Bei ARTE gibt es eine lange Dokumentation zu den EAGLES und irgendwo mittendrin stehen Felder und Walsh bei den Proben zur Hotel-California-Tour mit im Vergleich zu heute wirklich lächerlich wenig Material. Don Felder mit einer Les Paul (okay, dürfte eine 59er sein) in einen
Fender Tweed Deluxe und fertig. Joe Walsh mit einer Tele in einen Deluxe Reverb. Dass die beiden dabei exzellent klingen, dürfte ja jedem klar sein, der nicht auf beiden Ohren gleichzeitig schläft.
Da fiel mir ein, dass ich einen 5E3-Clone von TAD im Keller habe, den ich seltenst benutze (Speaker: Jupiter 12 LC). Also kann und will ich das auch. Bis dahin wusste ich nichtmal wie so ein Amp sich verhält, weil ich in der Band einen kleinen Bogner nutze und zuhause kann man einen Tweed ja nicht aufdrehen, ohne dass den Nachbarn die Plomben aus den Zähnen springen.
Also hab ich den Amp Sonntagabend ins Büro gebracht, das nicht weit weg ist und da wohnt weit und breit kein Mensch. Was hab ich gelernt?
Er verhält sich wirklich so, wie die Legende von den Old-School-Amps ist. Bis 4 ungefähr bleibt er clean und wird linear lauter. Ab 4 wird er kaum noch lauter, verzerrt und komprimiert immer mehr. Klingt in jeder Stellung hervorragend, aber wenn er bei 4 in die Verzerrung geht, ist das schon hart laut. Selbst für eine Band vielleicht zu laut. Müsste man mal testen.
Vom Klang her also völlig großartig, aber von der Lautstärke, die die lütte 15-Wattkiste bei verzerrten Sounds abstrahlt, eventuell nicht praxistauglich ohne Pedal. Da arbeitet schon das ganze Gehäuse, der klingt nicht nur nach vorne raus, sondern alles gibt Schall ab. Moderne Amps sind wirklich völlig anders. Aber es gibt nicht viel, was mit dem Tweed nicht gehen dürfte (Metal natürlich).
Da hat man dann aber von der Gitarre bis zum Speaker ein Gesamtsystem, das extrem interagiert und mit dem man erstmal umzugehen lernen muss, was hauptsächlich über Spielstil und Gitarrenpotis läuft. Das verzeiht wenig und man muss das System laut (!) genau kennen. Zu Hause üben bringt da eher wenig, weil es eben so interaktiv ist und der Amp genau das Gegenteil von linear.
Ich hatte noch die Befürchtung, dass der Amp ab 7 völlig eskaliert und klingt wie eine Bombe im Kleiderschrank. Das ist aber selbst mit einer Les Paul nicht so, vermutlich liegt das am extrem stabilen Speaker.
Wie Don Felder klang ich trotzdem nicht, am Material wirds nicht gelegen haben.