Über den Sinn und Unsinn von Billiggitarren…

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Über den Sinn und Unsinn von Billiggitarren…

Eine musikalische, praktische und allgemeine Betrachtung vor allem für Anfänger in 6 Teilen:
1. Meine Motivation/ 2. Die philosophische Saite/ 3. Die Beschaffung/ 4. Prioritäten setzen/ 5. Die praktische Seite/ 6. Binsenweisheiten

Tach zusammen!

Das ist nahezu das erste Mal, dass ich es für angebracht halte, mich in einem Forum zu äußern - und das auch gleich in aller Ausführlichkeit. Seit geraumer Zeit suche und lese ich im Internet und verschiedenenen Foren Informationen zum Thema Akustik-Gitarre - i.d.R. zu bestimmten Modellen und Fabrikaten oder praktischen bzw. handwerklichen Problemen. Dabei stoße ich häufig auf Fragen von Anfängern oder Aufsteigern und denke so bei mir, an deren Stelle wäre ich manchmal ganz schön frustriert.:bad:

Manche Threads, die ich bisher gelesen habe, laufen nach folgenden Muster ab: ein Jemand oder eine Jemandin stellt eine Frage, mit etwas Glück erhält er/sie ein oder zwei Antworten, und dann folgen Posts, in denen vor allem Fachwissen zum Besten gegeben wird oder Detail- und 'Experten'-Fragen diskutiert werden. Diese Anmerkungen haben oft mit der eigentlichen Frage nicht mehr viel zu tun. Seinerzeit hätten sie mir als unbedarften, unwissenden und unsicheren Neuling nicht weitergeholfen. Eingedenk meiner eigenen Hilflosigkeit in der Anfängerphase möchte ich meine bisher gesammelten Erfahrungen und mein unmaßgebliches Wissen zur Verfügung stellen. Als einer der 'stillen Profiteure' dieses Forums kann ich so auch mal 'was zurückgeben, in der Hoffnung, die hier angeführten Aspekte mögen ebenfalls hilfreich sein.

Nach dem Sortieren meiner Ansichten hab' ich sie in verschiedene Aspekte unterteilt, damit vor allem die Anfänger und Unbedarften nicht gleich von der Textflut überrollt werden und etwas gezielter lesen können. Das Verfassen hat sich über längere Zeit hingezogen, da ich immer wieder auf Aspekte gestoßen bin, die mir gar nicht in den Sinn gekommen wären, und so wurde auch der Text immer länger, zumal auch eigene 'Erlebnisse' mit eingeflossen sind. Doppelungen oder Wiederholungen mit den Themen anderer Beiträge - ich verweise an dieser Stelle schonmal auf die empfehlenswerten 'Handreichungen' von Corkonian, Rancid, Disgracer u.a. - habe ich weitgehend zu eliminieren versucht, trotzdem gibt es sie natürlich - battjuhnoh, noobaddi iss pörfekkt!

Ich betone ausdrücklich, dass es sich im Folgenden um meine subjektive, mit individuellen Erfahrungen untermauerte, Sichtweise handelt! Ich beabsichtige in keiner Weise, andere Personen, Hersteller, Händler oder real existierende Lebewesen in irgendeiner Form herabzusetzen, herabzuwürdigen oder gar zu beleidigen. Ich beabsichtige lediglich, die eine(n) oder andere(N) Handlungen und Motive in Frage zu stellen. Ferner gestehe ich freimütig, dass ich manchen Anbieter einer gebrauchten Gitarre liebend gerne zur Lektüre der folgenden 'Abhandlung' verdonnern können würde - vor dem Verkauf, versteht sich!:evil:


2. Die philosophische(?) Seite

Eine Bekannte - gelernte und passionierte Buchhändlerin - hat mir folgende Standardsituation erzählt. Kommt wer (Geschlecht egal) in die Buchhandlung. Frage: "Kann ich Ihnen helfen?" Antwort: "Ja, ich suche ein Buch". Frage: "Was für ein Buch soll es denn sein?" Antwort: "Weiß nicht, ist für meinen Sohn".:confused: Gut, oder? Andere Situation, Jahre her. Ich stehe in der Kneipe und jemand spricht mich an: "Du, hörma! Du hast doch Ahnung von HiFi. Ich will mir 'ne Anlage kaufen, welche ist denn gut?" Sagt ein Anderer: "Ich glaube die Sowieso oder die Dingens…". Auch nicht schlecht. Aber Ahnungen gehören in die Esoterik und der Glaube in die Kirche.

Nicht wenige Gitarren-Anfänger oder -Aufsteiger machen's gerne in ähnlicher Form, wie man immer wieder lesen kann. Nämlich 'es' sich einfach - indem sie irgendwo irgendwelche Personen fragen und auf das musikalische Lebensglück hoffen. Liegt ja auch nahe, weil wir daran gewöhnt sind - wir leben schließlich im Land der Experten und All- oder Besserwisser! Zu jedem Blödsinn, dem man mit etwas gesundem Menschenverstand auch alleine durchdenken kann, werden vor allem in den Medien sog. 'Experten' zu Wort gelassen. Keine Ahnung, wer die dazu gemacht hat, aber sie sind überall, gepaart mit einer nicht mehr zu bremsenden Wissenschaftshörigkeit und einer regelrechten Evaluationswut. Die Folge sind die ganzen Sport-, Küchen-, Wellness-, Society-, Beauty-, Erotik-(S)experten und die Mitmenschen, die zwar zu nix was 'sagen' können, aber immer und überall mitreden. Ob schwachsinnige Castingshows oder das neueste Promiproleten-Big-Brassa - jeder weiß bei und für die Anderen immer bestens, wie die drauf sind und WARUM bei denen WAS los ist. Von 50 000 Leuten im Fußballstadion spielen lächerliche 22 mit dem Ball, aber die restlichen 49 978 sind alle Experten, die Hälfte davon permanent am Ende unzufrieden (eigentlich sollten die Besucher wissen, solche Veranstaltungen sind i.d.R. ergebnisoffen!).

- Worum es letztlich geht, ist nur eines - Verantwortung!

ICH treffe eine Entscheidung, ICH gebe Geld aus, ICH informiere mich im Rahmen meiner Möglichkeiten, ICH bin verantwortlich, egal, was mir die Experten empfehlen.
Ich (also der Verfasser dieser Zeilen) sehe mich nicht als Experte. Ich habe Wissen, und ich habe Erfahrungen. Mein Wissen ist begrenzt, aber ich kann's erweitern. Meine Erfahrungen sind zutreffend, aber rein subjektiv! Mein Wissen ist mitunter unzureichend, meine Erfahrungen kann ich guten Gewissens weitergeben. Für Beides habe ich lange und viel 'arbeiten' müssen und kein Mensch kann sie mir wegnehmen. Was andere damit machen, ist ihre Sache, was ich damit anfange, liegt ganz und gar in meiner Verantwortung.

- Liebe Gitarren-Anfänger, Ihr wollt eine Gitarre kaufen - NIEMAND :weep:wird Euch aus dieser Verantwortung entlassen!!!

Nicht bei der Informationsbeschaffung, nicht bei der Entscheidung, nicht beim Kauf. Diese Verantwortung ist eines von wenigen Dingen, die Euch ganz alleine gehören.
Eine beliebte Frage lautet in etwa: "Wie sind die XY- Gitarren?" Meine Antwort darauf wäre: "Oben lang und dünn, unten rund und dick, mit Drähten dran, machen Geräusche". Was kann ich mit so einer Frage eigentlich erreichen? Information beschaffen, etwas in Erfahrung bringen? Einen Experten finden, der's dann verbockt hat, wenn ich mit der gefällten Entscheidung doch irgendwie nicht zufrieden bin? Es gibt keine 'Stiftung Warentest' für Akustikgitarren; was ist, wenn ein anderer Experte meinen eben getätigten Super-Kauf wieder 'schlecht betet'?

Meine Empfehlung für Anfänger: trefft eine Wahl, fällt eine Entscheidung, gebt einen bestimmten Betrag aus - und seid mit dem Ergebnis zufrieden! Denn im Rahmen Eurer Möglichkeiten habt Ihr (hoffentlich) alles getan, was Euch mit Euren Mitteln möglich war. Und lasst Euch vor allem nach dem Kauf nicht von irgendwelchen Besserwisser-Experten wieder verunsichern…

… denn vermutlich wollt ihr doch nur eines - MUSIK machen, oder?! :rock:

MfG
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3. Die Beschaffung - aufpassen!

