Testlauf: Numa Compact 2X

von schamass, 04.04.19.

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Casio
  1. schamass

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    Erstellt: 04.04.19   #1
    Ich hatte mir diese Woche das Compact 2x bestellt und gestern wurde es geliefert.
    Insgesamt hinterlässt das Instrument bei mir einen zwiespältigen Eindruck, aber der Reihe nach...

    Das ist das Keyboard, um das es hier geht:
    [​IMG]
    Gekauft habe ich es hauptsächlich als Masterkeyboard zum Spielen von VSTs über eine Host-Software.
    Ausschlaggebend für den Kauf waren die verbaute 88er Fatar-Tastatur (leichtgewichtet und mit Aftertouch), die leichte kompakte Bauweise und die Zugriegelcontroller, weil Orgel braucht man immer. Die eingebaute Klangerzeugung fand ich ganz praktisch und die Lautsprecher waren eine nettes Gimmik (davon habe ich mir nicht zuviel versprochen).

    Das beste an dem Instrument ist meiner Meinung definitiv die Tastatur - spielt sich super!
    Auch an der Qualität des Kunststoffgehäuses habe ich eigentlich nichts zu meckern - es ist leicht, es ist relativ stabil und ist darüber hinaus auch nicht sonderlich klapprig, alles im grünen Bereich.
    Die Controller bedienen sich echt gut; nicht zu leicht und nicht zu schwer. Die Verlegung der Klangregelung und des Volumereglers an die rechte Seite ist gewöhnungsbedürftig, aber das geht schon.

    Generell ist das winzige Display zum Spielen und Bedienen/Navigieren zwar ausreichend, aber das Editieren darauf ist schon sehr mühsam und nervig.

    Die Anschlüsse liefern mal eben das Notwendigste, aber mehr auch nicht, aber ok... ausreichend.
    Blöd ist, dass die Beschriftung der Anschlüsse nicht farblich vom schwarzen Gehäuse abgehoben ist (schwarzer Adler auf schwarzem Grund).

    Und wenn wir gerade schon bei blöden Hardware-Merkmalen sind:

    Wer diese beschissenen Mini-Hebel (eigentlich sind es ja eher Metall-Warzen) als Ersatz für eine ordentliche Pitchbend- / Modwheel-Kombination ersonnen hat, den soll doch der Blitz... ach egal.
    Auf jeden Fall ist das schon mal ein fettes Minus. Streng genommen sind die Dinger eigentlich nicht ordentlich zu bedienen.
    Die eingebauten Lautsprecher sind (wie zu erwarten war) keine Klangwunder, aber wie soll das bei der Größe auch anders gehen?
    Mehr als eine Notlösung, z.B. wenn man mal mit den Kumpels eine Akkustik-Session machen will, ist das eigentlich nicht - aber gut: Nice to have, könnte bestimmt auch noch schlimmer sein.

    Soweit wäre dann die Hardware eigentlich gar nicht mal so uncool (bis auf die Hebelchen).

    Der Sound der internen Instrumente ist bei den A- und E-Pianos und den E-Orgeln eigentlich ziemlich gut, wobei der Leslie-Effekt allerdings besser sein könnte (aber bestimmt auch schlimmer).
    Bei den restlichen Sounds reicht die Spanne von OK bis Ohje...
    Es hat ein paar nette Synthi-Sounds, die Strings sind eigentlich auch recht brauchbar, die Chöre gehen wohl auch zur Not, es gibt ein paar Bläser und orchestrale Sounds... nunja geht so.
    Die Bässe sind ok aber die Gitarren sind allerdings eher "bäh".

    Bis jetzt hat sich mein Gemecker eigentlich ja noch schwer in Grenzen gehalten - kommen wir nun aber zur "Software",
    bzw. dem Bedien- und Programmierkonzept und wie sich das ganze am MIDI-Port präsentiert - und da wird's dann schon etwas kritischer.

