The Prodigy / The Fat of The Land / 1997 / CD

von Cameron Philips, 11.08.09.

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  1. Cameron Philips

    Cameron Philips Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.08.09   #1
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    Genre: Breakbeat, Elektronik-Punk, Big Beat
    Erscheinungsjahr: 1997
    Trackanzahl: 10

    1. Smack My Bitch Up
    2. Breathe
    3. Diesel Power
    4. Funky Shit
    5. Serial Thriller
    6. Mindfields
    7. Narayan
    8. Firestarter
    9. Climbatize
    10. Fuel My Fire

    Gut, besser, The Prodigy!

    Das perfekte Album voller Meisterwerke gibt es nicht. Prodigy's Megaseller "The Fat of the Land" von 1997 kommt dieser Idealvorstellung allerdings ziemlich nah!

    Ja gut, ich weiß... das ist ein verhältnismäßig alter Schinken, den ich hier rausgeholt hab und nicht jeder findet es interessant, nur was über die bekanntesten Klassiker zu lesen, doch aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass heutzutage nicht viele in meinem Alter diese Musik kennen, geschweige denn jemals was von der Gruppe gehört haben! Okay, dann fang ich mal an...

    Die 10 Tracks auf dieser unglaublich genialen Scheibe sind das reinste Feuerwerk für die Ohren und Dynamit für jeden CD-Player! The Prodigy haben mit diesem Album einen völlig einzigartigen Sound erschaffen, der sich in keine feste Kategorie einteilen lässt. Häufig wurde mit oberflächlichen und unpassenden Begriffen wie "Techno-Rock" oder "Electro-Punk" um sich geworfen, doch das sind im Endeffekt nur verzweifelte Versuche um dem zeitlosen, bombastischen Sound dieser Gruppe eine Bezeichnung zu geben. Es werden zwar Elemente der Genres HipHop, Drum & Bass, Punk oder Big Beat aufgegriffen, doch in eine definierte Schublade will dieses große Werk nicht passen. Man muss diesen Blockbuster mal gehört haben, um sich wirklich ein Bild machen zu können... Selbst nach mehr als 10 Jahren hat die Musik nichts von ihrer Faszination eingebüßt.

    "The Fat of the Land" ist jedenfalls eine explosive Mischung verschiedenster Klänge auf elektronischer Basis, die ohne Ausnahmen begeistern kann. Die CD ist der Kracher der 90er-Jahre schlechthin und darf, wenns nach mir geht, getrost zu den besten aller Zeiten gezählt werden. Ein wahres Brett mit wilden und aggressiven Beats, die jede Box zum Bersten bringen! Prodigys Musik ist dreckig, kantig und dennoch virtuos bis ins kleinste Detail durchkonstruiert. Ihr Stil ist unverwechselbar und trotzdem deckt das Album sehr unterschiedliche und variantenreiche musikalische Spektren ab. Jeder Song hat seine individuelle Ausrichtung, spielt dabei seine spezielle Rolle fürs Gesamte und dennoch haben alle Titel den typischen Style und tragen eindeutig die Handschrift von Produzentengenie Liam Howlett. Der beste Beweis für die Klasse ist aber, dass man gar nicht anders kann, als bei der Mucke anzufangen nervös zu zucken, weil es einfach so krass ansteckend und mitreißend ist. Charakteristisch ist übrigens die eher düstere Stimmung, die je nach Situation mal modrig-schmutzig oder eher mysteriös-finster ausfällt.

    Gleich der erste Track, das legendäre Smack My Bitch Up, ist ein Knaller, der einfach nur die Bude rockt. Fette Big Beats, die sowohl Hip-Hopper, Technofans als auch die Rockfraktion zufrieden stellen dürften. Geht einfach gut ab, ist toll zusammengebaut. Enthält eine arabische Frauenstimme, die (wohl durch entsprechende Bearbeitung) für den langezogensten Schrei sorgt, den ich je in einem Lied gehört hab und anschließend einen der genialsten Drops überhaupt.

    Breathe folgt darauf als zweites und ist ohne jede Frage ein krankes, absolut perfektes Meisterstück. Enorm fetzig, dreckig, moody und schnell. In welchem Verlies muss dieses Teil entstanden sein? Ich weiß es nicht... aber auf jeden Fall ist das unbeschreiblich genialer Psycho-Sound, der zappelig und unberechenbar durch die Lautsprecher fegt. Die Shouts von Flint und Maxim sind klasse eingebaut und sorgen für nen zusätzlichen Adrenalinkick. Besser gehts ja eigentlich nimmer!

    Diesel Power
    ist der HipHop-orrientierte Titel auf 'The Fat of the Land'. Liam Howlett sorgt für einen mittelschnellen, bassstarken Beat und Kool Keith rappt dazu. Dadurch, dass sich der Ryhtmus häufig wiederholt, ensteht eine gewisse Monotonie, aber wer auch nur ein bisschen was mit Rap oder ungefilterten Breakbeats anfangen kann, der wird gefallen an 'Diesel Power' finden. Fettes Ding!

    Bei Funky Shit darf zum ersten Mal etwas fröhlicher getanzt werden. Ein astreiner Partytrack mit toller Big Beat-Konstruktion, der sich deutlich verspielter und weniger aggressiv gibt als der Rest des Albums. Das einsame Gute-Laune-Stück unter den ganzen dunklen Kompositionen.