Zunächst ein paar allgemeine Aspekte: als Gitarren-Anfänger oder Aufsteiger ist man in der Zwickmühle
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. Man versucht logischerweise, das Risiko trotz der eigenen Unkenntnis zu minimieren. Gar nicht so einfach! Eine gute Möglichkeit scheint eine gebrauchte Gitarre aus dem Internet, günstiger Einstandspreis und damit ein geringeres Risiko, wenn man mit dem neuen Teil doch nicht klar kommt. Klasse Bilder, super Beschreibung, und in der 'Künstlerbewertung' stehen 100% und der Kommentar "Sehr netter Kontakt, alles problemlos, danke, gerne wieder …" (kennen die sich alle persönlich?!) etc. etc.

Geht mal spaßeshalber zur bekannten Online-Auktionsseite oder sucht in kostenlosen Kleinanzeigen 'Westerngitarre, neu oder gebraucht, bis 200€'. Klasse Verkaufs-Attribute wie "wunderschön" und "toll" könnt Ihr da finden. Werden eigentlich auch "tolle" oder "wunderschöne" Autos, Handys und CDs angeboten?! "Biete wunderschöne Schlagbohrmaschine, liegt toll in der Hand" oder "Toller Kühlschrank, steht wunderschön in der Ecke" hab' ich noch nie gelesen. Es geht aber auch einfacher und simpler mit "Gitarre zu verkaufen, 6 Saiten, übliche(?) Gebrauchsspuren", am besten noch mit einem miserablen Handy-Foto, im Halbdunkel und in schlechter Auflösung. Manche Teile werden offeriert "…mit kleinen Macken, die (natürlich!) den Klang und die Bespielbarkeit in keiner Weise beeinträchtigen…" und haben definitiv einen oder mehrere Schäden oder gar Risse im Holz
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. Viele Angebote erfolgen ohne Modellbezeichnung. Die reine Existenz einer Westerngitarre, vage mit einem unscharfen Foto angedeutet, soll den Betrachter wohl schon in entsprechende Ekstase versetzen.
"Heißgeliebte"
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Gitarren werden auch gerne verkauft. Diese Liebe scheint mir aber nicht wirklich übertragbar und mit dem Trennungsschmerz muss jeder selbst klar kommen. Eine von feinen Kratzspuren übersäte Westfield-Gitarre erhielt u.a. den Zusatz, sie sei ohne Risse und Schäden, aber "…es gibt ja immer Leute, die was zu meckern haben…". Bravo! Da beschwert sich schon im Vorhinein ein Anbieter über eine kritische Betrachtung seiner ramponierten Ware. Um die unzähligen Kratzspuren und Dellen an einem Instrument nachträglich in den Adelsstand zu erheben, werden sie von manchen Anbietern auch gerne mal als charakterbildende Maßnahme angepriesen. Sowas sollte mal ein Autoverkäufer machen - dem Interessenten erzählen, dass die Beulen und Roststellen weder den Gebrauchswert noch den Preis mindern, sondern der alten Schüssel erst ihren wahren "…Charakter…" verleihen. Wär' das ein Gelächter…
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Unfug wird ebenfalls mit Hilfe von gefühltem Halb- und Viertelwissen geschrieben. Man liest tiefgründige Weisheiten wie "…noch in Korea gefertigt…nicht so ein Billigmist aus China…aus den 90ern…nicht so schlechte Qualität wie die modernen Gitarren…Kenner wissen die Qualität der "älteren" Serie zu schätzen…" Über eine bekannte Marke (war früher mal ein lizensierter Name für Martin-Kopien aus Asien, verschwand vom Markt und wurde vor einigen Jahren vom deutschen Vertrieb wiederbelebt und als eigene Marke weitergeführt) schreibt ein wissender Anbieter: "…quasi eine Produktion von Hersteller Martin… mit den Billiggitarren…sonst so made in China…nicht zu vergleichen…"
Ignoriert das! Früher war alles besser, wissen wir, aber jetzt ist 'heute'. Lasst Euch ebenfalls nicht von dem "Sammlerstück", der "Rarität" oder von "…selten zu finden…" blenden. Rockbands, die früher kaum ein Mensch kannte, werden auch regelmäßig zum 'Kult' erklärt. Ist meistens nur reine Propaganda.

Ich bin auch schon auf so einen Experten 'reingefallen! Eine Ken Rose wurde mal mit 3 nichtssagenden Fotos und einem vom Schriftzug auf der Kopfplatte folgendermaßen angepriesen: "Neuwertig,da nur als Zweitgitarre im Wohnzimmer benutzt. Kleiner Kratzer in der Decke (Bild 3), ansonsten keine Mängel. Nichtraucherhaushalt. Bundrein. Gerader Hals. Leicht bespielbar. Ledergigbag bei einem Preis von 80 € inklusive. Westerngitarre Dreadnought, Fichtendecke, Zarre/ Boden Timber, Griffbrett Palisander, geschlossene Mechaniken in Chrom LISTENPREIS: 179.- €"
Ich bekam die Gier in die Augen, hab's ersteigert und - "Lehrgeld"
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gelassen! Die gesamte Beschreibung war ein Witz. Verpackt war das Teil in einem Stanford-Gitarrenkarton (der Versender legt hier anscheinend Wert auf Qualität und besitzt wohl eine Stanford), keine äußere Beschädigung. Hab' wie immer alles fotodokumentarisch festgehalten, man kann ja nie wissen. Aufgemacht, Gitarre lag ohne Schutz und nackt im rauhen Pappkarton, notdürftig ein bißchen Zeitungspapier daraufgelegt und daneben gestopft (der Versender legte hier keinen Wert mehr auf Qualität). Beim Abnehmen des Papiers brach die H-Saite am Wirbel - kann mal passieren. Die Saiten uralt und korrodiert (neuwertig!); der Hals war nicht(!) gerade, sichtbare Abnutzung an den Griffbrettkanten, das ist geschwärzt und die ursprüngliche Farbe des Holz' schimmert durch (neuwertig?); sichtbare Lackabnutzung oben am Schalloch (auch neuwertig?), die Mechaniken sind nicht geschlossen, sondern 'semi-closed', d.h. offene Mechaniken, nur eben mit Abdeckung (muss nicht schlecht sein, bei sog. Vintage-Editionen verwenden bekannte Hersteller mitunter recht teure, offene Mechaniken). Das Schönste kam aber beim Herausnehmen - ein deutlicher Spalt am Steg! Also erstmal Saiten entlastet, damit er sich wieder absenkt und kein größerer Schaden entsteht, und schon darüber nachgedacht, ob bzw. wie ich den Steg wieder befestigen kann. Lustigerweise kam der Steg noch weiter nach oben, denn wie sich zeigte, wurde er nur noch durch die Pins und die Saitenenden in der Decke gehalten (NEUWERTIG!!!)
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. Muss ich erwähnen, dass die Mensur natürlich nicht oktavrein war? Nach meiner Erfahrung tritt so ein Schaden nicht urplötzlich auf, sondern kündigt sich längere Zeit an. Der Besitzer einer (vermuteten) Stanford-Gitarre hätte so etwas ohne Weiteres sehen können und müssen. Original-Kommentar: "…bis auf dem beschriebenen Kratzer in der Decke…keinerlei Gebrauchsspuren…somit als neuwertig, nicht neu, deshalb auch als gebraucht verkauft…zu bezeichnen. Das…Saiten nach einem Jahr…Gitarre nicht gespielt…erneuert werden müssen…sie doch am besten wissen, wenn …Gitarren aufbereiten (Martin 5,19 euro)…mit dem Steg…unerklärlich, da…vor dem Versand überprüft…keinerlei derartige Schäden…meine Beurteilungen…nicht im Traum einfallen… defekten Gegenstand, nicht als solchen gekennzeichnet, anzubieten…nehme aber an, Verleimen des Stegs für sie kein Problem…

Damit war's für diesen 'seriösen' Anbieter mit Top-Bewertung o.k., er hatte, was er wollte! Nun, Lehrgeld ist es nur dann, wenn man auch 'was gelernt hat. Sonst war's nur teuer! In diesem Sinne bin ich noch froher Hoffnung. Ich will auch hier nicht über die Motive des Versenders spekulieren, aber auf das Thema Sorgfalt kommen wir noch mal zurück! In jedem Fall scheint 'neuwertig' ein beliebig dehnbarer Begriff zu sein. Was will uns der Autor mit diesen Zeilen sagen?

- Der Punkt ist - ein Anfänger kann die Qualität solcher Angebote erst recht nicht einschätzen!

