Spielen wie Stevie Ray

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Hallo,

ich habe mit mal den Mut genommen und mich dazu entschlossen, den Anfängern und denjenigen einige Tips zu geben, die - wie ich übrigens auch - Stevie Ray Vaughan als ihr Idol ansehen und lernen wollen, in seinem Stil zu spielen. Ich selbst habe sein Spiel lange studiert und viele Videos und Alben von ihm im warsten Sinne des Wortes "auseinander genommen", um die Feinheiten seines Spiels zumindest zu erkennen. Deshalb denke ich, dass ich vor allem denjenigen unter Euch einige Tipps geben kann, die noch zu den Anfängern gehören. Zuerst möchte ich ein wenig über sein Equipment schreiben und dann einiges über die Spielweise, die Euch helfen kann, ähnlich wie Stevie zu klingen.

1. Equipment

Hierüber könnt ihr Euch im Internet eine beinahe unbegrenzte Vielfalt von Seiten und Videos herunterladen. Ich habe den Eindruck, dass sich fast schon eine gesamte Industrie herausgebildet hat, die zum Ziel hat, Equipment zu produzieren, dass aus den SRV-Sound zugeschnitten ist. Würde man all die Sachen kaufen, die einem da angeboten werden, wäre man ganz schnell im hohen funfstelligen Eurobereich. Andere geben in Foren die Binsenweisheit von sich, dass der "Ton nur aus Deinen Händen kommt", womit einem Anfänger allerdings nur wenig gedient ist. Ich bin der Meinung, dass die Wahrheit - wie so oft - zwischen diesen beiden Extremen liegt: ehrlich gesagt solltest Du die - unten näher beschriebenen - "Grundbausteine" für Stevies Sound (Fender Stratocaster und Röhrenamp) schon besitzen, denn mit z. B. einer ES 335 oder eines Les Paul wird es sehr schwierig sein, an seinen Sound heranzukommen. Andererseits ist - wenn Du Dich Materialtechnisch im richtigen Koordinatensystem befindest - Mittelklasse-Equipment völlig ausreichend. Wenn Du dies nicht glaubst, dann schau Dir mal einige Videos von dem Gitarristen Tommy Katona an: ihm könntest Du eine mexikanische Strat und einen kleinen Fender-Amp ohne Effekte und sonstigen Schnickschnack geben, und Du wärst wahrscheinlich überrascht, wie sehr er nach SRV klingt. Ebenso z. B. Chris Duarte oder Jesse Davey von der Band the Hoax.

Um mal in dieser Hinsicht die brutale Wahrheit auszusprechen: mit einem "kleinen" Equipment kann ein wirklich guter Gitarrist zu 80 Prozent wie SRV klingen. Gibst du ihm Stevies geliebte Number One in die Hand, schließt diese an einen Dumble, Trainwreck, Bludo, etc. an und schaltest dann noch die erlesensten Boutique-Pedale dazwischen, klingt er zu 85 Prozent wie SRV. Jeder muss selbst entscheiden, ob ihm dies wert ist bzw. ob er so viel Geld aufbringen kann. Nun aber zu den einzelnen Komponenten:

a) Fender Stratocaster

Diese solltest Du auf jeden Fall haben - Stevies Spiel ist eigentlich - vor allem wegen des starken Hendrix-Einflusses - unterennbar mit diesem Gitarrenmodell verbunden: er hat die Möglichkeiten, die die Strat einem guten Gitarristen eröffnet, voll ausgenutzt: von den Pickup-Stellungen hat er eigentlich alle verwendet und auch viel mit dem Lautstärkeregler der Gitarre gearbeitet. Auch der Tremolo/Vibrato-Hebel war integranter Bestandteil seines Spiels. Es ist sehr schwer, Verallgemeinerungen bezüglich der Wahl der einzelnen Pickups zu sagen, aber als Ausgangspunkt lässt sich feststellen, dass Stevie für fette Sounds bei langsamen Bluesnummern (Texas Flood, Ain't gone 'n' give up on love) den Hals-Pickup verwendete, bei schnelleren Nummern (Scuttle Buttin', Rude Moode) eher die beiden hinteren und für Balladen (Lenny) vor allem die Zwischenstellungen (also 1. und 3. oder 5 und 3. PU gleichzeitig. Auch war er im Gegensatz zu den meisten "modernen" Gitarristen ein Meister im Umgang mit dem Lautstärkeregler: am Anfang von leisen Bluesnummern hat er gerne die Lautstärke auf 7,5-8 runtergedreht, um den späteren lauten Höhepunkt noch effektiver vorzubereiten (z. B. Texas Flood, Montreux 1982). Ich kann es zwar nicht beweisen, aber ich habe den dringenden Verdacht, dass er auch in der Studio-Version von Lenny den Lautstärkeregler benutzt hat, um der Gitarre ein wenig Schärfen zu nehmen.

