitarre und Gesang aufnehmen, Stimmgerät Metronom und ausreichend drum patterns sind auch dabei.
Kann viel, ist aber leicht zu bedienen, kostet unter 200 € neu. Du kannst damit leicht eigene backing-Tracks oder loops anlegen und darüber improvisieren das aufnehmen, abhören, verbessern, neu einspielen etc.
Wenn Du Lust hast, kannst Du das abmischen und mastern - eine gute Demoqualtät kannst Du allemal erreichen.

Hättest Du einen PC, kämen auch andere Optionen in Frage, aber so würde ich Dir yen Boss BR 80 empfehlen. Habe ihn selbst und benutze ihn für genau die gleichen Zwecke: homerecording für handgemachte Musik.

Hier und woanders im Netz findest Du reviews und user-Gruppen für weitere Infos.

Herzliche Grüße
x-Riff
 
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@drowo

Das mit dem neuen Thread überlege ich mir noch, ich bin momentan am experimentieren wie es für mich am besten klappen könnte, aber die höhen liegen mir irgendwie nicht.

@x-Riff

Danke für den Tipp, den werd ich mir demnächst anschaffen :)
 
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Das mit dem neuen Thread überlege ich mir noch, ich bin momentan am experimentieren wie es für mich am besten klappen könnte, aber die höhen liegen mir irgendwie nicht.

Das wird sich vermutlich auch nicht über Nacht ändern.
Aber du musst das als längeren Prozess sehen, mal probieren, üben soweit es geht, aber es auch mal wieder lassen und sich mit etwas anderen beschäftigen.

Auf der Gitarre, wo's ja wenn man nicht nur Lagerfeuerakkorde spielt ja auch eine Unmenge an lustigen Spieltechniken gibt hab ich auch schon oft etwas geübt und geübt, wollte einfach nicht, und nachdem ich 3 Wochen mit was gänzlich anderen beschäftigt hab hat's auf einmal begonnen zu funktionieren (oder auch nach Jahren beim x-ten Anlauf). Wenn man dem genug Priorität einräumt (also sich zumindest täglich 20min damit auseinander setzt) arbeitet das Hirn ja unterbewusst dran weiter. Das ist so ähnlich wie bei der Geschichte mit dem theoretischen Verständnis, es gibt sehr selten einen "Klick-jetzt-hab-ichs"-Moment, ab dem alles wie geschmiert läuft, Übung und Routine sind die Schmiermittel die Musizieren flüssig am laufen halten.

Es ist halt mehr wie laufen lernen, zuerst quält man sich, und irgendwann funktioniert die Koordination so gut, dass man ohne festhalten ein paar Schritte machen kann- um trotzdem nach keinen 3 Schritten wieder hinzufallen. Claus' allererste Antwort in dem Thread kommt ja nicht von irgendwo, 1 Jahr für die absoluten Basics ist nicht schwer ambitioniert, aber auch nichts was man so lala nebenbei machen kann.

Wichtig ist, dass man ein bisschen Struktur und (schaffbare) Ziele hat.
Sowas wie "mal herumexperimentieren wie es klappen könnte" bringt recht wenig, damit fällst du ziemlich genau in diese Kategorie:
Alle, wirklich ausnahmslos alle, die ich erlebt habe die im Erwachsenenalter mit Musik machen angefangen haben (bzw. es probiert haben) und mit einer Einstellung rangegangen sind wie "naaa, überfordere mich nicht, ich mach mal nur so und so weil so tu ich mir leichter", "Ich mach mal irgendwie, muss halt meinen eigenen Weg finden",......; haben allesamt über lang oder kurz frustriert hingeschmissen
Selbst wenn schon eine gewisse Basis da ist stellt man jedes mal fest, dass sowas in die Rubrik "herumspielen, was einen aber nicht wirklich weiter bringt" fällt.
Was ich dir empfehlen würde wäre mal: Such dir ein Lied, dessen höchster Ton dir nicht mehr so ganz liegt, aber noch irgendwie von deinem jetzigen Stand aus machbar ist und setz dir mal das Ziel, dieses Lied jeden Tag mindestens ein paar mal zu üben - und dann nicht sofort, und auch nicht nach einer Woche, sondern sagen wir mal so nach einem Monat Resümee zu ziehen, wie das mit den hohen Tönen aussieht.