Lasst die Finger davon, wenn Ihr nicht in der Lage seid, eine Gitarre anhand von Fotos zu beurteilen! Bei den Plattformen für Auktion oder Verkauf gibt es keine Regeln für die Beschreibung des Qualitätszustandes, wie es z.B. für Oldtimer seit Jahrzehnten selbstverständlich ist. Da hat ein vollmundiger Begriff wie "neuwertig" eine klare Definition innerhalb einer Bewertungsstufe. "Das wertentscheidende Kriterium bei der Bewertung eines klassischen Fahrzeuges ist der Pflege- und Erhaltungszustand. Dieser wird unterteilt in einzelne Zustandsnoten. Jeder dieser 5 Zustandsnoten kann selbstverständlich ein Marktwert zugeordnet werden." (www.mbgu.de) Warum soll es bei Gitarren anders sein? Wären alle gebrauchten Gitarren wie ständig behauptet im Topzustand, hätte ich nicht mein Hobby (s.u.).

Der Vintage-Faktor: den Begriff 'Vintage' kenne ich ebenfalls aus der Oldtimerszene und er bezeichnet m.W.n. ursprünglich klassische Vorkriegsmodelle, wird aber seit geraumer Zeit auch für klassische, hochwertige und mitunter horrend teure E-Gitarren-Oldtimer verwendet. Mittlerweile 'altern' namhafte Hersteller flatschneue E-Gitarren, damit sie aussehen, als hätte noch Pete Townshend sie auf der Bühne zerlegt und dann auf die Müllhalde geworfen. In Anlehnung an die sog. "Rat-Bikes" kann man dann noch drauf 'rumdengeln, sie nassmachen und rosten lassen oder tote Ratten (daher der Name) mit ollem Draht dranbinden. Geschmacksache. Die Folge aber davon: jeder Heini, der eine runtergewirtschaftete Gitarre verbimmeln will, nennt seine 'Rat-Guitar'
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einfach "Vintage" oder "vintage-mäßig", sie hat den "Vintage-Faktor" oder "Charakter" und er erhebt sie quasi zum Kultobjekt. Fingers wech - da sollen sich die Experten drum kümmern!!!
Thema Listenpreis oder UVP: der macht bei verschiedenen Händlern ohne Weiteres Unterschiede von mehreren zig- bis über 100undmehr-Euro aus und bei der sog. (vom Hersteller oder Importeur festgelegten) Unverbindliche Preisempfehlung für Neuware sieht's nicht viel anders aus! Ich sehe auch immer wieder Auktionen, die im Endergebnis für eine gebrauchte Akustikgitarre mehr erzielen, als diese tatsächlich neu, mit Garantie, kostet! Eine C.Giant- oder Golden Ton-Gitarre wurde als "…Western Gitarre 'Dreatnouht' -kaum bespielte Martin 45 Replik mit tollem Klang…" inseriert und für absurde über 140 €
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versteigert. Entscheidend beim Kauf einer Gebrauchten ist als Orientierung für den tatsächlichen Wert kein früherer Verkaufspreis, kein angeblicher Listenpreis, sondern einzig und allein der aktuelle Marktpreis (per Internet-Recherche zu erfahren)! Echte Raritäten lassen wir jetzt mal außer Acht.

- Mein Tipp: recherchiert den aktuellen Marktpreis, setzt Euch ein vernünftiges Limit und lasst Euch nicht zu einer 'Zockerlaune' hinreißen. Interessante Angebote gibt es immer wieder! Auktionsplattformen sind für den Geldbeutel ein gefährliches Pflaster und ihr wärt nicht die ersten, die das Auktionsfieber ereilt (s.o.). Beliebtes Zubehör aus den Rundum-Sorglos-Paketen, den sog. "Jam-Packs", halte ich persönlich erstmal für nebensächlich. Billige Taschen, Gurte, Plektren (Einzahl: Plektrum, lat.!) und Kirmes-Tröten bekommt man jederzeit und überall, über die Notwendigkeit einer 08/15-Liedersammlung und einer Karaoke-CD möchte ich mir erst gar keine Gedanken machen. Interessant wird es bei einem vernünftig gefütterten Gigbag oder einem stabilen Koffer und den gibt's i.d.R. erst ab einer bestimmten Größenordnung.

Angebote von höherwertigen Instrumenten zeichnen sich häufig durch eine Fotostrecke aus, die kritische Detailbereiche aus der Nähe zeigen, wie Lackoberfläche, Kratzer & Dellen, Mechaniken, Steg, Saitenhalter, Schalloch, Decke, Zarge & Boden, Bundstäbchen und Griffbrett. Totalansichten einer Gitarre, die dekorativ im Wohnzimmer steht oder liegt, helfen mir persönlich nicht weiter, das Bild einer 'gut erhaltenen, kaum bespielten, schwarzen Schönheit' auf einem Kleiderhaufen oder in einer Rumpelkammer zwischen Sperrmüll
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ermöglicht sehr wohl aber Rückschlüsse auf den aktuellen Besitzer (und seinen Umgang mit Dingen allgemein). 'Seriöse' Anbieter verbergen und verschweigen nichts! Entsprechend sind die Fotos und oft die Gebote der Interessenten. Sowas geht aber durchaus auch bei günstigen Gitarren!

Gitarren sind ein Gebrauchsgegenstand und haben ohne regelmäßige Pflege eine eher begrenzte Lebensdauer. Im Laufe der Zeit sind Gebrauchsspuren nahezu unvermeidlich. Ohne entsprechende Pflege schrumpft das Holz von Griffbrett, Resonanzboden und Decke, die dadurch ihre Wölbung verliert und evtl. sog. Trockenrisse bekommt (s.o. "…kleinere Macken…"). Lackrisse sind nicht so dramatisch, können aber ein Hinweis auf einen Holzschaden sein und sollten repariert werden, da der schützende Decklack an dieser Stelle 'offen' ist. Die Reparaturkosten bewegen sich, wenn die Reparaturen wirklich fachgerecht ausgeführt werden, leicht in der Größenordnung der Preise eines neuen Instrumentes. Mitunter muss man davon ausgehen, dass bei Gitarren, die relativ günstig als so etwas wie 'generalüberholt' angeboten werden, nur ein wenig Kosmetik betrieben wurde. Dann steht z.B. ein Zusatz wie "…gestern neue Saiten (Marke XY) aufgezogen…damit ihr sofort…loslegen könnt…" Saiten müssen eh regelmäßig erneuert werden, da sie korrodieren und immer dumpfer klingen. Das ist nur dann ein Verkaufsargument, wenn sie exorbitant gut, besonders oder teuer sind. Auf eine 80€-Anfängergitarre Saiten für 30€ aufzuziehen, steht m.M.n. in keinem vernünftigen Verhältnis zum Instrument. Dafür ist es abgrundtief unseriös, eine "neuwertige" Gitarre mit alten oder gar rostigen Saiten zu verschicken. Das Verhältnis ist entscheidend und sollte entsprechend gewahrt bleiben. Andererseits, wenn die Saiten eines der Hauptargumente sind, hat der Besitzer 1. keine 'Ahnung', also tiefere Kenntnis der Materie, 2. es ist ihm eigentlich egal, das Ding soll endlich weg, oder 3. es gibt nicht wirklich bessere Verkaufsargumente. Desgleichen gilt für blumige Phantasie-Attribute, die nicht sachlich den Zustand beschreiben.

'Übliche Gebrauchsspuren' hat mein alter Kunststoffteppich auch, also biete ich ihn trotz Brand- und Kaffeeflecken als neuwertig an. Schließlich kann ich drauf stehen und er hat noch alle 4 Ecken. Obendrein ist er eine echte Rarität - original handgekauft, "90er Jahre-Vintage-Kult-Custom-Shop-Model!"
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- denn bei der Qualität und dem Preis dürften alle übrigen Exemplare bereits im Teppichhimmel angekommen sein (bei der Gelegenheit fällt mir ein Cafè-Besitzer ein, der zum Frühstück 'original handgeschnittene' Brötchen anbot…).