Welche Kategorie Du kaufst hängt natürlich in erster Linie von Deinem Geldbeutel ab. Aber Du musst nicht verzweifeln, wenn Du nicht den Preis für ein echtes Vintage-Instrument wie Number One zahlen kannst oder willst. Eine vernünftige Mexiko-Strat kann Dich sehr weit bringen, vor allem dann, wenn Du sie später mit einem Set guter Pickups aufmotzt. Ein heisser Tipp ist übrigens die Kenny Wayne Shepherd Signature Strat, die in Mexiko gebaut wird und ein echtes "Arbeitstier" ist

In diesem Zusammenhang ein wenig Ketzerei meinerseits: lass die Finger von Texas Specials. Ebenso von der Stevie Ray Vaughan Signature Strat aus den USA. Texas Specials sind sehr teuer, und für ein wenig mehr Geld bekommst Du schon Pickups, die wirklich außergewöhnlich sind. Mein Tipp wäre das "1959 SRV" Set von Rod McQueen, die Belltone-Pickups von Michael McConachie oder Pickups von Lindy Frailin. Die SRV Signature wiederum ist meiner Ansicht nach eigentlich nur eine aufgemotzte American Standard, die noch dazu die schrecklichen Texas Specials hat und mit goldener Hardware ausgerüstet ist, die Geschmackssache ist. Außerdem hat sie einen dicken Lack, der für den "offenen" Stevie-Sound nicht gerade förderlich ist. einziges wirklich gutes Feature ist der Hals, der ein wirklich cooles Halsprofil hat. Wenn Du schon so viel Geld für eine Gitarre ausgeben willst, dann spare lieber noch ein wenig und kaufe Dir etwas aus dem Fender Custom Shop. Am besten suchst du Dir übrigens ein Modell mit Rosewood-Griffbrett und etwas dickerem Hals.

Und nun sind wir bei dem Punkt angelangt, bei dem sich die Jungen von den Männern trennen: die berüchtigten SRV-Saitensätze. Stevie spielte meistens - vor allem in den ersten Jahren seiner Laufbahn - folgende Saitenstärken: 13, 15, 19, 28, 38 und 58, wobei seine Gitarre meistens auf Eb heruntergestimmt war. Es wird gerne vertreten, dass dies nicht erforderlich ist, um seinen Sound zu erreichen, aber dies ist einfach ein politisch korrekter Schmusiwusi-Mythos der Gitarrenwelt: Du kannst höchstens die 13er E-Saite durch eine 12-er oder 11-er ersetzen, aber dann ist Schluss. Gehst Du weiter nach unten, musst Du bei Deinem Sound schon enorme Abstriche machen. Und das wollen wir nicht! Sei lieber ausdauernd, in einem guten halben Jahr gewöhnen sich Deine Hände an diese Monster, und Deine Greifhand wird sich in eine Bärenztatze verwandeln!

