Stimmsitzprobleme und Frage zur Kopfstimme

von Soulless B, 08.01.08.

  1. Soulless B

    Soulless B Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.01.08   #1
    Hallo erstmal :) ich hab schon lange nichts mehr geschrieben bzw. erfragt und nun hab ich mal wieder eine Frage bezüglich der Kopfstimme. Ich würde gerne wissen, ob ich bei der Datei, die ich geschickt hab die Kopfstimme singe (erster Part) . Ich muss zugeben, es klingt sehr schlimm, hoffentlich geht euer Ohr nicht puttig :( ich hab mich da sehr versucht am Metal zu orientieren.

    Und mein zweites Problem, nunja, ich hab total Probleme mit dem Stimmsitz, beim zweiten Part hört man sehr genau, dass ich einfach die Stimme nicht rauskriege, Resonanzraum ist total im Hals, man könnte meinen, dass ich rumquacke. Vielleicht hoffentlich, habt ihr da einen guten Tipp, damit hab ich nämlich schon ewig ewig zu kämpfen. Das klingt auch sehr nach Gesang. Es ist auch eg. schon zu hoch für mich. Naja nun denn.

    http://www.file-upload.net/download-599161/heady.wav.html

    Gruß Soulless
     
  2. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 08.01.08   #2
    Ich würd sagen: Ja...
     
  3. barikrehe

    barikrehe Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.01.08   #3
    Hallo!
    Als Neuling im Forum widerspreche ich nicht gerne "alten Hasen", aber als klassisch ausgebildeter Sänger und Gesangslehrer würde ich sagen: das ist ziemlich eindeutig keine Kopfstimme, sondern ein Mischregister. Ich kann Dir mal (stark verkürzt und deshalb anatomisch nicht 100% korrekt, aber für Übezwecke völlig ausreichend- schließlich sind wir keine Ärzte) kurz Deine Kehlkopfmuskeln vorstellen, zumindest die, die für Dich wichtig sind. Als erstes hast du zwei paar Muskeln, die den Kehlkopf heben und senken, als nächsten zwei Muskelringe, die den Kehlkopf bzw. die Stimmlippen öffnen, schließen und formen.
    Wenn du mit der Bruststimme singst, benutzt Du im extremsten Fall nur den äußeren dieser Ringe. Der ist außerdem besonders aktiv bei offenen Vokalen. Du kannst das ausprobieren, wenn du einen deiner tiefsten Töne möglichst locker aber knackig auf dem Vokal "A" zu singen: Das ist 100% Bruststimme.
    Bei der Kopfstimme tut der äußere Ring gar nichts, sondern nur der innere - hier schwingen nur die Spitzen der Stimmlippen. Da diese Schwingungen natürlich schneller sind, als wenn sich der ganze Apparat bewegt, geht Kopfstimme nicht bei den tiefsten Tönen, sondern je höher und dunkler der Klang, desto besser. Außerdem ist sie relativ leise. Versuche, leise und entspannt einen hohen Ton auf "U" zu singen, dann kriegst Du wahrscheinlich deinen Kopfsound. Der wird relativ leise sein und, wenn Du nicht trainiert bist, vielleicht ein bisschen heiser. Auf jeden Fall klingt Kopfstimme eher wie eine Flöte oder bei tiefen Stimmen wie eine Eule oder so was, aber nicht so hell wie auf Deiner Aufnahme.