Wollt Ihr eine gebrauchte Gitarre kaufen, ist das Beste: direkten Kontakt zum Instrument aufnehmen (die Qualitätsunterschiede und die -streuung sind im unteren Preissegment mitunter sehr hoch). Ist das nicht möglich, könnt Ihr bei Online-Auktionen zwar Fragen stellen, aber die müssen schon exakt formuliert sein, um eine gewinnbringende Antwort zu erhalten. Eine ehemals teure Guild-Gitarre wurde versteigert mit unscharfen Fotos und '…langem Kratzer…' an der Zarge, der ziemlich merkwürdig aussah. Ich habe nachgefragt, und siehe da, ein paar Tage später schrieb der Anbieter, eine Gitarrenwerkstatt habe den "…Kratzer…" als Riss in der Zarge identifiziert, den man für angebliche 70€ reparieren lassen könne, oder besser noch, man mache es selbst(!). Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, die völlige Unbedarftheit mancher Anbieter. Und wie wollt Ihr die tatsächliche Qualität eines sehr preiswerten Instrumentes erfragen:confused:. Jemand, der eine solche Gitarre gekauft hat, wird Euch kaum Fragen beantworten können, die über 'schwarz', 'Superklang' und 'toll' hinausgehen.
Andererseits ist auch klar, dass niemand Lust hat, nach Einstellen des Angebotes ein Dutzend 'Fragebögen von unbedarften Käufern für den sicheren Erwerb einer Gitarre…' auszufüllen und zu mailen. Wollt Ihr den Auktions-Weg beschreiten, seht Euch die Fotos sehr genau an und überlegt Euch Fragen, die tatsächlich weiterhelfen. Fragen z.B. nach der Halsbreite machen nur dann Sinn, wenn Ihr vorher festgestellt habt, dass eine Sattelbreite von 42mm für Eure Finger zu schmal ist. Ansonsten ist eine Westerngitarre eine Westerngitarre, d.h. eine Breite von 42-43mm ist das Standardmaß.

Ich kann bzw. will Euch an dieser Stelle nicht in allen Einzelheiten schildern, worauf Ihr achten solltet und verweise nochmal auf die oben erwähnten Beiträge von Corkonian, Rancid, Disgracer u.a., z.B. den Beitrag zum Thema "100-Euro-Gitarren".
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Macht in jedem Fall keinen Schnellschuss, auch wenn das Internet vor schicken Bildern und Angeboten nur so leuchtet und das Instrument quasi auf Knopfdruck zu Euch nach Hause kommt! Mit ein bisschen Geduld und Suche findet Ihr aber auch im Internet Websites von Fachleuten, Gitarrenbauern, Werkstätten, Händlern für Instrumente oder Zubehör, deren Information Ihr zusammentragen könnt, und nach und nach ergibt sich ein 'Bild', mit dem Ihr Euch auf den Gebrauchtkauf vorbereiten könnt (das entsprechende persönliche Engagement vorausgesetzt). Habt Ihr dann noch gezielte, sachliche Detailfragen, versucht's mit der Suchfunktion im Forum.
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MfG Tama TG 80

weiter geht's unten - Teil 4: Prioritäten setzen...
 
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Ja und jetzt?
Machen wir das Forum zu - oder zumindest das für die Akustikgitarren?
Du magst ja Recht haben, aaaber:
- Wird das ein Anfänger lesen?
- Wird es ihm helfen?
- Wird er dann im Zweifelsfalle nicht besser doch wieder hier nachfragen?

Ich frage mich auch öfters, ob ein Thread jetzt wirklich nötig wäre oder ob er durch das Studium anderer Threads hätte gespart werden können, aber mancher User will einige Sachen eben selbst hören - mancher will natürlich nur seine eigene Meinung bestätigt bekommen und nichts anderes hören.
Natürlich werden hier auch öfters Dinge erzählt, die nicht so ganz stimmen und nicht immer wird dann widersprochen. Auch ich erspare mir solche Beiträge oft - man will ja nicht als ewiger Nörgler gelten und die Fragesteller können sich ja noch an anderer Stelle informieren. Sie müssen sich sowieso entscheiden, wem sie mehr glauben wollen, wenn es gegenteilige Ansichten gibt.
Es macht sich aber nicht so gut - das ist vielleicht nur mein ganz persönlicher Eindruck - wenn sich ein User zum ersten Mal hier zu Wort meldet und gleich mit dem Vorschlaghammer kommt - auch wenn er grundsätzlich Recht haben sollte.
Gut gemeint ist nicht immer gleich gut gemacht - oder täusche ich mich da? :rolleyes:
 
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- Wird das ein Anfänger lesen?
- Wird es ihm helfen?
- Wird er dann im Zweifelsfalle nicht besser doch wieder hier nachfragen?
Ich würde es so ausdrücken:
Ein Forum ist weniger geeignet um Ausführungen in Romanlänge zu veröffentlichen. :p
Und ja, die Leute wollen individuell beraten werden und dass hier nicht nur absolute Spezialisten Auskunft geben, liegt in der Natur der Sache.
Die Infos sind aber nicht minder subjektiv als bei einem mehr oder weniger schlechten Verkäufer.
Und es kann auch darum gehen, Zusatzinfos zu bekommen.
 
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4. "Die sind gut…" - Prioritäten setzen!

Schöne Namen gibt's jede Menge. Da sind die großen bekannten Marken, über die alle Welt redet (ob mit oder ohne den Hauch einer Ahnung und im guten Glauben) und die wir auch in den Händen berühmter Musiker und Musikerinnen sehen. Das Internet ist voll davon, das reinste Bilderbuch. Dann gibt's mehr oder weniger wohlklingende Phantasienamen, hinter denen sich keine bekannten und geschützten Label verbergen. Heißen z.B. "C.Aemon" (Dr. "Org. Asmus" lässt grüßen), "Golden Ton", "Clifton", "C.Giant" usw. Das können Instrumente sein, die z.B. von einem Großhändler als sog. Massenware bei einem der großen, chinesischen Hersteller geordert und dann unters Volk gebracht werden, ohne dass wir eine Information vom und über den Hersteller (z.B. Website) finden. Manche Label wie "Collins", "Harley Benton", "Jack & Denny", "Quintus", "Red Hill", "JustIn" sind spezielle Auftragsproduktionen eines oder mehrerer Händler oder Musikhäuser - die sog. 'Hausmarken' (das Prinzip kennen wir seit Jahren von den Lebensmittel-Discountern). Grundsätzlich bedeutet das erstmal weder 'gut' noch 'schlecht'. Aber als Anfänger fragt man sich natürlich, lasse ich mir jetzt 'einen erzählen', gehe ich nach dem niedrigsten Preis oder suche ich bei den bekannten Marken? Keine dieser Methoden führt zwangsweise zum Erfolg. Also schau'n wir mal bei den Experten in den Gitarrenforen nach, die kennen sich aus, die haben 'Ahnung'.:great:

Wenn Ihr dann intensiv gesucht und gelesen habt, stellt Ihr möglicherweise fest, 1. diese Menge an Information könnt Ihr eh gar nicht verarbeiten, und 2. die Verfasser sind längst nicht alle derselben Meinung - was ja auch zu erwarten war. Nach meiner Erfahrung muss man schon 'ne ganze Reihe von Posts lesen, um an Informationen zu kommen, und nicht alle sind sachdienlich oder hilfreich.:confused: Da liest man von einer "Lindenholzklampfe" und andere abwertende Kommentare und manchmal zoffen sich Verfasser auch untereinander:mad: (scheint 'ne deutsche Krankheit zu sein, in den englisch-sprachigen Foren habe ich ähnliches bisher noch nicht gelesen).

Es ist wie mit allen Dingen im Leben. Größer, schöner, teurer geht immer. Die Frage, die Ihr Euch stellen solltet, lautet "Warum ist das notwendig?" oder "Brauche ich das wirklich?" Macht Euch klar, alle Berichte, Kommentare, Posts und Bewertungen sind trotz aller Hilfsbereitschaft rein subjektive Aussagen, die mit Eurem Anliegen erstmal gar nix zu tun haben. Über die Motive mancher Verfasser kann man nur spekulieren. Ihr wollt eine Gitarre haben, und das heißt, Ihr werdet ein Risiko :weep:eingehen, so oder so.
Ich habe mich jahrelang mit richtigem HiFi beschäftigt (auch das ist rein subjektiv und wertend). Ich meine damit teures, sog. Hi-End-HiFi, das nicht im Elektronikmarkt zu finden ist. Ich hab' wie viele Andere auch 'schön' geredet, 'schlecht' geredet, missioniert und diskutiert, welcher Tonabnehmer am besten zu welchem Tonarm passt, wenn die Nadel XY montiert ist. Ich hatte ja so viel Ahnung(!) und die musste irgendwo hin. Tatsächlich war's ein Musiker, der mich auf den richtigen Weg brachte, als er meinen Redefluss mit den Worten stoppte: "Brauch' ich alles nicht! Ich hör' nur Musik." Peng! Da stand ich nun mit meinem ganzen Hochglanz-HiFi-Zeitungswissen und irgendwann wurde mir klar, das war (bei mir!) alles nur Ersatzbefriedigung. Musik hören kann ich auch auf einem Mono-Radiorecorder. Von da an wollte ich nicht mehr missionieren oder diskutieren.