    Danach kommt Serial Thrilla, das mit E-Gitarren, knallharten Drums, punkigen Vocals von Keith Flint und Industrial-Samples extrem kompromisslos daher scheppert, aber leider nicht so raffiniert und flüssig aufgebaut ist wie die anderen Tunes. Nach etwas mehr als der Hälfte des über fünfminütigen Lieds hat man auch alle Klangspektren durch und die Elemente wiederholen sich nur. Obwohl "Serial Thrilla" es also nicht so mit Langzeitmotivation und Dynamik hat, macht sich das brutale Stück doch ganz gut als rotzig-brachiales Elektronik-Punk-Monster.

    Der nächste Geniestreich heißt Mindfields und stellt nach Breathe erneut einen großen Glanzpunkt dar. Eine ebenso geniale wie übersichtlich strukturierte Breakbeat-Nummer mit basslastigen Zwischenparts und leicht mysteriöser, fremdartiger Atmosphäre, die man wohl so nirgendwo sonst je gehört hat, außer vielleicht bei anderen Prodigy-Werken.

    Düster und mystisch geht es auch bei Narayan weiter. Sehr langes Drum & Bass-Stück mit großartigen Vocals und exzellenten Drum Patterns, dass trotz der epischen Laufzeit von 9 Minuten eigentlich nie langweilig wird. Im Vergleich zu den restlichen Sachen von "The Fat of the Land" etwas minimalistischer und weniger auf Details bedacht. Die finstere und gleichzeitig exotische Stimmung des Tracks hingegen ist einfach unglaublich.

    Dann ist Zeit für Firestarter. Einer der größten Hits von 'The Prodigy' und das auch nicht zu Unrecht. Jeder sollte es kennen. Ein hervorragend konstruierter, unfassbar antreibender Kracher mit einmaligem, alptraumhaftem Horror-Feeling. Im Gegensatz zu 'Breathe', dass seine Stärke auch darin bezog, dass es immer neue Haken schlägt, liegt bei Firestarter der besondere Reiz in den geradlinigen Beats und den kurzen Unterbrechungen dazwischen durch den dicken Bassschlag. Die Vocals von Flint passen perfekt und sind für Firestarter das besondere Tüpfelchen auf dem I.

    Climbatize
    ist ein feinsinnig gemachtes Instrumental, das einerseits recht harmonisch daherkommt, aber auf der anderen Seite eine unterschwellige, jedoch stets präsente Bedrohung ausstrahlt. Im mittleren Tempo angelegt und mit zahlreichen flächigen Sounds versehen. Klangkonstruktion mit viel Atmosphäre.

    Fuel My Fire ist natürlich auch elektronisch, klingt aber schon relativ stark nach Punk-Rock. Die Gesangbeiträge von Flint, die scheinbar durch einen merkwürdigen Effekt verändert oder seltsam aufgenommen wurden, um so klingen als singe er mit der Hand vor dem Mund, und die schrillen Melodien wirken anfänglich ziemlich gewöhnungsbedürftig, entpuppen sich dann später allerdings als wichtige Teile eines sehr gut gemachten und angenehmen Schlusstracks, der den agressiven Optimismus des Punks sehr überzeugend einfängt. Muss man aber eventuell mehrmals hören, bevor mans mag.

    "The Fat of the Land" ist mittlerweile wohl sowas wie ein Klassiker. Ein vollkommenes Album: Abwechslungsreich, total losgelöst von der Zeit, etwas härter und dennoch sehr fein zusammengebastelt. Faszinierend düstere Musik, die trotzdem teilweise schräg, exotisch und voll zum Abgehen geeignet ist. Elektrisch aufgeladen bis zum geht nicht mehr...Pure Energie eben. Wird einfach nicht alt. Kein Rock, kein Techno - etwas ganz anderes, besseres. Das Album der Superlative. Punkt.

    Anspielvorschläge: Breathe, Mindfields, Firestarter, Climbatize
    Skip-Tipp: ---ENTFÄLLT!---


    10/10
     
  2. Gast397216

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    Erstellt: 12.08.09   #2
    oh yes, welch herrliches review, welch herrliches album :D danke!

    ich bin mit the fat of the land quasi aufgewachsen. Ich war 5 Jahre alt als es rauskam. ich wohnte in einem Zimmer mit meinem älteren Bruder was zur Folge hatte, dass ich dieses Album damals über Jahre hinweg um die Ohren bekommen habe...zurecht :D

    bis heute eins meiner absoluten Lieblingsalben.
     
  3. Cameron Philips

    Cameron Philips Threadersteller Registrierter Benutzer

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  4. Captain-P

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    Erstellt: 26.08.09   #4
    Jo, da wird man doch gleich an seine Jugend erinnert :) ...

    Absolut geniales Album! Ich bin eigentlich kein großer Fan von elektronischer Musik aber das Teil ist durchdacht, hat eine klasse Produktiuon, rockt derbe und hat eben eine düsteren Charakter - genial.

    LG - Captain-P
     
  5. FurbDude

    FurbDude Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 31.08.09   #5
    ich liebe dieses album, gutes review
     
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