Dann bekommt man nämlich auch seine eigenen Fortschritte viel besser mit, als man macht eine Zeit lang irgendwas und hofft, dass quasi einfach so alles besser wird.
Wenn du nämlich nach dem einen Monat feststellst, dass dieser Ton dir eigentlich kaum mehr Probleme macht, dann weckt das ziemlich sicher den Ehrgeiz, sich im kommenden Monat den nächsten Ton zu "schnappen". Und wenn du dir noch ein Aufnahmegerät besorgst, dich mit Gehörbildung beschäftigen willst usw., dann hast du ja noch genug andere Baustellen- wie gesagt, wenn man sowas nicht portioniert auf ein paar einzelne Sachen, die man mal teils hintereinander, teils parallel bearbeitet, sowie auch mal liegen lässt und sich wieder mit etwas anderen beschäftigt, aber stets eine Idee hat, was man dadurch z.B. in 3 Monaten geschafft haben will wird das eine riesengroße, undefinierte Blase, die einem jegliche Motivation entzieht, weil man unmöglich in einem irgendwie relevanten Zeitraum irgendwelche nennenswerten spezifischen Fortschritte erkennen wird können.


Also, so nachvollziehbar deine Herangehensweise auch ist, dieses Herumspielen ist die Herangehensweise eines 5 Jährigen Mozarts- wenn man unglaublich viel Talent hat und mit einem Hirn auf die Welt gekommen ist, dass offenbar dafür gemacht wurde, Musik aufzusaugen wie ein Staubsauger und dann ein Instrument in die Hand bekommt ist das angetrieben von kindlicher Neugier ein Selbstläufer, da funktioniert herumspielen:D Aber für uns andere 99,99% der musizierenden Menschheit bedeutet das lernen von Musizieren nunmal: Ziel setzen, üben, üben, üben, üben - Ziel erreicht? Nein - üben, üben, üben - Ziel erreicht? Nein - OK, ich lass das mal - [übe irgendwas anderes] - achja, Baustelle XY, Ziel überdenken, üben, üben, üben,...... YES, Ziel so +- erreicht --> Regelmäßig festigen und nächste Baustelle......

Und "Ziel" bedeutet eben so etwas stupides, aber eben auch greifbares wie "Ich will Ton X, der mir gerade noch ein wenig zu hoch/tief ist gut singen können", "Ich will flüssiger umgreifen können", "Bei Barres verkrampft meine Greifhand immer nach ein paar Minuten" - wie gesagt, einfach allgemein herumspielen ist was für Wunderkinder, bei Nicht-Wunderkindern und erst recht Nicht-Wundererwachsenen geht dadurch einfach nichts weiter und es frisst manchmal schneller, manchmal langsamer, aber recht sicher im Laufe der Zeit sämtliche Motivation auf.
 
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@drowo

Ich glaube fast nicht, daß ich noch tiefer komme da das c schon kaum zu schaffen ist (fühlt sich fast an wie eine Körperliche Grenze). Inzwischen bin ich mir sowieso nicht mehr sicher ob ich mich nicht in der Oktave vertan habe weil mein tiefes d sich so anhört wie die D Saite auf der Gitarre... (mein Gehör scheint allerdings nicht das Beste zu sein ;))



@Palm Muter

Ja, vermutlich wird es viel Zeit brauchen aber die Höhen hören sich einfach nur... an. Wenn ich es mehr in Richtung einer Art Belting mache klingt es schon besser aber definitiv nicht optimal und alles andere klingt so ähnlich als ob man die Stimme verstellen würde.

Das mit dem Üben auf der Gitarre, wenn etwas erst nicht klappen will und dann sobald man es erst mal ruhen lässt und es dann aufeinmal klappt kenne ich auch nur zu gut ;)

Deinen Tipp zwecks dem Lied dessen höchster Ton mir nicht mehr so ganz liegt werde ich in den nächsten Wochen mal umsetzen.
Meine Motivation ist auf jeden Fall geweckt ;)

Apropos: „Bei Barres verkrampft meine Greifhand immer nach ein paar Minuten“.
Ich habe bei Barres das Problem, daß wenn ich sie zulange mache mir meine Sehnen unten am Handgelenk danach schmerzhaft ziehen (teils bis in die Finger), ich habe schon alles mögliche ausprobiert aber es passiert immer wieder...
 