- Egal, ob HiFi oder Gitarre - im Grunde geht's um… Wertschätzung!

Wertschätzung und Prioritäten: Ist Eure erste Priorität, Musik zu machen? Das könnt Ihr ohne Weiteres auf einer preiswerten Gitarre. Sie muss nur 'passen', d.h. für Euch bespielbar sein, für Euch gut klingen, für Euch schön aussehen und die Möglichkeit bieten, Euch zu steigern und weiterzuentwickeln. Damit ist diese Gitarre im Rahmen der vorhandenen Fähigkeiten angemessen und bekommt speziell für Euch einen Wert, der über die reinen Material- bzw. Anschaffungskosten hinaus geht.
Eines solltet Ihr dafür nach Möglichkeit allerdings tun. Die Gitarre in die Hand nehmen und antesten, mindestens anhören, wenn Ihr noch gar nicht spielen könnt. In jedem Musikladen arbeiten Leute, die können die Instrumente vorführen. Nur, kein Herumhexen auf den Saiten! Lasst sie einfache Akkorde und Pickings (auf die Ihr ja demnächst hinarbeiten werdet) in verschiedenen Lagen spielen, bei denen Ihr den Klang und die Eigenheiten der Gitarre heraushören und beurteilen könnt. Bei allem, was Ton und Klang betrifft, ist das eigene Gehör das beste Messinstrument, und das ist außerdem lernfähig!:great: Es funktioniert bloß nicht vom Sofa oder vom PC aus. Egal, wieviel Geld ihr ausgeben wollt oder könnt, lasst Euch Zeit bei Suche und Auswahl.

Ein Wort noch zum Thema gesperrte Decke, aber nicht von mir, sondern von dem Blues-Gitarristen Gregor Hilden, dann habe ich auch wenigstens 1 Experten im Programm (der ganz nebenbei jede Menge alte und teure E-Gitarren aufbereitet, aber, wenn ich richtig hingesehen habe, nicht eine einzige mit dem Hinweis 'vintage-mäßig' o.ä. verkauft): "…Galt bislang durchaus zu Recht die Prämisse, dass zumindest die Decke einer Gitarre massiv sein müsste, so soll bereits an dieser Stelle mit einem Hinweis bezüglich dieses Mythos vorausgegriffen werden: Vor wenigen Jahren demonstrierte Bob Taylor (Taylor Guitars USA), dass er sehr wohl in der Lage ist, eine durchaus vernünftig klingende OM-Steelstring selbst aus billigstem Palettensperrholz zu bauen, womit er selbst Fachleute verblüffen konnte. So sind vor allem die Konstruktion und die Bauweise einer Gitarre im hohen Maße dafür verantwortlich, wie das Geschöpf denn später nun zu klingen vermag…" (http://www.akustik-gitarre.com/Walden_Steelstring_WA-450_OM.245.0.html)

Gruß
TAMA TG 80

- - - Aktualisiert - - -

5. Die praktische Seite

Man hört im Prinzip immer wieder 2 Thesen: wer noch nicht spielen kann, braucht kein 'teures' Instrument - oder: auf einem 'billigen' Instrument vergeht der Spaß am Lernen:confused:. Für beide Thesen kenne ich entsprechende Beispiele und ich behaupte: es ist lediglich eine Sache der Einstellung!
Ein Gitarrensammler mit 30 oder mehr Instrumenten hat mir mal gesagt, eine 'gute' Gitarre fängt bei ihm in der Preisklasse ab 5000 € an:eek:. Na, herzlichen Glückwunsch, deswegen werde ich meine jetzte nicht vor lauter Gram verschrotten.:weep:
Zur Zeit stehen oder liegen bei mir 15 Gitarren herrum. Zwei davon waren (aus Anfänger-Sicht) ziemlich teuer. Die meisten sind sog. 'Billig-Gitarren' - ich bevorzuge die Bezeichnung preiswert oder günstig! - mit "gesperrter" (daher Sperrholz, bei dem aus Gründen der Stabilität zwei dünne Furnierholzflächen mit kreuz-versetzter Maserung aufeinander geleimt werden) bzw. "laminierter" Decke, zu denen ich mehrfach abwertende Kommentare gelesen habe. Meistens ungepflegte bis vernachlässigte Instrumente, die ich aufbereite und nach Möglichkeit wieder in einen vernünftigen, spielbaren Zustand versetze. Manche habe ich auch 'in Pflege' und bringe sie wieder auf 'Vordermann'. Alle diese Instrumente haben noch einen materiellen Wert. Habe ich eine Gitarre optisch und technisch wieder hingekriegt und sie entsprechend eingestellt, bekommt sie für mich auch einen immateriellen und ideellen Wert. Und da ich sie wertschätze, macht sie mir subjektiv Spaß,;) sieht 'gut' aus und klingt 'gut', obwohl sie mit meinen teuren Massivholz-Gitarren niemals mithalten könnte (die habe ich z.Zt. übrigens kaum noch in der Hand). Jede dieser 'Billig-Gitarren' würde ich dann mit gutem Gewissen einem Anfänger überlassen. Damit ich nicht zum Gitarren-Messie werde, muss ich eh irgendwann mal wieder welche abgeben. Neben der ganzen Arbeit entstehen Materialkosten (manche Werkzeuge sind echt a…teuer) und auch ein Hobby will finanziert werden.

Um Missverständnissen vorzubeugen: keine dieser Gitarren ist neuwertig! Ich kann maximal einen annähernd(!) neuwertigen Zustand erreichen, mit viel Arbeit, Geduld und dem Einsatz von Material, Pflegemitteln und entsprechenden Werkzeugen. Dann ist ihr Zustand eindeutig preis-werter als vorher, aber niemals würde ich sie als neuwertig bezeichnen oder verkaufen.

Solltet Ihr Euch für eine preiswerte bzw. günstige Gitarre entscheiden, könnt Ihr später mal in einer versierten Gitarrenwerkstatt das 'Setup' ändern, also ein gewisses Feintuning vornehmen lassen; dort erfahrt Ihr auch, was Sinn macht oder übertrieben ist. Ob Sättel, Stegeinlagen und Pins aus wertigeren Materialien mit höherer Dichte einen Klanggewinn bringen, lasse ich mal dahin gestellt. Manche schwören darauf und ich verwende sie mitunter auch bei meinen "Billig-Linden-Sperrholz-Klampfen". Ebenholz-Pins finde ich eh schöner, als die ollen Plastikdinger. Von Exemplaren mit verstellbarer Saitenlage per Steg-Schrauben lasse ich allerdings konsequent die Finger. Ich halte sowas für unseriös. Ebenso eine "hochwertige Gitarre mit Stimmgerät, Tasche, Gurt" und ohne Versandkosten für 49 €. Eine Premium-Pestosauce im Glas für 1,29 schmeckt trotz allem überwiegend sauer und wer für 4,99 einen guten Grappa erwartet, hat sich das anschließende Sodbrennen redlich verdient.:igitt:

Ob neu oder gebraucht, preiswert oder preis-intensiver, es gibt optische Merkmale, mit deren Hilfe Ihr Euch einen Eindruck vom Instrument machen könnt. Alle Nuancen des Klangs wahrzunehmen, ist für einen Anfänger ebenso schwer möglich, wie die Halskrümmung zu beurteilen, da fehlen Erfahrung und 'geschultes' Gehör bzw. Auge. Aber den optischen Eindruck könnt Ihr sehr wohl beurteilen! Wie auch in der Küche gilt, "das Auge isst mit". Lasst Euch aber nicht nur vom schönen Schein blenden; nehmt ihn wahr, aber achtet vor allem auf die Verarbeitung. Fangt mit der Lackierung an: ist sie gleichmäßig, sieht man Orangenhaut, sind 'Läufer' oder 'Nasen' zu sehen, hat der Lack alle Ecken und Winkel erreicht, ist es tatsächlich eine Lackierung, oder nur eine billige 'Verkaufsschüttung'? Übrigens: Jahre alter Lack sackt je nach Zusammensetzung im Lauf der Zeit mehr oder weniger in die Holzstruktur nach, das ist normal.