    Was Du da vermutlich machst, ist folgendes: Du willst ja in der hohen Lage deine Töne mit Power und (nenne ich mal so) "Metal-Druck" rüberbringen. Das machst Du nicht mit der Bruststimme, entweder weil der Muskel nicht genug trainiert ist, Deine natürliche Bruststimme alleine für diesen Ton einfach zu tief liegt oder Dir die Klangfarbe, die Du dann hättest, nicht gefällt. Also spannst Du zusätzlich noch den inneren Muskel an, der Kopfstimme macht. So kriegst du eine gemischte Klangfarbe, die hoch ist, aber noch nach Brust klingt.
    Das ist aber nicht das einzige, was Du tust: Du bist am Anfang so auf "hoch" fixiert, dass du mit Deinem ganzen Gesangsapparat mit nach oben gehst: Deine Hebemuskulatur zieht den Kehlkopf mit nach oben, und für das richtige Power-Gefühl spannst Du Dein Zwerchfell stark an. Dadurch wird dein Hals etwas enger, aber etwas anderes passiert auch: wenn Dein Kehlkopf nach oben wandert, schließt sich irgendwann der Kehldeckel - das ist ein Knorpel, der oben auf dem Kehlkopf sitzt und normalerweise dicht macht, wenn etwas nicht in die Luftröhre soll. Wie sich das anfühlt, merkst du im Extrem beim Trinken, wenn du schluckst. Beim Singen ist es natürlich weniger ausgeprägt, aber kostet immer noch Kraft.
    Da liegt das eigentliche Problem, warum Du nach den hohen Tönen nicht runterkommst, würde ich sagen: Du spannst an: Zwerchfell, Hebemuskel, Senkmuskel (sonst würde Deine Stimme sich überschlagen), äußeren Ringmuskel, inneren Ringmuskel, Kehlkopfdeckel - eigentlich alles, was nur geht, vielleicht sogar noch Zunge und Unterkiefer. Wenn Du dann nach unten willst, löst sich diese Masse von Anspannung nicht schnell genug, und Deine Töne verwackeln.
    Ich würde Dir erst mal folgendes raten: Versuche, solche Stellen erst mal so locker wie möglich zu singen - egal, wie es klingt. Merke Dir das Körpergefühl, wie sich die tiefenTöne anfühlen, wenn sie gut klingen. Versuche, dieses Gefühl bei der hohen Stelle auch hinzukriegen - zumindestens so weit, dass Du direkt nach dem letzten hohen Ton in dieses Feeling reinrutschen kannst. Achte darauf, dass Du beim Atmen immer alle Muskeln im Hals loslässt - was sollen die auch noch in den Sekunden arbeiten, wo Du sie gar nicht brauchst? Schau mal auf Deine Schultern und Deinen Unterkiefer - wenn Du den Unterkiefer bewusst beim Singen nicht nach vorne schiebst und darauf achtest, dass die Schultern nicht nach oben gehen, lösen sich viele falsche Anspannungen bereits.
    Wenn das dann klappt, kannst Du vorsichtig wieder Spannung draufgeben, bis Du die Klangfarbe kriegst, die Du haben willst.
    Probier mal ein bisschen - und lass Dir von keinem Gesangslehrer erzählen, was Deine Stimme angeblich ruiniert. Das ist alles nur eine Trainingsfrage der Muskulatur, und ich kenne einige Metal-Screamer, deren Stimmen wesentlich intakter sind als die von erfolgreichen Opernsängern. Solltest Du allerdings Halsschmerzen nach dem Singen haben, ist das ein ernstes Warnsignal, denn der Kehlkopf hat an sich keine Nerven - wenn da was wehtut, ist der Schmerz schon außen herum. Aber ansonsten: Irgendwie singen ist, wenn's Spaß macht, immer besser als gar nicht singen!
    Ich hoffe, der kleine "Roman" hilft ...
     