Inzwischen bin ich mir sowieso nicht mehr sicher ob ich mich nicht in der Oktave vertan habe
Es ist nicht so ungewöhnlich, dass man Schwierigkeiten hat die Oktavelage zu bestimmen wenn man als Referenz für die Stimme nur ein Instrument hat. Passiert auch anderen.
Wenn du möchtest kannst du mir eine Hörprobe als PN schicken und ich hör mal rein. :nix:
--- Beiträge wurden zusammengefasst ---
ins Vocalforum trau ich mich nämlich nicht, da sind seltsame Kreaturen unterwegs die ohne Instrumente Musik machen können
Vorsicht, manche von denen sollen selbst hier im Theorie-Sub herumschleichen. :engel:
 
Ja, vermutlich wird es viel Zeit brauchen aber die Höhen hören sich einfach nur... an. Wenn ich es mehr in Richtung einer Art Belting mache klingt es schon besser aber definitiv nicht optimal und alles andere klingt so ähnlich als ob man die Stimme verstellen würde.
Zur Technik usw. kann ich - weil kA vom singen - nix sagen, aber speziell beim singen ist wichtig, dass du dich selbst aufnehmen kannst. Kennst ja sicher, wie ungewohnt sich die eigene Stimme anhört, wenn man eine eigene Sprachnotiz oder so anhört- das mag sicher auch seinen Teil dazu beitragen, dass viele gehemmt sind was singen betrifft, da man eigentlich ja gar nicht weiß, wie sich der eigene Gesang "von extern betrachtet" anhört.

Ich habe bei Barres das Problem, daß wenn ich sie zulange mache mir meine Sehnen unten am Handgelenk danach schmerzhaft ziehen (teils bis in die Finger), ich habe schon alles mögliche ausprobiert aber es passiert immer wieder...
Ah, schon viel mehr mein Metier- Die Antwort wird dir bekannt vorkommen: Üben :redface:

Das Problem ist, dass Gitarrenanfänger ziemlich fest greifen. Liegt schlicht und einfach daran, dass man 3x so fest wie notwendig greifen kann und es funktioniert, aber sobald man nur eine Millisekunde einen Hauch zu leicht greift (sprich sich die Saite nur einen Moment minimal vom Bundstab hebt) stirbt augenblicklich der gespielte Ton. Logische Kompensation: Jeder Anfänger greift wesentlich fester zu als ein Fortgeschrittener. Bei Einzeltönen ist das nicht so tragisch, aber sind mehrere Finger im Spiel, kommt noch was zusätzliches hinzu: Ein Anfänger kann seine Finger noch nicht komplett frei voneinander bewegen. Bedeutet: Drückst du mit dem einen Finger fester, drückst du automatisch auch mit den benachbarten Fingern fester zu (genau so hat Greifen bis jetzt ja für deine Hand funktioniert). So, bei 2-3 Finger OpenChords geht das vermutlich noch, bei Barres potenziert sich das aufs Maximum.

Und da hilft einfach nur Spielzeit, Spielzeit, Spielzeit; je länger man spielt umso näher kann man nur knapp über der minimal notwendigen Greifkraft sicher spielen. Oder anders: Es ist ein Mythos, dass Gitarrenspieler stärkere Hände haben. Fortgeschrittene Gitarristen können nur ihre Greifkraft pro einzelnen Finger sehr genau dosieren, wohingegen Anfänger dazu gezwungen sind das mit soviel Kraft zu kompensieren, dass auf jeden Fall alle Saiten fest genug gedrückt werden.