Geht mal mit Daumen und Zeigefinger an der Seite des Griffbrettes entlang und fühlt die Bundenden. Sind sie einfach nur scharf und unsauber abgeschnitten oder sind sie geglättet, stehen sie gar ein wenig über? Hier kann sich schon die Spreu vom Weizen trennen. Seht Euch das Griffbrett ebenfalls genau an und fühlt ggf. die Oberfläche. Palisander oder Rosewood sollte schon das Material der Wahl sein, weil es eine hohe Dichte und Härte besitzt und sich beim Greifen nicht so schnell abnutzt. Diese Hölzer haben als Griffbrett eine Längs-Struktur, eine dunkle Färbung, keine Löcher in der Oberfläche und sind nicht mit Farbe überzogen. Bewegt ein bißchen die Mechaniken. Sind sie leichtgängig, 'haken' sie, machen sie Geräusche? Das eine oder andere wird man bei einer preiswerten Gitarre in Kauf nehmen müssen. Für sie wird ein - logischerweise - geringerer Aufwand betrieben als bei teuren Modellen. In jedem Fall ist ein schwarz 'angepinseltes' Griffbrett absoluter Unfug. Die Farbe verhindert eine Pflege des Griffbrettes, da kann kein Öl und kein Pflegemittel einziehen, um die Geschmeidigkeit und Elastizität des Holzes zu erhalten. Die Farbe wird sich vor allem an den Kanten abnutzen, und dann schimmert das eigentliche Material stellenweise durch und das sieht wirklich 'billig' aus.

Zwei entscheidende Faktoren für den Klang einer Gitarre sind der Sattel (nut) unterhalb der Kopfplatte und die Stegeinlage (saddle). Zwischen diesen 2 Auflagen schwingen die Saiten, entsprechend sind sie die Übertrager der Schwingungen auf Hals, Decke und Korpus. Damit ist m.M.n. jede Diskussion zu und über Stege mit verstellbarer Stegeinlage (also mechanisch beweglich und zwangsläufig mehr oder weniger vom Korpus entkoppelt) obsolet. Um das Übertragungsverhalten zu optimieren, werden bei höherwertigen Gitarren wegen ihrer Dichte Materialien wie z.B. Knochen oder Tusq verwendet. Bei Bedarf lassen sich die Plastikteile also austauschen. Der Steg wird normalerweise mit einem Spezialleim auf die Decke geklebt, der 'glashart' wird und somit eine direkte Schwingungsübertragung auf den Korpus gewährleistet.

Ein weiterer Hinweis auf echte Billigproduktion (in der unteren Preisklasse!) sind mit der Decke verschraubte Stege. Man erkennt sie i.d.R. an den 2 eingesetzten Kunststoffpunkten unterhalb der Bridgepins. Darunter verbergen sich Schrauben, die den Steg auf der Decke halten sollen. Das spricht nicht nur für wenig Vertrauen des Herstellers in den hauseigenen Leim, sondern vor allem dafür, dass bei der Herstellung nicht entsprechend abgelagertes, sondern 'feuchtes', Holz verwendet wurde, dass nach der Produktion erst durchtrocknet. Wenn es sich dann verzieht, hat man im Zweifelsfall eine schöne Senke zwischen Schalloch und Steg. Dieser wird in Richtung Hals nach oben gezogen und der untere Teil der Decke wölbt sich ebenfalls deutlich nach oben (mitunter findet man so etwas auch bei Gitarren, die von ihrem Besitzer gerne vor der aufgedrehten Heizung geparkt wurden). In Tateinheit mit einem krummen - nicht zu verwechseln mit der 'natürlichen' Halskrümmung! - oder verbogenen Hals ist das Instrument in sich nicht mehr zu stimmen, von der Oktavreinheit ganz zu schweigen:(. Solche Geräte taugen nur noch als Brennholz oder Wanddekoration. Im besten Fall reißt noch der Steg ab! Als Anfänger würde ich im Zweifelsfall die Finger von solchen Exemplaren lassen.

MfG TAMA TG 80

- - - Aktualisiert - - -

6. Binsenweisheiten:rofl:

Klassische Zitate aus Online-Auktionen: "… repräsentieren den neuesten Stand der Technik und bieten Features, die in dieser Preisklasse wohl einmalig sind…die Instrumente der …Serie sind nach höchstem Standard gefertigt… MADE IN KOREA nicht wie die billigen Modelle in China…." oder "…Fender aus Mitte der Siebziger Jahre…in Japan gebaut als seinerzeit die Japaner die amerikanischen Gitarrenbauer komplett in die Ecke stellten…" und "…wie immer bei koreanischen Gitarren handwerklich erstklassig gemacht und bis zur Oberkante verziert…".
Abgesehen davon, dass auch die legendären, in jahrtausendealter und höchst menschenmöglicher Handwerkskunst verwurzelten, koreanischen Produktionsstätten 'nur' im Auftrag handelten und dementsprechend v.a. die hochwertigen Instrumente nach genauen Vorgaben fertigten - eines sollte in jedem Fall klar sein: eine sorgfältig in Handarbeit gebaute Gitarre mit hochwertiger Hardware, Perlmutt-Einlagen-Vollverzierung und ausgesuchten, massiven Hölzern, incl. integriertem Tonabnehmer mit Stimmgerät plus mundgeblasenem Koffer und Streicheleinheiten des Herstellers gibt's erst ab einer bestimmten Preisklasse.

Die Diskussion über die Herkunft begann, als die ersten japanischen Gitarren Anfang der 70er Jahre den europäischen Markt eroberten und die amerikanischen Vorbilder kopierten, aber deutlich weniger kosteten (Ende der 70er hatte bei uns in der Oberstufe niemand eine Gitarre, die nicht von den seinerzeit bekanntesten, japanischen Herstellern stammte, da die amerikanischen Originale entweder unerschwinglich waren oder sie kaum einer kannte. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie mir ein Bekannter stolz wie Oskar seine neue E-Gitarre zeigte, ein Exemplar aus der berühmten "Pro II"-Serie, und auch bei den Westerngitarren gab's entsprechend beliebte Modelle). Eine in aufwendiger Handarbeit gebaute Gitarre erfordert viel Arbeit und vor allem Zeit, und ist entsprechend teuer, egal, wo sie gebaut wird. Andererseits bleibt eine schlichte und komplett laminierte Dreadnaught, auch wenn innen noch ein "…legendäre(s) Red Label…" klebt, eine schlichte und komplett laminierte Dreadnaught, die vor 40 Jahren im Verhältnis auch nicht teurer war, als eine entsprechende Gitarre heutzutage. Die Phantasiepreise, die hier angepeilt - und teilweise auch gezahlt - werden, sind für mich nicht mehr nachvollziehbar (eine FG-180, Bj. Ende der 60er mit dem berühmten Red Label ging kürzlich für 327(!) Euro incl. Porto über den Tisch). Solche 'legendären Sammlerstücke', die "…sowieso nur ein Kenner…" kauft, solltet Ihr den entsprechenden Interessenten überlassen - den Sammlern und Kennern!

Seit damals geht die Reihenfolge so: japanische :igitt:Gitarren sind Schrott, weil die guten nur aus den USA :great:kommen - koreanische G.:igitt: sind Schrott, die Japaner:great: bauen viel bessere - damals, 'Made In Korea' :great:war echt noch Qualität, jetzt gibt's nur noch Billigmist:igitt: aus China! In 10 Jahren wird es heißen: "Lass die Finger von dem indischen oder vietnamesischen Ramsch, such 'ne Gitarre, die noch aus China kommt..." oder so ähnlich. Wetten?!

Das mittlerweile fast alle namhaften Hersteller kostengünstige Instrumente in China bauen lassen, ist ebenso wenig ein Geheimnis, wie die Tatsache, dass die niedrigen Lohnkosten im Reich der Mitte zu Lasten der Umwelt und der Gesundheit der Arbeiter gehen und von uns Konsumenten billigend in Kauf genommen werden, von Ausnahmen abgesehen. Das nennt man 'Angebot und Nachfrage' und ist nicht nur bei den Discounter-Billigklamotten so. Für Holzinstrumente benötigt man Holz, und auch das wird irgendwo geschlagen. Wie es die Eigenheit des Menschen an sich ist, haben auch die Instrumentenbauer in ausschließlich eigenem Interesse den Erdball solange nach entsprechenden Materialien abgegrast (ich will nicht gleich von Raubbau sprechen), dass in umweltbewussteren Ländern dem Holzeinschlag Grenzen gesetzt wurden, sowohl in Bezug auf die Art der Hölzer als auch deren Menge.
Irgendwann in naher Zukunft werden wir aufrechten Musik- und Instrumenten-Liebhaber-Gutmenschen:rolleyes: uns mit diesem Thema auseinandersetzen müssen! Das Argument, das von der Ausbeutung der Menschen abgesehen m.M.n. am ehesten gegen Billigproduktionen spricht, ist das der Materialverschwendung. Schnell zusammen geschusterte Geräte, leidlich gut angepinselt, ohne jegliche Begeisterung für das Produkt, ausschließlich für den schnellen Umsatz produziert (von ebenso gedankenlosen Kunden schnell gekauft und am Ende auf einer Auktionsplattform entsorgt), verplempern wertvolle Ressourcen. Das Problem des Ressourcenverbrauchs betrifft aber teure und günstige Gitarren gleichermaßen (man stelle sich nur mal vor, das Konjunkturpaket II aus dem Jahre 2009 wäre nicht nur für PKWs, sondern auch für Instrumente aufgelegt worden…)!