b) Amp

Hier ist wieder für jeden Geldbeutel etwas dabei. Es wird viel über die Amp-Exzesse von Stevie geschrieben, aber dadurch solltest Du Dich nicht verunsichern lassen: ein Fender-artiger Röhrenamp sollte die Arbeit erledigen. Stevie spielte zwar auch Marshalls, Dumbles, und es hält sich das Gerücht, dass er kurz vor seinem Top auf Soldano umsteigen wollte, aber trotzdem: der quintessentielle SRV-Sound wird am besten mit einem Fender-Amp reproduziert: für den Anfang sollte ein Blues Junior völlig ausreichen, wenn Du etwas größeres willst, nimm einen Deluxe, Super, oder einen Vibroverb aus den USA. Für Leute mit gehobenen Ansprüchen ist die MAZ-Serie von Dr. Z sehr empfehlenswert, Millionäre könnten darüber hinaus auch bei Welagen Amps, Bludotone oder Two Rock vorbeischauen.

c) Pedale

Stevie selbst spielte Ibanez Tubescreamer, meistens hatte er sogar zwei hintereinander geschaltet. Ich selbst bin kein großer Fan dieser Pedale, da ich es nicht leiden kann, wie sie Höhen und Tiefen fressen und die Mitten allzu prominent machen, aber das gehört wohl in diesem Zusammenhang einfach dazu. Den ersten Tubescreamer solltest Du sehr laut einstellen und die Verzerrung dabei niedrig lassen - Stevie benutzte den TS nicht wirklich als Zerrpedal, sondern eher als Booster mit Mittenbetonung. Also: Volume am besten voll aufdrehen und dafür Gain unten lassen. Wenn Du einen zweiten TS hast, kannst Du diesen benutzen, wenn Du mehr Zerre für Deine Soli brauchst.

2. Spielweise

Wichtiger - viel wichtiger - als alle Vintage Strats, Dumbles und Boutique-Zerren dieser Welt ist die richtige Spielweise, wenn es um SRV geht. Er ist zwar sehr schwierig, Stevies Gitarrenspiel in einigen Sätzen zu beschreiben, da er dafür einfach zu vielschichtig ist. Trotzdem lassen sich einige kleine "gemeinsame Nenner" herausfiltern, auf die Du aufpassen solltest.

a) Phrasing

Es wird gerne gesagt, dass Stevie keine unbegrenzte Vielfalt von Licks in seinem Repertoire hatte. Dies ist sicher objektiv "wahr", geht aber an der Sache vorbei: im Texas Blues geht es einfach nicht darum, mit 180 Sachen über das Griffbrett zu rasen und jedes Solo mit Griffbrett-Pyrotechnik zu zerreden. Vielmehr besteht die Kunst darin, einige Standard-Elemente so zu bearbeiten, dass sie jedes Mal, wenn Du sie spielst, interessant klingen. Achte also ganz besonders auf die Feinheiten wie Slides, Hammer-ons und Pull-offs und auch auf den Rhythmus der einzelnen Licks: besonders bei langsamen Bluesnummern hatte Stevie die Angewohnheit, ähnlich wie BB King ein wenig mit dem Beat zu "flirten", d. h. einige Noten schneller und andere langsamer zu spielen und auch in der Mitte eines schnellen Licks plötzlich den "nächsten Gang einzulegen". Wie viel dramatik diese Feinheiten Deinem Spiel verleihen können, siehst Du, wenn Du Dir die El Mocambo-Version von Texas Flood anschaust.

b) Richtige Haltung der Greifhand

Stevie hat - ebenson wie Jimi Hendrix vor ihm - den Hals der Gitarre beim Spielen immer fest mit dem Daumen umschlungen. Die "klassische" Haltung, bei der der Daumen hinter dem Hals aufgesetzt wird, ist für seinen Stil nicht geeignet. Diese "Baseballschläger-Haltung" erfordert zwar viel Übung, ist aber sehr effektiv und hat eine riesige Auswirkung auf Deinen Ton: Du hast so praktisch alle Noten der Moll-Pentatonik, die beim ersten Finger verortet sind (in G zum Besispiel Bb, D und G auf den drei hohen Saiten) mühelos "zur Hand", ohne mit dem ersten Finger runzusuchen, und Du hast den zweiten und dritten Finger frei für Bendings, etc. Die Grundnote auf der tiefen E-Saite (in G also G) solltest Du immer mit dem Daumen greifen.