Übrigens: Sobald du es unangenehm in den Sehnen spürst SOFORT AUFHÖREN UND PAUSIEREN BIS DU ES NICHT MEHR SPÜRST!
Verkrampfen und "Nicht mehr können" ist das eine, aber beleidigte Sehnen können recht schnell sehr problematisch werden.
Das kann auch ein Hinweis auf eine falsche Haltung sein. Wenn du mit "unten am Handgelenk" so +- die Stelle meinst, wo sich der klischeehafte Suizidant die Pulsadern aufschneiden will, genau da laufen die Sehnen durch, die die Kraft vom Unterarm zum Schließen der Hand in die Finger leiten. Das Problem ist nämlich, normalerweise geht einem einfach die Kraft aus (z.B. wenn man frei an einem Ast hängt oder ein 6-Pack Wasser trägt). Das unnatürliche ist beim Gitarre spielen aber, dass das Handgelenk dabei ja deutlich bis stark gebeugt ist und man die Greifkraft trotzdem "solange es geht" aufrecht hält (genau das kommt nämlich auf natürlichem Weg so gut wie nie zustande, alles, wo die Greifkraft lange bis zur Erschöpfung aufrecht erhalten wird geht idR mit einem eben in keine Richtung gebeugten, sondern gerade ausgestreckten Handgelenk einher).

Durch diese Beugung können die Sehnen die Greifkraft nämlich viel schlechter übertragen (balle mal eine Faust und beuge sie dann nach innen, da spürt man sofort wie die Greifkraft abnimmt je weiter man die Faust nach innen beugt). Heißt, diese Sehnen müssen für wesentlich schlechteren Output, der bei dir ja noch höher sein muss als bei einem geübten Gitarristen weil sonst die Hälfte der Saiten nicht klingt wesentlich stärker belastet werden, und das ist das Patentrezept für eine Sehnenscheidenentzündung (was durch die Beugung dann doppelt unterstützt wird, weil man nicht nur mehr Zug auf den Sehnen hat, sondern ein Teil dieses Zugs durch die Beugung direkt in die Sehnenscheide geleitet wird). Wie gesagt, da kann man auch über die Haltung einiges machen, je höher die Gitarre an deinem Körper ist umso weniger gebeugt ist das Handgelenk.

Zusammenfassung Greifhand entlasten: Haltung experimentieren (z.B. Fußbank für das Bein, auf dem Gitarre aufliegt), alles was die Beugung der Greifhand reduziert.
Je weniger man aufs Griffbrett schaut, um so weniger muss man es so neigen (= das Handgelenk beugen), dass man schön draufschauen kann, wo wir wieder bei Übung & Routine wären;)
Eventuell dünnere Saite aufziehen (= weniger Spannung = weniger Greifkraft notwendig) und zum Üben kannst du ruhig "irgendwelche" Barres ab dem 5. Bund nehmen, der F-Dur übern ersten Bund, der normalerweise der erste ist, den man lernt ist da du direkt nach dem Steg greifen musst der Barre, wo die Saiten aus rein physikalischen Gründen die größte Gegenkraft zu der von der Greifhand aufgebrachten Kraft haben.
Es bringt auch einiges, bewusst darauf hin zu üben, dieses Minimum an Kraft zu brauchen, bei dem die Saiten gerade nicht zu klingen aufhören, aber genau das ist eines der Merkmale eines fortgeschrittenen Gitarristen, das kommt bei weitem nicht über Nacht.


(Üblicher Zusatz: Bei Schmerzen immer sofort pausieren, für eine ernst zu nehmende Meinung bezüglich Umgang mit Scherzen oder sonstigen körperlichen Problemen beim oder durchs Musizieren unbedingt einen Arzt aufsuchen!)


Wie gesagt, die Antwort wird dir bekannt vorkommen, übe jeden Tag min. 15min Barrespiel (außer es beginnt an den Sehnen zu ziehen! wenn du schon sagst, dass das regelmäßig vorkommt, wenn du nun beginnst das täglich zu üben kann das wirklich schnell ein längerfristiges Problem werden) und dann schau mal wie's dir damit in ein oder zwei Monaten geht. Genau das ist das, was ich mit
mit irgendeiner Kleinigkeit, die man selbst bald belächeln wird anzufangen und sich Stück für Stück vorarbeiten
gemeint hab, musizieren lernen ist eine lange Strecke an Baustellen, wo eine jede eigenständig bearbeitet werden will.