Das ist einer der Gründe, warum ich günstige, gebrauchte Gitarren aufbereite und in einen im eigentlichen Wortsinn preis-werten Zustand versetze. Sie sind bereits da, das Holz wurde schon geschlagen und verarbeitet.
Wo Ihr gerade 'Holz' sagt: das ist ein Naturmaterial, es 'arbeitet', nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie, je nach Witterung und Jahreszeit, auch wieder ab. Darauf kann man durchaus achten, das gehört zur Wertschätzung genauso dazu, wie Sorgfalt und die Pflege von Griffbrett, Saiten und Lackoberfläche! Für alle diese Problemstellungen gibt es Hilfsmittel und hilfreiche Tips hier im Forum oder Video-Tutorials im Internet. Muss man einiges ausprobieren. Wie gesagt, eine Sache der Einstellung…

So, liebe Gitarren-Anfänger und -Aufsteiger, mein Pulver ist verschossen. Nun seht zu … und viel Erfolg.
Gruß, TAMA TG 80

Eppilook: liibe annfenger, sait sorkfelltich un tuut auch anne fleege denkn…!


Sollte mein Halb- und Viertelwissen nicht ausgereicht haben und mir sind sachliche Fehler unterlaufen, bitte ich um Entschuldigung - und sachdienliche Hinweise, die ich einarbeiten kann.

An dieser Stelle sollte eigentlich die Selbstdarstellung folgen, genauer gesagt, eine Auflistung der o.g. Gitarren mit Kommentar. Nun ist der Text (mehr als) lang genug:nix: und ich möchte darauf verzichten. Sollte es aber für jemand von Interesse sein, was bei mir zu Hause steht oder was genau ich mit den Gitarren gemacht habe, kann ich das gerne nachholen.
 
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Hm.
Aber soll der arme Anfänger denn jetzt machen?
Lieber gar nicht erst anfangen, weil ihn schon beim Kauf der ersten nur Schwachsinn erzählt wird? Von sogenannten Experten? Nicht jeder kann sich mit einem der wenigen "echten" Experten wie dem unvermeidlichen GH (nichts gegen ihn!) in Verbimndung setzen. Der wird sich bedanken!

Und wenn irgendjemand es schafft aus Palettenholz eine tolle Gitarre zu bauen - wunderbar! Aber was bringt das einem Gitarrenanfänger, der wie der Ochs' vorm Berg steht und nicht weiss, was er kaufen soll? In den Laden gehen und sagen: "Habt Ihr auch Gitarren aus Paletten - Holz? Massive Decken werden - nur dass Ihr Euch darüber schon 'mal klar werdet - masslos überschätzt!"

Diese Abhandlung ist sicher ein ehrenwerter Versuch, aber letztlich auch nur eine umfassende Darstellung all dessen, was für die Auswahl einer Anfänger - Gitarre eventuell eine Rolle spielen könnte! Aber nicht mehr!

Nebenbei bemerkt: Warum muss eine Gitarre für einen Anfänger denn eine "Billig - Gitarre" sein?
 
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Hi,

ich hab mir jetzt mal deine zwei ganzen Texte durchgelesen und bin zu einem Schluss gekommen.
Es ist einerseits sehr schön, dass sich wieder jemand um das Thema kümmert, aber das Zitat ziemlich am Anfang...
'Herr Lehrer, Herr Lehrer, ich weiß was!"
würde ich jetzt auch irgendwie auf deine Beiträge zum Thema hier anwenden :redface:

Ich bin niemand, der absichtlich andere niedermachen will, doch das ist mir eben spontan bei der weitergehenden Lektüre eingefallen.
Es ist leider nichts dabei, was es irgendwo anders hier im Forum nicht schon gäbe.
Es ist bekannt, dass man Gitarren nicht blind bei eBay kaufen sollte, wenn man nicht den Spaß am "Basteln" hat,
schon gar nicht, wenn dransteht "top, selten, Rarität, Schnäppchen, Edelinstrument, vergoldet" etc.
Wir haben hier die Kaufberatungs-Threads, in denen immer wieder davor gewarnt wird, mehr als das kann man aber nicht tun.

Und wenn jemand daherkommt und meint "ja, die Hummingbird klingt viel besser als die schwarze Gitarre", dann ist es halt so.
Man kann niemandem das Recht verwehren, hier etwas zu posten, solange es den Nutzungsbedingungen entspicht. Das heißt,
jeder darf seine Meinung zu diesem oder jenem Instrument schildern, egal, wie es am Ende ausgeht.
Ich meine, dieser Thread ist auch nicht unbedingt nach meinem Geschmack, aber deine Kompetenz will ich dir nicht absprechen,
dafür weiß ich zu wenig über den Hintergrund des posts ;)

Habt Ihr dann noch gezielte, sachliche Detailfragen, versucht's mit der Suchfunktion im Forum.
Richtig! Aber mal ganz ehrlich... ich würde auch lieber mit echten Menschen reden, die mir sagen "TheByte, lass die Spaghetti im Regal
und kauf dir den Rollbraten", anstatt mit einer Ansage vom Band Vorlieb nehmen zu müssen, die irgendjemandem vor fünf Jahren mal
geraten hat: "Lieber ein Fleischgericht statt Nudeln. Ein Zwiebelrostbraten schmeckt z.B. sehr gut" :D Der Inhalt ist ähnlich, aber nicht gleich.
Möglicherweise hat das Regal inzwischen eine andere Auswahl, von der es vor ein paar Monaten noch kein Indiz gab :gruebel:

Also: einen Gang zurückschalten, die, die es adressiert, werden es höchstwahrscheinlich nicht lesen, denn sie haben erstmal
konkrete Probleme, die es zu lösen gilt. Und zwar konkret, nicht nur nebulös formuliert :p

MfG und viel Spaß noch hier im Forum!

Edit:
1.: wieder viel zu langsam...
2.:
An dieser Stelle sollte eigentlich die Selbstdarstellung folgen, genauer gesagt, eine Auflistung der o.g. Gitarren mit Kommentar. Nun ist der Text (mehr als) lang genug und ich möchte darauf verzichten. Sollte es aber für jemand von Interesse sein, was bei mir zu Hause steht oder was genau ich mit den Gitarren gemacht habe, kann ich das gerne nachholen.
Ja, ich will mehr wissen!!! ;)
 
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wall of text, null Inhalt. Sorry...

Es ist ja gut und ambitioniert geschrieben - kann man sich ausdrucken für lange Zugfahrten.
Lustig dass ganz am Ende steht "An dieser Stelle sollte eigentlich die Selbstdarstellung folgen"... die ganze Story ist eine einzige Selbstdarstellung.

Über die im Titel angesprochenen Billiggitarren wird man in diesem Sticky weit besser und bündig (!!) informiert
https://www.musiker-board.de/kaufberatung-git/410143-100-euro-gitarre-bitte-erst-hier-lesen.html
und auch jener Thread hat Anfänger nie davon abgehalten, selbst Fragen zu stellen.

Die Leute möchten nämlich gern beachtet werden und wollen, dass man sich um sie kümmert.
Einzeln und persönlich :)

Von 50 000 Leuten im Fußballstadion spielen lächerliche 22 mit dem Ball, aber die restlichen 49 978 sind alle Experten, die Hälfte davon permanent am Ende unzufrieden
Ich find zwar den Vergleich vorn und hinten nicht passend zu einem Forum, aber wenn ich mal drauf einsteige:
du stehst jetzt im Fussballstadion auf und fängst an, 49978 Leuten zu erzählen, dass sie das deiner Meinung nach falsch sehen. Und dann hälst du einen ellenlangen Vortrag, ohne zum Punkt zu kommen... wie erfolgversprechend ist das? ;)

Nichts für ungut. Und willkommen im Forum!
 
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Ich persönlich halte von Kaufberatung über Internetforen/Webseiten nichts, aber auch schon gar nichts.
Das ist alles zusammen mehr kabarettistischer Natur, zum Gaudium kann man da schon mitlesen, mehr aber nicht.