Darüber hinaus hast Du bei dieser Haltung die Möglichkeit, alle Saiten, die Du nicht spielst, zu dämpfen. Diese verunstalten somit Dein Spiel auch dann nicht, wenn Du - wie es Stevie so oft tat - mit der Anschlagshand richtig zulangst.

Hier Mal ein Beispiel:

http://www.youtube.com/watch?v=Avzn2mkOWbs

c) Bending

Hierzu ist eigentlich nicht viel zu sagen, da allgemein bekannt ist, wie schwierig es ist, Albert/SRV.mäßige Bendings richtig zu spielen. Vor allen dann, wenn Du die oben empfohlenen Saitenstärken verwendest. Hier hilft nur jahrelanges Training, und in den ersten Monaten werden Deine Fingerkuppen nach jeder Übungseinheit weh tun. Einfach Augen zu und durch...

Beim Üben musst Du hier aus extrem saubere Intonation auchten, d. H. die Tonhöhe, die Du im Kopf hast, exakt treffen. Dies gilt auch für die "falschen" Durchgangstöne: es gibt einen Unterschied zwischen gut klingenden und schlecht klingenden "falschen" Tönen.

Noch ein Tipp: Albert King - von dem Stevie seine Bending-Technik gelernt hat - spielte als Linkshänder eine "ungedrehte" normale Gitarre, bei der also die hohen Saiten oben waren. Darüber hinaus spielte er ohne Pick, nur mit dem Daumen. Stevie hat dies emuliert, indem er aus seiner - ganz normalen - Gitarre die gezogenen Saiten nicht von oben mit dem Pick angeschlagen, sondern vielmehr von unten mit dem Mittelfinger der Anschlagshand an ihnen gerissen hat. Schau Dir mal ein Video von Texas Flood an, da kannst Du genau sehen, wie dies gemacht wird. Am Anfang nur in kurzen Einheiten üben, da der "Zupffinger" schnell mal blutig wird...

d) Shuffle

Stevie ist vor allem für seine fantastischen Gitarrensoli berühmt. Er war darüber hinaus aber auch ein ausgezeichneter Rhythmusgitarrist, der selbst in einem Power-Trio die Musik extrem "dicht" machen konnte. Prägend für seinen Stil war natürlich der Shuffle-Rhythmus, der sehr viel Übung erfordert. Hier hlfs auch nur extrem langes Training: am besten spielst Du immer mit Metronom, fängst sehr langsam an und hörst Dir selbst beim Spielen sehr aufmerksam zu. Du solltest nicht verzweifeln, wenn es nicht auf Anhieb klappt: nur wenige Gitarristen sind fähig, einen Shuffle vernünftig zu spielen.

e) Back to the Roots

Ich sage es mal unverblümt: der Großteil von Stevies Licks war nicht neu. Er nahm gerne Sachen von älteren Gitaristen auf und bearbeitete sie nach seinem Geschmack. Wenn Du Stevies Stil deshalb wirklich verstehen willst, solltest Du Dir auch seine Idole aufmerksam anhören und einige Songs von ihnen lernen. Hier mal einige Tipps:

- Jimi Hendrix (Stevies größter Einfluss - muss weiter nicht kommentiert werden)
- Albert King (Stevies Bending-Licks findest Du bei ihm eigentlich fast alle, wenn auch in etwas abgespeckter Form)
- Freddie King (Shuffle, Turnarounds, schnelle Licks)
- Lonnie Mack (schnelles Spiel, Blues-Instrumentals)
- T-Bone Walker (riesiger Einfluss, vor allem in Bezug auf Stevies Slow Blues)
- BB King (Mischen von Dur- und Moll-Pentatonik)
- Lightnin' Hopkins (Shuffle, Doublestopf aus den hohen Saiten)

So, das war es fürs erste. Ich hoffe, dass ich wenigstens einigen von Euch den einen oder anderen Tipp geben konnte...:)
 
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coole Sache. Bin gespannt was da noch kommt!
 
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Wenn noch etwas ungeklärt ist, dann könnt ihr gerne Fragen. Weiss zwar bei weitem nicht alles, aber vielleicht kann ich trotzdem ein wenig helfen.
 