Meine Motivation ist auf jeden Fall geweckt ;)
Viel Erfolg :)

Vorsicht, manche von denen sollen selbst hier im Theorie-Sub herumschleichen. :engel:
Ahhh eine Hexe, auf den Scheiterhaufen mit ihm :govampire:
 
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Ausgezeichnet, ins Vocalforum trau ich mich nämlich nicht, da sind seltsame Kreaturen unterwegs die ohne Instrumente Musik machen können

Och, da sind auch etliche, die Instrumente spielen.

@Alma2
Ich habe jetz einen großen Teil dieses Threads gelesen und bekomme eine Ahnung, wo es Schwierigkeiten gibt.

Zunächst: Natürlich gibt es eine Sprachmeldodie und -Rhythmik, sonst würden alle sprechen wie der Roboter aus Robby, Tobi und das Fliewatüt.

Allerdings folgt sie keinen musikalischen Regeln. Muss also tonal nicht zur Musik passen.

Was du mit Singsprech meinst, erahnte ich beim Hören von Ollas Leiwaund, hier in einer Trio-Version mit Fendrich, Ambros, Danzer.

Unter "normalem singen" verstehst du wahrscheinlich das eindeutig meldodisch kategorisiebare Wiedergeben sich meist wiederholender, strukturierter Einheiten.

Verwirren tut dich zB bei Fendrich und Co wahrscheinlich die sehr abwechslungsreiche, flotte und leichtfüßige rhythmische Phrasierung und der (im)provisorische Umgang mit dem Tonmaterial, bei der teilweise mit sehr geringem Tonumfang immer wieder neue Akzente gesetzt werden. Jede Strophe klingt ein bisschen anders als die Vorige. Kaum eine Zeile wird in einer Form zu 100% wiederholt. Und tatsächlich kann zwischendurch mal was kurzes Gesprochenes vorkommen.

Dir fehlt vermutlich das immer wiederkehrende Element, was dir sagt: "Aha, das ist die Medodie des Liedes." Zeile A, Zeile B, Zeile C, in jeder Strophe identisch oder fast identisch reproduziert.

Was Danzer da macht, ist selbstverständlich gesungen, aber eben mit wenigen Tönen und einer Lockerheit und einem Variationsreichtum, die ans Sprechen erinnert, was für solche vom Blues inspirierte Musik ganz normal ist. Es folgt eben keinem streng vorgebenen Melodieschema, keiner einheitlichen Metrik. Man improvisiert mit einem gewissen Tonvorrat und phrasiert variationsreich.

Analysieren ist da sicher nicht der richtige Weg. Ich würde dir das vielfache Hören und Improvisieren auf alte Bluesplatten empfehlen. John Lee Hooker, BB King usw..

 
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@Palm Muter

Das mit den Sehnen geht jetzt schon eine ziemlich lange Zeit so... Es ist nur seltsam das ich es währenddessen nicht merke sondern erst danach.
Ich mache das ja auch schon einige Jahre und neige glaube ich zum Übertreiben. Manchmal sind es dann mehrere Stunden täglich Barres (klar mit Pausen dazwischen).
Vielleicht sollte ich das etwas „runterschrauben“.
Sobald ich etwas weniger fest greife, klingt z.B. bei F-Dur die b Saite nicht mehr richtig. Da muss ich mich jetzt wohl nochmal auf Fehlersuche begeben ;) Danke für die Tipps!
 
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Wie üblich die große Präambel, dass medizinische Diagnosen Ärzten vorbehalten sind und ein Forum so ziemlich der letzte Ort ist, auf den man sich bei derlei Entscheidungen berufen sollte wenns um die eigene Gesundheit geht

Die Sehne selbst ist (mechanisch) ziemlich unverwüstlich, kennt man von diversen Sportverletzungen, natürlich können sie bei Überbelastung reißen, das betrifft aber meist die Beine.
Das Problem bei so einer Überbelastung wie dem Gitarrenspiel sind meist die Sehnenscheiden, das ist sozusagen eine "geschmierte Führung" an Stellen, wo die Sehnen über Gelenke laufen (eben z.B. bei den Handgelenken, die Greifkraft kommt aus dem Unterarm, die "beamt" sich ja nicht in die Hand). Schmerzen danach bedeutet in irgendeiner Form, dass die Sehnenscheide wohl zumindest jedes mal beleidigt ist wenn du länger übst, dass kann auch schon in einer Entzündung enden.