Besonders putzig finde ich die dutzendfach zu findenden Beiträge von ungefähr folgender Konstruktion:

"Ich habe XYZ kurz angespielt, hat mich aber nicht überzeugt!"
"Vom Amp "RST" war ich ganz von den Socken, nach einem halben Jahr kam ich drauf dass er "ABC" nicht das Wasser reichen kann"


Alles dann ohne nähere Erläuterungen und ohne Angabe der Bedingungen.
Satire pur!


Das ist genauso sinnlos wie die druffzillionen Youtube Reviews, mit verwackeltem Handy aufgenommen, völlig jenseitig in Bild u. Tonqualität, die sich erdreisten anzunehmen, dass irgendjemand der noch alle Tassen im Schrank hat, auch nur einen Cent auf solche Verworrenen Darbietungen setzt oder gar eine Kaufentscheidung danach trifft. Das trifft auch auf halbkommerzielle YT Videos zu die z.B. von einem stotternden Kasper (von welchem Versender ist der doch gleich?) als unfreiwillige(?) Comedy in die Welt gesetzt werden.
Von den Textbeiträgen bei Thomann z.B. unter den Produkten möchte ich gar nicht erst reden, das ist nur mehr krank dort.

Das Drama ist doch eigentlich, dass sich Viele gar nicht mehr zutrauen eigene Entscheidungen zu treffen ohne die allwissende Müllhalde des Internets zu befragen. Irgendwie sehr arm das.
 
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Vieles richtig davon.
Aber vielleicht solltest Du Dir 'mal überlegen, dass es etwas befremdlich ist, wenn die User z.B. dieses Boards, die ja selbst Teil der "Internet - Gemeinde" sich in dieser Art äußern. Also ein Phänomen ablehnen, für das sie auch selbst verantwortlich sind!
"Wer im Glashaus sitzt usw...."
Die einzige logische Konsequenz wäre dann der sofortige Ausstieg!
So kann das doch irgendwie auch nicht richtig sein, oder?
 
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So wie ich das sehe, kann man Reviews und Beratungen im Internet schon einen Nutzen abgewinnen, wenn man ein wenig sein Hirn einschaltet und versucht, die Spreu vom Weizen zu trennen. Wenn einer eine Billiggitarre in den allerhöchsten Tönen lobt, gehe ich davon aus, dass er nix Besseres kennt und ignoriere das Review. Wenn einer sachlich schreibt und die Qualität in Relation zum Preis setzt, vertraue ich dem schon eher.

Ganz gefeit ist man natürlich nie, zumal auch manchmal noch andere Interessen hinter einem Review stehen, aber ich bilde mir ein, im Grpßen und Ganzen mit kritischem Lesen schon ein grobes Bild erhalten zu können.

Banjo
 
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Die einzige logische Konsequenz wäre dann der sofortige Ausstieg!
So kann das doch irgendwie auch nicht richtig sein, oder?
Gibt es nicht schon zu viele Internetforen in denen sich zu viele Leute tummeln die von sich meinen die (unüberprüfbare) Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben?(*). Genauso wie man in den Onlinekatalogen der Versender von der Produktvielfalt erschlagen sein kann, kann man auch durch das Einholen von zu vielen, einander oft widersprechenden, Informationen unterm Strich komplett neben den Schuhen stehen. Schau dir mal die 200.-€ Gitarrethreads unter diesem Aspekt an und du weißt was ich meine.


"Wer im Glashaus sitzt usw...."
Ich fühle mich da nicht betroffen, Kaufberatung werde ich niemals über Internetforen einholen.

(*) Ich nehme mich da selbst gar nicht aus

- - - Aktualisiert - - -

S(...)aber ich bilde mir ein, im Grpßen und Ganzen mit kritischem Lesen schon ein grobes Bild erhalten zu können.
Kann man IMHO nicht, weil je nach dem letzten Hype der ansteht, mal die mal jene Sau durchs Dorf getrieben wird.
 
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Kann man IMHO nicht, weil je nach dem letzten Hype der ansteht, mal die mal jene Sau durchs Dorf getrieben wird.

Naja, ich denke, mit etwas Erfahrung und gesundem Menschenverstand sollte man nicht jedem Hype aufsitzen! Ich denke 'mal ein paar Jahre oder Jahrzehnte Beschäftigung mit Musik und Gitarren sollten da ausreichen! Es geht hier ja nicht um Quantenphysik, sondern um relativ handfeste, überschaubare Dinge!

Aber vielleicht ist ja genau das die Hauptaufgabe, die "erfahrenere User" übernehmen sollten: jüngere und Anfänger von den gröbsten Fehler abzuhalten.... .

Dazu muss der unerfahrenere allerdings so viel Vertrauen aufbringen, dass er nicht sofort jeden Tipp als Klugscheisserei auffasst!
 
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Naja, ich denke, mit etwas Erfahrung und gesundem Menschenverstand sollte man nicht jedem Hype aufsitzen!
Kann sein, wenn ich mir hier aber so manchen Thread durchlese ist Verstand, zumal der "gesunde" oft recht dünn verteilt.
--- Offtopic-Absatz gelöscht. Banjo ---

Dazu muss der unerfahrenere allerdings so viel Vertrauen aufbringen, dass er nicht sofort jeden Tipp als Klugscheisserei auffasst!
Naja, wobei sich das, wie erst in einem laufenden Thread hier zu lesen, eigentlich darin erschöpft, dass ein halbes Dutzend erfahrene Leute meinen: "Hinfahren, selbst anspielen ..."
Für die Erkenntnis brauchen wir das ganze Forum hier,?
 
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Genau... für die Erkenntnis "Hinfahren, anspielen, mehr anspielen!" brauchen wir das Forum.
 
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Ich hab mir unlängst ne Gareer CG BK LP und nen Peavey 15 gebraucht im set gekauft, verscheide Anbieter verkaufen die Gitarre allein zwischen 500 und 400 Euronen, man kann also nicht behaupten das diese Billig ist, erstaunt war ich jedoch von der Tatsache das die Tuning Brücke 180 ° falsch montiert war, man konnte ergo noch nicht mal an die Schrauben um die Oktavreinheit einzustellen, auch die Seitenführung war unter aller Sau, selbst im zweiten Bund mussten meine Finger noch leiden, jetzt liegen die Saiten super flach ohne zu Schnarren und man kann sie seicht andrücken ;-)

Ich denke was wirklich wichtig iss ist ein wenig allgemein info.. man kann aus allem was machen, ich hab mich belesen und hab mir die Career dann so zurechtgelegt wie es mir liegt, es hat mich dennoch verwundert in welchen zustand sie war.. sie hatte vor 6 Jahren den laden verlassen, sonst keine Mängel.. schön gepflegt, auch die Orginalsaiten waren angeblich noch drauf.

Als Anfänger war es mir ziemlich egal ob der Korpus aus Linde oder Mahagoni ist.. ich würde mir jederzeit auch ne billig Gitarre kaufen, die war eigentlich auch schon bestellt ging aber wieder wegen Versandschaden zurück.

Wichtig iss doch nur dass das Teil Anfänger tauglich ist und man Spaß dran findet, gebrauchtes würde ich nur vor Ort kaufen... das macht Sinn.


Gruß
 
gidarr
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wie ich sehe, ist man vom "Sinn und Unsinn von Billiggitarren" nun auf das ergiebigere Thema gekommen "Über den Sinn und Unsinn des Forums".
Da wird ganz schlüssig vorgetragen: eine Kaufberatung ist nicht recht. Und keine Kaufberatung ist auch nicht recht. Aha.
Und überhaupt das Internet, so viele Leute schreiben soviel dummes Zeug...
Meine Frage ist an die, die so denken: was machst du eigentlich hier? :)


Für all diejenigen, denen das lange Lesen in so einem Forum zu umständlich und sinnlos ist. Ich habe hier ein kleines Forum zum Mitnehmen erstellt. Egal welche Fragen noch gestellt werden, alles ist darin erschöpfend und vollständig behandelt.

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Rubrik Kaufberatung
Antwort:
Hinfahren, selbst anspielen!
(Thema geschlossen)

spezifische Fragen zu Produkten/Problemen
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(Thema geschlossen)

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Fragen zur Spieltechnik
Antwort:
üben, üben, üben!
(Thema geschlossen)

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Meine Frage ist an die, die so denken: was machst du eigentlich hier? :)
Ich für mein Teil habe die Antwort darauf schon weiter oben im Thread gegeben und zwar deutlich.
Zweitens: Gottlob besteht diese Forum nicht nur aus Kaufberatungen, das wäre in der Tat eine etwas dünne Suppe, wenn das aber für dich der wichtigste Teil der Inhalte ist, sei es dir unbenommen..
 
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