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Die SRV Signature wiederum ist meiner Ansicht nach eigentlich nur eine aufgemotzte American Standard, die noch dazu die schrecklichen Texas Specials hat und mit goldener Hardware ausgerüstet ist, die Geschmackssache ist. Außerdem hat sie einen dicken Lack, der für den "offenen" Stevie-Sound nicht gerade förderlich ist.

Also mal ganz ehrlich, bei einer solchen Fender, wo in der Regel die Schraubhals-Verbindung ziemlich wenig passgenau ist (dass der Hals auch ohne Schrauben schon schön stramm in der Halstasche sitzt), würde ich echt keinen Gedanken daran verschwenden, ob der normale Polylack evtl. den Sound negativ beeinflusst.

Da geht es doch nicht um frei schwingende Fichtendecken oder ähnliches...

Ansonsten ist dein Beitrag echt super! : )
 
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Hmmm....ich weiss nicht. Vielleicht liegt es auch an den Texas Specials, aber der Sound der SRV Sig. ist für einfach zu matschig. Außerdem zerstört der dicke Lack den ganzen "Vibe" der Gitarre. Wer schon einmal eine Strat mit dünnem Nitrolack gespielt hat, der weiss, wovon ich rede. Es ist kein Zufall, dass die teuersten Strats aus dem Custom Shop fast alle einen dünnen Nitrolack haben.
 
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WOW! Tolles Thema! Danke für die Infos. :great:

:D Ich versuch mir gerade gerade ein SRV Sound-Setup zu häkeln ... allerdings mit ner Tele. Strats sind nicht so meins.
 
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Stevies erste "richtige" Gitarre war eine Broadcaster. Angeblich hat er sie lange und sehr gerne gespielt...
 
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Sehr schöner Beitrag! Auch ich habe mich für eine lang Zeit SRVs Musik und seinem Spiel gewidmet. Als ich ihn das erste Mal während eines längeren USA Aufenthalts Anfang der 90er gehört habe, hat es mich schier umgehauen. By the way, ich fahre seit Ewigkeiten, es müssen mittlerweile fast 15 Jahre sein, extrem gut mit meinen Texas Specials in meiner Jimmie Vaughan Strat :)
 
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Toller Thread, dafür gibts Kekse :great:

Könntest du das mit dem Bendings nochmal genauer erklären, evtl. mit Video?
Also, dass Stevie mit dem Mittelfinger an den Saiten "gerissen" hat?

Ich hab in meiner Mexikanischen Fender Strat Tex-Mex Pick Ups drin und die klingen schon richtig nach Stevie ;)
Richtig schön fett und nicht so "durchsichtig", wie die Standard-Strat Pick Ups.

lg
V.O.N.
 
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Stevies erste "richtige" Gitarre war eine Broadcaster. Angeblich hat er sie lange und sehr gerne gespielt...
... ja, die Jimbo - Geschenk vom großen Bruder. :)
Wie das wohl geklungen hat?
Meine hat als Neck ein Rumpelstiltskin Tall-T ... relativ "strattig"
 
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Hallo,
-bis auf ein paar sehr allgemein gehaltete Weisheiten a la " nur dünne Lackierung bringts" oder " die Texas specials find ich schrecklich" ein ganz netter Überblick für Fortgeschrittene.
Da bin ich ja das krasse Gegenbeispiel :
Japan-Strat mit megadicker Lackierung (inzwischen ordentlich vedengelt)
Texas Specials
Nicht runtergestimmte Gitarre mit 011er (11er bis 49er) Saiten
Nehme immer bei Fingervibrato die ganze Hand vom Gitarrenhals, lasse nur den Zeigefinger oder aber den Ring./Mittelfinger nebst Nebenfingern auf dem Griffbrett und mache die Saitenbewegung mit dem Unterarm - macht SRV übrigens auch oft so, im Gegensatz zu John Mayer ...
Bei Bendings und anschl. Vibrato muß die Hand natürlich draufbleiben, klar...
Meine Custom Shop limited Edition 93 mußte ich irgendwann verkaufen, da meine Japan-Strat einfach für mich besser klang (damals noch über nen JCM 800).
Spiele nen TS 10, meist jedoch einfach mit nem TD-1 von MEK. Der reicht.
Der späte Stevie hat Fuzz-Faces benutzt - ich nehm nen Germanium-Fuzz Klon vom 69er Fulltone-Fuzz.
Grüße, Stefan
 