Ich kann als Nichtmediziner nicht beurteilen, ob das "besser" als schon Schmerzen beim Spielen ist, ich würde dir aber wirklich anraten, dass Thema mal mit einem Arzt zu besprechen, ich will dir keine Angst machen, es ist aber durchaus möglich, dass du schon die ganze Zeit kurz vor einer Sehnenscheidenentzündung herumspielst - vor allem nach dem letzten Post, Menschen gewöhnen sich an erstaunlich viel (auch an Schmerzen), nur dadurch halten die Sehnenscheiden nicht mehr aus und irgendwann gehen die ein wenn man ihnen immer- und immer wieder zusetzt. Das letzte was ich will ist, dass du dich jetzt ambitioniert hinsetzt, noch ein bisschen mehr als sonst macht und dann drauf kommst, das gerade dieses bisschen mehr dann das bisschen zu viel wahr :redface:

Aber, rein mechanisch, je weniger Beugung am Handgelenk umso weniger Belastung auf den Sehnenscheiden, probiere wirklich mal aus, diesbezüglich an deiner Haltung zu arbeiten und schau mal, wie es dann ist.


Übrigens: Seit Jahren? :eek:
Wie du meinem letzten Post entnehmen kannst hab ich das anders eingeschätzt.
Ich fische jetzt ein wenig im Trüben, aber wenn man sich den ganzen Thread durchliest kommt man nicht um den Eindruck herum, dass du zwar ambitioniert, aber ziemlich konzeptlos herangegangen bist, quasi nach dem Motto "Wenn ich viel mache dann wird das schon" um jetzt etwas bitter nach und nach draufzukommen, dass Bücher lesen und "einfach so spielen" anstatt Detail für Detail zu bearbeiten einen ziemlich effizient stagnieren lassen, hab ich recht? :redface::engel:


EDIT, bevor ichs vergesse, @antipasti : Ahhhhh Hexeninvasion :govampire:
(Jede gute Geschichte hat einen roten Faden^^)
Nee, ich hab schon den selben Respekt vor Vocaleros wie vor allen anderen Musikern, aber nachdem Bassismus gesellschaftlich immer geächteter wird muss ich mir ein neues Opfer suchen :engel:
 
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Bitte back topic!
Hier geht es mittlerweile hochspekulativ zu und thematisch vom Hölzchen über's Stöckchen.
Ein "Off Topic"-Schlenker ist ok - aber nur, wenn es nach ein zwei Antworten mit dem eigentlichen Thema weitergeht.

Eine Vertiefung von Fragen zur Gitarrentechnik und Fragen zur Gesangstechnik gehören an andere Stellen im Board, aber nicht hier hinein.

Gruß Claus
 
@antipasti

Ich glaube du hast den Nagel auf den Kopf getroffen


@Palm Muter

Blöde Frage, aber woran merkt man dann daß man eine Sehnenscheidenentzündung hat? Geht dann gar nix mehr ohne Schmerzen?

Ja seit Jahren...
Und ja du hast recht ;) Diese Erkenntnis ist ziemlich frustrierend.
Es ist halt immer schwierig an diesen riesen „Batzen“ mit dem richtigen Konzept heranzugehen wenn man auf sich allein gestellt ist, da fehlt irgendwie oft der Plan.

Wenn wir jetzt schon bei meinen Gitarrenproblemen sind:
Es macht mich irre, ich erwische trotz jahrelangem üben beim Strumming (down) oftmals noch die falschen Saiten, Beispiel: A-Dur, manchmal passiert es mir daß ich entweder die A Saite nicht erwische oder das ich die tiefe E Saite mit erwische, da kann ich auch üben wie ich will und es will keine Besserung eintreten...
--- Beiträge wurden zusammengefasst ---
@Claus

tut mir leid ich dachte das wäre in Ordnung. Ich bin noch nicht so vertraut mit den Regeln hier und einfach froh mal mit anderen über meine Probleme reden zu können.
 

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