    Zuersteinmal: Das Ding hat kein MIDI Local-Off, also keine Möglichkeit, die Tastatur von der internen Klangerzeugung zu trennen.
    Für den Einsatz als Masterkeyboard schonmal generell nicht so prickelnd.
    Dafür hat es zwei MIDI-DIN Buchsen (IN und OUT) und es stellt MIDI per USB bereit, es gibt sogar eine MIDI-Merge Funktion, die sogar auf auf USB 'mergen' kann.
    Allerdings hat die Sache ein bis zwei Haken:
    Die komplette Reglergarnitur der Drawbars kommt per MIDI nur dann raus, wenn auch ein Orgelsound angewählt ist, und dann auch nur über USB-MIDI, am DIN-Port ist es mir nicht gelungen die Signale der Drawbars zu empfangen! Bei anderen Sounds sind nur die beiden ersten Zugriegel 'midifiziert'.
    Per USB werden im PC gleich zwei (virtuelle) MIDI-Interfaces erstellt, wobei ich auf einem auch wiederum keine MIDI-Signale der Zugriegel empfangen konnte. Vielleicht hängt das auch mit der "Zusammensetzung" des gewählten Presets zusammen (ich war es irgendwann leid weiter zu forschen).

    Und das ist dann das nächste "Schmankerl" bei dem Keyboard: Alle Presets sind generell mit zwei Instrumenten besetzt.
    Das heißt, alle Presets sind unter der Haube eigentlich als Split- oder Layer-Sound angelegt. Will mannur ein einzelnes Instrument, muss man eines davon eben deaktivieren - aber DA ist es immer. Übrigens ist der Splitpunkt nicht verschiebbar und es gibt davon auch nur einen - wozu auch mehr bei eine 88er Tastatur?
    Diese beiden Instrumente/Regionen sind (soweit ich das verstanden habe) jeweils 'autark'.
    Das heißt, es gibt für jede Region (Lower/Upper) einen separat einstellbaren Midikanal, jeweils zwei Effekte, man kann einstellen ob Pedale, Aftretouch und sonstiges für die jeweilige Region aktiv ist, und man kann natürlich auch die Lautstärke separat regeln.

    Stichwort "Effekte": Die Qualität ist insgesamt schon ganz passabel. Es gibt für jede Region zwei Effektsektionen FX1 und FX2, also könnten insgesamt theoretisch vier unterschiedliche Effekte pro Preset wirken. Allerdings gibte es in so einer Effektregion lediglich einen Button für die Region (upper/lower), einen Button mit dem man sich durch die jeweiligen Effekttypen durchsteppen kann und einen Regler für die Effektstärke - das war's!
    Wer also denkt, dass man z.B. bei einem Delay die Zeit oder das Feedback einstellen kann, oder beim Rotary die Geschwindigkeiten für Hi/Lo... Fehlanzeige!

    Und so geht es dann auch weiter, wenn man mal etwas tiefer gräbt und einen Sound editieren will, da ist nur das allernötigste vorhanden (und auch unnötiges).
    Möchte man z.B. einstellen, was der Aftertouch oder die Modulationswarze (Modwheel) so machen soll (Vibrato, Filter, Lautstärke...) dann wird man feststellen, dass das nicht vorgesehen ist.
    Es gibt auch den ein oder anderen Synthi-Sound, der recht gut als Leadsound einsetzbar wäre, aber die Klänge sind alle polyphon ausgelegt und umstellen kann man das nicht (wäre vielleicht auch für den ein oder anderen Bass-Sound ganz nützlich gewesen).

    Eine Editorsoftware gibt es nicht.
    Auch nicht so zeitgemäß: Das Keyboard funktioniert am PC zwar als Soundkarte, wenn man es per USB anschließt, aber es gibt keinen ASIO Treiber dafür (OK, mittels ASIO4ALL auch irgendwie machbar).