  4. erdbeer-shisha

    erdbeer-shisha Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.01.08   #4
    also, ich finde vorallem, wenn du versuchst die letzten 2 hohen Töne zu erreichen,hört man richtig, wie dein ganzer Stimmapparat dicht macht und du nicht versuchst durch Atemstütze und gesenkten Kehlkopf den Ton zu erreichen,sondern einfach nur Druck gibst - ein, auch bei mir, häufig beliebter Fehler, der sich gerne einschleicht, wenn ich meinen Bruch zwischen Brust- und Kopfstimme übe.Bleib locker, versuch am besten deine Halsmuskulatur und auch deine Gesichtsmuskulatur so unverkrampft wie möglich zu lassen und arbeite mit deiner Atemstütze - du musst ja schließlich versuchen, keinen Luftstrom beim Ansingen zu hören :)
    Was mir am Anfang auch natürlich geholfen hat, war ein weit geöffneter Mund,damitgenügend Resonanzraum im Mund entstehen kann, um es dann lauter zu machen, muss man evtl dann mit der Mundöffnung arbeiten,die dann nicht, wie bei dem von barikrehe beschriebenen "U" recht schmal, sondern ruhig breit mit Zeigen der Vorderzähne sein kann.

    Die Claud
     
  5. barikrehe

    barikrehe Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.01.08   #5
    Hallo erdbeer-shisha,
    nicht als Widerspruch, aber als kurze Klarstellung: das "U" war nicht als Empfehlung zum Weiterkommen gemeint, sondern erst mal ein Tipp, wie man ziemlich sicher mal die eigene Kopfstimme in reiner Form hören kann - ich dachte, das wäre hilfreich, damit Soulless B ein Gefühl für den Sound bekommt und selbst hören kann, ob er gerade Kopfstimme singt oder nicht :D Wichtig ist erst mal: Locker bleiben, und den Rest, wenn man von ein paar Basics absieht, muss ohnehin ein Gesangslehrer machen, und in diesem Fall vielleicht auch einer, der nicht direkt drei Kreuze schlägt, wenn jemand "Led Zeppelin" sagt ...
     
  6. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 10.01.08   #6
    Noch mal zur Erklärung, bevor es hier wieder in Definitionsdiskussionen ausartet....

    Es existieren unterschiedliche Definitionen zu den Stimmregistern - ich denke, dass ist uns den vielen Threads, in denen wir uns gemeinsam darüber austauschen, klar geworden. Deswegen sind solche Fragen nie eindeutig aus der virtuellen Distanz heraus zu beantworten. Es existieren Unterschiede sowohl aus logopädischer Sicht als auch innerhalb der Gesangstile. Für die Einen ist Kopfstimme und Falsett das Gleiche, für andere wiederum nicht ... usw....

    Es kann selbstverständlich sowohl eine hochgezogene Bruststimme oder die Mischstimme sein, die wir hier hören.

    Die Tipps von barikrehe finde ich gut und befolgenswert. Aber dennoch - soulless - Du hast diese Fragen zu Kopfstimme/Falsett und Co schon sehr, sehr häufig gestellt: mach Dich nicht kirre, kümmere Dich weniger darum, wie sie heißen und eher darum, alles geschmeidig zu singen.

    Nun könnte man sicher sagen: um vernünftig zu kommunizieren, ist es wichtig, den Dingen einen Namen zu geben. In der Regel stimmt das auch, aber: wir haben die Erfahrung gemacht, dass es nicht nur unter Sängern, sondern auch unter Gesangslehrern sehr unterschiedliche Sichtweisen gibt. Und das macht es hier eben ungemein schwierig.
     
  7. Soulless B

    Soulless B Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.01.08   #7
    Okay, erstmals vielen vielen dank für eure Tipps, ich werd mehr zur Antwort schreiben, wenn ich wieder Zeit.

    Mit freundlichen Grüßen

    der Soulless :)
     
  8. Shoe

    Shoe Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.01.08   #8
    Wo ich das hier lese: ein ganz aktueller Tipp von mir, den ich heute erst von meinem Gesangslehrer bekommen habe, da wir jetzt endlich damit anfangen, meinen Registerausgleich (trainiert jetzt leider nicht direkt deine Kopfstimme und deren Resonanzräume) zu trainieren:

    Und zwar singst du eine 5-Ton-Folge in einer Lage, wo du auf jeden Fall mit deiner reinen Kopfstimme singst. Diese Ton-Folge gehst du dann immer weiter nach unten.
    Irgendwann wirst du merken, dass deine Bruststimme mit einsetzt. Ist das der Fall, versuchst du die Töne mit der (wahrscheinlich, kenne mich da nicht so aus) Mischstimme in der selben Fassung zu singen wie vorher die Töne in der Kopfstimme.
    Je weiter du nach unten kommst, desto mehr bewegst du dich natürlich von der Kopfstimme weg zur Bruststimme - und trotzdem versuchst du weiterhin, die gleiche Fassung beizubehalten.

    Mein Gesangslehrer hat mir versprochen, dass ich dadurch ein viel besseres Gefühl für meine Stimme bekomme - besonders wenn es dann in die höheren Lagen geht, kann man seine Stimme dank der Übung denke ich gezielter einsetzen und auch den Wechsel von Brust zur Kopf- oder Mischstimme elegant lösen.
    Noch weiß ich aber nicht, wie es sich wirklich auswirkt (wie gesagt, mir erst seit heute bekannt) - aber ich werde auch diese Übung in mein tägliches Repertoire aufnehmen, weil man auch da, denke ich, wirklich am Ball bleiben muss, wenn sie etwas bringen soll.

    Bleibt wie immer zu sagen: viel Spaß beim Üben und hab keine Angst vor deiner Kopfstimme!
     
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