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Im Grundsatz geht es eigentlich darum, dass die Saiten völlig anders klingen, wenn man sie mit den Fingern (also ohne Pick) bespielt. Dies kannst Du z. B. bei Albert King, Hubert Sumlin oder Robert Cray beobachten: diese Bluesmänner spielten/spielen bewusst ohne Pick und haben so mehr Phrasierungsmöglichkeiten. Z. B. können sie so an den Saiten reissen. Albert King hat noch dazu - wie bereits gesagt - als Linkshänder eine normale Rechtshändergitarre einfach "umgedreht". Wenn Du eine Linkshändergitarre mal in die Hände bekommst, dann versuche mal, auf ihr Bendings zu spielen: Du musst dazu die hohen Saiten nach unten, also in die Richtung Deiner Bein ziehen, wodurch Du einerseits sehr viel Kraft entfalten kannst und andererseits eben die Saite von der anderen Seite anschlägst.

Stevie hat dagegen meistens mit dem Plektrum gespielt. Um allerdings die Albert-Bendings zu emulieren, hat er die Technik entwickelt, bei der er den Mittelfinger seiner Anschlagshand "ausgefahren" und dabei das Plektrum zwischen Zeigefinger und Daumen auch weiterhin gehalten hat. Du streckst also Deinen Mittelfinger einfach aus (ja, wie bei dem vulgären "Stinkefinger"...;)) und zupfst mit ihm die hohe E-Saite, etwa so, wie wenn Du es tun würdest, wenn Du Fingerstyle spielen würdest (nur halt mit den Pick zwischen Daumen und Zeigefinger, die allerdings jetzt nicht arbeiten). Lernst Du mit dem Mittelfinger umzugehen, hast Du so sehr viele Phrasingmöglichkeiten: Du kannst z. B. die Saite ganz sanft mit dem Finger streicheln, etwas stärker an ihr zupfen, oder auch - wie in den lauten Abschnitten der Texas Flood-Improvisationen - so an der hohen E-Saite reissen, dass sie auf die Bünde aufschlägt. Dies ist eine sehr rauhe Technik, aber wenn Du sie drauf hast, kannst Du den Albert-Stil täuschend echt emulieren.

Hier ein Video.

http://www.youtube.com/watch?v=u2y6xx2qnqg

Ab etwa 1.10 geht es los. Und Du kannst klar sehen, dass sich Stevies Hand beim Anschlagen der gezogenen Töne von der Gitarre weg bewegt und er an den Saiten reißt, anstatt ganz normal mit Downstrokes zu spielen.
 
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Texas Specials sind überbewertet. Die Legende, dass die Pickups overwound sein sollten, um DEN "SRV-Sound" zu bringen, ist meiner Meinung nach eine Legende. Ich hab mir die angehört. Die Custom Shop 69er kommen der Sache deutlich näher.
 
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Absolut wahr! Aber man kann die Leute nicht überzeugen, dass sie ihr Geld lieber in andere Pickups investieren sollten. Höllisch gutes Marketing von Fender...
 
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Hallo,
- Du hast sie Dir angehört und findest die 69er besser...?
Mist, jetzt kann ich die SRV-Songs aus dem Set streichen... hab grad kein Geld für die 69er.
Ich ruf noch schnell bei Fender an ... wenn sie erfahren daß Du sie nicht magst nehmen sie die sicher raus.
Overwound - das ist doch nur so ein Marketing-Gag. Dabei hatte ich mir eingebildet daß die ein wenig mehr Pfund aus meinem ollen Einkanaler holen.... so kann man sich täuschen...
Ich schreib mir sofort ne Liste mit allen Edel-Pickup-Herstellern auf ... wär doch gelacht, da muß ich halt meine Rentenversicherung beleihen.
 