    Fazit: Für mich als jemanden, der normalerweise Synthesizer/Workstations spielt, und der in dem Instrument eine Art Masterkeyboard mit Soundzugabe zu finden gehofft hatte, bietet das Teil einfach zu viele Minuspunkte. Deshalb geht es leider zurück zum Absender und für mich geht die Suche nach einem leichten Masterkeyboard mit leichtgewichteten 76+ Tasten mit Aftertouch weiter...
    Es ist nun einmal "nur" ein passables Stagepiano (oder eher Stagekeyboard, wegen den leichtgewichteten Tasten), das bestimmt auch eine ganz gute Figur macht, wenn man es dazu benutzt, nur mit den vorhandenen Sounds zu spielen. Die MIDI-Verbindung zur Außenwelt ist meiner Meinung nach allerdings nicht zu empfehlen.
    Ich bin ganz offensichtlich mit den falschen Erwartungen an die Sache ran gegangen, und vielleicht hilft dieses "Review" ja dem ein oder anderen bei seiner Entscheidungsfindung...
     
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  2. Benetti

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    Erstellt: 04.04.19   #2
    Hallo Schamass,
    Vielen Dank für Dein Review. Da mich das Studiologic Numa Compact 2x auch interessiert habe ich es natürlich durchgelesen.
    Nach der Bedienungsanleitung (Seite 32) müsste der Splitpunkt aber einstellbar sein.
    Im Appendix (Seite 83 Bedienungsanleitung) ist ein „Local Control on/off“ als vorhanden vermerkt.
    Auch ich teile deine Einschätzung, dass das Mini-Display eine Bedienung sehr erschwert. Vermutlich ist dies in die Tiefen der Menüs schwierig und bedarf einer längeren Einarbeitung als nur ein Tag. Ich habe in der Vergangenheit oft mir kleine Notizen aufgeklebt –z.B. beim Yamaha NP 12(ohne Display) (sieht zwar nicht gut aus, aber hilft, wenn man die Funktionen nicht oft benutzt) und heute Abend in der Chorprobe konnte man auf die Schnelle auch nicht die Balance zwischen Piano und Strings einstellen(Stagepiano ohne Display).
    Die Kippschalter anstelle von Rädern für Bending und Modulation sind auch für mich ärgerlich – ich würde zumindest kleine Räder vorziehen, oder Joystick.
    Ob die Lautsprecher nur ein Notbehelf sind, würde ich gerne selber testen. U.a. habe ich ein Roland GO-Piano mit 2 x 2,5 Watt Speaker, die mir bis auf die Leistung gefallen. Das neue Roland GO Piano 88 hätte 2 x 10 Watt. Das Numa Compact 2x hat ebenfalls 2 x 10 Watt. Ich hätte mit 2 x 10 Watt da schon die Erwartung im Wohnzimmer ein deutliches Vorspiel geben zu können.
    Ich selbst würde das Numa Compact 2x vermutlich mindestens ne Woche testen wollen. Ist mir aber auch schon passiert, dass ich schon beim einmaligen Antesten ein Keyboard zurücksandte(EMU Longboard, GEM-Stagepiano), was meist auf den Klang oder die Tastatur zurückzuführen war.
     
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  3. Archivicious

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    Erstellt: 05.04.19   #3
    Ich hatte mir auch schon mal überlegt, das Compact 2 (ob nun mit oder ohne X) als 2-Board zu holen, zum einen für Sounds, die meiner Mojo fehlen (z.B. Streicher, Bläser... vermute mal, da wird die Qualität auch nicht so dolle sein, oder?) zum anderen als Tastatur für meinen Blofi-Expander - das compact 2 ist halt das einzige Rompler-Board unter 2000,- EUR mit Aftertouch).
    Muss man noch Local-off schalten, wenn man z.B. dem externen Gerät einen anderen MIDI-Channel zuordnet? Das geht ja pro Splitbereich laut Anleitung. Dann dürfte die interne Klangerzeugung doch eigentlich nicht reagieren, oder?
     
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