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lass die Finger von Texas Specials. Ebenso von der Stevie Ray Vaughan Signature Strat aus den USA

Zum ersten Teil sag ich bedingungslos ja, zum zweiten hingegen muss ich widersprechen, insbesondere wenn man eine SRV Strat hat deren Griffbrett kein Pao Ferro ist :D
Das Baby da links in meinem Avatar ist eine der ersten, hat 7ender 57/62 PUs drinnen und ein neues, rein schwarzes Pickguard verpasst bekommen denn die Gravur brauch ich ned... inzwischen die letzte hier verbliebene Strat, mit 12er Saitensatz wird sie ab uns zu im Bluestrio noch gespielt...
 
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@ Rude Mood

Im Einsteigerbereich ist der Thread zu speziell, daher hab ich ihn hierher geschoben. Allerdings bin ich mit dieser Entscheidung auch nicht ganz glücklich, da es ja auch viel um Hardware geht.

@all
Fällt euch ein besserer Platz für den Thread ein? Ich würde ihn eh gerne irgendwo pinnen oder in den wichtigen Themen verlinken.
FAQ/Workshops wäre gut aber da schaut kaum einer rein..........:redface:

Danke Euch!

Greetz,

Oliver
 
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Hallo Oliver,

Ich denke, dass wir es getrost hier lassen können. Gerade bei Stevie gibt es ja zwischen der Spielweise und dem Equipment eine sehr starke Interdependenz: Du kannst über seinen Spielstil nur sehr schwer schreiben, wenn Du nicht auch ein wenig sein Equipment besprichst. Z. B. ist die das ordentliche "Reinlangen", dass ja so typisch für ihn war, ohne schwere Saiten nicht möglich. Und Du musst auch wissen, wie er sein Equipment verwendete, um an seinen Sound/Ton heranzukommen (Pickupstellungen, Arbeit mit dem Lautstärkeregler, etc.). Und gerade um die Pickups ranken sich ja viele Legenden und Halbwahrheiten, obwohl eigentlich auch hier die richtige Spielweise der Schlüssel ist. Viele Leute suchen halt die Lösung in den "overwound" Pickups, was aber ein Irrweg ist.
 
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Aber im Endeffekt macht der Spieler den Großteil des Sounds aus. Jimi Hendrix hat fast ausschließlich Strats gespielt und troztdem klingt er auch mit einer SG oder Flying V noch genau so unverkennbar. Vieles, was über Equipment gesagt wird ist wichtig und das soll auch gesagt weden, aber bei manchen Sachen ist einfach ganz viel Voodoo dabei. Bestes Beispiel sind für mich diese neuen Gitarrenparts von... naja.. ich will den Namen der Marke nicht nennen, aber vervollständigt mal diese erste Zeile eines Liedes, das eigentlich jeder Gitarrist spielen kann: (We all came out to...)

Wie soll es sich auf den Sound meiner Gitarre auswirken, ob die Potikappen jetzt aus neuem Plastik sind oder aus einem "historisch korrektem" Material mit Rissen und aging?
Gerade in der Gitarrenecke gibt es so unglaublich viel Voodoo. Das gleiche ist es oft auch mit der generellen Aussage, das nur die USA Fender Gitarren was taugen. Auf YouTube gabs mal ein Video, wo ein Typ seine beden Strats angespielt hat und nur ein Bild von den beiden Gitarren in den Hintergrund gelegt hat. Während er spielte stand auf dem Bildschirm lediglich Gitarre 1 bzw. Gitarre 2. In allen Kommentaren stand, dass Gitarre 2 deutlich defininierter klingt und sicher die USA Strat sei. Tja... Gitarre 2 war aber die aus Mexiko ;)

Dann noch die ganzen Geschichten mit Palisander vs. Ahorngriffbrett usw...
Mag sein, dass es einen Unterschied im Klang gibt, aber das sind einfach Nuancen.

Was ich immer am lustigsten finde ist, dass die Zuhörer auf Konzerten sowieso keinen Unterschied zwischen einer Fender und einer Squier kennen.

Aber wir Gitarrsten sind eben ein komisches Volk und es geht ja darum was wir denken und nicht darum, was die Zuhörer denken :D
 
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